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12 Stunden Hackeln? „Dann bleiben dir 3 Stunden, um Mensch zu sein.“ Die Rede von Willi Mernyi

12 Stunden Hackeln? „Dann bleiben dir 3 Stunden, um Mensch zu sein.“ Die Rede von Willi Mernyi

Foto: © ÖGB-Verlag / Michael Mazohl

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Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Arbeit & Freizeit
Lesezeit:3 Minuten
20. Juni 2018
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Günther kommt aus Wien und arbeitet als Pflasterer. Er hebt täglich 3,5 Tonnen Steine übers Kreuz. Bei jedem Wetter. Kniend auf dem Asphalt. Seine Pausen werden nicht bezahlt. Willy Mernyi ist Gewerkschafter und hat auf dem Bundeskongress des Österreichischen Gewerkschaftsbunds die Geschichte von Günther erzählt. Wir haben die Rede für euch abgetippt – hier der Text!

„Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Ich werde euch heute etwas von Günther erzählen. Der Günther wohnt im 22. Bezirk. Günther ist Pflasterer. Er steht um 4:00 Uhr in der Früh auf. Er macht sich fertig. Geht um 5 Uhr in der Früh weg, damit er um 5:45 auf der Baustelle ist. Und um 6:00 beginnt er zu arbeiten. Um 6:00 Uhr greift er zu diesem Pflasterstein. Der Pflasterstein hat 17 Kilogramm.

Foto: © ÖGB-Verlag / Michael Mazohl

Dann nimmt er den Pflasterstein und setzt ihn ein. Von 6:00 Uhr in der Früh bis 9:00 Uhr – 3 Stunden – macht er 15 Quadratmeter. Und in der Zeit bewegt er knieend, über sein Kreuz, 1.300 Kilo. Bis 9:00 Uhr in der Früh. Dann macht er eine Frühstückspause. Unbezahlt.

Um 9:30 Uhr fängt er wieder an. Er kniet sich hin bis 12:30 Uhr. In derselben Zeit macht er wieder 15 Quadratmeter. Wieder 1.300 Kilo übers Kreuz. Dann macht er eine Mittagspause. Unbezahlt.

Dann fängt er wieder an, um 13:00 Uhr. Er hackelt bis 15:30 Uhr. Zweieinhalb Stunden. Er macht 10 Quadratmeter. Bewegt 900 Kilo. Und wenn der Günther heimgeht, hat er 8 Stunden gearbeitet und 3.500 Kilo übers Kreuz gelegt. Dreieinhalb Tonnen!

Und dann kommen ein paar Leute daher, die ihr Leben lang noch nie knieend gearbeitet haben. Die ihr Leben lang noch nie gespürt haben, wie die Sonne brennen kann. Die ihr Leben lang noch keine Tonne knieend über ihr Kreuz gezogen haben. Und diese Leute sagen dann zum Günther:

– „He, Günther! Du musst jetzt 12 Stunden arbeiten, Günther!“

Die sagen zum Günther:

– „Nichts mit 8 Stunden!“

Das heißt, Günther muss am Tag noch einmal 1.800 Kilo mehr über sein Kreuz bringen. Das heißt für Günther: 4 Stunden länger arbeiten. Das heißt für Günther: Er hört nicht mehr um 15:30 Uhr auf. Er macht keine Pause. Er arbeitet durch bis 19:30 Uhr. Und wenn er schnell heimfährt, ist er um 20:00 Uhr daheim.

Wisst ihr, was er 8 Stunden später macht? Aufstehen! Aufstehen tut er 8 Stunden später, weil dann ist es wieder 4:00 Uhr früh!

****

Was ist aus unserer Losung geworden: „8 Stunden Arbeit – 8 Stunden Schlaf – 8 Stunden Freizeit“?

Jetzt gibt es sicher Leute, die zum Günther sagen:

– „Günther, dann kannst du halt keine 8 Stunden schlafen. Dann musst halt weniger schlafen.“

Aber das sind keine Leute, die das schon einmal gemacht haben, die das zum Günther sagen. Und wenn sie es zum Günther sagen, dann haben sie keine Anstand – und auch kein Herz.

Ich frage euch: Wenn du 12 Stunden arbeitest, 8 Stunden schläfst und 30 min in die Arbeit fährst, bleiben dir etwa 3 Stunden am Tag für deine Familie, für deine Freunde. Weil du ins Bad gehen möchtest, ins Kino, ins Theater. Dann bleiben dir 3 Stunden, um Mensch zu sein.

Und wenn man sich den Günther anschaut, und bei Menschen wie dem Günther dann der Körper kaputt ist, dann sagt man vielleicht in einen teilprivatisierten Gesundheitssystem:

– „Es tut uns leid, Günther, aber da hast du Pech gehabt.“

Und wenn der Günther dann die Arbeit verliert, sagt man ihm:

– „Du, eine Aktion für Langzeitsarbeitslose, das geht sich aus Kostengründen nicht aus.“

Und dann kommt vielleicht irgendwer daher, der noch nie hart gearbeitet hat und sagt:

– „Ja, Günther, da hättest du schon ein bisschen auf deinen Körper schauen müssen.“

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen. Ich möchte euch sagen. Es geht nicht nur um einen 12-Stunden-Tag. Es geht nicht nur um Lohnraub. Es geht nicht nur um diese sogenannte Selbstbestimmung der Arbeitenden bei ihrer Arbeitszeit. Es geht nicht nur um Ungerechtigkeit. Es geht bei der Einführung des 12-Stunden-Tages und bei einer maximalen Höchstarbeitszeit in der Woche von 60 Stunden auch um etwas anderes: Es geht um die Würde der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Und wenn Menschen, wie der Günther, die ihr Leben lang gearbeitet haben, dann zu alt sind, dann kickt man sie raus. Und dann will man von ihnen nichts mehr haben. Dann hat man ihnen nicht nur den Arbeitsplatz genommen. Man hat ihnen die Würde genommen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Einführung des generellen 12-Stunden-Tages ist ein Angriff auf die Würde der ArbeitnehmerInnen, den wir abwehren müssen und abwehren werden.“

Nachhören könnt ihr die Rede auf Youtube!

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Gleichberechtigung
Gleichberechtigung
20. Februar 2019 18:27

So ein dummes Weib wie dich würde ich mal gerne auf die Baustelle mitnehmen bis du nur noch auf den Knien nach Hause kommst, mal kucken ob du dann immernoch so ein Mundwerk hast

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Geht dich nichts an
Geht dich nichts an
Reply to  Gleichberechtigung
31. Oktober 2021 23:09

Typisch Frauenhasser, Frauen sind körperlich für den Beruf des Bauarbeiters nicht gemacht aus phsyischen Gründen.
Aber Hauptsache das unter Gleichberechtigung dann der Welt verkaufen wollen hmm?
Keiner sollte zum 12 Stunden Tag gezwungen werden, ihr Frauenhass ist nicht erwünscht.
Oder denken sie nur weil ich eine Frau bin sie haben mir das Recht mich zu einer Bauarbeitertätigkeit zu zwingen?
Kranke Einstellung von ihnen. Gemeldet.

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Gerhard Ranftler
Gerhard Ranftler
3. Februar 2019 16:25

Wie viel Tage haben sie schon 12 Stunden gearbeitet???
Sie haben aber immer noch die 40 Stunden/Woche – oder???
Es gibt heute noch Berufsgruppen die ein 60 Stundenwoche haben, wie leben die Menschen?
Die Rede ist typisch sozialistisch: Hoch die Arbeit, so hach damit man sie nicht mehr erreichen kann.
Im Bau hat sich die letzten 50 Jahre einiges geändert:
40 Wochenstunden anstatt 60 Wochenstunde
Fünftagewoche – früher war Samstag Arbeitstag
2 Wochen Urlaub heute 5 Wochen Urlaub
nix – heute Pflegeurlaub
nix – Möglichkeit von Kuren und physikalischen Behandlungen
Das alle hat ihnen ihre Firma geschenkt – nicht der Staat.
Und was leisten sie heute mehr als damals?

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G.
G.
6. August 2018 20:13

So ein Schwachsinn – den Vergleich kann man ehrlicherweise schon mit der derzeit gültigen Regelung für jeden am Bau bzw. körperlich Arbeitenden Mann (ja, erstaunlicherweise gibt es in Zeiten wo es ja üblich ist in gewissen – ausgewählten – Bereichen Frauenquoten zwecks „Gleichberechtigung“ einzuführen am Fließband und am Bau kaum welche) ziehen!!

Speziell in der Baubranche sind die Arbeiter (Paradebeispiel Asphaltierer…) aus gutem Grund daran interessiert während der Saison möglichst viele Stunden zu arbeiten – zugleich gibt es dafür zB sog. kurze Wochen (also 4 Tage arbeiten, 3 Tage frei).
Oder mit den angehäuften Überstunden im Winter kürzer „stempeln“ zu müssen…

Das alles gibt es doch auch heute schon in mehreren Branchen!
Denke auch dass die meisten leitenden Angestellten usw über die aktuelle Diskussion nur müde lächeln können. Den 8 Stunden-Tag kennt man entgegen dem politischen motivierten und medialen Getöse wohl meist nur vom hören-sagen!
Und mal ernsthaft, wer bekommt heutzutage die Pausenzeiten bezahlt – ausser Politikervielleicht?!?

Möglicherweise ist es dem Pflasterer damals freigestanden zB Medizin zu studieren, dann wäre ihm die Debatte um den 8 vs 12-Sunden Tag vermutlich auch egal… Genau, weil für ihn – wie für viele andere Arbeitnehmer – dann 12 h durcharbeiten normal wäre!!

MfG & schönen Feierabend!

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Für viele Frauen ist Gewalt Teil ihrer täglichen Realität. So erlebt jede dritte Frau in Österreich im Laufe ihres Lebens körperliche oder sexualisierte Gewalt. Jedes Jahr wird am 25. November, dem „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“, auf die vorhandenen Missstände aufmerksam gemacht. Zitat: Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist. Simone de Beauvoir

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Wirtschaftsnobelpreistärger Stiglitz warnt G20 vor globalem Notstand durch Ungleichheit

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