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Securities erzählen: 48-Stundenwoche für nicht mal 1.700 Euro im Monat

Securities erzählen: 48-Stundenwoche für nicht mal 1.700 Euro im Monat

Lena Krainz Lena Krainz
in Arbeit & Freizeit, Reportagen
Lesezeit:4 Minuten
22. Juni 2022
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Die Pandemie bescherte der Bewachungs- und Sicherheitsbranche einen Nachfrage-Boom. Doch das spiegelt sich nicht in angemessenen Löhnen der Mitarbeiter wider. Für 10,95 Euro brutto pro Stunde sorgen sie für einen geordneten Einlass bei Krankenhäusern, deeskalieren im Streitfall oder kümmern sich um einen sicheren Ablauf bei Brandalarm. Die Teuerung spüren die Beschäftigten extrem, wie Betriebsrat Bernd Böck im Kontrast-Gespräch erzählt. Er arbeitet seit 6 Jahren in dieser Branche.

Bernd Böck ist eigentlich gelernter Schlosser. Nach einer Schulterverletzung hat er die Branche gewechselt und arbeitet seitdem für ein Großunternehmen im Bereich Gebäudemanagement. Die Firma bietet nicht nur Sicherheitstechnik und Sicherheitsdienste wie Portierstätigkeiten an, sondern auch Gebäudereinigung und Catering. Bernd Böck ist als Sicherheitskraft für die Brand- und Alarmüberwachung in einem Konzern zuständig. Wenn mitten in der Nacht die Brandmeldeanlage einen Alarm auslöst, informiert er die zuständigen Stellen, kontrolliert die Kameras, überprüft die entsprechenden Durchsagen und sorgt dafür, dass der Vorfall schnellstmöglich behoben und ordnungsgemäß abgewickelt wird. Der Arbeitsplatz muss demnach 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche besetzt sein – Nachtdienste gehören zum Alltag.

Nervenaufreibender Einsatz im Alarmfall

Der Job als Sicherheitskraft ist abwechslungsreich: „Jeder Tag ist anders. Kein Alarm ist gleich. Es kann ein ganz ruhiger Tag sein oder ein großer Einsatz mit Feuerwehr, Rettungskräften und vielen involvierten Stellen“, erzählt Böck über seine Arbeit. Dabei sei es wichtig, immer einen kühlen Kopf zu bewahren und schnell reagieren zu können – das ist es, was ihm an seiner Arbeit besonders gefällt. Das betrifft auch seine Kollegen, die etwa an der Hauptpforte eingesetzt sind. Als Betriebsrat hat Böck mit vielen Kollegen aus der Branche zu tun – auch mit anderen Sicherheitsfirmen. „Die brauchen Nerven aus Stahl“, weil es im Eingangsbereich immer wieder zu Konflikten kommt, wie er schildert.

Die Corona-Pandemie hat die Situation an diesen Arbeitsplätzen noch verschärft, etwa bei den Test-Containern oder 3-G-Kontrollen: „Die wurden und werden angepöbelt und müssen sich schon einiges gefallen lassen.“

Erst kürzlich hat eine Studie gezeigt, dass jede und jeder zweite Beschäftigte von verbaler Gewalt am Arbeitsplatz betroffen ist.

Die Pandemie brachte einen Boom in der Bewachungsbranche

Gleichzeitig hat die Pandemie auch für einen Boom in der Sicherheitsbranche gesorgt, in der österreichweit über 14.000 Personen arbeiten. Die Nachfrage nach Bewachungspersonal hat zugenommen, erzählt Böck.

„Sind wir uns ehrlich, ohne Sicherheit und ohne Reinigung geht gar nichts mehr, schon gar nicht in der Pandemie – das hat sich gezeigt. So haben zum Beispiel Krankenhäuser Bewachung gebraucht. Und auch ohne Reinigung kann ein Krankenhaus nicht existieren“, so der Betriebsrat.

Trotz abgesagter Veranstaltungen und Events während der Pandemie konnten die vier größten Unternehmen in der Bewachungs- und Sicherheitsbranche im Jahr 2020 einen starken Umsatzzuwachs von 7 Prozent erzielen. Ihr Gewinn hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. 2,2 Millionen Euro wurden 2020 an die Eigentümer an Dividenden ausgeschüttet, knapp 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

Eine 48-Stundenwoche für 1.650 netto

Doch die Wichtigkeit ihrer Arbeit und die gesteigerte Nachfrage spiegelt sich nicht in der Bezahlung der Beschäftigten wider. 10,95 Euro brutto bekommen die Wachleute in der Stunde, in der Nacht kommen 40 Cent Zulage hinzu. Bei einer 48-Stundenwoche landen damit 1.650 netto am Konto der Angestellten. Auch die Arbeitszeiten sind für viele Beschäftigten eine Belastung. „Ein typischer Arbeitstag ist ein 12-Stunden-Tag“, sagt der Betriebsrat. Im Monat sind es 207 Stunden, wobei darüber hinaus sehr häufig Überstunden zu leisten sind.

Eine App soll die Gewerkschaft stärken: für einen 1.900 Euro Mindestlohn

Dabei sei die Firma von Bernd Böck völlig in Ordnung, wie er betont. Der Grund für die schlechte Bezahlung und die langen Arbeitszeiten sei der niedrige Kollektiv-Vertrag. Denn der Beruf ist in Österreich kein anerkannter Lehrberuf – anders als etwa in Deutschland, wo man als „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ ausgebildet wird. Hinzu kommt, dass es für die Gewerkschaft schwierig ist, die einzeln verstreuten Securities bei Geschäften oder Türsteher von Lokalen zu organisieren. Doch wenn nur wenige aus der Branche Gewerkschaftsmitglied sind, kann auch der Lohn weniger stark verhandelt werden. „Da braucht es viel Aufklärungsarbeit, warum die Gewerkschaft und Betriebsräte wichtig sind.“

Der Betriebsrat Bernd Böck arbeitet seit 6 Jahren in der Sicherheitsbranche.

Aus diesem Grund haben die Betriebsräte während der Corona-Pandemie gemeinsam mit der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer die „Meine Betriebsrat“-App entwickelt. „Denn in der heutigen Zeit erreichst du die 500 Mitarbeiter unserer Firma, die in ganz Kärnten verteilt sind, am besten mit einer App“, erklärt Böck. Forderungen, für die sich die Beschäftigten vernetzen möchten, gibt es genug. Für die Arbeit und einer 48-Stundenwoche müsste es eigentlich 1.900 netto geben, sagt der Betriebsrat – bei einer 40-Stundenwoche 1.700 netto. Die Nachtdienste müssten besser bezahlt werden und auch attraktivere Arbeitszeitmodelle geschaffen werden. „Heutzutage ist vielen Mitarbeitern die Work-Life-Balance wichtig. Sie sagen, Geld ist nicht alles. Das müssen die Betriebe lernen“, so Böck. So könnte etwa eine 6. Urlaubswoche dazu führen, dass sich auch von den Jungen mehr für den Job interessieren.

Urlaubsgeld wird für die Miete verwendet

Gerade jetzt wäre eine Lohnerhöhung sehr notwendig, weil es sich für viele finanziell kaum mehr ausgeht. Weihnachts- und Urlaubsgeld werden zunehmend aufgebraucht, um die Miete und die Lebensmittel bezahlen zu können. „Da bekommt man als Betriebsrat schon richtige Dramen mit. Es ist eine komplette Katastrophe. Die Kollegen und Kolleginnen merken die Teuerung extrem“, sagt Böck. Vor allem beim Einkaufen spüren es alle sehr stark: „Mit 100 Euro bekommst du heute immens weniger als früher, die Preise für Baumaterialien, wie auch die Preise fürs alltägliche Leben, haben sich in den letzten zwei Jahren verdoppelt.“ Hätte Bernd Böck nicht gerade vor der Pandemie sein Haus fertig gebaut – heute würde er es sich nicht mehr leisten können. Um 150.000 Euro würde es heute mehr kosten, sagt er. Für die Mitarbeiter der Firma hat der Betriebsrat eine Reihe an Vergünstigungen organisiert, unter anderem fürs Tanken oder Einkaufen in Supermärkten. Der Betriebsrat kooperiert dafür mit über 50 Geschäften. „Damit können wir den Mitarbeitern zumindest einigermaßen etwas ersparen“, meint Böck.

Preisstopp beim Tanken und bei den Mieten gefordert

Doch der Betriebsrat könne nicht alles auffangen, vielmehr sei die Regierung gefordert. Denn die Entlastungs-Maßnahmen der Regierung gehen Bernd Böck nicht weit genug und kommen darüber hinaus sehr spät. Wichtig wäre ein Preisstopp beim Tanken, so wie das etwa Slowenien eingeführt hat. Auch ein Mietdeckel wäre dringend nötig, weil die Wohnkosten enorm angestiegen sind und Wohnen inzwischen für viele nicht mehr leistbar ist, so der Betriebsrat.

 

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