4-Tage-Woche

Nach Erfolg in Island: Auch Schottland will Vier-Tage-Woche

In Schottland soll eine Vier-Tage-Woche erprobt werden – ohne Lohneinbußen für die Beschäftigten. Ein Anfang September veröffentlichter Bericht macht Vorschläge, wie die kürzere Arbeitszeit für die SchottInnen umgesetzt werden könnte, und stützt sich auf die Erfahrungen in Island und Neuseeland.

In Schottland sorgt der Arbeitskräftemangel in einigen Branchen dafür, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mehr fordern können. Die Gewerkschaft GMB hat angekündigt, dass der Mangel an Arbeitskräften ein guter Anlass ist, um höhere Löhne für die dringend gesuchten Beschäftigten zu fordern – und weniger Gewinnausschüttung für Aktionäre. Nach Homeoffice und Betriebsschließungen können sich viele Menschen in Schottland nicht mehr vorstellen, 40 Stunden ins Büro, Lager oder in die Fabrik zurückzukehren – auch tägliches Pendeln ist unattraktiv.

Eine aktuelle Untersuchung der Denkfabrik IPPR Scotland zeigt außerdem eine überwältigende Mehrheit für eine Arbeitszeitverkürzung: 80 Prozent der Befragten würden die Vier-Tage-Woche einer 40-Stunden-Woche vorziehen, wenn die Bezahlung gleich bleibt. Das würde ihr Wohlbefinden verbessern, sagen die Menschen. Zwei Drittel der Befragten (65 %) waren der Meinung, dass eine kürzere Arbeitswoche auch die Produktivität in Schottland steigern könnte.

Regierung investiert 10 Mio. Pfund in die 4-Tage-Woche

Die regierende linksliberale Scottish National Party (SNP) hat die Vier-Tage-Woche Anfang des Jahres in ihrem Wahlprogramm versprochen. Nach den Änderungen des Arbeitsalltags durch die Corona-Pandemie laufen derzeit Pilotprojekte zur 4-Tage-Woche in ganz Schottland. Die Regierung fördert Unternehmen, die sich daran beteiligen, mit insgesamt 10 Millionen Pfund. 88 Prozent der befragten ArbeitnehmerInnen wären bereit, an dem Projekt teilzunehmen. Befragt wurden 2.203 Personen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren.

Die Denkfabrik IPPR Scotland rät der schottischen Regierung aufgrund der überwältigenden Mehrheit für eine Vier-Tage-Woche in der Bevölkerung, die Programme auszuweiten – vor allem sollen auch nicht-bürogebundene Jobs, Schichtarbeiter und Teilzeitbeschäftigte daran teilnehmen können. Denn: Viele verdienen ihr Geld nicht von neun bis fünf im Büro – und kürzere Arbeitszeiten müssen dieser Realität Rechnung tragen. In den Pilotversuchen müsse auch untersucht werden, wie kürzere Arbeitszeiten für Schichtarbeiter, Menschen mit mehreren Jobs und Teilzeitkräfte aussehen könnte, so die Studienautoren.

Das IPPR schlägt verschiedene Modelle der Arbeitszeitverkürzung vor. Von der 4-Tage-Woche für alle, aber auch Modelle, die etwa nur an Eltern gerichtet sind oder geblockte Zeitguthaben, die nicht wöchentlich in Anspruch genommen werden müssen.

Rachel Statham, eine leitende Forschungsmitarbeiterin bei IPPR Scotland, sagte:

„Die schottische Regierung tut gut daran, eine Vier-Tage-Woche zu erproben, denn die heutigen Erkenntnisse zeigen, dass diese Politik von der Öffentlichkeit in hohem Maße unterstützt wird und ein positiver Schritt in Richtung einer Wirtschaft sein könnte, die auf Wohlbefinden ausgerichtet ist.

Untersuchungen haben wiederholt gezeigt, dass ArbeitnehmerInnen und sogar Unternehmen kürzere Arbeitszeiten befürworten. Eine YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2019 ergab, dass drei Viertel der Menschen im Vereinigten Königreich diese Idee unterstützen. Im Juli veröffentlichte Island seine Ergebnisse des Projekts 4-Tage-Woche: Die Arbeitszeitverkürzung hat die Produktivität und das Wohlbefinden der Menschen gesteigert, es wird als überragender Erfolg gewertet. Auch in Spanien startet im Herbst die dreijährige Pilotphase für die 32-Stunden-Woche.

Nach Erfolg in Island: Auch Schottland will Vier-Tage-Woche

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