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GIS-Zahler finanzieren ORF-Show für Kanzler Kurz

GIS-Zahler finanzieren ORF-Show für Kanzler Kurz

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Nachrichten
Lesezeit:4 Minuten
19. Dezember 2018
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Das Fernseh-Format „Die Lebensretter“ wird am Donnerstag im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausgestrahlt. Die Sendung ist eine offizielle Kooperation zwischen dem Bundekanzleramt, der Kronen Zeitung und dem ORF. In der Jury der Show sitzt der Regierungssprecher und Sebastian Kurz bekommt einen großen Auftritt. Medienforscher finden das bedenklich.

Eine eigene Fernsehsendung für den Bundeskanzler. Der ORF strahlt am 20. Dezember unter dem Titel „Die Lebensretter“ eine große Gala aus. Im Rahmen dieses Events darf Bundeskanzler Sebastian Kurz öffentlichkeitswirksam „Österreichs Heldinnen und Helden“ auszeichnen. Die Veranstaltung fand eigentlich bereits vergangenen Sonntag statt, wird aber seit Tagen medial ausgeschlachtet.  Teams oder Einzelpersonen aus Flugrettung, Bergrettung, Wasserrettung, Polizei, Feuerwehr sowie Feuerwehrtaucher gehören ebenso zu den Preisträgern wie ein zwölfjähriger Bub.

Dass Regierungschefs eine eigene TV-Sendung im Hauptabendprogramm bekommen, ist eher ungewöhnlich. Medienbeobachter kritisieren die Vorgehensweise.

„Die Imagepflege des Bundeskanzleramtes ist legitim, aber nicht auf Kosten der ORF-Berichterstattungskriterien. Der ORF ist zu Ausgewogenheit verpflichtet“, erklärt etwa Medienforscher Fritz Hausjell. „Da geht es um einen positiven Imagetransfer von Menschen, die Leben retten, hin zu einem Politiker, der mit ihnen auf der Bühne stehen darf.“

Perfekte Kanzler-PR

Die Kosten liegen laut Schätzungen bei über 300.000 Euro – alles Geld der Gebührenzahler, das der Kanzler für seine Zwecke nützt. Und alles ist perfekt durchinszeniert: Seit Tagen portraitieren die ORF-Landesstudios die Preisträger. Am 17. Dezember kam Sebastian Kurz noch einmal in allen neun Bundesländernachrichten mit einem eigenen Beitrag vor und als krönender Abschluss wird die Veranstaltung noch im Hauptabendprogramm auf ORF 2 ausgestrahlt. Der Plan: maximale mediale Reichweite für den Kanzler.

Sebastian Kurz ORF
Screenshot, Salzburg Heute, 17.12.2018

Das Bundeskanzleramt und die ÖVP haben dabei die Finger im Spiel. Das beginnt schon beim Auswahlverfahren. Die Gewinner wurden von einer „hochkarätigen“ Jury ausgewählt, wie es vonseiten des ORF heißt. Spannend: Dazu zählen etwa Regierungssprecher Peter Launsky-Tieffenthal, wie auch seine Mitarbeiterin Lilly Kunz aus dem Bundeskanzleramt.

Es ist nicht die erste Werbe-Sendung

Vor einigen Wochen sorgte schon eine andere Sendung des ORF für Aufregung: In einer Folge des Formats „Europa backstage“ besuchten ORF-Reporter Vizekanzler Heinz-Christian Strache im Fitness Center und filmten ihn beim Schwitzen. Das wurde selbst ORF-Journalisten zu bunt.

„Es herrscht großer Ärger in den Redaktionen“, kritisierte ORF-Redakteursvertreter Dieter Bornemann. „Der Inhalt entspricht einer unkritischen Belangsendung.“

Im Abspann wird zudem nicht einmal ein redaktionell Verantwortlicher des ORF genannt. Der Redakteursvertreter forderte daraufhin die Einhaltung „journalistischer Qualitätskriterien“ für „alle ORF-Programme“.

Schwarz-Blau will Zugriff auf ORF

Die ÖVP- und FPÖ-Vertreter im ORF-Stiftungsrat setzen den öffentlichen Rundfunk zurzeit unter Druck. Sie wollten etwa das ORF-Budget für das Jahr 2019 blockieren – und damit zeigen, wer das Sagen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat. „Vorweihnachtlich gemütliche Stimmung ist nicht zwingend zu erwarten“, gab der oberste schwarze ORF-Funktionär, Thomas Zach, die Marschroute vor.

„Es hat eine brutale Neuorganisation im Unternehmen gegeben, und es gibt sie nach wie vor“, macht sich ORF-Zentralbetriebsratvorsitzender Gerhard Moser Sorgen über den Zugriff der Regierung auf den ORF. „Führungspositionen wurden nach den Wünschen der türkis-schwarz-blauen Regierung neu vergeben, oft ohne Bedarf und entsprechende Auswahlverfahren“, berichtet Moser.

Die FPÖ in Person von Stiftungsrat Norbert Steger würde sich um eigene politische Interessen kümmern statt um das Wohl des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Angriffe auf Journalisten

Auch Journalisten werden vonseiten der Regierung immer wieder angegriffen – wie beispielsweise ZIB2-Moderator Armin Wolf. Oder auch Susanne Schnabl, Moderatorin des Politmagazins „Report“. Sie habe Innenminister Kickl zu kritische Fragen gestellt, meinten schwarze und blaue Stiftungsräte nach einem Interview zum BVT-Skandal im Sommer.  Patricia Pawlicki, Moderatorin der Sendung „Hohes Haus“, wollte die FPÖ überhaupt gleich absetzen lassen, nachdem sie ÖVP-Nationalratspräsident Sobotka kritische Fragen zur Koalition mit der FPÖ stellte.

„Neutralisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“

Das alles überrascht nicht. Ein Teil der FPÖ-Medienstrategie wurde durch den oberösterreichischen Landesrats Elmar Podgorschek öffentlich. Bei einer Veranstaltung der AfD in Thüringen, dokumentiert auf einem Video, erklärte er:

„Was wir unbedingt durchführen müssen, ist eine Neutralisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Auch auf die Gefahr hin, dass uns eine sogenannte Orbanisierung vorgeworfen wird. Das müssen wir durchziehen.“

Update: Kurz-Show floppt im TV

Trotz begleitender Berichterstattung in der Kronen Zeitung hatte „Österreichs Heldinnen und Helden“ nur 419.000 Zuseher. Das entspricht einem Marktanteil von mageren 15%. Eine Woche davor, zur gleichen Sendezeit, hatte „Am Schauplatz“ 647.000 Zuschauer und einen Marktanteil von 23 Prozent.

Die Krimi-Serie „Die Rosenheim Cops“, welche vor der Kurz-Show ausgestrahlt wurde, hatte 818.000 Zuseher (Marktanteil 28%). Auch die Zeit im Bild 2, die nach der Show ausgestrahlt wurde, hatte mit 583.000 mehr Zuseher und mit 25% einen größeren Marktanteil.

ORF-Quoten vom 20. Dezember 2018

Parlament Das Thema "Öffentlich-rechtlicher Rundfunk" im Parlament

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mtp0206
mtp0206
11. April 2019 11:14

wer braucht und schaut noch den ORF.

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Die Rotzlöffel
Die Rotzlöffel
21. Januar 2019 06:33

des Kanzlers sind stark ausgeprägt!

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Werner
Werner
27. Dezember 2018 21:53

Wir schlittern mit den Rechten in einen neuen Faschischmus. Ade Österreich

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Der Typ
Der Typ
24. Dezember 2018 19:09

ist nicht Kanzler!

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Dafia is a a Pliatz!
Dafia is a a Pliatz!
Reply to  Der Typ
1. Januar 2019 16:47

Sunst nix.

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Robert PETER
Robert PETER
22. Dezember 2018 10:37

Es ist mehr als traurig was in diesem Land passiert. Ehrlich gesagt schäme ich mich für diese Regierung. Menschlichkeit bleibt auf der Strecke, dafür wird fest an der Umfärbung gearbeitet – und zwar ungenierter als je zuvor – und am Etablieren eines Polizeistaates.
Ein Blick nach Ungarn zeigt die Marschrichtung.

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Lisa
Lisa
20. Dezember 2018 12:53

Ist die Vergabe von Ehrungen und Auszeichnungen nicht eine Sache des Bundespräsidenten? Und nicht eines Bundeskanzlers?

Und zum Machthunger von schwarz-blau-türkis und sonstigen ungesunden Retro-Schimelfarben in allen gesellschaftlichen Bereichen fallen mir als Vergleich nur Begriffe zu historischen bereits mumifizierten Totengräbern ein… wie etwa Nationalliberalismus, Imperialismus, Faschismus, Austrofaschismus, nationaler Sozialismus => Pauperismus und Elend das Ergebnis. Ein Volk das schläft, geht unter.

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Monika
Monika
Reply to  Lisa
20. Dezember 2018 16:42

Meine Frage zu diesem Thema: ist der ORF verpflichtet, all diese Sendezeiten einzuräumen?

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So können sie wenigstens
So können sie wenigstens
Reply to  Lisa
21. Januar 2019 06:35

behaupten, arbeitsmäßig ausgelastet zu sein, hehe.
Eine lächerliche Welt!

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Katharina Oguntoye ist Historikerin, Autorin und Aktivistin. Sie gehört zu den Pionierinnen der schwarzen Frauen und Frauenbewegung in Deutschland. Mit Büchern wie Farbe bekennen machte sie schwarze deutsche Geschichte, feministische Perspektiven und antirassistischen Widerstand sichtbar. Zitat: Ich finde es unerträglich, wie Frauen immer noch wahrgenommen werden. Wir dürfen jetzt Hosen anziehen, aber im Grunde wird trotzdem noch verlangt, dass wir gehorsam und kooperativ sind, immer bei- und zuarbeiten. Katharina Oguntoye
Katharina Oguntoye ist Historikerin, Autorin und Aktivistin. Sie gehört zu den Pionierinnen der schwarzen Frauen und Frauenbewegung in Deutschland. Mit Büchern wie Farbe bekennen machte sie schwarze deutsche Geschichte, feministische Perspektiven und antirassistischen Widerstand sichtbar. Zitat: Ich finde es unerträglich, wie Frauen immer noch wahrgenommen werden. Wir dürfen jetzt Hosen anziehen, aber im Grunde wird trotzdem noch verlangt, dass wir gehorsam und kooperativ sind, immer bei- und zuarbeiten. Katharina Oguntoye

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FPÖ-Klub füttert rechte Medien mit 50.000 Euro Steuergeld über Inserate gegen NGOs

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