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Handle lokal! Was Österreichs Länder und Gemeinden für das Klima machen

©️ Wien Energie/Michael Horak

Klimaneutralität ist das Gebot der Stunde. Dafür braucht es vor allem eine Änderung bei den ganz Großen und neue globale Regeln. Doch auf lokaler Ebene passiert viel. Wir haben uns ein paar Vorzeige-Beispiele in Österreich rausgesucht. 

Strom und Wärme durch die Sonne

Österreichs größtes Solarkraftwerk

Ein wichtiger Teil des Klimaschutzes ist bekanntlich die Energiewende, also der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen hin zu einem nachhaltigen Energiesystem. Wien hat das ambitionierte Ziel, bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energie von etwa 19 Prozent auf 30 Prozent, bis 2050 sogar auf 70 Prozent, zu erhöhen. Deshalb soll auch die erzeugte Energie aus Photovoltaik (PV) deutlich zunehmen und bis 2030 den Strombedarf von einer Viertelmillion Haushalte decken. Ein Schritt auf diesem Weg ist das BürgerInnen-Solarkraftwerk Schafflerhofstraße, das ca. 4.900 Haushalte mit umweltfreundlichem Strom versorgt. Damit ist das Kraftwerk das größte österreichweit und ein Vorzeigebeispiel für nachhaltige und effiziente Bodennutzung. Denn von Frühling bis Herbst dient dieser Grund zusätzlich als Weidefläche für 150 Juraschafe. Außerdem ist ein Teil des Solarkraftwerks eine sogenannte Agrar-Photovoltaikanlage und ermöglicht durch vertikale Solarständer gleichzeitig landwirtschaftliche Nutzung.

Im größten Solarkraftwerk Österreichs, in der Donaustadt in Wien, grasen von April  bis Oktober 150 Schafe. © Wien Energie/Michael Horak

Kärnten – größte solarthermische Anlage Österreichs 

Nicht Strom, sondern Wärme entsteht in der österreichweit größten solarthermischen Anlage in Kärnten. Der fast 6.000 Quadratmeter große Solarpark Friesach versorgt seit seiner Eröffnung im August 2021 die FriesacherInnen mit Warmwasser und Heizwärme. 2,5 Millionen Kilowattstunden bzw. den Jahresbedarf von rund 500 Wohnungen können mit dieser Wärme gedeckt werden. Auch hier hat ein Bürgerbeteiligungsmodell – neben Förderungen vom Land Kärnten und dem Klima- und Energiefonds – die Finanzierung sichergestellt.

Energieautark mit grünem Strom

Wind- und Sonnenenergie im Burgenland

Eine besondere Vorreiterrolle bei erneuerbarer Energie nimmt das Burgenland ein. Es zeigt vor, wie sich Regionen energieautark versorgen können.

Das Burgenland deckt seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien. Doch nicht nur das: Im Burgenland wird so viel Strom erzeugt, dass auch andere Regionen mitversorgt werden. Damit ist das Burgenland ein Vorbild für ganz Europa.

2006 beschloss der dortige Landtag bis 2013 seinen gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Das Versprechen wurde nicht nur gehalten, sondern sogar übertroffen: Das Burgenland deckt 150 % seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energiequellen und kann damit zur Versorgung anderer Regionen beitragen. Das ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Ausbaus –  im Jahr 2000 lag der Anteil erneuerbarer Energien noch bei drei Prozent.

Energieautarkes Neudau

Doch auch hinter der burgenländischen Landesgrenze, in der 1.600 Einwohner-Gemeinde Neudau in der Steiermark wird die energieautarke Stromversorgung Ende 2021 Realität sein.  Gelungen ist das unter anderem mit dem jahrelangen, kontinuierlichen Ausbau von Photovoltaik-Anlagen, einer Hackschnitzelanlage sowie einem Fluss-Kleinkraftwerk. So befinden sich etwa auf dem Dach der Mittelschule oder der Mehrzweckhalle Solar-Anlagen. Doch bei der Selbstversorgung bleibt Neudau nicht stehen. Zukünftig will die Gemeinde sechsmal den Eigenbedarf produzieren und so auch andere Regionen bei der klimafreundlichen Stromgewinnung unterstützen. In der „Vorzeigegemeinde im ländlichen Raum“ geht es dabei auch um verkehrsberuhigende Maßnahmen, neue Radwege, den Ausbau der E-Mobilität, kombiniert mit dem Ausbau sozialer und Bildungseinrichtungen.

Die Mehrzweckhalle in Neudau hat inzwischen auch ein Solar-Dach. © Wolfgang Dolesch, Facebook

Naturbanes Wohnen

Häuser aus Holz, Fassaden mit Pflanzen

Neben Energie, Mobilität und Infrastruktur, ist auch Wohnen ein wichtiger Faktor im Bereich Klimaschutz. Das betrifft beispielsweise die nachhaltige Bauweise und Sanierung von Gebäuden. So setzt Wien etwa auf klimafreundliche Materialien wie Holz, Belüftungssysteme, Kühlung und Beschattung, aber auch auf Fassadenbegrünung bei bestehenden Häusern. Die Do-it-yourself Fassadenbegrünung ist aufgrund der Förderung in Wien sogar gratis.

Supergrätzl

Beim Thema Wohnen gilt es allerdings auch die Umgebung zu berücksichtigen und soziale sowie ökologische Aspekte ebenso miteinander zu verbinden wie Verkehrsfragen und solidarisches Zusammenleben. Dabei greifen Bezirke und Gemeinden auch auf Best Practice-Beispiele aus anderen Ländern zurück. So entsteht in Favoriten, dem 10. Wiener Gemeindebezirk, ein Supergrätzl, das sich an den sogenannten Superblocks in Barcelona orientiert. „Mehr Grün, mehr Freiraum und weniger Verkehr“ ist die Devise. Vor allem für jene, die dort wohnen, bedeutet das eine deutliche Steigerung der Lebensqualität.

Das Favoritner Supergrätzl zieht sich über mehrere Häuserblocks und vereint Cooling- und Begrünungsmaßnahmen mit großflächiger Verkehrsberuhigung. Fuß- und Radverkehr wird gefördert, die Öffi-Anbindung optimiert und motorisierter Durchzugsverkehr verbannt. Die Bevölkerung kann bei der Umsetzung mitreden, auch weil es bei dem Projekt einen starken Fokus auf dem sozialen Miteinander und der Teilhabe im Grätzl gibt. In Zukunft fördert dieser Umbau darüber hinaus die lokale Versorgung, die soziale Infrastruktur und damit letztlich auch die Grätzl-Identität.

 

©StadtWien/MA18/MA41

 

©StadtWien/MA18/MA41

hi Harbach und Biotope City – leistbares und ökologisches Wohnen

Nicht nur im Bestand geht es darum, klimapolitische Maßnahmen mit jenen des sozialen Wohnbaus, sozialer Infrastruktur und gutem Zusammenleben zu kombinieren. Mit dem Projekt „hi Harbach“ entsteht ein neuer Stadtteil in Klagenfurt, der bis 2030 rund 850 neue Wohnungen samt sozialer Infrastruktur vorsieht. Alle Generationen, von Studierenden und Familien bis PensionistInnen, unabhängig ihrer Lebenslagen und Einkommenssituation, sollen dort Platz finden. Soziale Durchmischung, leistbarer Wohnraum und eine hohe Lebensqualität für alle sind die Prämissen des Projekts und schließen dabei auch nachhaltige Ziele mit ein: energieeffiziente Bauweise, viel öffentlicher Frei- und Grünraum, ein umweltfreundliches Mobilitätskonzept mit Ladestationen für E-Autos und E-Räder samt enger Anbindung ans Busnetz, Beschattungssysteme sowie Fassenden- und Dachbegrünung. Das Warmwasser kommt von den PV-Anlangen auf den Dächern und die Kühlung der Gebäude soll mithilfe des Grundwassers gelingen.

Auch die Biotope City Wienerberg, das ökologische Vorzeigeprojekt in Favoriten in Wien, setzt auf die Verbindung von sozialen und nachhaltigen Zielen. Weil die Gebäudestruktur, die Materialien, die Begrünung und der Freiraum auf ökologische Kriterien abgestimmt sind, erhielt das Wohnprojekt sogar die Platinum Auszeichnung von GREENPASS und ist damit das erste klimafitte Stadtquartier weltweit. Für die rund 2.000 BewohnerInnen des autofreien Stadtteils zeigt sich das etwa in der 2°C kühleren Durchluft.

Kreative Ansätze auf lokaler Ebene

Auf Gemeindeebene lassen sich kreative Lösungen finden, die auch die Bevölkerung involviert und als Vorbild für andere Gemeinden gelten können – ob Recycling, Car-Sharing oder Grätzl-Initiativen.

Wiederverwenden in Villach

Die VillacherInnen können ihre Elektrogeräte, Sportartikel, Bücher oder ihr Geschirr kostenlos in Re-Use-Bags und Re-Use-Boxen zur Wiederverwendung abgeben. Netzwerk-Betriebe wie die Caritas oder das Revilla Re-Use-Kaufhaus kontrollieren die abgegebenen Schätze und verkaufen sie nach etwaigen Reparaturen zu einem günstigen Preis weiter. 2.800 Boxen und 3.800 Bags wurden bereits an die BürgerInnen ausgegeben und auch eine Ausweitung auf andere Gemeinden in Kärnten ist geplant. Für dieses Projekt „Re-Use-Netzwerk“ hat die Stadtgemeinde Villach den Climate Star erhalten. 

Wiederverwenden statt Verschwenden lautet das Motto von Re-Use in Villach.

20 Mal Klima schützen in Herzogenburg

Gleich eine ganze Palette an lokalen Klimaschutzmaßnahmen hat Herzogenburg, eine niederösterreichische Gemeinde mit fast 8.000 EinwohnerInnen, online gestellt. Unter dem Titel 20 Ideen zum Klimaschutz ermöglicht Herzogenburg den BewohnerInnen, sich in unterschiedlichsten 20 Projekten einzubringen und dabei das Klima zu schützen. Dazu zählen kostenlose Leihräder und ein Reparatur-Café genauso wie ein gemeinsam nutzbares Elektro-Auto oder die kostenlose Beratung zur klimafitten Haussanierung. Auch dafür hat die europäische Geschäftsstelle des Klimabündnis den Climate Star verliehen.

In Herzogenburg gibt es gleich 20 Möglichkeiten, das Klima zu schützen. © https://herzogenburg-20.at/

 

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