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Bildung, Einkommen, Vermögen – Österreich wird ungerechter

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Bildung, Einkommen, Vermögen – Österreich wird ungerechter

Patricia Huber Patricia Huber
in Reichtum & Macht
Lesezeit:3 Minuten
23. Oktober 2019
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5 Generationen braucht es durchschnittlich, bis aus einer schlecht verdienenden Familie eine mit mittlerem Einkommen wird. Vor zehn Jahren waren  die Chancen noch besser: Bildung, Beruf und Einkommen sind laut einer aktuellen OECD-Studie heute in Österreich wieder stärker vererbt als noch vor einigen Jahren. Besonders krass ist es beim Vermögen: Selbst hohe Arbeitseinkommen bringen kaum Vermögen, viel wichtiger sind Erbschaften.

Mit Eltern im unteren Einkommens-Viertel hat man gerademal eine 15%-Chance, eines Tages Gutverdiener zu sein. In sechs von sieben Fällen bleibt auch das eigene Einkommen klein. Umgekehrt gilt: Wer Top-Verdiener als Eltern hat, wird zu 42% auch selbst gut verdienen. Doch auch bei dieser Gruppe ist das Risiko, in das unterste Viertel abzurutschen mit 20 Prozent im internationalen Vergleich relativ hoch. Das besagt die OECD-Studie im Auftrag des Sozialministeriums, die Kontrast.at vorliegt.

Kommt man aus einer Familie mit kleinem Einkommen, dauert es ganze fünf Generationen, bis man sich dem durchschnittlichen Einkommen annähert. Und die Chance, dass Kinder von Führungskräften selbst einmal Führungskräfte werden, ist 3,3 Mal höher als für Kinder aus Arbeiterfamilien.

Nur 16 Prozent glauben, dass sie mehr verdienen werden

Dementsprechend pessismistisch sind die Menschen auch, wenn es um den Glauben an die Verbesserung ihrer eigenen Finanz-Situation geht: 2015 rechneten nur 16 % der Österreicherinnen und Österreicher damit, ihre finanziellen Verhältnisse verbessern zu können – der OECD-Schnitt lag bei 22 %.

Auch Uni-Abschlüsse hängen viel zu stark von der Bildung der Eltern ab: Akademikerkinder besuchen 10 mal öfter eine Universität als Kinder von Eltern ohne Matura.

In kaum einem anderen Land sind die Bildungschancen so ungerecht verteilt wie in Österreich.

Die Studie führt das vor allem auf die zu frühe Trennung der Kinder im Alter von 10 Jahren zurück: In der Hauptschule sinkt einerseits die Lern-Motivation, andererseits geht der Umgang von ärmeren mit reicheren Kindern verloren. Da Schule nicht nur Unterricht ist, sondern auch Freunde und soziale Netzwerke bedeutet, führt die frühe Trennung auch dazu, „dass es Kindern aus sozial benachteiligten Familien erschwert wird, zu Gleichaltrigen aus bessergestellten Familien aufzuschließen.“

Gute Kinderbetreuung: Ein Schritt zur Gerechtigkeit

Abseits von der frühen Trennung nach der Volksschule in Hauptschule und Gymnasium, nennt die Studie noch andere Ursachen für die schlechten Aufstiegschancen in Österreich. Sie nennt auch Maßnahmen, die man leicht umsetzen könnte, um die Sitution zu verbessern: So ist eine hochwertige Betreuung, Bildung und Erziehung von Kindern unter sechs Jahren wichtig – sprachliche oder andere Schwierigkeiten können dort früh ausgeglichen werden.

„Kinderbetreuung bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien haben stark positive Auswirkungen auf die schulischen Leistungen und sozialen Entwicklungsmöglichkeiten im jungen Erwachsenenalter“, heißt es in der Studie.

Das Gratis-Kindergartenjahr für 5-Jährige hat die Zahl der Kinder, die vom Kindergarten profitieren, zwar stark erhöht – aber sie liegt noch immer unter dem OECD-Schnitt. Die Ausgaben für Kinderbetreuung sind in Österreich zu niedrig. Während Schweden mehr als 2% des BIP für Kinderbetreuung ausgibt, sind es in Österreich weniger als 0,7%. Die Ausgaben für frühkindliche Bildung sind aber entscheidend, um Kindern ohne Privilegien die Chance auf eine gute Schullaufbahn zu geben.

Die Studie lobt die österreichische Lehre, die Ausbildungspflicht bis 18 und die Ausbildungsgarantie bis 25, rät aber zu mehr Beratung und Hilfe beim Übergang von der Schule auf den Arbeitsmarkt. Außerdem sollten benachteiligte Schulen mehr Geld bekommen als bisher, um Nachteile durch mehr Lehrer, Sozialarbeiter usw. ausgleichen zu können.

Zudem würde die Verringerung der Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern bei Löhnen, bei Teilzeit und auf dem Arbeitsmarkt die soziale Mobilität erheblich verbessern. Kern ist hier, die Arbeitszeit zwischen Männern und Frauen besser zu verteilen – Männer leisten 40 Prozent mehr Überstunden als Frauen.

Erbschaftssteuern machen die Gesellschaft gerechter

Noch weniger Chancengleichheit als beim Einkommen gibt es aber beim Vermögen in Österreich: Auch wer viel verdient, hat nicht unbedingt mehr Vermögen. Viel entscheidender als das Einkommen sind Erbschaften. Vermögen sind in Österreich heute bei einigen wenigen konzentriert und werden stärker vererbt als früher – nicht zuletzt, weil es keine Erbschaftssteuern auf große Erbschaften mehr gibt.

„In der ersten Nachkriegsgeneration waren für weite Teile der Bevölkerung in Österreich vor allem das eigene Einkommen und die Sparleistung relevant für ihre Position in der Vermögensverteilung. Heute ist das anders. Das eigene Einkommen wird relativ zum geerbten Vermögen immer weniger bedeutsam“, heißt es in der Studie.

Erben ist also wichtiger als (lebenslanges) Sparen aus Arbeitseinkommen – das widerspricht jedem Leistungsgedanken. Die Situation wird sich in Österreich in Zukunft sogar noch weiter verschärfen, wie aktuelle Studien zeigen.

Was ist Chancengerechtigkeit?

Chancengerechtigkeit heißt: Alle Menschen haben die gleichen Möglichkeiten für ein erfolgreiches Leben – unabhängig von ihren Eltern und Großeltern, sondern nur abhängig von ihrer Leistung. Doch nach wie vor haben das Einkommen und der Status der Eltern einen entscheidenden Einfluss auf den Zugang zu Bildung, beruflichen Netzwerken und damit auf die Karrieremöglichkeiten ihrer Kinder.

Parlament Das Thema "Chancengerechtigkeit" im Parlament

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2 Comments
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xx1xx
xx1xx
12. April 2020 19:41

5 Generationen sind 100 Jahre. Nur unseriöse Studien von ungebildeten Autoren meinen ernsthaft, dass man diesen Zeitraum vergleichen kann.

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xx1xx
xx1xx
Reply to  xx1xx
12. April 2020 19:58

Bildung klafft auseinander, das stimmt. Meist selbstverschuldet. Ein ehemaliger Gesundheitsminister sagte dazu, wenn ich gesund bleiben will, reicht es täglich einen Apfel zu essen, man hörte auch von anderen, dass Computer, Handys neumodischer Unsinn wären, an denen nur „die Japaner“ verdienen(?).
O tempora, o mores!

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