Verteilungsgerechtigkeit

Was uns Pokémon Go über die Schieflagen der ökonomischen Entwicklung verrät

Vor einer Woche hat Nintendo das Smartphone-Spiel Pokémon Go offiziell freigegeben. Die Hysterie ist groß, die Dimensionen rekordverdächtig: Obwohl das Spiel offiziell erst in Australien, Neuseeland und den USA zu finden ist, sind bereits fast 8 Millionen dem Spiel verfallen. Was die Nutzungsintensität angeht, bewegt sich Pokémon Go schon jetzt in einer Liga mit Twitter, Snapchat oder WhatsApp. Und der Börsenwert von Nintendo hat sich innerhalb von wenigen Tagen um fast 60 Prozent gesteigert. Noch in dieser Woche soll die App dann offiziell auch in Österreich verfügbar sein. Doch was lehrt uns Pokémon Go über die Entwicklung der globalen Wirtschaft und ihre Folgen?

Die lokale Wirtschaft verliert

Die ganze Welt spielt Pokemon Go, aber wirtschaftlich profitieren eigentlich nur ein großes kalifornisches und ein japanisches Technologieunternehmen. Eine Mio. Dollar täglich soll Nintendo derzeit mit Pokemon Go verdienen. Geld, das aus der ganzen Welt, aus Europa wie Asien kommt und den dortigen Wirtschaftskreisläufen entzogen wird. Man könnte sagen, das ist nicht erst heute so: Auch vor fünfzig Jahren wurden die Autos, die man kaufte, nicht unbedingt in der gleichen Stadt produziert und die Filme, die man im Kino sah, jedenfalls auch nicht. Doch ob Auto- oder Filmindustrie, die großen Industrien des 20. Jahrhunderts haben immer auch Möglichkeiten für die lokale Wirtschaft geboten: Autos aus Wolfsburg oder Detroit mussten bei Autohändlern vor Ort verkauft und in Autowerkstätten repariert werden. Filme wurden in Kinos gezeigt. Dazu mussten die Häuser gebaut und Menschen beschäftigt werden, das hat auch die lokale Wirtschaft etwas stimuliert.

Viel Umsatz, wenig Beschäftigte und keine Steuern

Im Unterschied dazu schaffen die großen Internetfirmen so gut wie keine regionalen Arbeitsplätze oder bringen relevante Geldmengen in der Region in Umlauf. Wir kaufen beim Internet-Riesen Amazon und nicht mehr beim Buchhändler nebenan. Firmen stecken ihr Werbebudget mehr und mehr in Facebook und Google, Geld das schließlich bei lokalen Zeitungen oder Fernsehstationen weniger wird.

Die Internet-Riesen Amazon, Facebook, Google und Apple erwirtschafteten 2013 dreimal so viel Umsatz und mehr als zehnmal so viel Gewinn wie alle ATX Konzerne zusammen. Dabei kommen sie aber mit wenig Beschäftigten aus und zahlen lächerlich geringe Steuern. Natürlich bringt die Digitalisierung der Wirtschaft und den Menschen auch enorme Vorteile, darunter rasche und vereinfachte Kommunikation, Datenverarbeitung oder rascher Zahlungsverkehr.

Doch sie bringt für die Beschäftigung und die Zukunft unseres Sozialsystems auch viele Herausforderungen mit sich, die bei Zeiten erkannt werden müssen. Einige davon sind etwa die lückenlose Besteuerung von globalen Konzernen oder mehr Abgaben für Branchen mit hoher Wertschöpfung und geringer Beschäftigung. Außerdem ist die Förderung von Innovation und Technologie notwendig, um die Internet- und Technikbranche auch in Österreich zu stärken.

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