4-Tage-Woche

Weltweit größter Versuch in Großbritannien: 86 Prozent wollen 4-Tage-Woche beibehalten

Der weltweit größte Versuch einer 4-Tage-Woche in Großbritannien ist erfolgreich angelaufen und zeigt schon jetzt sehr positive Ergebnisse. So positiv, dass 86 Prozent der befragten Unternehmen überlegen, die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn nach der Testphase beizubehalten. Bereits im Sommer hat CNN Business bei den Beschäftigten und den teilnehmenden Unternehmen nachgefragt: Der neue Alltag ist „phänomenal“.

Für 3.300 Beschäftigte in 70 Unternehmen und Organisationen in Großbritannien heißt es seit Juni 2022: 80 Prozent der üblichen Arbeitszeit arbeiten – und dafür den vollen Lohn bekommen. Der Versuch reiht sich damit in eine Vielzahl an Experimente, bei denen die Auswirkungen von kürzeren Arbeitszeiten untersucht wird. So war der bisher größte Versuch einer 4-Tage-Woche in Island ein überwältigender Erfolg. Auch in Irland oder Schottland starteten Feldversuche. CNN Business hat bereits Anfang August bei den britischen teilnehmenden Unternehmen nachgefragt und es zeigt sich auch hier: Ein Großteil von den Beschäftigten will die verkürzte Arbeitszeit auch nach Ablauf der Testphase beibehalten. Denn die Vorteile spüren die Mitarbeiter:innen bereits nach den vergangenen acht Wochen oder wie es ein Teilnehmer des Versuchs beschreibt:

„Die Fünf-Tage-Woche ist ein Konzept des 20. Jahrhunderts, das nicht mehr für das 21. Jahrhundert geeignet ist.“

Jetzt bestätigt das auch eine Umfrage, die 4-Day-Week-Global durchgeführt hat: 86 Prozent der Unternehmen, die an der Befragung teilnahmen (41 Unternehmen), überlegen, die kürzeren Arbeitszeiten nach der Testphase beizubehalten. Für 88 Prozent funktioniert das neue Modell „gut“ und 95 Prozent gaben an, dass die Produktivität gleich geblieben ist oder sich verbessert hat.

Kürzer arbeiten für das gleiche Gehalt

Der Versuch wird von 4-Day-Week-Global organisiert, zusammen mit dem Think-Tank „Autonomy“. Forscher:innen der Universitäten Cambridge, Oxford und Boston College begleiten den Feldversuch. Sie untersuchen die Auswirkungen der kürzeren Arbeitszeit auf die Produktivität, das Wohlbefinden der Beschäftigten, die Umwelt sowie die Gleichstellung zwischen Männer und Frauen. Von den Beschäftigten wird erwartet, dass sie dem „100:80:100-Modell“ folgen: Sie erhalten 100 Prozent des Lohns für 80 Prozent der Zeit. Im Gegenzug sollen sie versuchen, 100 Prozent der Produktivität aufrechtzuerhalten. Von Juni bis November soll der Versuch laufen, dann können die Unternehmen entscheiden, ob sie bei dem neuen Arbeitszeitmodell bleiben oder zu den längeren Arbeitszeiten zurückkehren.

Die Unternehmen sind dabei sehr vielfältig, sowohl was die Größe als auch die Tätigkeitsfelder betrifft. Diese reichen etwa von Bildung, IT und Online-Handel über Automobilzulieferdienste, Hautpflege bis hin zum Gastgewerbe.

„Im Wesentlichen legen sie den Grundstein für die Zukunft der Arbeit, indem sie die Vier-Tage-Woche in Unternehmen jeder Größe und nahezu jeder Branche in die Praxis umsetzen und uns dabei genau mitteilen, was sie dabei vorfinden“, sagt Joe O’Connor, CEO von 4 Day Week Global zu den Umfrage-Ergebnissen.

Der neue Alltag ist „phänomenal“

Nach den ersten acht Wochen hat CNN Business bei verschiedenen Unternehmen nachgefragt und von einigen Beschäftigten erfahren, dass sie sich bereits jetzt „glücklicher und gesünder fühlen und ihre Arbeit besser machen.“ So beschreibt Lisa Gilbert, Managerin bei einem Kreditanbieter, gegenüber CNN Business den neuen Alltag als „phänomenal“ und „lebensverändernd“. Sie könne das Wochenende wirklich genießen, weil sie den Freitag jetzt dazu nutzen kann, die Hausarbeit oder andere Verpflichtungen zu erledigen – ohne schlechten Gewissen. Andere Befragte erzählen, dass es durch den zusätzlichen Tag möglich wurde, sich „neuen Hobbies zu widmen, langjährige Ambitionen zu verwirklichen oder einfach mehr Zeit in ihre Beziehungen zu investieren“, wie CNN Business berichtet. Während manche Beschäftigte die Zeit nutzen, um Kochkurse oder Klavierunterricht zu besuchen, gingen andere angeln, sporteln oder widmeten sich ehrenamtlicher Arbeit. So sagte etwa Mark Howland, Marketing- und Kommunikationsdirektor einer Charity Bank, gegenüber dem Online-Magazin:

„An meinem freien Tag habe ich ziemlich lange Fahrradtouren gemacht, mich um mich selbst gekümmert, mir eine Auszeit genommen und dann das ganze Wochenende Zeit gehabt, um Dinge im Haus zu erledigen und Zeit mit der Familie zu verbringen.“

Auch aus Sicht der Unternehmensbilanz haben die kürzeren Arbeitszeiten Vorteile. So meinte etwa Claire Daniels, CEO von Trio Media, in der Umfrage von 4-Day-Week-Global:

„Die viertägige Testwoche war bisher äußerst erfolgreich für uns. Die Produktivität ist hoch geblieben, mit einem Anstieg des Wohlbefindens für das Team, zusammen mit einer um 44 % besseren finanziellen Leistung unseres Unternehmens.“

Für über 3.000 Beschäftige in Großbritannien heißt es: kürzer arbeiten für das gleiche Gehalt.

Kürzere Meetings, konzentrierteres Arbeiten

Dabei war der Umstieg nicht überall reibungslos. Bei einer Londoner PR-Agentur sogar „richtig chaotisch“, wie die Geschäftsführerin Samantha Losey erzählt. Doch nach zwei Wochen hat ihr Team erfolgreiche Methoden entwickelt, um in der kürzeren Zeit das gleiche zu leisten wie zuvor. Dazu zählen etwa kürzere Meetings und Phasen für konzentrierteres Arbeiten. Sie rechnet zu 75 Prozent damit, dass das Unternehmen die Produktivität im Laufe des sechsmonatigen Experiments halten kann – und damit die Vier-Tage-Woche beibehalten werden kann.

„Das Team kämpft bisher unglaublich hart dafür“, so die Geschäftsführerin.

Laut der Umfrage von 4-Day-Week-Global war die Umstellung für 78 Prozent der Unternehmen reibungslos und nur für 2 Prozent eine große Herausforderung. Nicci Russell, Geschäftsführerin von Waterwise, meinte etwa: „Es war am Anfang kein Spaziergang im Park, aber keine große Veränderung ist es jemals, und wir wurden vom 4-Tage-Woche-Global-Team gut gebrieft und vorbereitet. Wir mussten alle daran arbeiten – einige Wochen sind einfacher als andere und Dinge wie der Jahresurlaub können es schwieriger machen, alles unterzubringen – aber wir sind jetzt insgesamt viel zufriedener damit als zu Beginn.“

Diese Erkenntnis entspricht auch der Auswertung im Isländischen Versuch. Dort hat sich auch gezeigt, dass die effektivsten Methoden ganz konkret auf den jeweiligen Arbeitsplatz angepasst waren: etwa weniger oder kürzere Sitzungen oder eine bessere Aufgabenverteilung zwischen den Mitarbeiter:innen. Das Pflegepersonal änderte den Schichtbetrieb und manche Büros schlossen freitags früher, weil es weniger zu tun gab.

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accurate_pineapple
accurate_pineapple
9. August 2022 09:04

Das würde mit der schwarzen Brut und den Neos auf keinen Fall bei uns zur Umsetzung gebracht.
Die wollen weiter umverteilen von unten nach oben.
4 Tage Woche würde bedeuten, dass nicht mehr soviel umverteilt werden kann.
Das lässt die schwarze Brut und Neos nie und nimma zu.

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