Türkis-Grün

Familienbonus wird neu geregelt – und ungerechter

Der Familienbonus wurde von schwarz-blau 2019 eingeführt und erntete seither einiges an Kritik. 2020 nimmt sich das Regierungsprogramm von ÖVP und Grünen der Sache an – und vertieft die Gräben zwischen Arm und Reich weiter.

2019 hat die schwarz-blaue Regierung den „Familienbonus“ eingeführt. Das Prinzip: umso höher das Einkommen, desto mehr Geld gibt es pro Kind. Denn es handelt sich beim Familienbonus um einen Steuerbonus. Das heißt: Nur, wer genug Geld verdient, um 1.500 Euro Steuern pro Kind im Jahr zu zahlen, kann auch die volle Summe vom Staat in Form des Steuerbonus bekommen. Wer weniger verdient, schaut durch die Finger.

Den Familienbonus bekommt man nicht automatisch. Er wird nur auf Antrag gewährt, entweder monatlich über die Lohnverrechnung oder jährlich nachträglich über die Arbeitnehmerveranlagung.

Ungleichheit verschärft statt ausgeglichen

Die Regierung Kurz-Kogler reformieren den Familienbonus – aber leider nicht zum Guten. Denn anstatt den Unterschied zwischen großen und kleinen Einkommen zu verringern oder gar ganz aufzuheben, wird er sogar noch größer.

Zwar wird der Familienbonus erhöht, allerdings nicht für alle gleich. Bisher gab es für kleine Einkommen einen Bonus von 250 Euro und für die Spitzenverdiener bis zu 1500 Euro. Ab 2020 werden daraus 350 bzw. 1750 Euro. So steht es im Regierungsprogramm von Schwarz und Grün. Wer bisher weniger bekommen hat, bekommt zwar mehr, aber wer bisher ohnehin schon mehr bekommen hat (und von Haus aus schon weitaus mehr hat), bekommt noch einmal mehr.

Wer nichts verdient, Mindestsicherung bezieht oder auf Jobsuche ist, bekommt: gar nichts. Für kein Kind.

750 Euro für Familien mit gutem Einkommen, 98 Euro für die Wenigverdiener

Denn jene Eltern von drei Kindern, die gemeinsam 3.000 Euro brutto im Monat verdienen, bekommt nach dem neuen Modell 2020 um satte 750 Euro mehr. Familien mit drei Kindern mit einem Haushaltseinkommen von 1.500 Euro haben vom neuen Modell gar nichts: Sie erhalten 0 Euro mehr als im alten Modell.

Der Grund dafür: Wer viel verdient, hat auch eine hohe Steuersumme, auf die viel Familienbonus gutgeschrieben werden kann. Wer wenig verdient und damit weniger Steuern zahlt, hat automatisch ein Limit für den Familienbonus. Wer nicht mehr als 350 Euro Steuern bezahlt, bekommt ab dem zweiten Kind kein Geld mehr. Eine einzige Ausnahme gibt es für AlleinverdienerInnen: Sie können unabhängig von der Einkommenshöhe 350 Euro pro Kind beantragen.

Familienbonus 2020 laut RegierungsprogrammGleiches Geld für alle Kinder

Die SPÖ forderte schon im Wahlkampf eine Reparatur des Familienbonus. Die Summe soll für jedes Kind gleich sein, sich also nicht nach dem Einkommen der Eltern richten. Außerdem soll der Betrag monatlich automatisch auf dem Konto eingehen, um Familien laufend zu unterstützen.

So würden auch jene Familien unterstützt, die die Hilfe am dringendsten benötigen. Das bedeutet nicht nur eine tägliche Entlastung für die Eltern, sondern stellt auch eine effektive Bekämpfung von Kinderarmut dar. Denn auch noch 2020 wachsen in Österreich 370.000 Kinder in Armut auf oder sind davon akut bedroht – das sind so viele Kinder, wie Vorarlberg Einwohner hat.

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11 Kommentare

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Lara
Lara

An und für sich eine tolle Sache, nur für Patchworkfamilien nicht durchdacht. Wenn zb der Stiefvater gut verdient, also eine hohe Steuerlast hat, und Anspruch auf den ganzen Bonus hätte, der leibliche Vater allerdings (nur) noch ein paar Euro im Monat Unterhalt zahlt (Kind in Lehre), muss trotzdem mit dem leiblichen Vater (zumindest) geteilt werden, obwohl der leibliche Vater durch den Unterhaltsabsetzbetrag ohnehin schon Gewinn macht. Wenn dann noch die Mutter, (zb aus gesundheitlichen Gründen), Hausfrau ist und die Kinderbeihilfe bezieht, bekommt der leibliche Vater den Bonus zur Gänze. Er zahlt also zb nur noch 7 Euro pro Monat Unterhalt… Weiterlesen »

Mario
Mario

Den Familienbonus kann man auch dem Arbeitgeber melden und erhält somit den Bonus auf monatlicher Basis.

Katzl
Katzl

Ich habe mein Job verloren am 12.12.2018 und im Jahr 2019 eine Summe von 1800 Euro bekommen von Finanzamt, weil damals war auch die kinderfreibetrag, (meine Kinder besuchen privat Kindergarten und Privatschule was kostet Jährlich 3000€,außerdem muss ich die Versicherungen zahlen,) und weil ich bin jetzt bei Ams gemeldet, ich bekomme nur Notstandhilfe, 980 Euro für 4 kopfige Familie , und von Finanzamt kein Cent. Herr Kurz hat sehr gut gemacht,von der arme Familien wo Kinder leben, nimmt diese Hilfe auch weg.

Michael
Michael

Das ist vollkommen OK. Wer nichts tut soll auch nichts bekommen.

felix0001
felix0001

Es gibt Menschen die Arbeiten bis zum Umfallen und verdienen einen Bruchteil von so manchen Mitläufer. Ich wünsche Dir das du gesund bleibst bis 65 Jahre arbeiten kannst und nicht im Alter über 50 deinen Job verlierst, sonst wirst Du Deinen lieben Basti noch verfluchen.

Harald
Harald

Jeder Österreicher mit Kindern hat vom Familienbonus profitiert. Dass Menschen, die mehr Steuern zahlen, auch mehr zurückbekommen, liegt auf der Hand. Wenn jemand 500 Euro Kirchensteuer zahlt, bekommt er mit dem Steuerausgleich auch mehr zurück, als jemand, der nur 50 Euro bezahlt. Vielleicht ist der Autorin der Unterschied zwischen Familienbonus und Familienbeihilfe nicht ganz klar …
Und übrigens: der Familienbonus kann sehr wohl monatlich mit der Gehaltszahlung bezogen werden und muss nicht zwingend über den Steuerausgleich beantragt werden.

felix0001
felix0001

Zum Ersten, wenn du nur 50 Euro Kirchensteuer zahlst wirst nicht 500 Euro abschreiben können – einfach dumm.(Aufwand 50.– Euro) Sozial gesehen stellt sich die Frage ob nicht jedes Kind gleich viel Wert sein soll und eben Familien die eh schon am Hungertuche nagen hier wieder durch den Rost fallen. Wohnen und Essen kostet für alle gleich. Echt ÖVP, einfach Basti…..

Harald
Harald

Das habe ich auch nicht behauptet. Ich habe jemanden, der 500 Euro Kirchensteuer zahlt, mit jemandem verglichen der 50 Euro Kirchensteuer zahlt.

Helga Hess-Knapp
Helga Hess-Knapp

Der Bonus wird als Familienleistung verkauft ist aber nichts anderes als ein Abzugsposten für gut Verdienende ist. Wenn das so ist, dann soll der Bastl das auch sagen, das wäre ehrlicher. Ist es aber eine Familienleistung, dann muss dem Staat jedes Kind gleich viel wert sein. Der Bonus muss mE deswegen als Negativsteuer ausgestaltet werden, dann kann man was von Familie daherfaseln. Also mit diesem Geld könnte man die Familienbeihilfe um 800 für jedes Kind pro Jahr erhöhen und Kindergärten so ausbauen, dass jedes Kind einen Platz in einer Elementarpädagogischen Einrichtung erhalten könnte. Erwerbstätigkeit beider Eltern und die beste Betreuung… Weiterlesen »

… dann soll der
… dann soll der

Bastl das auch sagen …

Hehe, der Bastl! Der Bastl hat Gymnasiumabschluss, nicht mehr, nicht weniger.
Was wollen Sie von so einem erwarten?
Das ist eine „Ich-muss-alles-glauben-was-die-mir-sagen-Null“; auch nicht mehr, nicht weniger.

BASTA!

Christof Waas
Christof Waas

Ungerecht und falsch. Das finde ich auch, aber in einem Punkt glaube ich, dass Ihr falsch liegt. Den Jahresausgleich muss man schon einige Zeit nicht mehr beantragen, der kommt automatisch. Und ob man die Kinder jetzt extra angeben muss, traue ich mich nicht zu behaupten…

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