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Die ÖVP auf Seite der Aktionäre: Jobabbau und weniger Gehalt für MAN-Belegschaft

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Nikolaus Kowall Nikolaus Kowall
in Niki Kowall redet Tacheles
Lesezeit:5 Minuten
9. Juni 2021
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MAN möchte das LKW-Werk in Steyr schließen. Ein Investor wollte den Betrieb weiterführen, dabei würden allerdings 1.000 Leute den Job verlieren. Bei einer Abstimmung stimmen zwei von drei Beschäftigten gegen den Investor. Ist das Werk wirklich so wenig wettbewerbsfähig, wie etwa Wirtschaftsministerin Schramböck behauptet? Wieso hat MAN dann in den letzten Jahren Millionen investiert? Die Wirtschaftsministerin steht einfach auf der Kapitalseite. Das ist typisch für die neoliberale Wirtschaftspolitik der türkisen ÖVP.

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Folgendes Transkript des Videos entstammt Kowalls Blog.

Der Konzernboss von Volkswagen, der Präsident der Industriellenvereinigung und etliche Kommentatorinnen sind sich einig: Das LKW-Werk von MAN im oberösterreichischen Steyr ist nicht wettbewerbsfähig. Auch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck schlägt in die gleiche Kerbe wenn sie sagt: „Eine Fortführung wird allerdings nicht funktionieren, wenn man so weitermacht wie bisher… Man muss den Standort wettbewerbsfähig machen“

Im Werk geht es um 2.300 Jobs, in der Region Steyr gar um 8.000 wirtschaftliche Existenzen. Ist es unvermeidlich, dass der Standort extrem verschlankt, oder sogar geschlossen wird?

Reden wir einmal Tacheles.

Das MAN Management möchte das LKW-Werk in Steyr schließen und die Produktion nach Polen verlagern. Dennoch könnte der Standort erhalten bleiben, wenn sich ein Investor findet. Der Manager Sigi Wolf hat ein Konzept für die Weiterführung des Betriebs vorgelegt. Dabei würden allerdings eintausend Leute den Job verlieren, die die bleiben müssten 15 Prozent weniger Lohn in Kauf nehmen. Eine Abstimmung unter den Beschäftigten, ob sie Wolfs Konzept zustimmen, sorgte für eine Sensation. Fast zwei von drei stimmten dagegen. Daraufhin hat MAN angekündigt, das Werk nun doch zu schließen.

Wenn ein Betrieb nicht wettbewerbsfähig ist, muss man ihn effizienter und kostengünstiger machen. Im schlimmsten Fall muss er geschlossen werden. Das ist die einfache Denke und harte Logik einer Konkurrenzwirtschaft. Und wenn bei diesem Wettbewerb nicht nur Firmen, sondern ganze Länder mitmachen, dann wird das ganze zum Standortwettbewerb – also in unserem Fall zwischen Österreich und Polen. Denn vielleicht sind wir hier schon zu teuer geworden! Hat die LKW-Herstellung in Westeuropa keine Zukunft mehr? So sieht es der Wirtschaftsredakteur des Standard, Eric Frey: „Es hat mittelfristig wenig Sinn, in einem Hochlohnland Laster mit ihrem hohen Blech-zu-Software-Verhältnis zusammenzuschrauben, selbst wenn das noch so effizient geschieht“.

Nun, das ist insofern eine interessante Aussage, weil das größte LKW-Produktionswerk der Welt in Deutschland steht: ein Betrieb von Mercedes-Benz mit 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. DAF produziert LKW in den Niederlanden, Iveco in Italien, Renault in Frankreich und Volvo in Schweden. Insgesamt gibt es in westeuropäischen Hochlohnländern eine sehr vitale LKW-Produktion.

Aber schauen wir einmal genauer auf das MAN Werk in Steyr. Ist es wirklich so ineffizient, wie etwa der Industrievertreter Georg Knill behauptet? Wenn das so eindeutig ist, wieso hat das MAN-Management dann im Jahr 2017 die größte Lackieranlage Europas am Standort Steyr errichtet? Und wieso wurde im Jahr 2019 eine Produktion von Elektro-Trucks gestartet? Und wieso um Himmels Willen hat das Management erst vor zwei Jahren eine Standortgarantie bis 2030 unterschrieben?

Vielleicht hat MAN einfach am falschen Standort investiert. War das der Grund, weshalb das Management im Vorjahr von der Konzernmutter VW ausgewechselt wurde? So muss es sein: Das alte Management hat auf das falsche Pferd gesetzt und jetzt steht MAN das Wasser bis zum Hals. Aber Augenblick, stimmt das mit den Geschäftszahlen überein?

Im Jahr 2019 lag der Gewinn, den das Werk Steyr machte, bei 20 Mio. Euro und damit im Konzernschnitt. Logischerweise ging es während Corona einmal bergab, aber schon im Herbst hat sich die Situation wieder verbessert. Die Auftragsbücher sind mittlerweile voll und das Werk ist für die nächsten zwei (!) Jahre ausgelastet. Das erste Quartal 2021 brach sogar alle Rekorde bei den Auftragseingängen. Der LKW-Sparte von VW, die Traton heißt und zu der auch MAN gehört, geht es prächtig! Haben Wirtschaftsministerin Schramböck, Industrievertreter Knill und Standardredakteur Frey die Sicht des neuen MAN-Managements einfach unhinterfragt übernommen?

Wieso investiert MAN erst Millionen, will dann aber den Standort schließen? Das Magazin Kontrast hat folgende Vermutung: Der VW-Konzern, zu dem MAN gehört, will das Werk durchaus weiterverwenden. Nur möchte man zwei Dinge loswerden: Die lästige Standortgarantie bis 2030 und die recht hohen Sozial- und Lohnstandards, die der Betriebsrat über die Jahrzehnte erwirkt hat. Man möchte also für VW produzieren, ohne dass das Werk zu VW gehört. Und hier kommt Investor Sigi Wolf ins Spiel.

Wieso sollte er als neuer Eigentümer dem VW-Konzern überhaupt zuarbeiten? Ganz einfach: weil er im Aufsichtsrat beim VW-Haupteigentümer Porsche sitzt. Wolf ist ein VW-Mann.

Und was, wenn Wolfs Plan wirtschaftlich scheitert? Darauf hat das LKW-Fachmagazin Traktuell eine interessante Antwort: MAN kann als Tochter des VW-Konzerns nicht einfach Konkurs anmelden und sich damit der Belegschaft entledigen. Wenn MAN pleite geht, ist die Konzernmutter, also VW, in der Pflicht. Anders schaut es aus, wenn Sigi Wolf Alleineigentümer ist. Geht er pleite, können die Beschäftigten einfach ohne jede Verpflichtung auf die Straße gesetzt werden.

Der Gedanke lässt sich noch weiterspinnen: Die Oberösterreichischen Nachrichten haben Wolf gleich ganz direkt die Frage gestellt: „Was sagen Sie jenen, die argumentieren, Siegfried Wolf hilft dem VW-Konzern, ein teures Produktionswerk loszuwerden und später als billigeren Standort wieder zurückzukaufen?“ Antwort von Wolf: „Verwerflich wäre das nicht“.

Wir wissen letztlich nicht, was MAN und die Konzernmutter VW genau vorhaben. Natürlich betreiben Konzerne ganz strategisch Politik und Ihre Kommunikation verrät wenig über ihre wahren Motive. Dass Konzerne von der Industriellenvereinigung volle Rückendeckung bekommen ist bedauerlich, aber nicht verwunderlich. Irritierend ist allerdings, wenn Margarete Schramböck einfach den Standpunkt des MAN-Managements übernimmt. Eigentlich sollte sich eine Wirtschaftsministerin am großen volkswirtschaftlichen Interesse orientieren. Weil das was das Beste für Management und Konzern ist, ist oft nicht das Beste für die Gesellschaft.

Um es einmal klar auszusprechen: Es war total mutig von der Belegschaft Wolfs Angebot abzulehnen. Wir leben in einer Zeit, wo die Beschäftigten der Kapitalseite vollends ausgeliefert sind. Wer in der Arbeitswelt traut sich da noch aufzumucken? Das hat echt Respekt verdient. Und der Umstand, dass sich neben Wolf mittlerweile drei weitere Interessenten für das Werk gemeldet haben, ist ja schon einmal ein Hoffnungsschimmer.

Die Wirtschaftsministerin hat verdeutlicht, dass sie den Standpunkt der Kapitalseite als den logisch richtigen anerkennt. Das ist typisch für neoliberale Wirtschaftspolitik im Allgemeinen und für die der türkisen ÖVP im Speziellen. Und das wird Thema im nächsten Video sein.

 

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