Video zu SPD

Böhmermann erklärt, warum Millionen Menschen eine starke Sozialdemokratie brauchen

Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann findet in einer Rede in der Rolle eines SPD-Politiker, dass sich die Sozialdemokratie auf jene konzentrieren sollte, die die SPD am meisten brauchen: die Niemande im Land. Jene, die viel arbeiten für wenig Geld, die sich Mitmenschen kümmern, die jedes Monat mit dem Geld kämpfen. Kurzum: All jene, die nicht auf die Butterseite des Lebens gefallen sind. Sie alle brauchen eine starke Sozialdemokratie.

Die SPD wählt am 29. November 2019 einen neuen Vorsitz. Unter anderem hatte sich auch der deutsche Satiriker Jan Böhmermann beworben. Für ihn eine weitere gute Möglichkeit, das politische Tagesgeschehen im Land zu kommentieren und mitzumischen. Ende Oktober zog er sein Vorhaben zurück, zog sich in den „sozialdemokratischen Untergrund zurück“ – und nützt seine Öffentlichkeit weiterhin, um seine Vision einer starken Sozialdemokratie publikumswirksam zu verbreiten.

Mit seiner „Montagsrede“ vom 25. November ist ihm das gelungen. Das Video verbreitet sich schnell auf Twitter und Facebook. Wir haben zusammengefasst, was die SPD laut Jan Böhmermann tun soll – und was nicht!

„Sozialdemokratischer Untergrund“ steht auf dem roten Transparent. Dahinter, erhöht, steht Jan Böhmermann, in roter Jacker, rotem Kapperl und Sicherheitsweste. Vor ihm traben Gleichgesinnte im Kreis. Es ist eine weitere von Böhmermanns „Montagsreden“, mit denen er sich an Sozialdemokraten und Sympathisanten wendet. Was er will? Eine neue, starke SPD. Doch wie soll sie aussehen?

Eine Sozialdemokratie soll sich nicht um Reiche kümmern

Wer Millionen oder gar Milliarden am Konto hat, der braucht die SPD nicht. Der hat mehr von Parteien, die dafür sorgen, dass er möglichst wenig abgeben muss. Es sind Menschen, die „in einer absurden Parallelgesellschaft von Privatinternat und Offshore-Firmen“ leben und für die unsere Wirtschaftsordnung bestens funktioniert. Viele andere haben darunter aber zu leiden.

Jan Böhmermann: „Niemand braucht die SPD“

Die Sozialdemokratie muss sich um die kümmern, die sie am meisten brauchen: Die „Niemande“ im Land. Denn alle anderen die „von und zus“ haben ohnehin ein sorgenfreies Leben. Wer sind diese „Niemande“? Jene, die wissen, was Geldsorgen sind „und was es heißt, „ab Mitte des Monats nur noch Einzuheizen, wenn es unbedingt notwendig ist“. Sie haben keine Lobby. Sie brauchen eine Partei, die ihre Existenzsorgen beendet.

„Es sind die Leute, deren Leben im großen Lauf der Dinge nichts zählen. Weil sie nichts zu spenden und nichts zu vererben haben. Es sind die Niemande, die jeden Tag in der Früh aufstehen und für ein Gehalt zur Arbeit fahren. Es sind auch die, die jeden Tag aufstehen und Kinder versorgen oder sich um pflegebedürftige Menschen kümmern. Ohne dafür entlohnt zu werden. Es sind aber auch jene, die hunderte Bewerbungen jeden Tag verschicken in der Hoffnung Arbeit zu finden. Ja, die SPD ist eine Partei der Niemande. Und darauf sind wir stolz.“

Den „Arbeiter des 19. Jahrhunderts“ gibt es nicht mehr

Vor 130 Jahren waren es die Habenichtse, die Fabrikarbeiter – und Arbeiterinnen – die sich zu einer Bewegung zusammengeschlossen haben. Sie haben die Sozialdemokratie gegründet. Weil sie wussten: Wir sind die Vielen, ohne uns läuft es nicht – deshalb wollen wir auch eine Partei haben, die dafür kämpft, dass wir ein besseres Leben haben. Die Partei, die SPD, gibt es bis heute. Doch die Zeit, in der es ein ganz klares Bild des (Fabrik)Arbeiters gab, ist vorbei. Die „Niemande“ von heute sind vielfältiger – und oft auch unsichtbarer:

„Die Niemande von heute sind nicht mehr nur die schmutzbedeckten Fabriksarbeiter_innen und eigentlich waren sie es nie allein. Die Arbeiter_innen von heute sind viele und sie sind überall verteilt und vereinzelt. Es ist die Hebamme, die drei Kreißsäle auf einmal betreuen muss, weil es viel zu wenige angestellte Hebammen gibt. Es ist aber auch die prekär arbeitende freie Journalistin, die mal in der Bibliothek und mal im Café schreibt und deren Name den großen Chefredakteuren nicht über die Lippen kommt. Es ist der Paketlieferant, der sich nach wenigen Jahren den Rücken ruiniert hat und dann nicht mehr gebraucht wird. Es ist der Praktikant, der sich ohne Bezahlung die achso wichtige Berufserfahrung auf eigene Kosten aneignen muss. Es sind aber auch nach wie vor die vielen Menschen, die jeden Tag ihren Schichtdienst antreten. Sie alle eint, dass sie kein Vermögen und keinen Besitz haben und nie genug verdienen werden um etwas anzusparen.“

Die politischen Spielbedingungen haben sich geändert

Diese „Niemande“ – also die Vielen – stehen vor einem Problem, genauso wie die SPD. Denn unsere Demokratie funktioniert nicht so, dass es einen nüchternen Wettbewerb von Ideen gibt. Es ist nicht so, dass am Ende die politische Vision gewinnt, die den Vielen ein besseres Leben verschafft. Es wird nicht auf Augenhöhe debattiert, sondern es zählt, wer am lautesten schreit – oder am besten bezahlt. Umso wichtiger, dass die Sozialdemokratie sich und den Interessen der Vielen mehr Gehör verschafft – und damit auch mehr Zuspruch:

„Wir leben in einer ungleichen Zeit. Wie haben keinen Basar der Meinungen, in denen sich die beste und rationalste durchsetzt. Wir haben ein gekipptes Spielfeld zu Gunsten derer, die sich Meinung und Öffentlichkeit kaufen können. Wir, die SPD, sind die Stimme derer, die für sich allein, ungehört bleiben. Lasst uns für gleiche Verhältnisse für die Niemande sorgen.“

Gerechtigkeit und Solidarität für die Vielen statt Macht und Kontrolle für wenige

Der SPD-„Politiker“ Jan Böhmernann will die Verhältnisse im Land umkehren. Dass einige wenige unfassbar viel Geld und Macht angehäuft haben während die Mehrheit schuftet und um Gehör ringen muss, ist nicht gerecht. Die Sozialdemokratie ist für Böhmermann die Partei, die umverteilt: nicht nur Geld, sondern auch das politische Gewicht.

„Es ist die größte Ungerechtigkeit unserer Zeit, dass die Einen nicht wissen wohin mit ihrem Geld, während Andere verhungern. Gerechtigkeit für jene, die nicht im Licht, sondern im Schatten stehen, das war und ist die Kernaufgabe der Sozialdemokratie.“

Es gilt nicht nur: Niemand braucht die SPD. Es gilt auch: Niemand braucht den Sozialstaat. Niemand braucht Medienfreiheit. Niemand braucht Zusammenhalt. Niemand braucht Mitgefühl.

Die Grundwerte der Sozialdemokratie – ob in Deutschland oder Österreich – stehen den Interessen der Reichsten und Mächtigsten diametral entgegen.

„Die stärksten Waffen der Oberen sind Disziplinierung, Macht, Kontrolle, und Netzwerke. Wir stellen dem Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität gegenüber.“

Im Verteilungskampf „die vielen da unten“ gegen die „wenigen da oben“ stellt sich die Frage nicht, auf wessen Seite die SPD zu stehen hat.  Die Sozialdemokratie ist die Partei, die mit, neben und hinter den Vielen, den Niemanden kämpft, findet Böhmermann.

„Wir sind die Partei derer, die Unten sind. Wir sind die Partei der Niemande. Im Kampf Oben gegen Unten gibt es keine Mitte. Wer sind wir also? Wer braucht die SPD im 21. Jahrhundert noch? Niemand.“

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