Bildung

Lehre mit Matura: Warum ist das nicht selbstverständlich?

Seit 2008 gibt es das Programm Lehre mit Matura. In vielen Betrieben kann das Programm in der Arbeitszeit absolviert werden, viele Chefs verweigern das den Lehrlingen aber. Die Gewerkschaft fordert einen Rechtsanspruch auf Lehre mit Matura in der Arbeitszeit und hat erste Erfolge in der Holzindustrie, bei den Banken und in der außeruniversitären Forschung erzielt. 

Im Jahr 2021 gab es 107.000 Lehrlinge in Österreich, jeder zehnte von ihnen nahm die Möglichkeit in Anspruch, eine Lehre mit Matura abzuschließen. Seit es das Programm „Lehre mit Matura“ gibt, ist die Anzahl der AbsolventInnen kontinuierlich gestiegen – von knapp 1.200 Personen im Jahr 2013 auf  über 10.853 im Jahr 2021. Gleichzeitig brechen auch viele Lehrlinge ihre Teilnahme am Programm wieder ab, bis 2020 waren es mehr als ein Drittel (36%) aller ursprünglichen TeilnehmerInnen. Vielfach scheitern die Lehrlinge an der dreifachen Belastung zwischen Betrieb, Berufsschule und Matura-Vorbereitungskursen, abseits von Wien kommen auch noch Wegzeiten zwischen Betrieb, Kursort und Wohnort dazu.

Lehre mit Matura in der Arbeitszeit als Rechtsanspruch

Die Lehre mit Matura kann aktuell in drei Varianten absolviert werden: In der Arbeitszeit, in der Arbeitszeit mit einer Lehrzeitverlängerung und in der Freizeit. Die Entscheidung ob ein Lehrling die Möglichkeit bekommt, die Kurse in der Arbeitszeit zu absolvieren, liegt beim Chef. Die Lehrlinge wünschen sich, das Programm in der Arbeitszeit absolvieren zu können – außerhalb der Arbeitszeit steigt die Belastung und die Abbruchwahrscheinlichkeit. Daran arbeitet die Gewerkschaft GPA im Rahmen ihrer Kollektivvertragsabschlüsse.

Mit dem Kollektivvertrag der außeruniversitären Forschung gibt es jetzt erstmals einen Rechtsanspruch für Lehrlinge, mindestens 520 Stunden der Vorbereitungskurse auf die Arbeitszeit anzurechnen. Bei einer Lehre im Bank-Bereich gibt es mindestens fünf Tage bezahlte Freistellung pro Jahr zur Prüfungsvorbereitung. Und mit dem neuen Kollektivvertrag für die Holzindustrie gibt es eine wöchentliche Anrechnung von bis zu 8 Stunden auf die Arbeitszeit. Viele Unternehmen beklagen sich über den Mangel an Fachkräften: Die Garantie, die Lehre mit Matura in der Arbeitszeit absolvieren zu können, ist ein Baustein von vielen, um die Lehre real aufzuwerten.

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