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So treffen die US-Sanktionen gegen China und Huawei die US-Wirtschaft

Elias Werner Elias Werner
in Internationales, Nachrichten, Wirtschaft und Finanzen
Lesezeit:6 Minuten
4. Juni 2019
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Sanktionen gegen Huawei, Strafzölle, Drohgebärden – um Chinas wirtschaftlichen Aufschwung zu stoppen, ist Donald Trump jedes Mittel willkommen. Trumps Wirtschaftskrieg könnte aber letztlich das Ende der Monopole von Google und Co. bedeuten.

Die „Vierte industrielle Revolution“ in 5G

Künstliche Intelligenz, das „Internet der Dinge“ (selbstständige Kommunikation und Datenaustausch zwischen Maschinen untereinander), autonomes Fahren: die Veränderungen, die durch diese technischen Innovationen entstehen, bedeuten laut Siemens-Chef Joe Kaeser, »die größte Transformation der Industriegeschichte«. Sie wird voraussichtlich »an Energie und Geschwindigkeit alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen«.

Der neue MobilfunkStandard der fünften Generation – 5G – spielt dabei die zentrale Rolle. Er ermöglicht die notwendige Hochgeschwindigkeitsübertragung enormer Datenmengen. Er ist »der Eckstein einer neuen digitalen Lebenswelt, ist der Brennpunkt der neuen Konkurrenz« analysierte das Washingtoner Center for Strategic and International Studies (CSIS) den globalen wirtschaftlichen Konkurrenzkampf aus diesem Feld.

Der Vorsprung der Volksrepublik bei der Entwicklung und Ausbau des 5G Netzes ist enorm. Den USA ist mittlerweile fast jedes Mittel recht, um Chinas wirtschaftlichen und technologischen Vormarsch aufzuhalten.

China zieht bei 5G mit großen Schritten davon

Die Zahlen sind aus amerikanischer Sicht alarmierend: Seit 2015 hat China rund 350.000 neue Mobilfunkmasten installiert, die den 5G Standard unterstützten und bereits mehr als 100.000 Masten exportiert (Stand Anfang August 2018; Quelle: Deloitte). Zum Vergleich: die Vereinigten Staaten bringen es gerade einmal auf 30.000. Demnach hat China 2017 in drei Durchschnittsmonaten mehr Mobilfunkmasten aufgestellt als die USA in den drei Jahren seit 2015.

China betreibt gezielt staatliche Förderung von Forschung und Entwicklung

Mit dem Investitionsplan „Made in China 2025“ fördert das Land der Mitte bereits seit 4 Jahren gezielt ihre High Tech Entwicklung. Die USA haben das Vorantreiben eigener Technologie weitgehend verschlafen. Daraus resultiert der enorme Rückstand der US-Technologie im Bereich mobile Datenübertragung.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt setzt ihre Aufholjagd kontinuierlich fort. Das Wirtschaftswachstum von jährlich etwa 6,5 Prozent ist  weltweiter Rekord. Länder wie Japan oder auch Deutschland sind dabei ebenso im Hintertreffen, wie die USA selbst, die in den nächsten Jahren ihre führende Rolle als Wirtschaftsnation an die Volksrepublik verlieren dürfte.

Da hilft es auch wenig, dass die USA die chinesischen Technologieriesen bereits seit 2012 begannen politisch zu sabotieren.

Marschieren die USA in einen neuen Kalten Krieg?

In ihrer „alten Kriegsmentalität“ (Jeffrey Sachs, US Ökonom) setzen die USA weiter auf restriktive Sanktionspolitik und Strafzölle, Sabotage und Schwarze Listen. Diese versuchen sie mit Spionagevorwürfen zu legitimieren.

„Die Trump-Administration will Chinas Aufstieg stoppen und dazu ist ihr jede Einschüchterung recht“, so der Professor an der New Yorker Columbia University dem Wirtschaftssender CNBC. Das sei „ein ziemlich gut bekanntes amerikanisches Vorgehen, das darauf zielt, die eigene Macht zu nutzen, um den ökonomischen Schwung eines Rivalen zu brechen“. In letzter Konsequenz sei das „sehr gefährlich für die Welt“, warnte Sachs vor einem „neuen Kalten Krieg“.

Der Feldzug gegen Huawei

Huawei ChinaEiner der bisherigen Höhepunkte in diesem „Krieg“ ist dabei der „Feldzug gegen HUAWEI“ (Jörg Kronauer, konkret 2/19 ), den Trump spätestens seit der Verhaftung der Finanzchefin des Konzerns, Meng Wanzhou, im Dezember 2018, äußerst unverblümt führt.

Bereits seit 2012 machen US-Geheimdienste immer wieder mit angeblicher Spionagegefahr gegen Huawei Stimmung. Der jüngste Schachzug ist ein Embargo des US Handelsministeriums, welches US Unternehmen die Zusammenarbeit mit Huawei bei Strafzahlung untersagt. In Folge dessen müssen Google, Amazon und Co. ihre Kooperationen mit dem chinesischen Konzern einstellen. Huawei verliert damit alle Lizenzen für Google Services. So wird die nächste Generation der Huawei Smartphones ohne Playstore und vorinstallierten Google Apps wie Youtube, Maps oder Chrome auskommen.

Embargos und Sanktionen treffen auch US-Firmen

Dem kurzfristige Schaden, der vor allem den europäischen und amerikanischen Absatzmarkt betrifft, kontert China mit Strafzöllen auf US Importe. Damit werden der Tec-Konzern Apple, aber auch die US Landwirtschaft empfindlich getroffen.

Und wie schon in der Vergangenheit scheint die US Administration mit ihrer „America first“ Politik die Komplexität der globalisierten Wirtschaft  ebenso auszublenden, wie die Tatsache, dass auch andere Nationen Strafzölle und Sanktionen gegen US Produkte und Firmen verhängen können. So gut Trumps Drohgebärden beim eigenen Klientel ankommen, so regelmäßig bedroht er daher auch US Konzerne selbst. Die verlieren nämlich mit Embargos und Sanktionen gegen ausländische Firmen oft wichtige Absatzmärkte. Oder wie im Fall ZTE/Qualcomm wichtige Vertragspartner. Mit den angedrohten Strafzöllen gegen die Deutsche Automobilindustrie hätte ursprünglich gar ein komplettes BMW Werk in den USA zusperren müssen.

Immer wieder musste Trump deshalb auch zurückrudern, relativieren und Sanktionen wieder lockern. Neben den direkten negativen Auswirkungen, spielen der US Wirtschaft aktuell aber vor allem indirekte Konsequenzen übel mit. Denn auch China kann Boykott.
Diesmal trifft es besonders Apple, dessen Produkte als direkte Reaktion auf die US Sanktionen gegen Huawei boykottiert werden.
So hat etwa eine IT-Firma in Chengdu bekanntgegeben, zukünftig auf Huawei-Produkte umzusteigen. Ein Kühltechnik-Unternehmen aus der Provinz Jiangxi zahlt allen Angestellten, die ihr Iphone gegen ein Huawei-Smartphone eintauschen, 290 US-Dollar. Apples Umsatzeinbruch in den beiden ersten Quartalen 2019 in China beträgt rund 7 Milliarden US Dollar.

US-Bauern hängen an Nothilfe

Besonders betroffen vom Handelsstreit ist aber die US Landwirtschaft, seit es China den USA gleichtut und Strafzölle auf US-Importe erhebt. So fielen die US-Exporte von Soja nach China bereits 2018 um 75 Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Die US-Administration muss ihren Bauern seither finanziell ordentlich unter die Arme greifen, um deren Existenz zu sichern. Nach einem ersten Hilfspaket in Höhe von 12 Milliarden USD 2018, mussten heuer erneut 16 Milliarden Dollar zur Rettung der US Farmer bereitgestellt werden.

Zur Finanzierung dieser Pakete meinte Trump laut derStandard dazu: „China zahlt die Strafzölle in Höhe von 25 Prozent, die auf Importwaren im Wert von mittlerweile 200 Milliarden Dollar gelten. Etwas von diesem Geld geht an die Bauern, um ihnen in einer Zeit zu helfen, in der sie unter unfairem Handel leiden“.

Landwirtschaftsminister Sonny Perdue musste aber einräumten, dass die Landwirte lieber „Handel statt Hilfe“ hätten. Aus dem US-Agrarministerium hieß es zudem, die Hilfen sollten sicherstellen, dass die Landwirte nicht die Hauptlast aus dem Konflikt zu tragen hätten.

Brasiliens Großgrundbesitzer können jubeln

Einen regelrechten Exportboom löste der Konflikt derweilen in Brazilien aus. China versucht hier den Ausfall der US Importe mit Soja aus Brazilien zu kompensieren. Mittlerweile fallen 80% der Soja Exporte Braziliens auf China, der Gesamtexport stieg um 22%, der Wert eines „bushel“ Brazilianischen Sojas (An.d.R.: ein „bushel“ entspricht einer Menge von 35,2 Litern) von 0.60 USD auf 2.83 USD.

Langfristige Schäden für US-Konzerne und Wirtschaft

Selbst wenn die USA kurzfristige Schäden durch handelpolitisches „friendly fire“ immer wieder abfedern können – langfristig kann Donald Trumps kurzsichtiges Handelsverständnis US-Konzernen wie Google und Co letztlich zum Verhängnis werden.

Die Volksrepublik China investiert unter anderem mit „Made in China 2025“ bereits seit Jahren in die Entwicklung eigener Alternativen zu Android, Google und Co. Das könnte den amerikanischen Konzernen, die für die „vierte industrielle Revolution“ so wichtige 5G Technologie ohnehin schlecht gewappnet sind, mittelfristig mehr als nur Konkurrenz machen. Denn legen die chinesischen Konzerne weiter in so hohem Tempo vor, droht gerade Google der Verlust der weltweiten Monopolstellung ihrer Dienste.

Tatsächlich hat  Huawei bereits angekündigt, dass man im Herbst mit dem hauseigenen Betriebssystem HongMeng OS und dem ersten faltbaren Smartphone auf den Markt gehen wird.

Darüber hinaus hat China bereits auch einen 47 Milliarden Dollar Fond für die Halbleiterproduktion- und Entwicklung der eigenen Unternehmen bereitgestellt. Ziel ist es, möglichst bald unabhängig von Hochfrequenzchips westlicher Unternehmen zu sein. Wolfspeed und Qorvo aus den USA, sowie der niederländische Konzern NXP sind aktuell Weltmarktführer in diesem Segment

Chinas Faustpfand auf „seltene Erden“

Besonders drastische Folgen könnte die aktuellste Ankündigung Chinas in Reaktion auf das HUAWEI Embargo haben. Die Volksrepublik scheint Trumps aggressive Handelspolitik zunehmend satt zu haben. Laut China Global Times will sie den Export seltener Erden einschränken. Eine Drohung, die in dieser Schärfe laut Beobachtern neue Qualität hat und seine Wirkung kaum verfehlen dürfte.

Mit „seltene Erden“ sind 17 Elemente bezeichnet. Diese haben essentielle Eigenschaften für die Produktion von Smartphones, Flachbildschirmen oder Kameras, sowie Elektroautos oder Raketensystemen. Mit 95 Prozent der weltweiten Produktionsmenge hält China hier klar die Zügel in der Hand. Die Abhängigkeit der USA von Importen seltenen Erden aus China ist eklatant, kommen doch 80 Prozent aus der Volksrepublik.
Sollte Trump also nicht bald zu einem gemäßigteren Stil in Handelsfragen finden und China diese Drohung wahr machen, hätte das fatale Folgen für die gesamte US Wirtschaft.

 

Weiterlesen: Weltweiter Freihandel – Vorteile und Nachteile der Globalisierung: Geschichte, Probleme, Gewinner, Verlierer

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Eine getroffene
Eine getroffene
25. Juni 2019 18:04

Wirtschaft ist gut gegen den Verbrauch von Ressourcen, die Vernichtung der Lebenswelt und vieles mehr. Nur, dass man dann auch diese Geldwirtschaft anpassen muss und offenbar weniger private Wirtschaft zulassen kann, weil’s durch Privatgieriege geradezu verhindert wird, was man schon an der Konferenz zur Eindämmung des sogenannten Klimazieles sehen kann.

Und weil vier Staaten dagegen sind, machen gleich alle 28 weiter wie bisher. Ja, das ist seeehr bequem!
Besser als die vier untauglichen alleine ziehen zu lassen und die fähigeren dazu zu zwingen.

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FS
FS
5. Juni 2019 00:30

Schade finde ich halt, dass es die Europäer den Chinesen nicht gleich tun.

Warum verwenden die europäischen Verwaltungen nicht zwingend OpenSource-/Alternativprodukte zu Microsoft und fördern so europäische KMUs in diesem Bereich? Warum entwickelt Europa nicht seine eigenen CPUs auf Basis der freien RISC-V-Architektur? Warum kein eigenes mobiles OS auf Basis von AOSP? Warum keinen eigene mobile App Store ohne lock-in durch die Google Play Services? Warum kein eigens Paypal und eigenes Kreditkartenunternehmen, damit man hier unabhängiger von den USA ist? Warum übermitteln die Europäer jahrelang freiwillig SWIFT-Daten an die US-Behören? Damit die einfacher Wirtschaftsspionage betreiben können? Warum werden Öl-Importe nicht in Euro abgerechnet?

Mit Airbus/EADS haben wir es einmal geschafft, warum jetzt nicht auch wieder?

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Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher

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Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher
Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher

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