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Meinungsmache für Superreiche: So beeinflusst die Denkfabrik Agenda Austria die Öffentlichkeit

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Michael Mazohl Michael Mazohl
in Klassenkampf von oben
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27. November 2024
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Unabhängig von den Vielen – wie die Denkfabrik für das reichste Prozent der Bevölkerung Politik und öffentliche Meinung formt. Ein Beitrag von Autor Michael Mazohl in seiner Kolumne „Klassenkampf von oben“.

Kaum dreht man den Fernseher auf, erklärt ein besorgter Ökonom der Agenda Austria, warum es schlecht stehe um den Sozialstaat. Und genau dafür wurde die Agenda Austria gegründet: Das Institut im wissenschaftlichen Mäntelchen ist ein Werkzeug der reichsten und einflussreichsten Personen und ihrer Unternehmen, das gezielt öffentliche Diskurse prägen soll. Seit ihrer Gründung 2013 verfolgt die Agenda Austria eine klare neoliberale Agenda: weniger Staat, mehr Markt, und Privatisierungen in zentralen Bereichen wie Gesundheit und Pensionen. Ihre Selbstbeschreibung als „lösungsorientiert, wissenschaftlich und unbestechlich“ entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als PR-Strategie – ihre eigentlichen Interessen liegen anderswo.

Wer zahlt, schafft an

Finanziert wird die Agenda Austria von Unternehmern, Privatstiftungen und Konzernen. Namen wie die Erste Bank, Raiffeisen, REWE, Mondi und Privatpersonen wie Hand Michael Piech (Volkswagen) lassen sich die Arbeit der Agenda Austria 1,7 bis 2 Millionen Euro im Jahr kosten. Diese Geldgeber:innen haben kein Interesse daran, gesellschaftliche Ungleichheit zu bekämpfen, sondern sehen sie als notwendiges Übel – oder gar als Tugend, um Effizienz und Wachstum zu fördern.

Was Unabhängigkeit wirklich bedeutet

Die Agenda Austria betont immer wieder ihre „Unabhängigkeit“ – besonders gegenüber staatlicher Einflussnahme. Doch diese Unabhängigkeit ist bestenfalls einseitig. Während traditionelle Institute wie das WIFO oder das IHS durch öffentliche Gelder finanziert werden, um gerade keine privaten Interessen vertreten zu müssen, verlässt sich die Agenda Austria ausschließlich auf privatwirtschaftliche Mittel. Ihre Geldgeber wissen, wofür sie zahlen: Die Agenda Austria liefert Studien, Analysen und Argumente, die ihren marktwirtschaftlichen Vorstellungen entsprechen. Die Politikwissenschaftler Matthias Schlögl und Dieter Plehwe bringen es auf den Punkt: „In einem Think Tank wie Agenda Austria ist eine direkte Einflussnahme der Geldgeber gar nicht nötig – die zahlungskräftige Kundschaft weiß genau, was sie bekommt.“

Die Struktur der Finanzierung – laut Eigenangaben zahlt niemand mehr als 7 % des Budgets – verschleiert diese Einflussnahme geschickt. Doch die Zusammensetzung des Förderkreises zeigt, dass die wirtschaftlichen Interessen der Geldgeber und die politische Agenda des Think Tanks perfekt aufeinander abgestimmt sind. Die Agenda Austria muss gar nicht explizit gesteuert werden, denn ihre ideologische Grundausrichtung – neoliberal, marktfundamentalistisch und sozialstaatskritisch – entspricht genau den Wünschen derjenigen, die sie finanzieren.

Ein globales Netzwerk

Die Agenda Austria ist als Teil eines internationalen Netzwerks neoliberaler Organisationen einzuordnen, wie der Mont Pèlerin Society und dem Atlas Network. Diese Institutionen eint das Ziel, den Sozialstaat zu schwächen und marktliberale Ideologien zu fördern. Ihr Einfluss reicht bis in höchste politische Kreise, was zeigt: Hier geht es nicht nur um Debatten, sondern um Macht und Gestaltung gesellschaftlicher Realitäten.

Diskurssteuerung statt Forschung

Die Wirkung der Agenda Austria entfaltet sich weniger durch wissenschaftliche Forschung, sondern durch eine gezielte Beeinflussung des öffentlichen Diskurses: mit einfachen Botschaften, professioneller Medienarbeit und starken Kontakten zu Tageszeitungen und Fernsehsendern wie Die Presse oder ServusTV platziert die Denkfabrik ihre Argumente geschickt. Diese drehen sich stets um dieselben Kernthesen: Der Markt löse Probleme besser als der Staat, soziale Sicherheit sei ineffizient, und wirtschaftliche Freiheit übertrumpfe stets Solidarität.

Klassenkampf von oben

Die Agenda Austria ist ein zentraler Akteur im „Klassenkampf von oben“. Sie repräsentiert nicht die Interessen der breiten Bevölkerung, sondern eines kleinen und wirtschaftlich mächtigen Förderkreises, der seinen Einfluss auf Kosten des gesellschaftlichen Zusammenhalts ausweitet. Während Organisationen wie Gewerkschaften oder das Momentum-Institut offen für die Interessen der Vielen eintreten, tarnt sich die Agenda Austria als unpolitischer Problemlöser.
Das nächste Mal, wenn die Agenda Austria wieder vom „schlanken Staat“ spricht, sollte klar sein, wer dabei wirklich gewinnt – und wer verliert. Denn hinter den schicken Grafiken und eloquenten Kolumnen steckt ein Ziel: Die öffentliche Meinung zugunsten der oberen 1 % zu beeinflussen. Ihre „Unabhängigkeit“ ist dabei kein Zeichen von Neutralität, sondern ein clever inszenierter Vorwand, um sich gezielt den Wünschen und Interessen ihrer finanziellen Gönner anzupassen.

„Die Agenda 1% Austria“ im Podcast!
In seinem neuen Podcast „Hinter der Fassade“ demaskiert Autor Michael Mazohl Rechtspopulismus und Neoliberalismus. In der aktuellen Episode begibt er sich tief in die Abgründe des real existierenden Neoliberalismus – „Hinter der Fassade“ der Agenda Austria. Mit vielen Zitaten prominenter Gründerväter, einem Deep Dive in den Förderkreis der Denkfabrik, einer kurzen Geschichte des Neoliberalismus, sowie einer Analyse der Diskusstrategie. Gleich reinhören und abonnieren!
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4 Comments
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Thomas Berger
Thomas Berger
14. November 2025 07:38

Und wer finanziert die Denkfabrik der Frau Blaha?? Im Unterschied zur Agenda Austria wird das rote Gegenstück aus Zwangsbeiträgen der Arbeiterkammer finanziert

0
-4
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Peter Seidl
Peter Seidl
Reply to  Thomas Berger
17. November 2025 12:39

Na und? Seins doch froh, wenn die Arbeiterkammer was für die Arbeitnehmer macht.
Außer sie sind reich, dann verstehe ich, dass Sie das stört.

8
0
Antworten
Sailing
Sailing
12. Juni 2025 11:13

aha! Und die linken Denkfabriken versuchen die öffentliche Meinung nicht zu beeinflussen und sind natürlich alle vollkommen unabhängig?? Müssen Sie da nicht selber lachen?

3
-3
Antworten
Christa Veit
Christa Veit
Reply to  Sailing
17. November 2025 15:17

Darum gehts ja nicht.
Sich „unabhängig“ nennen und die Interessen der Super-Reichen vertreten und von denen bezahlt werden, ist ein bissl speziell.

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Ingeborg Bachmann (1926–1973) war eine österreichische Schriftstellerin, die der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur eine neue, scharfe Sprache gab. In ihrem Gedichtband „Die gestundete Zeit“ schrieb sie über Krieg, Schuld und das fragile Weiterleben nach 1945. Ihr Roman „Malina“ erzählt von Identität, Macht und den inneren Brüchen einer Frau. Bachmanns Werk wirkt bis heute, weil es persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Gewalt eng miteinander verbindet. Zitat: Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht. Ingeborg Bachmann

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