Familienministerin Stilling fordert

Nach ÖVP-FPÖ-Kürzungen: Familienbeihilfe für Krisenpflegeeltern soll wieder kommen

Foto: Unsplash/Monika Rams
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ÖVP und FPÖ haben Anfang 2019 beschlossen, dass viele Krisenpflegeeltern kein Kindergeld mehr erhalten. Familienministerin Ines Stilling will das jetzt ändern: Auch Kurzzeit-Eltern sollen für die Betreuung von Kindern in Not Familienbeihilfe bekommen. 

Krisenpflegeeltern bekommen Kindergeld und andere Familienleistungen erst nach 90 Tagen – so haben es ÖVP, und FPÖ Anfang des Jahres im Parlament beschlossen. Das bringt finanzielle Einschnitte vor allem für Kurzzeit-Kriseneltern.

Denn im Schnitt sind Kinder nur 6 bis 8 Wochen bei ihrer Notfall-Familie. Und die bekommt jetzt kein Kindergeld mehr. Selbst wenn sie mehrere Kinder hintereinander oder überlappend in Pflege haben, bekommen sie nie die Familienbeihilfe.

Familienministerin Ines Stilling will das nun ändern: Gemeinsam mit den Familiensprecherinnen aller Parteien startet sie einen Anlauf für Kinder in Kurzzeit-Pflegefamilien. Stilling will diesen Familien auch die Familienbeihilfe gewähren. Wichtig ist ihr aber auch, dass der Ursprungsfamilie das Kindergeld nicht weggenommen werde.

Krisenpflege-Mama ist kaum mit Job vereinbar

Wenn kleine Kinder verwahrlosen, geschlagen werden oder Eltern drogenabhängig sind, dann springen Krisenpflegeeltern ein und geben den Kleinen Vertrauen und Liebe zurück. Es sind vor allem Frauen, die den Kindern aus krisengebeutelten Familien helfen. Die Lebensbedingungen für Krisenpflege-Eltern sind schwer. Die Entschädigung nicht hoch, Pflegegeld gibt es nur im Nachhinein. Gewand, Medizin, Essen, Spielzeug – das alles bezahlen die Krisenpflege-Eltern selbst.

krisenpflege

Michaela Muttenthaler ist Krisenpflege-Mama in Wien

Leben kann man davon nicht. Man muss schon sehr sozial veranlagt sein, um das zu machen. Eine alleinerziehende Frau kann davon keine Miete, kein Essen bezahlen“, erzählt Michaela Muttenthaler. Sie ist Krisenpflege-Mama in Wien und hat über 20 Kleinkinder in ihre Obhut genommen und ihnen einen zweiten Start ins Leben ermöglicht.

Wenn sie gerade kein Kind zur Pflege hat, hat sie nur ein geringfügiges Einkommen zur Verfügung. Ein zweiter Job geht sich neben dem als Krisenpflege-Mama nicht aus. Man muss ja immer auf Abruf sein – und sich mehrere Wochen am Stück für das Kind Zeit nehmen. Das ist mit keinem anderen Job vereinbar.

Im Alter stehen viele Krisenpflege-Mamas ohne Absicherung da:

Ich habe Kolleginnen, die haben fast 20 Jahre als Krisen-Pflegemütter gearbeitet und die haben keine Pension“, erzählt Michaela Muttenthaler.

Stilling für bessere Absicherung

Auch das will Familienministerin Stilling für Ganz Österreich regeln. Derzeit zahlt jedes Bundesland unterschiedlich viel Geld aus: Zwischen 300 und 1.000 Euro. Eine einheitliche Lösung für Krisenpflege-Eltern wäre schön, sagt Stilling dem Ö1-Morgenjournal. Sie führt dazu Gespräche mit den Ländern.

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Christoph Ludwig
Christoph Ludwig

Eine Schande mit Eltern, Kindern, den Menschen, die am Weiterbestehen unserer Staatsbevölkerung arbeiten, mit persönlichem Einsatz und „Aufopferung“ ihrer „Lebenszeit“ ZU SPAREN!
Unsere „Sunnyboys“ in der Regierung fliegen von A nach B – reden gescheit daher, essen und trinken bis zum Erbrechen und haben ihre Gaudi mit ihrer Selbstdarstellung!
Einfach nur GRAUSLICH! Pfui!

Johann Ruhsam
Johann Ruhsam

So etwas darf doch nicht wahr sein. Die ÖVP hat sich von Christlichen Partei verabschiedet.

Rolanda Honsig-Erlenburg
Rolanda Honsig-Erlenburg

Ich kann es überhaupt nicht mehr verstehen, dass die ÖVP solche Maßnahmen mitträgt und dann auch noch als fair bezeichnet, sollte doch die ÖVP eine christlich soziale Partei sein, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt. Wie kann man Kriseneltern, die eine so schwierige Aufgabe übernehmen, auch noch finanziell belasten. Die Regierung hat die moralische Pflicht, für die Zeit, die Kinder von Kriseneltern betreut werden, auch das Kinderbetreuungsgeld zu bezahlen. Wie kann man erwarten, dass Menschen so solidarisch sind und Kinder in Extremsituationen übernehmen, wenn die Regierung keine Solidarität mehr lebt.

Annemarie Schoßthaler
Annemarie Schoßthaler

eine Schande

cornelia keller-milak
cornelia keller-milak

das passt ja wieder bestens zu dem eindruck, den diese reGIERung bisher so gemacht hat.
den armen etwas wegnehmen und den reichen geschenke machen – das ist das prinzip der umverteilung.
nur eben von unten nach oben.

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