Montage, Foto: Arno Melicharek, BKA
Medien & Kritik

Inserate-Flut: Kanzleramt verdreifacht Ausgaben für Werbeeinschaltungen im ersten Quartal

Fast neun Millionen Euro gab Sebastian Kurz im ersten Quartal 2021 für Inserate und PR-Schaltungen aus. Das ist eine Steigerung von 300 Prozent im Vergleich zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. Während die öffentlichen Stellen bei den Ausgaben für Werbung im Schnitt sparsamer waren, zeigt sich die schwarz-grüne Regierung spendabel. Das liegt nicht nur an den Corona-Kampagnen.

„Kurz kann jetzt Geld scheißen“, formulierte Thomas Schmid, damals Kurz-Mann im Finanzministerium, mittlerweile zurückgetretener ÖBAG-Alleinvorstand, als Sebastian Kurz noch Außenminister war. Heute ist Kurz Bundeskanzler, und seine Werbeausgaben lassen darauf schließen, dass er immer noch kein Problem mit finanzieller Liquidität hat. Laut der Medientransparenzseite RTR gab das Bundeskanzleramt zwischen Jänner und März 2021 dreimal so viel Geld für Inserate aus als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Während die öffentlichen Stellen von Bund und Ländern insgesamt weniger Budget für PR und Eigenwerbung ausgaben, stockte Sebastian Kurz (ÖVP) seinen Etat auf.

Mit satten 8,9 Millionen Euro verzeichnet die Stabsstelle des Kanzlers ein Plus von 300 Prozent, weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz findet sich das Finanzministerium mit einer Million Euro, gefolgt vom Bildungsministerium um fast eine Million Euro. Sparsam waren die Bundesländer, die zehn Prozent einsparten und zusammengerechnet 6,5 Millionen Euro in Inserate steckten. An der Spitze der Bundesländer steht die Stadt Wien mit rund 4,1 Millionen Euro, allerdings um circa 1,1 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Während die öffentliche Hand ihre Ausgaben gesamt um rund fünf Prozent im Vergleich zum Beginn des Jahres 2020 verkleinerte, waren die Ministerien von ÖVP und Grünen spendabel. Der Gesamt-Etat betrug 13,8 Millionen Euro, eine Steigerung um rund 70 Prozent. Noch nie gab eine Regierung in einem ersten Quartal so viel Geld für Eigenwerbung aus. Die Meldepflicht besteht seit 2012.

Die Ausgaben des Bundeskanzleramts im Detail
wdt_ID Medium Q1 / 2021 Q2 / 2021
1 98.3 Superfly 8.951 0
2 Antenne Kärnten 57.622 10.592
3 Antenne Steiermark 111.722 23.413
4 Antenne Vorarlberg 39.458 7.090
5 ATV 130.853 0
6 ATV2 27.045 0
7 Bezirksblätter Burgenland 7.830 11.947
8 Bezirksblätter Niederösterreich 31.787 49.690
9 Bezirksblätter Salzburg 11.559 17.188
10 Bezirksblätter Tirol 18.129 27.825

So viel PR-Budget wie Österreichs größte Unternehmen

Rechnet man das Budget auf das noch laufende Jahr hoch, wird der Kanzler bis Jahresende 36 Millionen Euro ausgeben. Damit spielt er bei den größten Werbevolumina des Landes mit und landet hinter Metro, Porsche und der Telekom auf Platz 11. Der entscheidende Unterschied liegt wohlgemerkt darin, dass Kurz Steuergelder ausgibt, um in Österreichs Medien Werbung zu schalten.

Schon im Vorjahr stiegen die Ausgaben des Kanzlers. Genau 27.734.557 Euro gab Kurz 2020 für Eigenwerbung und Kampagnen aus. Als Grund gibt die Regierung gerne die Corona-bedingten Informationskampagnen an. Doch ein Blick zurück zeigt: Sebastian Kurz steigert seine Selbstdarstellungskosten seit Jahren. Seit seinem Amtsantritt 2018 hat sich der Werbeetat des Bundeskanzleramts verfünffacht.

Es profitiert der Boulevard

Besonders reich beschenkt wurden die großen Boulevardmedien des Landes: Allein vom Bundeskanzleramt bekam die „Kronenzeitung“ 1,3 Millionen Euro, die Gratisblätter „Heute“ 665.000 Euro und „Österreich“ 640.000 Euro. Von allen 500 meldepflichtigen Stellen des Bundes und der Länder samt ihrer Unternehmen gingen 10,8 Millionen Euro, also genau ein Drittel allein an „Krone“ (4,7 Millionen), „Heute“ (3,1 Millionen) und „Österreich“ (drei Millionen).

An die größten Tageszeitungen (inkl. Online-Auftritt) gingen insgesamt 870.000 Euro. Im „Kurier“ schlugen die PR-Einschaltungen mit rund 365.00 Euro auf, im „Standard“ mit rund 295.000 Euro und in der „Presse“ mit fast 210.000 Euro.

kurz pr ausgaben kogler babyelefant

Das wohl berühmteste Kleintier Österreichs: Die PR für den Babyelefant nutzte die Regierung gleich zum Fototermin.

Auf der Flohmarkt-Plattform „Willhaben“, die sich im Besitz der katholischen Kirche befindet, schaltete das Bundeskanzleramt Inserate um über 50.000 Euro. Auf der Streaming-Seite „TV Now“ warb der Kanzler um fast 85.000 Euro, auf der Musik-Streaming-App „Spotify“  immerhin um rund 16.500 Euro. An Facebook gingen rund 14.000 Euro, auf Google zeigte sich der Kanzler mit 6.000 Euro im Vergleich geradezu sparsam.

Gefährliches Naheverhältnis

Laut „Standard“ kann man die erhöhten Ausgaben während der Krise auch als Ausgleich der öffentlichen Hand für eingebrochene Werbeeinnahmen während der Corona-Krise verstehen. Wohin solche Methoden führen können, zeigte vergangene Woche der ehemalige Krone-Redakteur Thomas Schrems. Er schilderte in einer Abrechnung auf Facebook, wie die Kurz-Truppe unabhängige Journalistinnen und Journalisten mit Reisen, Events und Exklusiv-Storys anfüttert und dann Druck ausübt, um die Berichterstattung im Sinne des Kanzlers zu beeinflussen. Es lässt sich wohl als Ergebnis dieser Politik lesen, wie schnell die unzähligen Skandale der türkisen Familie von den Titelseiten des Landes verschwinden.

Message-Control: ÖVP-Skandale landen nicht auf Titelseiten

Inserate-Flut: Kanzleramt verdreifacht Ausgaben für Werbeeinschaltungen im ersten Quartal

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Franz
Franz
26. Juni 2021 21:55

Unser Geld wird also für sinnlose hirnlose Propaganda verschossen ? Super wird haben es ja “!!! Am Ende fällt uns das alles auf den Kopf. Irgendwann kommt die ‚Corona Abgabe und unser Kurz grinst in die Kamera so wie Platter esist halt so.

Frank
Frank
17. Juni 2021 22:36

es geht solange bis die Mainstream Medien draufkommen das sie sich nur kaufen lassen haben und sich der Leser abwendet , es ist so wie bei und den Sozialdemokraten bis die Wähler eben draufkommen das sie von ihrer Arbeiter Partei nicht mehr vertreten werden

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