Arbeit und Freizeit

Wie die Regierung einen Fachkräftemangel konstruiert – und wem das nützt

ÖVP und FPÖ wollen die Liste der Mangelberufe ausweiten. Damit wird ein Bedarf konstruiert, der dann mit billigen Arbeitskräften gedeckt wird. Die Konkurrenz unter den ArbeitnehmerInnen wird höher und der Lohndruck steigt. Zusätzliche Jobs werden dadurch keine geschaffen.

Was sind Mangelberufe überhaupt?

Mangelberufe sind Berufe, für die es in Österreich bzw. im EU-Raum zu wenige Fachkräfte gibt, um den Bedarf zu decken. Derzeit gelten 27 Berufe in Österreich als solche „Mangelberufe“. Der Bedarf kann über die sogenannte Rot-Weiß-Rot Karte für Fachkräfte gedeckt werden. So können Arbeitskräfte aus Drittstaaten (also Nicht-EU-Ländern)  24 Monate in so einem Beruf arbeiten.

Die Liste wird länger – obwohl es keinen Mangel gibt

Die ÖVP drängt schon lange auf die Ausweitung der Mangelberufs-Liste und damit die Möglichkeit für Unternehmen, für offene Stellen Arbeitskräften aus dem Ausland anzuwerben. Das Argument: Es gäbe zu wenig Arbeitskräfte für Jobs etwa in der Gastronomie, deshalb müsse man in anderen Ländern nach Arbeitskräften suchen.

Doch die Zahlen zeigen: Bei KellnerInnen, KochgehilfInnen, HoteldienerInnen sowie GaststättenköchInnen gibt es in Österreich deutlich mehr qualifizierte Jobsuchende als offene Stellen. Noch dazu will die Regierung die Mangelberufe auch auf ungelernte Tätigkeiten ausweiten.

Hier die Zahlen von Dezember 2017:

Worüber man reden sollte: Arbeitsbedingungen

Stellt sich also die Frage, warum die offenen Stellen nicht eins zu eins besetzt werden. Hier muss man den Blick auf die Arbeitsbedingungen werfen.

In Tirol, wo der Bedarf laut Unternehmern besonders hoch sein soll, bekommen Köche und Kellner für eine Vollzeitstelle 1.590 Euro. Viele Stellen sind auch nur saisonal ausgeschrieben und beinhalten 6-Tage-Wochen. Eine schlecht bezahlte Stelle in einem anderen Bundesland anzunehmen, ist tatsächlich nicht sehr attraktiv.

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Eine Regionalisierung schadet nur den ArbeitnehmerInnen

Derzeit gilt die Liste an Mangelberufen für ganz Österreich. ÖVP und FPÖ wollen die Liste jetzt regionalisieren. Das würde bedeuten: Tirol kann den Beruf Koch als Mangelberuf anführen, obwohl es in anderen österreichischen Bundesländern – etwa im Nachbarbundesland Vorarlberg – genug ausgebildete Köche und Köchinnen gibt, die auf Jobsuche sind.

Innerhalb kürzester Zeit könnte sich die Liste der Mangelberufe so vervielfachen. Mehrere Bundesländer würden dann über Mangelberufe klagen, weil sie in nächster Nähe keine Arbeitskräfte für zum Teil schlecht bezahlte, unattraktive Jobs finden. Statt das Job-Angebot zu verbessern, können sie dann auf Arbeitskräfte aus dem Ausland zurückgreifen.

Konstruierter Mangel als Basis für Lohndumping

Die Regionalisierung nützt schlussendlich nur der Unternehmer-Seite, weil sie in einem erweiterten Pool an verfügbaren Arbeitskräften fischen können – so lange, bis sie jemanden finden, der zu billigsten Löhnen arbeitet.

Für die schon in Österreich lebenden KöchInnen gibt es durch diese Regionalisierung nicht mehr Jobs. Sehr wohl aber gibt es dann mehr KöchInnen, mit denen sie um die existenten Stellen konkurrieren müssen.

Wie die Regierung einen Fachkräftemangel konstruiert – und wem das nützt
3 Kommentare

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Tja, weil die alle so schlecht sind,
Tja, weil die alle so schlecht sind,
Dr. Alfred WURZER
Dr. Alfred WURZER

Es ist ganz einfach: Höhere Löhne/Gehälter! Niemand hindert Dienstgeber, bei besonderen Bedarfssituationen ein paar Hunderter mehr an die Dienstnehmer aus anderen Bundesländern zu zahlen!

kleine hexe
kleine hexe

Gerade in der Gastronomie sind die Arbeitsbedinungen jetzt schon z. T. katastrophal. Arbeitszeiten von 6 – 7 Tagen/Woche, schlechte Unterbringung als Gehaltsbestandteil, Arbeitszeiten von mehr als 12 Stunden/ Tag …
Arbeitnehmer, die die Landesprache nicht können, wenn sie kommen und nicht erlernen können, weil sie dafür keine Freizeit bekommen, machen’s möglich!
Ich weiß wirklich nicht, wie man da noch weiter verschlechtern könnte – aber unserer aktuellen Regierung fällt sicher was dazu ein!

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