Gesundheit & Leben

US-Urteil: Glyphosat für Krebs mitverantwortlich – dennoch kein Verbot in Österreich

Unsplash/Nicolas Barbier Garreau

Zum zweiten Mal in einem Jahr hat ein US-Gericht entschieden, dass das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat zur Krebserkrankung eines Menschen beigetragen hat. Dennoch hat die EU das potentiell krebserregende Pflanzengift im November 2017 für weitere 5 Jahre zugelassen. Auch FPÖ und ÖVP haben damals die Resolution gegen ein Glyphosat-Verbot nicht unterstützt. Und Umweltministerin Köstinger bemüht sich bis heute nicht um eine österreichische Lösung, obwohl Kärnten und 639 österreichische Gemeinden das gefährliche Pestizid verboten haben.

Glyphosat ist das weltweit meistgenutzte Unkrautvernichtungsmittel. Es wird seit Mitte der 70er Jahre in der Landwirtschaft, in der Industrie, im Gartenbau, aber auch in Privathaushalten eingesetzt. Monsanto vertreibt das Herbizid unter dem Namen „Roundup“ und hat damit seit den 70er Jahren Umsätze in Milliardenhöhe gemacht. Kein Wunder also, dass Monsanto-Lobbyisten behaupten, Glyphosat sei so ungefährlich, man könne es sogar gefahrlos trinken.

US-Gerichte sehen das anders: Sechs Geschworene in San Francisco fanden einstimmig zur Überzeugung, dass das Glyphosat-Mittel Roundup der Bayer-Tochter Monsanto einen „erheblichen Faktor“ bei der Entstehung der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman ausgemacht habe. 11.200 Klagen laufen derzeit gegen Monsanto, in zwei Fällen haben US-Gerichte bereits entschieden: Glyphosat ist mitverantwortlich für Krebserkrankung. Dennoch ist Glyphosat in der EU bis 2022 zugelassen: Eine mächtige Lobby aus Agrarindustrie und Agrarchemiekonzernen hat ein Verbot mit aller Kraft verhindert.

EU hat Glyphosat für weitere 5 Jahre zugelassen

Zur Erinnerung: Im Herbst 2017 wurde auf EU-Ebene über die Neuzulassung des Pflanzengifts verhandelt. Das Europaparlament hat im Okrober eine Resolution beschlossen, dass Glyphosat komplett vom Markt verschwinden muss. Der Ausstieg sollte sofort beginnen und binnen fünf Jahren abgeschlossen sein. Aus Österreich stimmten SPÖ und Grünen für das Aus. FPÖ und NEOS stimmten dagegen, die ÖVP hat sich enthalten. Umweltministerin Köstinger war damals noch EU-Abgeordnete und meinte, dass in der Glyphosat-Frage „nicht Politiker sondern Experten entscheiden“ sollten.

Europäische Chemikalienagentur eng mit Industrie verstrickt

Mit den Experten der EU ist das aber so eine Sache: Die europäische Chemikalienagentur Echa hält Glyphosat für nicht krebserregend. Echa hat sich in ihrer Einschätzung auf Studien von Glyphosat-Herstellern gestützt – vieles wurde sogar „wortwörtlich übernommen“, unabhängige Studien wurden als irrelevant verworfen, wie Greenpeace kritisiert. Die Umweltschutzorganisation stört auch, dass der Vorsitzende des Ausschusses neben der EU auch die Agrar-Industrie zur Risikobewertung von Substanzen berät. Zwei weitere Mitglieder hätten für Forschungsinstitute gearbeitet, die sich unter anderem durch Aufträge der Agrar-Industrie finanzieren.

Mehr als 1,3 Mio. Menschen teilen offenbar die Bedenken der Umweltschutzorganisation. So viele haben nämlich bereits das BürgerInnenbegehren „Glyphosat stoppen“ unterzeichnet.

Die EU-Kommission entschied sich, das Pestizid nur für weitere fünf Jahre, anstelle von eigentlich geplanten 10 Jahren zuzulassen. Nach dieser Frist soll Glyphosat ganz aus Europa verschwinden. Österreich setzte sich dafür ein, das Pflanzengift sofort zu verbieten. Grund dafür war ein Antrag im EU-Unterausschuss des Parlaments, der gegen die Stimmen von ÖVP und Neos beschlossen wurde: Der Antrag verpflichtete den Landwirtschaftsminister dazu, in der EU gegen Glyphosat zu stimmen.

SPÖ und Greenpeace wollen jetzt nationales Verbot in Österreich

Die Urteile der US-Gerichte, dass Glyphosat für die Krebserkrankung verantwortlich gemacht werden kann, lässt die Diskussion um die Glyphosat-Zulassung neu aufleben. So wird das Bundesland Kärnten die Anwendung von Glyphosat für Private verbieten. Laut Landeshauptmann Kaiser wird Kärnten damit die erste Region in der EU, die die Glyphosatverwendung „für klar definierte, breite Teile der Bevölkerung“ untersagt.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert ein sofortiges Verbot von Glyphosat in privaten Gärten und im öffentlichen Raum, etwa auf Spielplätzen für ganz Österreich. Unterstützung bekommen die Umweltschützer von der SPÖ. Diese will ein solches Verbot für ganz Österreich, Umweltministerin Köstinger zeigt bislang keine Initiative – derzeit lässt sie einen eventuellen Ausstieg in einer Arbeitsgruppe prüfen.

Mediathek-Tipp: Glyphosat – auf Kosten des Menschen

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17 Kommentare

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biersauer
biersauer

Phosphorwasserstoff ist
ein starkes Reduktionsmittel. Er hemmt u.a.
die Cytochrom-c-oxidase, wodurch die Entstehung von Superoxidradikalen begünstigt wird.
Die Radikale oxidieren Lipide in allen Zellmembranen, klinisch entwickelt sich ein Multiorganversagen.
Leitsymptom einer Phosphorwasserstoffvergiftung ist eine Hypotonie, die auf Dopamin-Infusion nicht anspricht. Bei leicht bis mittelschwer
vergifteten Patienten treten Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Doppeltsehen und
Ataxie auf. Ein Antidot ist nicht bekannt.
Die Vergiftungssymptome sind unspezifisch: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Schwindel,
Tachypnoe, Oligurie. Tod durch zunehmende Hypotension. – und löst MCAS aus

H. Pribitzer
H. Pribitzer

es ist leider immer wieder das gleiche Spiel. Da verbeißen sich ein paar linke Weltverbesserer in eine Sache, und können nicht mehr zurück ohne ihr Gesicht zu verlieren. Was ja grundsätzlich nicht heißen soll, daß es schlecht wäre die Welt verbessern zu wollen. Und da gäbe es sooooo vieles das man ändern könnte. ich bin auch ein absoluter Befürworter von Umweltschutz, schließlich sollen unsere Enkel auch noch im grünen Gras spielen können. Da müßte man aber gleich mal beim Individualverkehr beginnen und diesen mittels Steuern und Abgaben drastisch einschränken. Macht keiner weil damit lassen sich keine Wahlen gewinnen. Mit Futterneid… Weiterlesen »

wahrHAFTig
wahrHAFTig

EU hat Glyphosat für weitere 5 Jahre?
Bis dorthin sind die verantwortlich Unverantwortlichen längst im politischen Ausgedinge und genießen, krebsfrei, die Gagen der Versorgung.

Erwin Ficzko
Erwin Ficzko

Schanigarten: Schön wäre es zu wissen wieviel Blaue und wie hoch die Provisionen derzeit für dieses Giftmittel sind. Wie gesagt sie müssen sich ja beeilen um die Taschen zu füülen! Ein Trauerspiel – wer weiß mehr darüber?

FPÖ und ÖVP
FPÖ und ÖVP

einfach mit glyphosatbehandelten Lebensmitteln füttern, basta.
Reines sollte man den Mitgliedern nicht mehr geben. Bald würde
sich Änderung einstellen. Wetten?!

Renate Rosol
Renate Rosol

Doku ist leider nicht mehr vorhanden

wahrHAFTig
wahrHAFTig

Das hat System!

trackback
Immer noch Glyphosat in österreichischen Bieren +++ Die FPÖ gegen den „kleinen Mann“ +++ und weitere lesenswerte Links - Kontrast Blog

[…] Wieder Glyphosat in österreichischen Bieren (Der Standard) […]

Wilfried Hanser
Wilfried Hanser

Was sagt die neue ÖVP-Generalsekretärin, Frau Elisabeth Köstinger dazu? Immerhin hat sie im EU-Parlament stets für die Agrarindustriellen argumentiert. Und ÖVP-Chef, Aussenminister Sebastian Kurz? Das fällt doch in sein Ressort!

navy
navy

Fakt ist, das Glyphosat, bereits in toden Wildtieren, wie Fasane, Rehe gefunden wurde, ebenso in Muttermilch, Bier, Wein und das ist erschreckend. Viele kranke Hunde, Tiere, welche Gras an gespritzten Feldern frassen, sprechen für sich. Der gesunde Menschenverstand sagt Einem, das man diese Gift erheblich einschränken muss. Es gibt ja Videos von Bauernhöfen, wo man die toden, kranken Schweine, Kühe zeigt, ebenso Mißbildungen

H. Pribitzer
H. Pribitzer

das, daß man Glyphosat möglicherweise in Wildtieren findet kann ich mir grundsätzlich vorstellen. Wenn da das Unkraut gespritzt wird, und die Tiere fressen das ist das grundsätzlich vorstellbar. Aber da wären wir wieder bei der Diskussion womit unsere Nutztiere in den heutigen Tierfabriken gefüttert werden, und wir essen dann das Fleisch davon. Da könnte ich dazu einiges beitragen. Da wird dir schlecht. Vor allem in den riesigen Mastanlagen in so manchem EU Staat und den Oststaaten. aber das ist hier nicht das Thema. Was ich mir nicht ganz vorstellen kann sind die Videos von kranken Schweinen und Kühen wegen Glyphosat.… Weiterlesen »

Johann Schörkhuber
Johann Schörkhuber

Es ist eigentlich unwichtig über dieses Gift, welches auch für Insekten
wie Bienen und Schmetterlinge tödlich ist überhaupt zu diskutieren.
Ich erwarte mir von der Republik Österreich, sowohl in der EU-Kommission als
auch im EU-Parlament von allen Politikern ein eindeutiges Nein.

Josef Sonderegger
Josef Sonderegger

Alternativen werden hier von Global2000 aufgelistet: https://www.global2000.at/glyphosat-alternativen-landwirtschaft

Roberta
Roberta

Alle wissenschaftlichen Studien, die nicht von Monsanto bezahlt oder in Auftrag gegeben wurden, belegen, dass Glyphosat Zell-, DNA-, Nieren-, Leber-, Hormone, das Autoimmunsystem und Darmbakterien schädigt sowie krebserregend ist, wie man in diesen 100 Studien nachlesen kann. http://www.umweltinstitut.org/images/gen/aktionen/Roundup/Studien-Glyphosat.pdf Auch die 250 Mediziner und Vertreter des 119. Deutschen Ärztetag haben sich 2016 in einem Schreiben an die Bundesregierung für ein Verbot von Glyphosat ausgesprochen hat, denn: „Glyphosat (…) DNA- und chromosomale Defekte in menschlichen Zellen verursacht“. Und „ Für gentoxische Effekte besteht nach derzeitiger wissenschaftlicher Meinung kein unschädlicher Schwellenwert.“ wie man in dieser Pressemeldung nachlesen kann http://www.presseportal.de/pm/9062/3337906 Laborstudien haben gezeigt, dass… Weiterlesen »

… chromosale Defekte
… chromosale Defekte

… verursacht auch Bluetooth & Wireless Lan.
Trotzdem will man in Schulen das noch ärgere und schnellere G5-Netz zulassen. Deshalb werden meine Kinder im Ausland zur Schule gehen!

Handl Wolfgang
Handl Wolfgang

Die Frage ist, was spricht für eine Verlängerung? Welche Alternativen gibt? Das fehlt mir in diesem Bericht. Frage: warum wurde es nicht angesprochen?? Entweder ist etwas gesundheitsschädlich, dann muss es verboten werden, oder zumindest wir in Österreich müssen eine klare Haltung haben. Rupprechter muss sich klar deklarieren. Lavieren gilt in so einem Fall nicht!!

biersauer
biersauer

So blöd sind SchwarzBlau auch wieder nicht, dass sie diese Schädigung durch Glyphosphat nicht kennen, aber es ist Geschäftsinteresse dahinter, diese Gefahr zu übersehen.
Organschäden treten erst lang verzögert auf und lassen keinen Rückschluss auf eine Gly-Kontamination zu – der Organismus stirbt eben langsam – durch Organversagen, wie das bei meinem Nachbarn, einem Anwender von Gly so ergangen ist, dass er dann an Gehirnschlag verstorben war.

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