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Cato Bontjes van Beek und die Rote Kapelle: Eine junge Frau im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

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Cato Bontjes van Beek und die Rote Kapelle: Eine junge Frau im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Stefan Mayer Stefan Mayer
in Geschichte
Lesezeit:5 Minuten
11. Mai 2021
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Als Cato Bontjes van Beek erfuhr, welches Leid die Nationalsozialisten verursachten, trat sie mit 20 Jahren der Widerstands-Gruppe „Rote Kapelle“ bei. Die mutigen Berlinerinnen und Berliner riefen – ähnlich wie die Weiße Rose – mit Flugblättern zum Widerstand auf. 1942 verhaftete die Gestapo das Mädchen. Sie wurde im Alter von 22 Jahren hingerichtet. Erst 1999 wurde Cato Bontjes van Beek rehabilitiert.

Inhalt
1) Wer war Cato Bontjes van Beek?
2) Umzug nach Berlin, Einsatz für den Reichsarbeitsdienst
3) Eintritt in die Widerstands-Gruppe „Rote Kapelle“
4) Verhaftung und Ermordung 1942
5) Literatur zur Weißen Rose und zur Roten Kapelle

Wer war Cato Bontjes van Beek?

Cato Bontjes van Beek kam  am 14. November 1920 als erstes von drei Kindern in Bremen zur Welt. Ihr Vater, Jan Bontjes van Beek, ein Keramiker und Tänzer, war niederländischer Abstammung und ihre Mutter, Olga Bontjes van Beek, eine Tänzerin und Bildhauerin, stammte aus dem norddeutschen Fischerhude, einem Ortsteil der Kleinstadt Ottersberg.

Der Name Bontjes van Beek bedeutet eingedeutscht „Bäumchen am Bach“. Ein Name, der für eine Künstlerfamilie passender nicht sein konnte. Cato lebte gemeinsam mit den Eltern und ihren Geschwistern Mietje (geboren 1922) und Bruder Tim (1923) in Fischerhude, dem Heimatort der Mutter.

Die Eltern gehörten im Ort zu den progressiven Bewohnern, die nicht mit den Nationalsozialisten sympathisierten, im Gegenteil. Auch den Kindern wurde schon früh mitgegeben, dass die Nazis Unheil über die Welt bringen würden. Die Familie hatte viele Freunde aus Kunst und Kultur und auch Helmut Schmidt, der spätere sozialdemokratische Bundeskanzler Deutschlands, gehörte zu ihrem Freundeskreis. Mit 14 Jahren entdeckte Cato die Kirche für sich. Das geschah aber mehr aus pragmatischen Gründen, denn so fand sie im Dorfgeistlichen einen Menschen, mit dem sie im wahrsten Sinne des Wortes über Gott und die Welt sprechen und philosophieren konnte.

Sie las in den frühen Jahren ihrer Pubertät bereits viele sozialkritische Bücher, wie etwa Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher Stowe. Auch Goethe, Novalis, E.T.A. Hofmann, Dostojewski und Tolstoi verschlang sie in großen Mengen. Das Schreiben war ein weiteres freudebringendes Hobby für Cato. Sie schrieb viel und ihr Lieblingsthema war die Natur, die sie am Land so genoss.

Umzug nach Berlin, Einsatz für den Reichsarbeitsdienst

Cato Bontjes van Beek mit Anfang 20. © Archiv Saskia Bontjes van Beek und Elisabeth Sandmann Verlag

Durch ihre offene und entgegenkommende Art hatte Cato viele Freunde in der kleinen Ortschaft weit weg vom Stadttrubel Berlins, wo sie später hinziehen sollte. 1933 ließen sich die Eltern scheiden und der Vater, der bereits seit einigen Jahren immer wieder und längere Zeiten in der deutschen Hauptstadt verbrachte, um dort sein Keramik-Studium voranzutreiben, zog nun endgültig dorthin. Schließlich standen die Chancen auf Erfolg besser in einer Millionenstadt, als im Hinterland Norddeutschlands.

Nach längeren privaten Aufenthalten Catos in England und den Niederlanden, zog sie 1937 selbst nach Berlin, denn neben dem Vater lebten Tanten und Cousinen in der Stadt. Sie besuchte in dieser Zeit eine höhere kaufmännische Schule und nutzte die Freizeit, um in der Stadt herumzuspazieren und sie sich näher anzusehen. Auch ihrem Vater ging sie regelmäßig in seiner kleinen Manufaktur zur Hand und 1939 plante sie bei ihm eine Lehre zur Keramikerin zu beginnen.

Doch zuvor musste sie noch für den Reichsarbeitsdienst (RAD) einen halbjährigen Einsatz verrichten. Der RAD war von den Nazis für junge Frauen und Männer verpflichtend vorgesehen. Frauen mussten zumeist  in einem kriegswichtigen Betrieb oder in der Landwirtschaft arbeiten. Das war Voraussetzung für ein berufliches Weiterkommen. In der Regel konnten junge Menschen erst danach ihren Wünschen nach Studium oder einer Lehre nachkommen.

Eintritt  in die Widerstands-Gruppe „Rote Kapelle“

Cato Bontjes van Beek lernte in Berlin viele Leute kennen und kam dabei eher zufällig als geplant mit dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Berührung. Eine Gruppe aus Offizieren, Künstlern, Intellektuellen und Arbeitern, angeführt durch Arvid Harnack, einem Wirtschaftswissenschaftler und dem Juristen Harro Schulze-Boysen, die beide in hohen Positionen im Nazistaat dienten, formierte den Widerstand in Berlin. Ähnlich wie die Mitglieder der Weißen Rose in München waren sie der Meinung, dass Hitler die ganze Welt in Brand stecken würde und daher aktive Gegenwehr geleistet werden muss.

Die Frau des Juristen, Libertas Schulze-Boysen, war die Person, die Cato schließlich vom Sinn des Widerstands gänzlich überzeugen konnte. Cato  Die 20-Jährige Cato Bontjes van Beek  trat der Widerstands-Gruppe Rote Kapelle bei. Als Rote Kapelle galt bei der Gestapo allerdings nicht nur die Gruppe um Harnack und den Boysens, der Historiker mehr als 100 Personen zurechnen. Sondern die Nazis nutzen den Namen als Sammelbegriff für weitere Widerstandsorganisationen in Brüssel und Paris.

Die Harnack-Boysen-Zelle produzierte Flugzettel, die sie heimlich verteilen oder plakatieren. Als Protest gegen eine anti-sowjetische Ausstellung im Mai 1942 mit dem Titel „Das Sowjetparadies“ entwarfen sie etwa Zettel mit der Botschaft:

Flugblatt der Roten Kapelle ©Bundesarchiv
Flugblatt der Roten Kapelle. © Bundesarchiv

Verhaftung und Ermordung 1942

Im Sommer 1942 kam es zu einer Verhaftungswelle. Auch Cato wurde als eine von vielen Mitgliedern der Roten Kapelle festgenommen. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) brachte sie in das Polizeigefängnis auf dem Alexanderplatz, wo sie fotografiert, vernommen und inhaftiert wurde. Ebenfalls nahm man ihren Vater fest, der mit den Aktionen nichts zu tun hatte. Er wurde nach einigen Monaten wieder freigelassen. Cato hingegen blieb wie die anderen engen Mitglieder der Gruppe in Einzelhaft und wartete auf ihren Prozess.

Zum Ende des Jahres 1942 kam es zu ersten Urteilen gegen Personen der Roten Kapelle. Und diese endeten allesamt mit einem Schuldspruch und bis auf zwei Ausnahmen mit der Verurteilung zum Tode. Auch Harro und Libertas Schulze-Boysen sowie Arvid Harnack waren unter den Opfern.

Mitte Jänner 1943 kam es zu weiteren Urteilen. Cato war ebenfalls unter den Angeklagten. Als Beweismaterial gegen die Gruppierung hatte das Gericht einzig die Herstellung weniger Flugblätter gegen das Regime und einen wenig funktionstüchtigen Vervielfältigungsapparat vorzuweisen. Das und ein beinahe kaputtes Funkgerät, mit dem sich die Gruppe gelegentlich verabredete, reichten aus, um Cato und die anderen ebenfalls zum Tode wegen Hochverrats und Begünstigung des Feindes zu verurteilen.

Briefmarke „Rote Kapelle“ der DDR im Jahr 1983. © Nightflyer

Die Gnadengesuche von Familie Bontjes van Beek wurden letztlich abgelehnt und das Urteil am 5. August 1943 vollstreckt. Am Tag ihrer Hinrichtung schrieb Cato mehrere längere Abschiedsbriefe an ihre Familie und Freunde. Die Liebe zu den Menschen und zur Sprache begleiteten sie bis zuletzt. Sie wurde nur 22 Jahre alt.

„Ich habe mich mit allen ausgesöhnt. Ich habe keinen Hass und bin niemandem gram. Ich liebe die Menschen wie vorher, auch den Vater. Ich danke allen.“ Cato am letzten Tag ihres Lebens im Gespräch mit dem Gefängnisseelsorger

Literatur zur Weißen Rose und zur Roten Kapelle

Die Mitglieder der Roten Kapelle und der Weißen Rose haben sich teilweise persönlich gekannt. Gelegentlich arrangierten sie gemeinsame Treffen, um Strategien zu besprechen und sich über weitere Schritte im Kampf gegen die Nazis auszutauschen. Beide Organisationen waren sich in ihrer Ablehnung gegen das Terrorregime Hitlers einig und setzten mutige Aktionen um Deutschland aufzurütteln. Am Ende bezahlten beinahe alle Widerstandskämpferinnen und -kämpfer diese Courage mit ihrem Leben.

Zu dem Thema können die Bücher des deutschen Journalisten und Sachbuchautoren Hermann Vinke empfohlen werden. Er hat sich mehrfach den Biographien Scholls und Bontjes van Beeks gewidmet. Zuletzt erschien sein Buch „Leben will ich, leben: Die junge Frau, die gegen die Nazis kämpfte und ihr Leben ließ“, mit vielen unveröffentlichten  Briefen, Kassibern und Fotografien Catos. Ein weiteres zu empfehlendes Buch ist das Werk der Autorin und Historikerin Maren Gottschalk. Unter dem Titel „Wie schwer ein Menschenleben wiegt: Sophie Scholl“ hat sie kürzlich eine neue Biographie vorgelegt.

Parlament Das Thema "Cato Bontjes van Beek" im Parlament

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3 Comments
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rudolf
rudolf
13. Mai 2021 11:58

Hinter der namenlosen Organisation vermutete die Gestapo einen von Moskau gesteuerten kommunistischen Agentenring und nannte sie deshalb „Rote Kapelle“.Auch in der „Weißen Rose“ gab es Kommunistische und Sozialistische Widerstandskämpfer!Frage: Warum werden noch Heute, die Kommunisten so gemopt?

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rudolf
rudolf
Reply to  rudolf
13. Mai 2021 12:05

Die Kommunisten waren mit den Sozialisten, sowie auch einige Konservativen, die Ärgsten gegener der Faschisten. Sie wurden alle zum Tode verurteilt, wobei die Kommunisten, die meisten VerUrteilte haben.Warum hat die SPÖ auch noch Heute solche Vorurteile? Beide kämpfen für eine Bessere ZUKUNFT!

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rudolf
rudolf
Reply to  rudolf
13. Mai 2021 12:07

Beide singen die gleichen Arbeiter-Kampflieder und die Internationale.
Ich verstehe das noch immer nicht!!

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Zitate

Ingeborg Bachmann (1926–1973) war eine österreichische Schriftstellerin, die der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur eine neue, scharfe Sprache gab. In ihrem Gedichtband „Die gestundete Zeit“ schrieb sie über Krieg, Schuld und das fragile Weiterleben nach 1945. Ihr Roman „Malina“ erzählt von Identität, Macht und den inneren Brüchen einer Frau. Bachmanns Werk wirkt bis heute, weil es persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Gewalt eng miteinander verbindet. Zitat: Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht. Ingeborg Bachmann
Ingeborg Bachmann (1926–1973) war eine österreichische Schriftstellerin, die der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur eine neue, scharfe Sprache gab. In ihrem Gedichtband „Die gestundete Zeit“ schrieb sie über Krieg, Schuld und das fragile Weiterleben nach 1945. Ihr Roman „Malina“ erzählt von Identität, Macht und den inneren Brüchen einer Frau. Bachmanns Werk wirkt bis heute, weil es persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Gewalt eng miteinander verbindet. Zitat: Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht. Ingeborg Bachmann

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