Gesundheit & Leben

Gewerkschaft und SPÖ fordern Schwerarbeitspension für Pflegekräfte

Die Gewerkschaft fordert, medizinische Tätigkeiten wie Pflege als Schwerarbeit zu entlohnen. Dadurch könnten PflegerInnen, medizinische AssistentInnen und Hebammen in Pension gehen, nachdem sie 45 Arbeitsjahre lang alte Menschen gehoben, unter Mundschutz gearbeitet und Nachtdienste geschoben haben. Die SPÖ unterstützt die Forderung.

Sie pflegen unsere Angehörigen, versorgen Alte, Kranke und Menschen mit Behinderung, in der Krise halten sie die Intensivstationen am Laufen. Pflegekräfte waren schon vor der Pandemie Schlüsselkräfte in der Gesundheitsversorgung. Nun brauchen wir sie umso mehr. Gewerkschaftsvertreter und die SPÖ fordern nun, sie als Schwerstarbeiterinnen und Schwerstarbeiter zu behandeln – und entsprechend zu entlohnen.

Schwerarbeitspension für Gesundheitsberufe

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat in Anbetracht der sehr angespannten Situation in den Spitälern finanzielle und arbeitsrechtliche Verbesserungen für das Intensivpersonal in Aussicht gestellt. Das reicht zwei Vertretern der Gewerkschaft, Edgar Martin von der younion-Team Gesundheit und Reinhard Waldhör  von der Gewerkschaft öffentlicher Dienst-Gesundheitsgewerkschaft, über die Pflegerinnen und Pfleger allerdings nicht. „Aus unserer Sicht kann er damit nur alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheits- und Pflegewesens gemeint haben“, halten die beiden per Aussendung fest.

Deswegen fordern sie für alle Gesundheitsberufe den Zugang dieser zur Schwerarbeitspension. Damit könnten Altenpflegerinnen, Hebammen und SanitäterInnen nach 45 Arbeitsjahren mit 60 in Pension gehen, wenn sie in den letzten 20 Jahren vor Pensionsantritt zehn Jahre in einem Gesundheitsberuf tätig waren.

Allerdings müssten auch sie mit bis zu neun Prozent Abschlägen rechnen (1,8 % pro Jahr). Dass es auch bei der Schwerarbeits-Regelung zu Abschlägen kommt, hat die ÖVP-Grüne-Regierung im November vergangenen Jahres beschlossen.

94 Prozent für bessere Entlohnung

Die Anerkennung als Schwerarbeit sei auch im Hinblick auf das Ansteigen des Pensionsalters für Frauen nötig, sagte Pamela Rendi-Wagner am Wochenende gegenüber der APA. Pflege könne aufgrund der körperlichen Belastung sehr oft nicht bis zum 65. Lebensjahr gemacht werden. Wie eine Umfrage der Volkshilfe zeigte, halten es knapp drei Viertel der Beschäftigten in der Altenpflege für unwahrscheinlich, dass sie ihren Job auch noch mit 60 oder 65 ausüben können. Eine überwältigende Mehrheit von 94 Prozent der Befragten sind dringend für eine bessere Entlohnung für Gesundheits- und Sozialberufe.

Einen Grund in der schlechten Bezahlung von Gesundheitsberufen, allen voran der Pflege, sieht Wirtschaftswissenschafterin Katharina Mader in der Tatsache, dass es sich um eine frauendominierte Branche handelt. Dabei habe eine Pflegerin, die mehrmals am Tag einen 80 kg schweren Mann hebt, „eine ähnlich schwere Arbeit wie Männer in der Schwerindustrie“, argumentiert Mader. Außerdem kritisiert sie, dass Schwerarbeit immer nur nach körperlicher Belastung bewertet würde, aber nicht nach psychischer.

Als Schwerarbeit zählt neben unregelmäßiger Nachtarbeit und schwerer körperlicher Arbeit ausdrücklich die berufsbedingte Pflege von erkrankten und behinderten Menschen mit besonderem Be­handlungs- und Pflegebedarf. Ein Blick auf die Voraussetzungen legt nahe, dass Gesundheitsberufe als Schwerarbeit gewertet werden können, findet auch Pamela Rendi-Wagner. Allein das Bewegen und Umbetten Bettlägeriger sei Schwerstarbeit, so die Ärztin.

Die Anerkennung von Pflege als Schwerarbeit fordern Gewerkschaft und SPÖ.

Die Anerkennung von Pflege als Schwerarbeit fordern Gewerkschaft und SPÖ.

„Die körperliche und seelische Beanspruchung in diesen Bereichen war schon vor der Pandemie sehr hoch, der Einsatz für unser aller Gesundheit verlangt ihnen regulär viel ab. Mittlerweile muss man die Belastungen aber als unmenschlich bezeichnen“, sagen Martin und Waldhör. Die beiden Gewerkschaften vertreten rund 120.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den öffentlichen Spitälern und Pflegeeinrichtungen.

Erneuter Ruf nach Corona-Tausender

Auch an das Versprechen nach einem Corona-Tausender erinnern die Gewerkschafter. Sie schlagen einen steuerfreien Wirtschaftsgutschein in der Höhe von tausend Euro für alle Beschäftigten im medizinischen Bereich vor. Das wäre nicht nur eine Anerkennung für das medizinische Personal, sondern würde auch den Konsum ankurbeln.

Die geforderten Verbesserungen dürften allerdings nicht von den Problemen in den Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen ablenken, warnen die Gewerkschafter. „Das mediale Interesse für die Belastungen während der Pandemie hat nur zutage gefördert, worauf wir seit Jahren hinweisen. Um die Zukunft besser gestalten zu können, braucht es eine Vielfalt an zusätzlichen Maßnahmen“, ist man sich einig.

Gewerkschaft und SPÖ fordern Schwerarbeitspension für Pflegekräfte

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Hans
Hans
1. Mai 2021 06:28

Ein Teil einer weltweiten Schande: https://www.cosmosdirekt.de/grundrente/?mediacode=dp.11760720_d_flexvo_plan_koop_finanzennet Ja, immer noch Schande; nein, mehr als Schande.

Petrov
Petrov
30. April 2021 15:56

Eimal muss ich’s den Österreichern, nein: allen Lesern, noch verklickern. Das Rentenalter wird ständig unter dem Vorwand, man werde immer älter, erhöht. Jetzt, wo internationale Studien belegen, dass die Lebenserwartung weltweit zurück geht, spricht aber keiner, KEINER, niemand darüber, es nach un-

…
Reply to  Petrov
30. April 2021 16:00

ten zu korrigieren. Und: Wisst ihr, was das konkret heißt? Es bedeutet, dass die dort obern mit eurem Leben rechnen. Mordskrass, nicht wahr: sie rechnen mit eurem Ableben mit so wenig Lebensfreizeit wie möglich. Schwarz und Blau sind dabei eine extrem arge Menschenrasse.

Was nützt die
Was nützt die
30. April 2021 15:48

derzeitig bessere Entlohnung, wenn man weit über das 60ste Lebensjahr zu arbeiten hat, bis dahin aber längst kaputt ist und bei früherem Antritt von Leuten, die nach 10jähriger Tätigkeit im Nationalrat (oft nicht einmal anwesend) eine fixe Höchstrente ab dem 60sten sich zugeschanzt haben, noch dazu

…
Reply to  Was nützt die
30. April 2021 15:52

massiv geschädigt wird? Was bedeuten für solche Entscheider Ausdrücke wie ‚gemeinsam, Volk, Staat, Land, zusammen helfen, Gleichbehandlung, sein Auskommen finden, Gesundheit, Umwelt, SOZIAL …‘?
Nichts, rein gar nix! Und? Und die Schande ist längst über EUCH! Nein, nicht die Polizei, die Schande!

Petrov
Petrov
30. April 2021 15:11

Die mundtot gemachte AK (hat trotzdem) geschrieben, dass man arbeitslos Gemachten die Arbeitslosenzeit nicht zur Pension anrechnen will, das Bundesheer zum Abzug bringt … Und die Schwerarbeitsformulierungen sind auch nur noch eine Farce. Bin gespannt, wann man sie für die richtigen Schwerarbeiter

…
Reply to  Petrov
30. April 2021 15:14

aberkennen wird. Im Süden des Staates Österreich soll sogar ein getaufter Kaiser massiv dafür verantwortlich sein. Da fragt man sich, was so eine mitlaufende Gewerkschaft, die nur noch Marketingphrasen zu dreschen scheint, überhaupt noch für einen Sinn macht.

Petrov
Petrov
Reply to 
30. April 2021 15:22

Schon deshalb, weil sie in Marktphasen, in denen die Produktpreise um 30 % etc. angehoben werden, um Lohnsteigerungen von 2 % verhandelt und noch dazu glaubt, die sogenannte Arbeiterklasse würde nichts kapieren, hehe. Die Dümmsten in meinem Umfeld habe das längst durchschaut. Und andere, die meine Sprache kaum beherrschen, fragen nicht zu unrecht, weshalb ich dabei sei. Immerhin würden sie ohne zu zahlen auch mehr bekommen, wenn ich mehr erhalte. Tja, so weit habt ihr es gebracht. Und der Gewinn von Spittal, Klagenfurt … durchs zweifelhafte Team Kärnten im Süden zeigt schon, wie schlecht sich die einzige Partei in Kommunikation, Verständnis, Einfühlvermögen … auskennt, die sich ehemals noch fürs sogenannte Fußvolk eingesetzt hat.
Auch das liegt an dem Problem, was Prof. Michael Hartmann seit Jahrzehnten untersucht. Man lese seine Bücher oder wenn man dazu zu bequem ist, schaue man sich wenigstens die wenigen und kurzen YouTube-Videos mit ihm an!

Ja, das ist es:
Ja, das ist es:
28. April 2021 11:22

Schwerarbeit. Aber die haben auch die Damen und Herren, die putzen. Besonders, wenn sie in der Industrie unter den Maschinen täglich tausend Quadratmeter und mehr zu reinigen haben und auf Knien durch die Gegen rutschen.
Und was haben die davon? Oft geringe Löhne, meistens sogar, und nach wenigen

…
Reply to  Ja, das ist es:
28. April 2021 11:26

Jahren kaputte Knie, Hüften etc. Dafür keine Schwerarbeiterpension und so weiter mehr! Kaputt machen dürfen wir die Leute, aber dann – ab in den sozialen (?) Niedrigstlohnerhalt. Zu früh? Och, dann kostest du wenigstens nach dem 65sten auch nichts. Bleibst wenigstens eine arme S… u. kostest uns nix.

…
Reply to 
28. April 2021 11:34

So denken diese 183 Leute im Prahlerment. Uns! Ja? Wer ist das: UNS? Raus geredet wird ja immer damit, dass man die künftigen Jungen nicht belasten kann. Aber genau das tut ihr damit. Und die Betroffenen sowieso, die dann leiden müssen: kaputtregiert bis hin zu künstlichen Körperteilen. Vielleicht muss man die bald auch selbst bezahlen, aus dann 500-700 € – und ohne Inflationsausgleich.
Wer nichts im Kopf hat, kann nicht denken! – Tja, die Regierungen sind davon massivst betroffen. Schon arg, wie sogenannte Eliten sind. Ob man solche Schädlinge Elite nennen sollte?
Aber wir können ja noch die Steuern senken, weitere Stiftungen einführen, die den Geldräubern helfen? Ja, das wär doch fein. Nicht!

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