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Absolute für Ardern: Neuseelands Sozialdemokraten schaffen höhere Löhne & stoppen Immobilienspekulation

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Absolute für Ardern: Neuseelands Sozialdemokraten schaffen höhere Löhne & stoppen Immobilienspekulation

Sebastian Schublach Sebastian Schublach
in Internationales
Lesezeit:3 Minuten
19. Oktober 2020
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Die neuseeländische Labour Party hat mit der Spitzenkandidatin Jacinda Ardern bei den Parlamentswahlen 64 von 120 Sitzen erreicht. Damit hat sie das beste Labour-Ergebnis seit über 50 Jahren erzielt. Für Ardern sind soziale Gerechtigkeit und das Wohlbefinden ebenso wichtig wie das Wirtschaftswachstum, sie geht gegen Immobilienspekulation vor und steht für solides Corona-Management. 

Neuseeland hat weltweit betrachtet eine der geringsten Corona-Todesraten. Es war das erste Land, das – zumindest zwischenzeitlich – virusfrei war. Auch die aktuellen Infektionszahlen sind äußerst niedrig. Die Bevölkerung ist zufrieden mit dem Management von Premierministerin Jacinda Ardern.

Solides Covid-Management statt Populismus

Ihre Regierung und sie haben nicht auf eine Kommunikation der Angst gesetzt, sondern auf gegenseitigen Rücksichtnahme, wissenschaftliche Expertise und nachvollziehbare Maßnahmen. Das hat Vertrauen geschaffen und den Zusammenhalt gestärkt.

Insgesamt polarisieren die Corona-Maßnahmen in Neuseeland die Menschen weniger stark als in anderen Ländern: Das kann auch daran liegen, dass es kaum einen rechten Boulevard gibt (die Murdoch-Presse hat es von Australien nie nach Neuseeland geschafft). Mit Advance NZ ist eine populistische Partei mit Corona-Verschwörungsmythen am Einzug ins Parlament gescheitert: Sie konnte nur 0,9 Prozent der Stimmen erreichen.

Christchurch – Empathie statt SpaltungWeltweit bekannt wurde Jacinda Ardern durch ihre Reaktion auf das Christchurch Attentat. Bei dem rechtsextremen Anschlag auf zwei Moscheen wurden 51 Menschen getötet. In den Tagen nach dem rechtsextremen Terroranschlag bewies sie sowohl Stärke als auch Mitgefühl. Sie gab der Trauer und dem Schmerz einer ganzen Nation ein Gesicht. 

Erstes „Wohlbefinden-Budget“

Ardern hat sich seit ihrem Amtsantritt 2017 für soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Sie trat mit dem Versprechen an, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz auf dieselbe Stufe zu stellen wie das Wirtschaftswachstum.

„Wirtschaftswachstum ist sinnlos, wenn die Menschen nichts davon haben“, sagt Ardern. 

In Neuseeland soll nun das Wohlergehen der Menschen im Vordergrund stehen und nicht nur die Wirtschaft.

Die neuseeländische Sozialdemokratin ging gleich soweit, die Parameter für den jährlichen Budgetplan komplett neu zu definieren. 2019 erstellte Neuseeland das erste „Wohlbefindens-Budget“. Alle Ausgaben werden danach bewertet, ob sie zum Erreichen der folgenden fünf Ziele beitragen:

  • die Verbesserung der psychischen Gesundheit der Bürger
  • die Reduzierung von Kinderarmut
  • die Bekämpfung der sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheit zwischen der europäischstämmigen Bevölkerungsmehrheit und den Maori-Ureinwohnern
  • das Weiterentwickeln des Landes im digitalen Zeitalter
  • die Transformation der Wirtschaft für eine emissionsarme, nachhaltige Zukunft.

Gesetz gegen Immobilienspekulation

Auch den Wohnungsmarkt hat Ardern entspannt: In den letzten Jahren hat die Spekulation am Wohnungsmarkt zu  enorm hohen Hauskosten und einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum geführt. Der Anteil an neuseeländischen Haus- und Wohnungs-Besitzern hat sich binnen 20 Jahren halbiert, weil Superreiche aus dem Ausland mit Immobilien spekulierten. Das hat die Ardern-Regierung beendet: Jetzt ist es per Gesetz nur noch Einheimischen erlaubt, Immobilien zu kaufen. 

Ardern will außerdem den Mindestlohn auf 20 Neuseeländische Dollar (11,30 Euro) erhöhen, der aktuelle Mindestlohn liegt bei $18,90. Reinigungs- und Sicherheitskräften im öffentlichen Dienst sollen von der Regierung besser bezahlt werden. Das Einkommen der Menschen soll „nicht nur zum Überleben, sondern zum Gedeihen reichen“, betont Ardern in fast jedem ihrer Auftritte.

Ardern will die Mindestlöhne in Neuseeland erhöhen.

Vorstoß zur 4-Tage-Woche

Bereits vor Corona hat Ardern daran gearbeitet, die Arbeitslosenquote auf vier Prozent zu senken. In der Corona-Krise hat sie sich für  eine 4-Tage Woche ausgesprochen. Sie will die Arbeitgeber im Land ermuntern, über die Einführung einer Vier-Tage-Woche und andere flexible Arbeitsmodelle nachzudenken. Das würde den Inlandstourismus ankurbeln und könnte dazu beitragen, diesen wichtigen Wirtschaftsbereich aus der Krise zu heben.

Neuseelands Parlament war noch nie so repräsentativ wie heute.

Das neuseeländische Parlament war übrigens noch nie so vielfältig wie nach dieser Wahl. Der Anteil von Frauen, Maori, Homosexuellen und Transgender und andere Minderheiten hat sich deutlich erhöht. Zudem sitzen auch mehr junge Menschen im Parlament. Damit ist das Hohe Haus ein stärkeres Abbild der gesellschaftlichen Realität Neuseelands geworden.

Mit dem Wahlergebnis hat Jacinda Ardern die Chance, das Land nachhaltig zu verändern. Das politische Mandat dazu hat die jüngste Regierungschefin der Welt am Wochenende bekommen.

 

Sebastian Schublach arbeitet am Karl-Renner-Institut zu Globalisierung, Internationaler Politik und Entwicklungszusammenarbeit. 

Parlament Das Thema "Neuseeland" im Parlament

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2 Comments
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Karl
Karl
5. Juli 2024 12:02

Gut gemacht, sonst folgt die Katastrophe, wie immer durch die Reichgierigen ausgelöst.

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Askme
Askme
20. Oktober 2020 10:19

Da kommt Neid auf. Was haben wir zu bieten? Korruption, Freunderlwirtschaft, Extrem Rechte und Linke und ganz Aktuell ein nicht Nachvollziehbares Chaos. Aber vielleicht spiegelt sich darin auch nur der Normalzustand.

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Dale Spender war eine australische Autorin, Wissenschaftlerin und Feministin, die sich mit der Macht von Sprache beschäftigte. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch „Man Made Language“, in dem sie zeigte, dass Sprache nicht neutral ist, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse mitprägt. Sie fragte danach, wessen Stimmen gehört werden – und wessen Erfahrungen in Geschichte, Literatur und Wissenschaft fehlen. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit bestand deshalb darin, vergessene Autorinnen und Denkerinnen wieder sichtbar zu machen. Damit hat Spender eine Debatte angestoßen, die bis heute aktuell ist: darüber, wie Sprache bestimmt, wer gesehen, erinnert und ernst genommen wird. Zitat: Der Feminismus hat keine Kriege geführt, keine Gegner getötet und keine Grausamkeiten begangen. Seine Kämpfe galten der Bildung, dem Wahlrecht, besseren Arbeitsbedingungen, sozialer Absicherung und Reformen im Recht. Wenn jemand sagt: "Oh, ich bin kein Feminist." Dann frage ich nur: Warum? Dale Spender

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