Mehr Lohndruck, keine neuen Stellen

Regionalisierung der Mangelberufe bedeutet mehr Konkurrenz und Lohndruck

ÖVP und FPÖ wollen eine Regionalisierung der Liste der Mangelberufe. Das bedeutet, dass die Liste in Summe länger wird. Damit können Bundesländer einen Bedarf an Arbeitskräften melden, der mit schlecht bezahlten Arbeitskräften gedeckt wird. Auch wenn es genug Jobsuchende in Österreich gibt. Die Konkurrenz unter ArbeitnehmerInnen wird höher, der Lohndruck steigt. Zusätzliche Jobs schafft diese Maßnahme nicht.

ÖVP-Wirtschaftsministerin Schramböck und FPÖ-Sozialministerin Hartinger-Klein haben am 12. April 2018 angekündigt, die sogenannte Mangelberufsliste zu regionalisieren. Die neue Liste soll mit 1. Jänner 2019 in Kraft treten.

Was sind Mangelberufe?

Mangelberufe sind Berufe, für die es in Österreich bzw. im EU-Raum zu wenige Fachkräfte gibt, um den Bedarf zu decken. Derzeit gelten 27 Berufe in Österreich als solche „Mangelberufe“. Der Bedarf kann über die sogenannte Rot-Weiß-Rot Karte für Fachkräfte gedeckt werden. So können Arbeitskräfte aus Drittstaaten (also Nicht-EU-Ländern)  24 Monate in so einem Beruf arbeiten.

Unternehmen können Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben

Die ÖVP drängt schon lange auf die Regionalisierung der Mangelberufs-Liste. So bekommen Unternehmen die Möglichkeit, für offene Stellen Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben. Das Argument: Es gäbe zu wenig Arbeitskräfte für Jobs etwa in der Gastronomie, deshalb müsse man in anderen Ländern nach Arbeitskräften suchen.

Doch die Zahlen zeigen: Bei KellnerInnen, KochgehilfInnen, HoteldienerInnen sowie GaststättenköchInnen gibt es in Österreich deutlich mehr qualifizierte Jobsuchende als offene Stellen. Noch dazu will die Regierung die Mangelberufe auch auf ungelernte Tätigkeiten ausweiten.

Hier die Zahlen von Dezember 2017:

Regionalisierung Mangelberufe

Regionalisierung bedeutet: Jobsuchende werden umgangen

Derzeit gilt die Liste an Mangelberufen für ganz Österreich. ÖVP und FPÖ werden die Liste jetzt regionalisieren. Das bedeutet: Tirol kann den Beruf Koch als Mangelberuf anführen, obwohl es in anderen österreichischen Bundesländern – etwa in Wien – genug ausgebildete Köche und Köchinnen gibt, die auf Jobsuche sind.

In Tirol kamen im August 2018 auf 324 offene Stellen als Koch 120 arbeitslose Köche. In Wien standen 340 offenen Kochstellen 917 arbeitslose Köche gegenüber. Eine Regionalisierung bedeutet künftig: Unternehmen in Tirol können Arbeitskräfte aus anderen Ländern rekrutieren – die meist schlecht bezahlt werden. Unterdessen finden die jobsuchenden Köche in Wien keine Stellen.

Innerhalb kürzester Zeit wird sich die Liste der Mangelberufe also vervielfachen. Mehrere Bundesländer werden über Mangelberufe klagen, weil sie in nächster Nähe keine Arbeitskräfte für zum Teil schlecht bezahlte, unattraktive Jobs finden. Statt das Job-Angebot zu verbessern, können sie dann auf Arbeitskräfte aus dem Ausland zurückgreifen.

Worüber wir reden sollten: Arbeitsbedingungen

Es stellt sich also die Frage, warum die offenen Stellen nicht eins zu eins besetzt werden. Hier muss man den Blick auf die Arbeitsbedingungen werfen.

In Tirol, wo der Bedarf laut Unternehmern besonders hoch sein soll, bekommen Köche und Kellner für eine Vollzeitstelle 1.590 Euro. Viele Stellen sind auch nur saisonal ausgeschrieben und beinhalten 6-Tage-Wochen. Eine schlecht bezahlte Stelle in einem anderen Bundesland anzunehmen, ist tatsächlich nicht sehr attraktiv.

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlaube Cookies, indem du auf "Akzeptieren" im Banner klickst.

Es drohen mehr Konkurrenz und Lohndumping

Die Regionalisierung nützt schlussendlich nur der Unternehmer-Seite, weil sie in einem erweiterten Pool an verfügbaren Arbeitskräften fischen können – so lange, bis sie jemanden finden, der zu billigsten Löhnen arbeitet. Für die schon in Österreich lebenden KöchInnen gibt es durch diese Regionalisierung nicht mehr Jobs. Sehr wohl aber gibt es dann mehr KöchInnen, mit denen sie um die existenten Stellen konkurrieren müssen.

Übrigens: Im Wahlkampf 2017 hat Heinz-Christian Strache noch explizit weniger Zuwanderung aus Osteuropa gefordert, weil das zu Lohndumping führt. Weniger Monate später ist  Lohndumping für die FPÖ offenbar kein Problem mehr.

Wir recherchieren und überprüfen die Inhalte und Fakten in unseren Beiträgen. Du hast trotzdem einen Fehler entdeckt? Oder Anregungen und Ergänzungen? Bitte schick uns eine Nachricht.
Regionalisierung der Mangelberufe bedeutet mehr Konkurrenz und Lohndruck
Wir recherchieren und überprüfen die Inhalte und Fakten in unseren Beiträgen. Du hast trotzdem einen Fehler entdeckt? Bitte schick uns eine Nachricht.
3 Kommentare

3 Kommentare

  1. Tja, weil die alle so schlecht sind,

    7. Februar 2018 um 20:29

  2. Dr. Alfred WURZER

    19. Januar 2018 um 14:33

    Es ist ganz einfach: Höhere Löhne/Gehälter! Niemand hindert Dienstgeber, bei besonderen Bedarfssituationen ein paar Hunderter mehr an die Dienstnehmer aus anderen Bundesländern zu zahlen!

  3. kleine hexe

    18. Januar 2018 um 20:45

    Gerade in der Gastronomie sind die Arbeitsbedinungen jetzt schon z. T. katastrophal. Arbeitszeiten von 6 – 7 Tagen/Woche, schlechte Unterbringung als Gehaltsbestandteil, Arbeitszeiten von mehr als 12 Stunden/ Tag …
    Arbeitnehmer, die die Landesprache nicht können, wenn sie kommen und nicht erlernen können, weil sie dafür keine Freizeit bekommen, machen’s möglich!
    Ich weiß wirklich nicht, wie man da noch weiter verschlechtern könnte – aber unserer aktuellen Regierung fällt sicher was dazu ein!

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden. Weitere Informationen zur Privacy Policy finden Sie hier.

Newsletter-Anmeldung
Anmelden

Kontrast.at Newsletter

Einfach anmelden und keinen Artikel mehr verpassen.
Jetzt auch über WhatsApp.
 
Mit einem Klick auf "Anmelden" akzeptieren Sie die Privacy Policy von Kontrast.
ANMELDEN
close-link

Newsletter-Anmeldung

ANMELDEN

Newsalert-Anmeldung

ANMELDEN

Send this to a friend

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen