Bildung

Uni-Novelle: Wer nicht schnell genug ist, fliegt

Neue Uni-Pläne der Regierung sehen deutliche Verschlechterung für Studierende vor. Berufstätigen wird das Studieren massiv erschwert und die Rektorenbestellung wird politischer.

Künftigen sollen Studierende pro Jahr und Studium 16 ECTS absolvieren. Schafft man das nicht, fliegt man von der Uni. Für Berufstätige erschwert dies das Studium massiv. Außerdem wird der Zugang zu einem Studiengang auf Lebenszeit gesperrt, wenn man die dazugehörige Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP) nicht besteht. Als Ausgleich wird die Beurlaubung vom Studium erleichtert.

Regierung gefährdet den freien Hochschulzugang

Von Studierendenseite kommt Kritik. Die Vorsitzende des Verband sozialistischer Student_innen (VSStÖ) und ehemalige stv. ÖH-Vorsitzende Dora Jandl macht in einer Aussendung auf die ohnehin schwierige soziale Lage vieler Studierender aufmerksam:

“Wir haben es im Moment besonders schwer, aber bereits vor Corona hatten wir Studierenden es nicht leicht. Die finanzielle Belastung, die ein Studium mit sich bringt, ist für viele aufgrund von hohen Studiengebühren, mangelhaften Beihilfensystemen und steigenden Lebenserhaltungskosten kaum bewältigbar”, sagt Jandl.

Die auch durch Corona verschärfte soziale Lage von Studierenden erschwert den freien Hochschulzugang. Schon jetzt brauchen Studierende aus ärmeren Haushalten länger für den Abschluss, weil sie nebenbei arbeiten müssen. Künftig kann diese Verzögerung dazu führen, dass sie exmatrikuliert werden.

Von der neuen ÖH-Vorsitzenden Sabine Hanger von der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft gab es zu der Novelle noch keine Äußerung.

Regierungsmitglieder waren selbst „Bummelstudenten“

Bei der Gesetzesänderung scheinen einige türkis-grüne Politiker vergessen zu haben, dass sie selbst nicht in Mindestzeit ihr Studium abschlossen. Die Klubobfrau der Grünen Sigrid Maurer studierte etwa Musikwissenschaften und Politikwissenschaften, ohne abzuschließen. Später inskribierte sie Soziologie – und studiert das bis heute. Insgesamt kommt sie auf 28 Semester an der Uni. Auch Wissenschaftsminister Heinz Faßmann scheint seine Uni-Zeit genossen zu haben. Insgesamt studierte er 32 Semester lang Geografie, habilitierte aber im Gegensatz zu Maurer. Der wohl bekannteste Langzeitstudent Österreichs ist Bundeskanzler Sebastian Kurz. Er kommt auf 24 Semester Jus – ohne Abschluss.

Politische Rektorenbestellungen

Das hindert die Regierung aber nicht daran, die Verschärfungen voranzutreiben. Gleichzeitig kommt es auch zu einer Machtverschiebung an den Universitäten. Die Uni-Senate dürften bei der Wiederbestellung von Rektoren Kompetenzen zugunsten der politisch besetzten Uni-Räte verlieren, die dadurch an Einfluss gewinnen.

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Der Frosch
Der Frosch
29. Oktober 2020 17:10

16 ECTS pro Studienjahr (laut anderen Artikeln), ich denke hier liegt ein Fehler vor..

xx1xx
xx1xx
Reply to  Der Frosch
30. Oktober 2020 15:54

Früher hat man ein Weiterstudieren von einem positiven Abschluss voraussetzender Lehrveranstaltungen abhängig gemacht. Besser wäre eine solche Regelung mit einem limitierten Vorgriff auf Lehrveranstaltungen höherer Semester. Vorstellbar wäre, dass man mit Lehrveranstaltungen ein Jahr nachhinken darf, aber nicht länger. Dies orientiert sich an einer durchschnittlichen Studiendauer. Ein Studium in Mindeststudiendauer ist nicht sinnvoll.

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