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Gegen ÖVP-Widerstand: Keine Neuzulassung für Glyphosat in der EU

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Bienen Blume Landwirtschaft Glyphosat

(Foto: Unsplash / Dmitry Grigoriev)

(Foto: Unsplash / Dmitry Grigoriev)

Thomas Hackl Thomas Hackl
in Europa, Good News
Lesezeit:4 Minuten
17. Oktober 2023
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Glyphosat ist das weitverbreitetste Pflanzengift in der EU. Glyphosat ist aber krebserregend und greift Erbgut und Nervensystem an. Seit Jahren kämpfen Umweltschutz-Organisationen für ein Verbot des Pestizids. Bis jetzt ist das am Widerstand der ÖVP gescheitert. Jetzt soll es zu einem Verbot auf EU-Ebene kommen. Denn: Für eine Neuzulassung fehlt die Mehrheit der Mitgliedsländer.

Bleibt Glyphosat in der EU ab 2024 zugelassen? Darüber stimmten am 13. Oktober 2023 Vertreter:innen der EU-Mitgliedstaaten ab. Das Ergebnis: Es gab keine qualifizierte Mehrheit.

Die krebserregende Wirkung von Glyphosat ist seit vielen Jahren bekannt. Es gibt weltweit eine Vielzahl an Studien, die belegen, wie gefährlich das Pestizid ist. Kontakt mit Glyphosat erhöht das Krebsrisiko und kann zu Schäden am Nervensystem und sogar dem Erbgut führen. In Gegenden, in denen Glyphosat intensiv gespritzt wird, erhöhen sich die Fehlgeburten um das Zwei- bis Dreifache. Außerdem vervierfachte sich die Zahl der Missbildungen bei Neugeborenen.

Bienensterben wegen Glyphosat

Aber nicht nur der Mensch leidet unter dem Pestizid, auch Umwelt und Tiere. Das Pflanzengift tötet alle Pflanzen außer jene, die gegen das Gift immun sind. Praktischerweise werden diese immunen Pflanzen von dem gleichen Konzern verkauft, der auch Glyphosat vertreibt: Monsanto, heute Teil der Bayer AG.

Auch Insekten und besonders Bienen sind von den Auswirkungen des Pflanzengifts betroffen. Studien beweisen, dass Glyphosat zum Bienensterben beiträgt.

Biene tot Pestizide Glyphosat
Glyphosat führt zum Tod von Millionen Bienen (Foto: pixabay / rostichep)

Wie kann es also sein, dass dieser Giftstoff noch nicht längst verboten ist. Die Antwort: Konservative Parteien wie die ÖVP sind gegen das Verbot.

ÖVP schützt Agrarkonzerne

Die ÖVP will, dass Glyphosat weiterhin auf den Feldern Österreichs gespritzt werden darf. Konzerne wie Monsanto haben Millionen an Gewinn mit dem Pflanzengift gemacht und Agrarkonzerne und Großbauern sparen sich hohe Kosten in der Produktion, wenn sie unerwünschte Pflanzen vergiften können.

Mehrfacher Beschluss gegen Glyphosat

Die österreichische Bevölkerung sieht das aber anders als die ÖVP und Agrarkonzerne. 93 Prozent der Bevölkerung sind dafür Glyphosat zu verbieten. Die SPÖ brachte im Parlament Anträge für das Verbot des Pflanzengifts ein und zweimal stimmte das Parlament für ein Verbot des Pflanzengifts – gegen die Stimmen der ÖVP.

Glyphosat Landwirtschaft Pestizide
Die ÖVP will das Verbot von Glyphosat verhindern – auch gegen den Willen der Bevölkerung und des Parlaments (Foto: pixabay / hpgruesen)

Nachdem sie ÖVP die Abstimmung verloren hat, ging sie zu einer anderen Strategie über, um das Verbot von Glyphosat zu verhindern: Das ÖVP-geführte Landwirtschaftsministerium verfasste schlicht kein Gesetz, um den Beschluss des Parlaments und den Willen der Bevölkerung umzusetzen.

Zahnloses Teilverbot

Unter Türkis-Grün kam es zu einem Teilverbot von Glyphosat. Das Teilverbot wurde von den Regierungsparteien als großer Wurf gefeiert. In Wirklichkeit war es jedoch eher ein PR-Gag. Das Teilverbot trifft nur Privathaushalte, nicht aber die Landwirtschaft. Die ist jedoch für 90 Prozent des Pestizid-Einsatzes verantwortlich.

Jetzt: Keine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung in der EU

Nun wird Glyphosat wohl trotzdem verboten werden. Das Pflanzengift braucht eine erneute Zulassung innerhalb der EU. Dafür ist eine Mehrheit innerhalb der EU notwendig. Mehrere Staaten sind jedoch gegen eine erneute Zulassung – darunter Österreich. Zwar ist die ÖVP weiterhin gegen das Verbot des Pflanzengifts, jedoch ist der österreichische Landwirtschaftsminister durch einen Beschluss des Parlaments daran gebunden, auf EU-Ebene gegen eine erneute Zulassung zu stimmen.

Wie das deutsche Online-Portal „agrarheute“ berichtet, fehlte im Ständigen Ausschuss der Europäischen Kommission für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel (SCoPAFF) die qualifizierte Mehrheit: Insgesamt stimmten 18 von 27 EU-Staaten mit „ja“ für die Zulassung, 3 mit „nein“ und sechs enthielten sich. In den „Ja-Ländern“ leben 55,03 % der EU-Bevölkerung, in den „Nein-Ländern“ 3,01 % und in den „Enthaltungs-Ländern“ 41,96 %. Für eine qualifizierte Mehrheit und die Zustimmung zur Zulassungsverlängerung für Glyphosat hätte die Anzahl der „Ja“-Stimmen ausgereicht, nur 15 Staaten hätten zustimmen müssen. Allerdings müssen auf die zustimmenden Länder mindestens 65 % der EU-Bevölkerung entfallen. Diese Vorgabe wurde um fast genau 10 % verfehlt.

Gemeinsam mit Österreich stimmten nur Kroatien und Luxemburg gegen eine Verlängerung der Zulassung.

Auswirkungen auf Österreich, Europa und die ganze Welt

Eine fehlende EU-Zulassung würde nicht nur dazu führen, dass das gefährliche Pflanzengift von den Feldern und Tellern in Österreich verschwindet, sondern hätte auch eine wichtige Symbolwirkung auf anderen Teile der Welt. Wenn die EU Glyphosat als gefährlich verbietet, fällt es Umweltschutz-Organisationen und fortschrittlichen Parteien auch in andere Teilen der Welt einfacher, ein Verbot durchzusetzen.

Landwirtschaft Frau Apfel
Der Verbot von Glyphosat in der EU hätte eine wichtige Symbolwirkung für die ganze Welt (Foto: Unsplash / Vitolda Klein)

Besonders in ärmeren Ländern, die stark Agrarexporten abhängig sind wie etwa Argentinien und Brasilien, hätte das Verbot des Pestizids eine starke positive Auswirkung auf die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen.

Parlament Das Thema "Glyphosat" im Parlament

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Die Europäische Kommission

Auf einen Blick Aufgabe: Vorschläge für neue europäische Rechtsvorschriften und deren Durchsetzung. Setzt Strategien um und verwaltet das Budget. Mitglieder: Ein Team, „Kollegium“ genannt, bestehend aus je einem Kommissar je EU-Mitgliedsstaat Präsidentin: Ursula von der Leyen Gegründet: 1958 Standort: Brüssel (Belgien) Das Logo der Europäischen Kommission Die Europäische Kommission ist das unabhängige Leitungsorgan der EU. Ihre 27 Mitglieder, die Präsidentin und 26 Kommissarinnen und Kommissare, werden jeweils von den Regierungen der Mitgliedsstaaten ernannt. Das heißt also, dass jedes EU-Land einen Kommissar bzw. eine Kommissarin entsenden darf. Diese Kommissare schwören aber bei ihrer Angelobung, unabhängig und nur im Sinne der gesamten EU zu handeln. Die Europäische Kommission. Quelle: Bundeszentrale für Politische Bildung Derzeitige Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Den Kommissaren steht

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ÖVP

Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) ist eine der traditionellen Großparteien Österreichs. Sie vertritt vor allem bürgerlich-konservative Werte. Traditionell gilt sie als Interessenvertreterin der Wirtschaft, der Bauern sowie der römisch-katholischen Kirche.

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