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In der US-Stadt Denver bekommen Obdachlose nun 1.000 Dollar Grundeinkommen im Monat

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In der US-Stadt Denver bekommen Obdachlose nun 1.000 Dollar Grundeinkommen im Monat

Denver (Foto: Unsplash/Denisse Leon)

Foto: Unsplash/Denisse Leon

Ingo Geiger Ingo Geiger
in Internationales
Lesezeit:3 Minuten
3. Oktober 2022
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Obdachlose Menschen in Denver erhalten ab November ein bedingungsloses Grundeinkommen. Ein Jahr lang bekommen 140 wohnungslose Personen 1.000 Dollar pro Monat ausgezahlt – ganz ohne Voraussetzungen erfüllen zu müssen. Das “Denver Basic Income Project” soll nicht nur den Betroffenen helfen, sondern auch untersuchen, wofür die Menschen ihr bedingungsloses Einkommen ausgeben – und ob sich dadurch die Lebenssituation der Menschen nachhaltig verbessert. 

Los Angeles, Houston, San Francisco: Wie viele andere amerikanische Großstädte hat Denver ein riesiges soziales Problem: Obdachlosigkeit und Menschen, die in Armut leben müssen. Die Zahl der wohnungslosen Menschen steigt täglich. Gründe dafür gibt es viele: zu teure Wohnungen, kein umfassender Sozialstaat oder auch Krisen mit ihren Folgen. Je nachdem, wen man fragt, variiert die Anzahl der Betroffenen in Denver zwischen 4.000 und 20.000 Menschen. 

Längst drehen sich die Diskussionen nicht mehr um die Anzahl der obdachlosen Menschen, sondern darum, wie man ihnen am besten helfen kann. Denn die provisorischen Camps der obdachlosen Menschen sind nur noch schwer zu übersehen. Sie zelten in Parks, auf Parkplätzen und auf dem Gelände öffentlicher Schulen. Das Problem ist sichtbarer denn je. Mit dem “Basic Income Projekt” startet Denver jetzt einen Versuch der etwas anderen Art.

Das “Basic Income Project” in Denver: Obdachlose Menschen erhalten bedingungsloses Grundeinkommen

Die Idee ist einfach: Obdachlose Menschen erhalten ein Jahr lang ein bedingungsloses Einkommen über 1.000 Dollar pro Monat. Dabei sind sie an keine Vorgaben gebunden – das heißt, sie dürfen selbst entscheiden, wofür sie das Geld ausgeben. Das Projekt soll umgerechnet ca. 9 Millionen Euro kosten und wird von der Stadt, von diversen gemeinnützigen Organisationen und durch private Spenden finanziert. 

Die Initiator:innen möchten nicht nur helfen, sondern auch herausfinden, ob ein solches bedingungsloses Einkommen die schwierige Lebenssituation der wohnungslosen Menschen nachhaltig verbessert. Eine Frage ist dabei für sie besonders interessant: Wofür gegeben die Menschen das Geld aus, wenn sie die freie Wahl haben? 

“Direkte Bargeldzahlungen tragen dazu bei, die Ungleichheit zu beseitigen und eine gesündere Gemeinschaft hier in Denver aufzubauen” so Mark Donova.

Donova hat das “Denver Basic Income Projekt” gegründet. Es soll zu “einer gesünderen, sozialeren und auf das Allgemeinwohl ausgerichtet” Gesellschaft beitragen. Er hofft auch darauf, dass sich andere Städte ein Beispiel an dem Projekt nehmen. Unterstützt wird es von der Organisation “Majors for a Guaranteed Income” und vom Denver’s Bürgermeister Michael B. Hancock. 

Studie: Grundeinkommen gibt obdachlosen Menschen wieder Hoffnung

Ein ähnliches Projekt wurde bereits im kalifornischen Stockton durchgeführt. Auch hier erhielten obdachlose Personen ein bedingungsloses Grundeinkommen – allerdings weniger, nämlich nur 500 Dollar pro Monat. 

Die gewonnen Studienergebnisse geben Grund zur Hoffnung: So gaben die Betroffenen an, dass sie sich wesentlich gesünder und emotional gefestigt fühlten. Angstzustände, Stress und Hoffnungslosigkeit haben abgenommen. Das Einkommen gab ihnen Stabilität, Sicherheit und die Rückkehr zu einem selbst bestimmten und würdevollen Leben als Teil der Gesellschaft.

Ganz nebenbei stieg auch die Beschäftigungsrate weiter an: Hatten zu Beginn der Studie gerade einmal 28 Prozent eine Festanstellung, waren es ein Jahr später bereits 40 Prozent der wohnungslosen Menschen. Durch das bedingungslose Grundeinkommen erhielten diese Menschen ein zweite Chance. 

Obdachlosigkeit in Denver: People of Color sind verhältnismäßig oft betroffen

Ein Bericht der “Metro Denver Homeless Initiative” verdeutlicht, wie ernst die Lage in der Region ist: 2021 waren fast doppelt so viele Menschen obdachlos wie noch im Jahr zuvor. Knapp 40 Prozent der Betroffen leben und schlafen auf der Straße. 

Von den 10.870 erfassten wohnungslosen Menschen im Raum Denver waren 2021 mehr als ein Fünftel People of Color. Das ist viermal so hoch, wie der proportionale Anteil der People of Color an der US-Bevölkerung. Die Obdachlosigkeit in Denver offenbart den immer noch vorhandenen strukturellen Rassismus in den USA. 

Bedingungslose Grundeinkommen als Neustart und Mittel gegen die Obdachlosigkeit

Das bedingungslose Grundeinkommen soll Menschen dabei helfen, wieder auf eigenen Füßen zu stehen. Es soll sie entlasten und ihnen einen Wiedereinstieg in die Gesellschaft ermöglichen – ganz ohne Zwang. Damit verbessert sich nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch der soziale Zusammenhalt. Schlussendlich ist es ein Mittel gegen die Armut und gegen die Obdachlosigkeit. Ein Mittel, das nicht nur die amerikanische Gesellschaft dringend braucht. 

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6 Comments
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Janet
Janet
5. Juli 2024 19:20

Aufrechtzuerhalten würden auch Pensionen sein, die einem aberkannt werden, wird man öfters arbeitslos gemacht: von selbst wird man das ja nicht.

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Christoph Baumgarten
Christoph Baumgarten
5. Oktober 2022 09:42

Der Artikel ist in mehrfacher Hinsicht irreführend. Was die Stadt Denver hier macht ist eben kein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Zahlung ist eben an eine Bedingung geknüpft: Man muss obdachlos sein.
Das Ganze ist also eine Sozialhilfe für Obdachlose, nicht mehr, nicht weniger.

Einfach falsch: „Von den 10.870 erfassten wohnungslosen Menschen im Raum Denver waren 2021 mehr als ein Fünftel People of Color. Das ist viermal so hoch, wie der proportionale Anteil der People of Color an der US-Bevölkerung. Die Obdachlosigkeit in Denver offenbart den immer noch vorhandenen strukturellen Rassismus in den USA“

Der Anteil allein von Afroamerikanern an der US-Bevölkerung beträgt etwa zehn Prozent. Dazu kommen noch Hispanics, Amerikanische Indianer, Amerikaner asiatischer Abstammung etc. – knapp die Hälfte der US-Bevölkerung. In Denver selbst beträgt der Anteil „Nicht-Weißer“ ziemlich genau 20 Prozent. Also ein Fünftel.

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JY
JY
Reply to  Christoph Baumgarten
5. Juli 2024 19:12

Zugutehalten darf man zumindest einem der 50 Staaten, dass für die Leute gesorgt wird, wenn denn aus verschiedenen Gründen ständig weniger menschliche Arbeit anfällt. Oder wem wird die gierige Pseudoelite die Produktion andrehen, wenn’s keine kaufkräftigen Abnehmer mehr gibt? – Den anderen? Das hofft ja jeder und jeder handelt auch gleich. Das kann nicht gehen.

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JY
JY
Reply to  Christoph Baumgarten
5. Juli 2024 19:17

Das Wort Sozialhilfe wird offensichtlich nicht nur von den meinungsbildenden Medien verrissen, sondern auch schon von den Meinungsgebildeten; und das ist gefährlich, will man Frieden als aufrecht zu erhalten annehmen.

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Janet
Janet
Reply to  Christoph Baumgarten
5. Juli 2024 19:23

In den 40ern hat es einen gegeben, der das vorweggenommen aber nicht mehr geschafft hat.

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Was heißt
Was heißt
Reply to  Christoph Baumgarten
18. Juli 2024 18:50

hier struktureller Rassismus? Die Probleme, die von Polizei etc. auszugehen scheinen, sind nicht auf Weiße gegen Schwarze bezogen, wie die meisten glauben. Von Schwarz zu Schwarz geschieht genau dasselbe. Dazu gibt es genaue Studien, wie eine Sendung in n.tv oder ZDF info vor kurzem gezeigt hat. Ich weiß nicht mehr genau, welcher Sender es war, aber ich schaue meistens einen dieser beiden.

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Ingeborg Bachmann (1926–1973) war eine österreichische Schriftstellerin, die der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur eine neue, scharfe Sprache gab. In ihrem Gedichtband „Die gestundete Zeit“ schrieb sie über Krieg, Schuld und das fragile Weiterleben nach 1945. Ihr Roman „Malina“ erzählt von Identität, Macht und den inneren Brüchen einer Frau. Bachmanns Werk wirkt bis heute, weil es persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Gewalt eng miteinander verbindet. Zitat: Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht. Ingeborg Bachmann

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