ÖVP-Korruptions-Untersuchungsausschuss

ÖVP-Wahlkampfausgaben 2019: Rechnungshof glaubt der ÖVP nicht

21 Monate zu spät und nach vier zurückgewiesenen Berichten, hat die ÖVP endlich ihre Bilanz für das Jahr 2019 vorgelegt. Doch der Rechnungshof glaubt den Angaben der ÖVP nicht und will erstmals einen Wirtschaftsprüfer beauftragen, bei der Partei selbst nachzusehen. Für den heutigen ÖVP-Parteichef Karl Nehammer ist das brisant: Der war 2019 Generalsekretär der ÖVP und damit für die Finanzen zuständig.

Eigentlich mussten alle österreichischen Parteien dem Rechnungshof ihre Rechenschaftsberichte für 2019 bis Ende September 2020 übermitteln. Mehr als eineinhalb Jahre später liegt jetzt endlich auch jener der ÖVP vor, nach einer Odyssee, wie der Rechnungshof in seiner Aussendung darstellt (siehe Grafik).

Kontrolle der ÖVP „außergewöhnlich“

„Das Verfahren zur Kontrolle des Rechenschaftsberichts der ÖVP 2019 war außergewöhnlich“, schreiben die Prüfer in einer Aussendung. Nachdem die ÖVP im September 2020 um eine Fristverlängerung angesucht hat und überhaupt erst im Dezember den ersten Bericht einreichte, kam es insgesamt vier Mal zu Nachfragen, weil die Angaben aus Sicht des Rechnungshofes nicht gereicht haben. Jetzt haben die RH-Prüfer den Bericht veröffentlicht, hegen aber nach wie vor große Zweifel an der Richtigkeit der Angaben der Volkspartei.

„Der Rechnungshof setzt daher erstmals eine Wirtschaftsprüferin beziehungsweise einen Wirtschaftsprüfer ein, die oder der den Auftrag erhält, die Angaben der ÖVP zu den Wahlkampfkosten für die Nationalratswahl zu prüfen. Die ÖVP hat vollen Zugang und Einsicht in die zur Prüfung erforderlichen Unterlagen und Belege zu gewähren“, kündigt der Rechnungshof an.

Der Rechnungshof listet auf, wie oft die ÖVP aufgefordert wurde, ihre Angaben zu ergänzen und den Bericht über ihre Parteifinanzen vollständig abzugeben.

„Mit der politischen Lebenswirklichkeit schwer in Einklang zu bringen“

Die Prüfer bezweifeln konkret, dass die Volkspartei für den Kurz-Wahlkampf 2019 tatsächlich um 1,3 Millionen Euro weniger ausgegeben haben will als für den EU-Wahlkampf im selben Jahr. Das behauptet sie in ihrem Rechenschaftsbericht.

„Es ist mit der politischen Lebenswirklichkeit für den Rechnungshof schwer in Einklang zu bringen, dass für die Nationalratswahl deutlich weniger Wahlkampfkosten ausgegeben worden sein sollen als für die EU-Wahl“, schreiben die Prüfer.

Dem Rechnungshof liegen außerdem Unterlagen zu den Wahlkampfkosten der ÖVP vor, die nicht mit den offiziellen Angaben der ÖVP übereinstimmen. Die Prüfer schätzen die Unterlagen als authentisch ein und haben immer wieder bei der ÖVP nachgefragt, aber kaum Antworten bekommen. „Etwa, warum bestimmte Kosten laut dieser Unterlagen nicht in die Kosten für den Wahlkampf eingerechnet wurden“, will die ÖVP den Prüfern nicht verraten.

OGH entschied gegen ÖVP

Der Falter deckte für die Wahlkämpfe 2017 und 2019 Dokumente auf, wonach es eine offizielle Abrechnung der Wahlkampfkosten für den Rechnungshof und eine geheime ÖVP-interne Abrechnung gibt, in der die tatsächlichen Kosten angeführt sind. Damit drückt sich die ÖVP vor Strafzahlungen und kann öffentlich behaupten, sich an alle Gesetze zu halten. Während die ÖVP in ihrem Bericht für den Rechnungshof Wahlkampfkosten von 5,6 Millionen Euro ausweist, sind es laut Falter-Recherchen knapp 9 Millionen Euro. Die gesetzliche Obergrenze liegt bei 7 Millionen Euro.

Nachdem der Falter seine Recherchen veröffentlicht hatte, klagte die Volkspartei das Magazin. Doch der Oberste Gerichtshof (OGH) gab der Wiener Wochenzeitung Recht: Die ÖVP plante die Wahlkampfkosten-Obergrenze zu überschreiten und wollte die Bevölkerung darüber täuschen.

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ÖVP-Wahlkampfausgaben 2019: Rechnungshof glaubt der ÖVP nicht

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