Verteilungsgerechtigkeit

SPÖ will 1.700 Euro Mindestlohn – So funktioniert der Mindestlohn in anderen Ländern

Die SPÖ will den Mindestlohn in Österreich auf 1.700 Euro erhöhen. Das Einkommen bis 1.700 soll außerdem steuerfrei sein. Wem bringt das etwas und wie sind die Erfahrungen aus anderen Ländern?

Jeder 2. Österreicher hat am Monatsende kein Geld mehr am Konto. Der Grund: Die Löhne sind zu niedrig. Denn obwohl 93 Prozent der Befragten ihre Ausgaben kontrollieren und sehr aufs Geld schauen, reicht das Einkommen nicht aus. Gerade Menschen mit kleinen Einkommen leiden unter den steigenden Kosten.

So sind die Ausgaben für das Wohnen für Kleinverdiener 3 Mal so stark gestiegen wie für Gutverdiener.

Die SPÖ fordert daher einen Mindestlohn von 1.700 Euro im Monat. 7 von 10 Österreichern unterstützen diese Forderung laut einer aktuellen Umfrage. Gleichzeitig sollen die ersten 1.700 Euro steuerfrei sein: Bei 1.700 14-mal jährlich bringt das rund 1.216 Euro Steuerersparnis.

Seit 2017 gilt ein Mindestlohn von 1.500 Euro

In Österreich gibt es keinen gesetzlich festgelegten Mindestlohn. Da allerdings 99 Prozent der Beschäftigten Kollektivverträgen unterliegen, gibt es für fast alle Arbeitnehmer einen Branchen-Mindestlohn. Zuletzt hat die SPÖ 2017 einen Mindestlohn von 1.500 Euro gefordert. Die ÖVP unter Vizekanzler Mitterlehner hat sie dabei unterstützt. Die Sozialpartner haben daraufhin vereinbart, dass kein Kollektivvertrags-Abschluss mehr unter 1.500 Euro liegen darf.

Deutschland zeigt: Mindestlohn sorgt für mehr gute Jobs

Das Beispiel Deutschland zeigt, wie Mindestlöhne sowohl den Arbeitnehmerinnen als auch der Wirtschaft zugutekommen. Dort wurde 2015 ein Mindestlohn in der Höhe von 8,5 Euro/Stunde eingeführt. In zahlreichen Niedriglohn-Sektoren hat der Mindestlohn zu deutlich höheren Löhnen geführt. Prekäre Mini-Jobs sind in normale Jobs mit Sozialversicherung umgewandelt wurden.

Die deutsche Arbeitslosigkeit ist auf einem Rekordtief – und das vor allem, weil höhere Löhne die private Konsumnachfrage angekurbelt haben. So nimmt der Bedarf an Arbeitskräften weiter zu.

Auch das Beispiel USA zeigt, dass Mindestlöhne aus schlechten Jobs bessere Arbeit machen: In Bundesstaaten mit Mindestlohn steigen die Löhne und die Arbeitsverträge werden langfristiger. Mittlerweile scheint es Konsens in den USA zu sein, dass höhere Mindestlöhne keine negativen Beschäftigungseffekte mit sich bringen, aber dafür die Lohnungleichheit reduzieren.

Warum 1.700 Euro?

Löhne sind dann existenzsichernd, wenn sie über 60 Prozent des mittleren Lohns (also des Medianeinkommens) eines Landes liegen. Das heißt: Wer weniger verdient, muss staatliche Unterstützung (Wohnbeihilfe, Mindestsicherung, etc.) beantragen, um sich das Leben leisten zu können. 1.700 Euro entsprechen diesen 60 Prozent.

Mehr zum Thema

SPÖ will 1.700 Euro Mindestlohn – So funktioniert der Mindestlohn in anderen Ländern
Wir recherchieren und überprüfen die Inhalte und Fakten in unseren Beiträgen. Du hast trotzdem einen Fehler entdeckt? Oder Anregungen und Ergänzungen? Bitte schick uns eine Nachricht.
Wir recherchieren und überprüfen die Inhalte und Fakten in unseren Beiträgen. Du hast trotzdem einen Fehler entdeckt? Bitte schick uns eine Nachricht.
3 Kommentare

3
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
neueste älteste meiste Bewertungen
Raimund Ortner
Raimund Ortner

Irgendwie ist die Definiton 60% des Medianeinkommens sinnfrei. Hebe ich mit dem Mindestlohn doch auch den Median an, und eigentlich liegen dann immer akke drunter. Per dieser Definition ist mathematisch soziale Gerechtigkeit erst dann erreicht wenn alle gleich viel verdienen

Matti Illoinen
Matti Illoinen

In Deutschland, haben 40% der AN weniger als 2000 Euro brutto im Monat, und können sich im Alter auf Grundsicherung einsteillen.(Sozialhilfe mit Bedürftigkeitsprüfung) Der sog. Minestlohn in Deutschland reicht zum überleben nicht. Im Ausland wird Deutschland schon als „Niedriglohn Land“ verspottet. Ein Armutszeugnis für die Politik in Deutschland.

Ohne Geld kein Kampf
Ohne Geld kein Kampf

ohne Geld kein Streit, ohne Geld keine Gier, ohne Geld keine Umweltzerstörung, ohne Geld kein Massenvernichtungskrieg, ohne Geld keine Ausbeutung, ohne Geld funktioniert aber die Privatisierung nicht, weil ihre Gier das gesamte Übel der Menschheit ist. Ohne Geld mehr Staat, aber keiner, der Industriellen alles auf Kosten der Völker in den gierigen Arsch steckt. Ich fordere: Den Staat über alles, Zurückdrängung der Industrie, und weil immer weniger Arbeit ist, was ja gut sein kann, würden Menschen klug, wovon ich nicht ausgehen kann, dass die zu erfüllende Arbeit von Gruppen gemacht wird, die öfters ausgetauscht werden. Fazit: Weniger Lebenszeitverschwendung durch weniger… Weiterlesen »

Einfach anmelden und keinen Artikel mehr verpassen.
Anmelden
Mit einem Klick auf "Anmelden" akzeptieren
Sie die Privacy Policy von Kontrast.
close-image

Send this to a friend

Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können.