Gender Gap

Frauen beziehen nur die Hälfte der Pension der Männer – und der Unterschied steigt wieder

Alex Harvey/Unsplash

Schlechtere Bezahlung, Teilzeitarbeit und zu wenig Kinderbetreuung haben drastische Auswirkungen auf das Einkommen von Frauen. Noch dramatischer wird es bei den Pensionen, der Equal Pension Day macht darauf aufmerksam: Die Pensionen unterscheiden sich zwischen Männern und Frauen doppelt so stark als die Einkommen. Viele Frauen erhalten nur die Mindestpension. Und der Unterschied zwischen den Pensionen von Männern und Frauen geht weiter auseinander, das zeigen aktuelle Zahlen aus dem Sozialministerium.

Aus jüngsten Zahlen des Sozialministeriums geht hervor, dass die Pensionen von Männern und Frauen in den letzten Jahren immer weiter auseinandergehen. In den letzten Jahren ist die durchschnittliche Männer-Pension deutlich stärker gestiegen als die der Frauen. 2007 erhielten Pensionistinnen durchschnittlich noch 66 Prozent der Pension von Mänern, 2017 sind es nur mehr 63 Prozent.

In absoluten Zahlen bekommen Männer bei Pensionsantritt durchschnittlich 1.642 Euro, während Frauen nur 1.032 Euro erhalten.

Die Pensionsschere klafft doppelt so weit auseinander wie die Einkommensschere – trotz Mindestpension und Ausgleichszulage. Und während die Einkommensschere langsam kleiner wird, geht die Pensionsschere zwischen den Geschlechtern wieder auseinander.

Die Ursachen: schlechtere Bezahlung, fehlende Kinderbetreuung, ungleiche Verteilung von Haus- und Pflegearbeit

Als eine wesentliche Ursache für das neuerliche Auseinandergehen der Pensionen zwischen Männern und Frauen wird die große Pensionsreform aus dem Jahr 2003 genannt. Bis dahin galten die besten 15 Jahre als Berechnungsgrundlage für die Pensionshöhe. Seither wird das gesamte Berufsleben für die Pensionshöhe herangezogen – und da schlagen sich Jahre der Kinderbetreuung und der Teilzeit bei Frauen besonders schwer nieder.

Für die Pensionshöhe ist sowohl die Einkommenshöhe als auch die Zahl der Beitragsmonate relevant. Bei beiden Faktoren schneiden Frauen durch ihre Erwerbsbiografie schlechter ab. Seit 1994 hat sich der Anteil von Frauen in Teilzeitjobs von 26% auf 48% erhöht. 2014 gingen über zwei Drittel der Frauen zwischen 25 und 49 Jahren einer Teilzeit-Beschäftigung nach. Das hat Folgen, wenn Frauen ins Pensionsalter kommen und äußert sich auch bei Mindestpension und Ausgleichszulage.

equal pension day

Doch nicht nur Teilzeitjobs sind der Grund für die niedrigen Pensionen, es sind insgesamt die niedrigeren Löhne und Gehälter, die Frauen bezahlt werden. Denn selbst, wenn sie Vollzeit arbeiten, bekommen sie über 22% weniger ausbezahlt als Männer. Das durchschnittliche Jahresgehalt von Männern liegt bei 50.431 Euro brutto, das von Frauen bei 38.862 Euro. Würde man Frauen in Teilzeit dazu rechnen, würde der Gehaltsunterschied übrigens sogar 40% betragen.

equal pension day

Das niedrigere Einkommen ist nicht nur unfair, es beeinflusst auch maßgeblich, wer bei den Kindern zu Hause bleibt. Noch in zu vielen Regionen Österreichs gibt es keine flächendeckende leistbare Kinderbetreuung, deren Öffnungszeiten sich mit den Arbeitszeiten berufstätiger Eltern vereinbaren lassen. Nur für 3 von 10 Kindern unter 6 Jahren gibt es in Österreich einen Betreuungsplatz, der mit einem Vollzeitjob vereinbar ist. Hinzu kommt die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit, also Hausarbeit, Pflegearbeit, Erziehungsarbeit. Sie trägt zur massiven Pensionsungleichheit bei.

Equal Pension Day: Wie können wir die Situation von Frauen im Alter verbessern?

Um die Altersarmut zu bekämpfen wurde 2016 die Ausgleichszulage von 883 auf 1.000 Euro erhöht. Alleinstehende PensionistInnen mit 30 Versicherungsjahren erhalten seit 1.1.2017 mindestens 1.000 Euro Pension. Davon profitieren vor allem Frauen.

Doch klar ist: Das allein ist nicht genug. Die Forderungen nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit, nach einem Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und nach einer solidarischen Aufteilung unbezahlter Arbeit in Partnerschaften sind weder unbekannt noch neu, doch bekommen mit Blick auf Pensionsschere eine zusätzliche Dringlichkeit. Wollen wir Altersarmut und massive Ungleichheit bei den Pensionen verhindern, müssen viel früher alle frauenpolitischen Schalter in Gang gesetzt werden.

[veröffentlicht am 26.7.2017, aktualisiert am 28.9.2017]

Weiterlesen:

Frauen und Pensionen https://www.bmgf.gv.at/home/Frauen_Gleichstellung/Gleichstellung_am_Arbeitsmarkt/Frauen_nbsp_und_Pensionen

Broschüre des Ministeriums für Frauen und Gesundheit zum Thema Frauen und Pensionen

„Frauen verdienen nur weniger, weil …“ 5 Erklärungen, die du nicht glauben solltest https://kontrast.at/frauen-verdienen-ja-nur-weniger-weil-5-erklaerungen-die-du-nicht-glauben-solltest/

vox.com: „Warum der gender pay gap explodiert, wenn Frauen in ihren 30ern sind“ http://www.vox.com/2016/9/9/12854718/gender-wage-gap-age

vox.com: „Die Wahrheit über die Einkommensschere“ http://www.vox.com/2016/8/1/12108126/gender-wage-gap-explained-real

Kinderbetreuung – 3 Baustellen, 3 wichtige Schritte http://blog.arbeit-wirtschaft.at/kinderbetreuung-3-baustellen-3-wichtige-schritte/

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14 Kommentare

14 Kommentare

  1. Was hast du heute noch zu tun?

    1. Oktober 2018 um 10:44

  2. Ich

    28. September 2018 um 16:51

    bin sehr traurig: Diplomatisches Gequatsche hat nichts gebracht – nichts!
    Und wenn, dann nur die ständig wachsende Niederlage.

    Deshalb gilt für mich als faul, wer sich politisch und wirtschaftlich
    nicht interessiert. Da kann er arbeiten soviel er will! – Diese Art von
    Menschen ist für den Niedergang der Überlebensfähigkeit der Arbeiter-
    klasse überhaupt erst verantwortlich zu machen.

    Wir sind es, die uns schädigen!

  3. Wie sang Reinhard Mey:

    28. September 2018 um 16:43

    Halt du sie dumm, ich halt sie arm?

    Nur vor diesem Hintergrund kann Politik
    und Wirtschaft machen, was sie will!

    Das hat Mey sehr gut erkannt.

    • Damit ist nicht die Frau

      28. September 2018 um 16:48

      gemeint, sondern das gesamte Volk!

      Weil: Wer VWL nicht versteht, kann nichts,
      aber auch rein überhaupt nichts bewegen.
      Deshalb hat man uns Dumpfbacken zur
      Wahl forgesetzt, weil solche Dumpfbacken
      machen, was ihnen von der Wirtschaft ein-
      geredet wird, weil sie von nichts Ahnung
      haben. Strache und Kurz sind die Hyper-
      beispiele dafür! Sie gehören zu den dümmsten
      Menschen, die mir in meinem Leben jemals
      untergekommen sind. Sie sind dümmer als
      ein Schreiner-, Schlosser-, Mechaniker-,
      …meister. Sogar Arbeiter können mit diesen
      Dummfreaks locker mithalten!

  4. Snoopy

    28. September 2018 um 16:06

    Dann gönnt ihnen endlich eine Pension, die alle Leben lässt. Schon deshalb, weil die laufenden Einzahlungen sowieso nichts mit der späteren Auszahlung zu tun haben! Ab mit euch faulen Säcken und auf zur einheitlichen Mindestpension, die die Teuerung alt aussehen lässt.

    Ach, was, Quatsch, zu feige, den Reichen angemessene Steuern abzuverlangen? Tja, wie wird man reich? Right: Durch niedrige Löhne, was sogar noch in der Pension doppelt schädigt: durch die erstens ohnehin gefakten, laufenden Einzahlungen, die, wie erwähnt, eine Frechheit sind und trotzdem als Grundlage zur Berechnung in der Pension dienen, was ich als Verbrechen am Bürger werte, ja ich nenne euch – Verbrecher und zweitens, weil es sich dabei um Lohnraub handelt, was die ausgleichenden nötigen AnsparungsMÖGLICHKEITEN verhindert, die ohnehin von der Geldpolitik gefährdet werden.

    Mein Fazit: Außer dem Arbeiter sehe ich nur Verbrecher wohin man schaut! Die Dummverbrecher der Politik und die Verbrecher in der Wirtschaft; beide, Hand in Hand, sind ein massiver Schaden für die Bürger und vor allem für die Frauen und auch Bauern, die oft mit knapp unter 600 € Pension auskommen müssen. Auch einen ADEG-Lädner kenne ich der mit 570 auskommen muss, der aber 45 Jahre gearbeitet hat.

    Eine Schande seid ihr alle, DIE TOTALE SCHANDE! Und, nein, es ist scheiß egal, ob die zwei Gruppen viel od. wenig einbezahlt haben. Sie haben ein Leben in Arbeit verschwendet, was Politiker nicht müssen. Nach 10 Jahren Pseudoarbeit gönnt sich dieser Abschaum die volle Pension ab dem 60sten Lebensjahr. Gejagt gehört ihr; von ausgebildeten Waidmännern!

  5. Edith Gschiel

    2. August 2017 um 18:13

    Für die Berechnung der Frauenpensionen müssten die 15 besten Verdienstjahre herangezogen werden.Da es kaum Voll-Zeitstellen für Frauen gibt. Ich arbeite schon elf Jahre in Teilzeit und hatte nie die Chance trotz vieler Überstunden und gebettel, einen besseren Vertrag zu bekommen.Übrigens, ich arbeite im öffentlichen Dienst.

    • Basta

      28. September 2018 um 16:31

      Was nützen dir die 15 besten Verdienstjahre, wenn ich dann sage, du hast 15 Jahre lang, ølich 1000 € erhalten, aber dir fehlen fünf od. 10 Jahre und ziehe dir deshalb pro Jahr zusätzlich zur Steuer auch noch 5 % od. wieviel auch immer ab?

      Es ist schon das unbedingte Grundeinkommen diskutiert worden, was heißt – auch wenn sich schon die reichen Gegner durchsetzten, indem sie unfaire Tarife ansetzten, sodass die Bürger es nicht angenommen haben –, dass dieses schon während des gesamten Lebenslaufes funktioniert, was viele Wissenschafter auch bestätigen (andere sind zwar dagegen, was aber nicht bedeutet, dass es eben nicht FUNZT).

      Und wenn dieses übers ganze Leben funzt, dann kann ich es aber MINDESTENS ab dem 60sten Lebensjahr einführen, sodass man wieder früher in Rente gehen und von diesem Geld auch leben kann. BASTA!

      Dazu müssen die Steuern allerdings wieder angehoben werden. Und zwar im ganzen EU-Raum. Auch basta! Sonst geht es eben NICHT. Und deshalb werden auch Freihandelsabkommen gemacht, sodass das nicht funktioniert, weil Firmen über der Politik stehen und diese erpressbar macht, sofern die Vertreter nicht sowieso bestochen sind.

      Wir sind eben doch korrupter in Österreich und überall, als es der Wirtschaftsnobelpreisträger Prof. Dr. Paul Krugman behauptet hat.

  6. Dagmar Rehak

    30. Juli 2017 um 19:33

    Das einzige, was man aus diesen Zahlen herauslesen kann, ist, dass Frauen von Männern leben.

  7. Endthaler Manfred

    30. Juli 2017 um 08:49

    Die kleinen Pensionen der Frauen müßten echt angehoben werden, nicht nur eine Anpassung der Ausgleichszulage. Da die Ausgleichszulage z.B. bei der Anrechnung bei Unterhaltszahlungen kein Einkommen darstellen, bleiben diese Erhöhungen wirkungslos. Dasselbe gilt bei Steuerreformen : Was hilft die schönste Steuerreform, wenn davon wieder 40 Prozent an Unterhaltszahlung z.B. an die Exfrau draufgeht, da ja bei den untersten Pensionen kaum Anpassungen stattfinden.

  8. Gucky

    29. Juli 2017 um 14:06

    Traurig ist es für Behinderte mit den 30 Arbeitsjahren. Bringt fast keiner zusammen. Vom Arbeitsmarkt nahezu ausgeschlossen Tümpeln sie mit den 840 Euro dahin. Dann sagen noch die Ober-gescheiten die bekommen eh noch Pflegegeld. Ist recht Lustig wenn man 670.- Euro Pflegegeld bekommt und für die billigste 24 Std. Pflege 1570.- Euro hinlegen muss. Ohne Familie bist da aufgeschmissen und ein Heimplatz ist dir sicher.

  9. Gabriele Stark

    27. Juli 2017 um 18:05

    Was halten Sie von folgender Idee: pro Kind muss der zeugende Mann einen %-Satz seiner Pension an die betreuende Frau abgeben, wenn diese entweder nicht oder nur vermindert selbst arbeitet. So einen Denkanstoß würde ich fair finden.
    Freundschaft
    Gabriele Stark

    • Gucky

      29. Juli 2017 um 14:08

      Gute Idee würde ich Unterstützen.

    • Dagmar Rehak

      30. Juli 2017 um 19:15

      Und wenn er das gezeugte Kind selbst betreut? Zahlt ihm dann die Frau was?

    • Und umso mehr

      28. September 2018 um 16:39

      Kinder er hat, desto mehr muss er hungern?
      Hehe, gut ausgedacht. Der, der der Volkswirt-
      schaft neues Leben zuführt, soll widrige Arbeits-
      verhältnisse annehmen, der Unternehmer raubt
      Lohn und saugt am Steuertopf, besonders der
      Großunternehmer, und später dafür hungern.

      Langsam danke ich, man sollte der Menschheit
      das Geld weg nehmen, dass sie wieder klar wird
      im Kopf. Fazit: Weniger Privat, mehr Staat.

      Offenbar funktioniert das nicht mit der Privatwirt-
      schaft. Besonders das Börsen- und Bankenwesen
      haben uns massiv geschädigt und genau die werden
      SCHON WIEDER hofiert. Wahnsinn! Wahnsinn! Wahnsinn!

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