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Frauen-Fußball

Mädchen & Fußball: Was Österreich für die nächste EM braucht

Österreichs Frauen haben es bei der Fußball EM im Sommer bis ins Halbfinale geschafft. Trotz des überraschenden Erfolgs der Fußballerinnen haben nach wie vor nur drei österreichische Bundesliga-Vereine eigene Frauen-Teams. Es gibt zu wenige Sponsoren, die Mädchen und Frauen müssen um Platz zum Trainieren kämpfen und das mediale Interesse fehlt. Wir haben nachgeforscht, was notwendig wäre, um den heimischen Frauenfußball wirklich in die Höhe zu bringen.

Im Sommer 2017 gab es endlich was zu freuen für österreichische Fußball-Fans. Es waren die Frauen, denen vor den Fernsehern und Public-Viewing-Leinwänden zugejubelt wurde. Das Nationalteam war zum ersten Mal für die EM qualifiziert und hat Spiel für Spiel alle Erwartungen übertroffen. Schlussendlich konnten Nadine Prohaska, Laura Feiersinger, Manuela Zinsberger und Co in den Niederlanden den dritten Platz erreichen.

Angesichts des Erfolges wurde sogar beschlossen, das Halbfinale auf dem Rathausplatz zu zeigen: 12.000 Menschen fieberten mit – inklusive Politpromis vom damaligen Bundeskanzler Kern bis zu Bundespräsident Van der Bellen. Selbst der Boulevard, der sich in seiner Berichterstattung anfangs noch auf das Aussehen der Spielerinnen beschränkt hatte, schrieb – patriotisch gestärkt – über die sportlichen Leistungen. Das Sommermärchen war perfekt.

Zu wenig Sponsoren und Förderung

Mädchen Fußball Mädchenfußball Verein Fußballverein Österreich WienDoch wie steht es nach der kurzen Aufmerksamkeitswelle um den österreichischen Frauenfußball? Die meisten Nationalspielerinnen leben nicht in Österreich, da sie bei deutschen Vereinen unter Vertrag sind. Der Schritt ins Ausland ist die einzige Möglichkeit, als Profispielerin aktiv zu sein.

Fragt man bei einem Fußballverein nach, wo es im Frauenfußball hakt, lautet die Antworten meist: Es fehlt am Geld, am politischen Willen, an Unterstützung und an medialem Interesse. Dabei interessieren sich immer mehr Mädchen für Fußball. Am potentiellen Nachwuchs fehlt es den meisten Vereinen nicht.

Frauen zahlen, um in der Bundesliga spielen zu dürfen

In Österreich kann keine Fußballerin ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Im Gegenteil: Es gibt Klubs, in denen die Frauen mitzahlen müssen, um in der Bundesliga spielen zu können – zum Beispiel beim FC Südburgenland. Obfrau Christine Koch zieht nüchtern Bilanz: „Wir haben einfach kein Geld, keinen Sponsor. Wir können unseren Spielerinnen keinen finanziellen Anreiz bieten.“

Rekordmeister ist der Fußballverein SV Neulengbach. Er holte von 2003 bis 2014 jedes Jahr den Meistertitel, kann dieses Jahr kein B-Team stellen, weil zwei Sponsoren abgesprungen sind. Die Ausnahme bildet der finanzstarke SKN St.Pölten, bei dem fünf Frauen aus dem EM-Kader spielen. Außer dem SK Sturm, der vom Männerteam lebt, und USC Landhaus, der seit dieser Saison mit FK Austria Wien kooperiert, tun sich alle Vereine schwer mit Frauenfußball.

Licht über St. Pölten, sonst weitestgehend tiefe Nacht

Vor dem Hintergrund der desaströsen finanziellen Situation des österreichischen Frauenfußballs stellt sich die Frage, wie sich ein qualitativer Schub in der höchsten Spielklasse entwickeln soll. Ein wichtiger Schritt war zweifelsfrei die Gründung des Nationalen Fußballzentrums in St. Pölten 2011, die Kaderschmiede für junge Spielerinnen – immerhin waren neun Absolventinnen des Ausbildungszentrums im EM-Kader.

Dominik Thalhammer, Teamchef und Gründer des Zentrums, ist ohne Frage ein Glücksfall für den Frauenfußball. Aber unter der Spitze ist die Situation prekär, Frauenteams gelten als finanzielle Belastung der Vereine und müssen um Ausstattung oder Platz für das Training streiten.

Bundesliga-Vereine mit Frauenteams: SKN St.Pölten, Sturm Graz, FK Austria Wien

1989 hat der First Vienna FC als erster Bundesliga-Klub ein Frauenteam gegründet. Nach ihrem Abstieg 1992 war Wacker Innsbruck der nächste Fußballverein mit Frauenteam – allerdings erst 2oo6. Von den Vereinen, die zurzeit in der Bundesliga der Männer spielen, haben nur der SKN St. Pölten, Sturm Graz und der FK Austria Wien Frauenteams. Große Teams wie Rapid oder FC Red Bull Salzburg leben weiterhin in der frauenfußballfreien Welt.

Der Großteil der Männer-Bundesliga zeigt keine Bereitschaft, sich dem Frauenfußball zu öffnen und auch seitens des ÖFB fließen nur rund ein Zehntel des Jahresbudgets in den Frauenfußball.

Es geht auch in der 3. Liga: First Vienna FC zeigts vor

Mädchen Fußball Mädchenfußball Verein Fußballverein Österreich WienDass es mit Engagement und dem richtigen Umfeld auch anders gehen kann, zeigt etwa der Ostliga-Verein First Vienna Football Club. Bei der Vienna trainieren drei Mädchenmannschaften (U11, U14, U16) sowie zwei Frauen-Teams. Und man will das Angebot noch weiter ausbauen: Melden sich genug Mädchen, startet die Vienna im Herbst mit einem U10-Team. Der Verein verzeichnet Erfolge: Die Erwachsenen spielen in der Wiener Frauen Landesliga und gingen Ende 2017 als Herbstmeisterinnen in die Winterpause. Und auch der Nachwuchs spielt in der Wien Meisterschaft.

 

Die Politik ist gefragt

Was es in Österreich braucht, um den Frauenfußball voran zu bringen, kann in einigen Punkten zusammengefasst werden: Es braucht mehr Sponsoren, mehr staatliche Förderung, eine Abkehr von den Rollenklischees in den Schulen, Druck auf die großen Fußballvereine und ausreichende Trainingsplätze und TrainerInnen.

Damit Fußballerinnen den Respekt bekommen, den sie verdienen, und Mädchen zu weiblichen Role-Models im Fußball aufschauen können, braucht es Veränderung. Ohne Druck auf die zuständigen Institutionen wird es diese Veränderung aber nicht geben.

Kontakt zum First Vienna FC:

Tel.: +43/1/368 61 36
Fax: +43/1/368 61 36-5
E-Mail: office@fcvienna.com
Kontakt zu Nachwuchsleitung

 

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Gerhardic

    23. Januar 2018 um 13:25

    Österreich braucht keinen Frauenfußball, genausowenig wie es Männerfußball braucht! Ein Kickerl am Waldrand wäre o.k., aber keine Stadien, Meisterschaften, Funktionäre und ProfiballesterInnen – allesamt sinnlose Geldvernichtungsmaschinen.

    Würde man das viele Geld in Bildung anstatt in Ballesterei investieren, hätte die gesamte Bevölkerung etwas davon…

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