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USA-Wahl: Warum die ArbeiterInnen Trump wählten

Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Frauen & Gleichberechtigung, Internationales
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14. November 2016
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Das Entsetzen ist groß, auch in Europa. Donald Trump wird tatsächlich der 45. Präsident der USA sein. Trump zu wählen, heiße vor allem rassistisch, frauenverachtend und gegen Homosexuelle zu sein. Dazu komme noch eine Portion Dummheit – so sehen es zumindest die meisten Gegner von Trump.

Für die Juristin und Feministin Joan C. Williams ist diese Erklärung zu bequem. Für sie sind es vor allem Klassenkonflikte und wirtschaftliche Schieflagen, die Trumps Wahlsieg erklären. Ihr zentrales Anliegen ist es, die (weiße) Arbeiterklasse, ihre Wünsche, ihre materiellen Probleme und ihre Wertvorstellungen, zu verstehen, um Trumps Sieg zu begreifen. Und daraus lassen sich entsprechende politische Strategien entwickeln.

Wir haben ihre wichtigsten Aussagen zusammengefasst:

1. Clinton steht für Verachtung, Trump für Sehnsüchte

Die weiße ArbeiterInnenklasse, die Blue Collar Worker, respektiert die wirklich Reichen eher als die VerwalterInnen, TechnokratInnen und ManagerInnen. Denn oft machen durchschnittliche ArbeiterInnen und Angestellte schlechte Erfahrungen mit gehoben Angestellten und AkademikerInnen, den White Collar Workern. Sie begegnen diesen in hierarchischen Arbeitsbeziehungen, wo diese als Vorgesetzte über ihren Arbeitsalltag bestimmen. Dabei erscheinen sie ihnen oft als jene, „die nichts darüber wissen, wie man arbeitet, aber eine Unmenge an Ideen haben, wie ich meine Arbeit machen soll“. Hillary Clinton repräsentiert mit ihren Hosenanzügen und ihrer technokratischen Ausdrucksweise genau diese „professionelle“ Elite, die auf die Arbeiterklasse herabblickt.

Dem gegenüber stehen die wirklich Superreichen, die der tägliche Frust kaum trifft. Da es mit diesen kaum Berührungspunkte gibt, fehlen auch die alltäglichen Konflikte. Stattdessen stehen Superreiche wie Trump, die man nur aus Zeitung und Fernsehen kennt, für die Sehnsucht nach dem Aufstieg. Dazu kommt der in der Arbeiterklasse weit verbreitete Wunsch, in die Schicht der erfolgreichen Unternehmer aufzusteigen: Ein eigenes Unternehmen zu haben, reich zu werden und sich im Alltag von niemandem in die Arbeit pfuschen zu lassen.

2. Soziale Lage ist für Frauen wichtiger als Geschlecht

Der Wahlausgang und der Verlauf der Wahl zeigt deutlich, dass Sexismus nach wie vor sehr tief in der amerikanischen Gesellschaft verankert ist. Er zeigt aber auch: Die soziale Lage ist wichtiger als das Geschlecht und bestimmt die amerikanische Politik. So hat Trump mit einem Riesenvorsprung von 28 Prozentpunkten bei weißen Frauen der Arbeiterklasse gewonnen: 62% von ihnen stimmten für Trump und nur 34% für Clinton. Wäre das Verhältnis 50:50 gewesen, Clinton hätte gewonnen.

3. Den Arbeitern geht es um ihre Würde

Trump sprach eindeutig weiße Arbeiter an: Seine Ablehnung von „Political Correctness“ ist vor allem als eine Rückkehr zur sicheren Welt von früher zu verstehen. Dabei dockt er an die angekratzte männliche Würde vieler Arbeiter an, die sich als Verlierer fühlen. Nach wie vor wird die männliche Würde immer noch an der Höhe des Gehaltsschecks gemessen. Und die Löhne der weißen Arbeiterklasse sind in den 1970ern ins Trudeln geraten und haben während der Wirtschaftskrise erneut einen schweren Schlag bekommen.

Die meisten Menschen – Männer wie Frauen – versuchen, jene Ideale zu leben, mit denen sie aufgewachsen sind. Und Männer der Arbeiterklasse schreien heute nach dieser Würde männlicher Prägung. Und die liefert ihnen Trump.

4. Die amerikanische Arbeiterklasse ist nicht arm, sie ist die Mittelschicht

Wenn wir von der Arbeiterklasse sprechen, sollten wir uns im Klaren sein, worüber wir genau sprechen. Die Arbeiterklasse sind nicht die wirklich Armen, was die Demokraten oft übersehen. Forderungen wie die Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Dollar sind für durchschnittliche ArbeiterInnen uninteressant, weil sie nicht um 9,50 Dollar bei McDonald´s arbeiten. Was sie wollen, sind sichere Vollzeitarbeitsplätze, die ein solides Mittelstands-Leben ermöglichen. Und zwar auch jene 75 Prozent der US-AmerikanerInnen, die keinen Studienabschluss haben. Trump hat genau das versprochen, auch wenn er dieses Versprechen wohl nicht halten wird. Aber zumindest kennt er die Sehnsüchte dieser Menschen.

Außerdem lösen Programme, die den Armen helfen und von der Mittelschicht finanziert werden, immer wieder Unmut aus. So zum Beispiel Obamacare: 20 Millionen Arme erhalten eine kostenlose Krankenversicherung, während viele Amerikaner, die nur etwas mehr verdienen, höhere Beiträgen leisten müssen. Im Gegenzug wird der Mittelschicht nur wenig geboten – und sie fühlt sich ausgenutzt und im Stich gelassen.

5. Land gegen Stadt

Klassenkonflikte drücken sich auch in einer Kluft zwischen Stadt und Land aus. In einigen ländlichen Gegenden sind schockierend viele Männer aus der Arbeiterklasse arbeitslos oder arbeitsunfähig. Diese Gebiete brechen weg und verwelken. Dies hinterlässt eine Spur von Schmerz und Verzweiflung. Wann sprechen US-Politiker darüber? Nie.

6. Wirtschaft in den Mittelpunkt rücken

In der Zeit, in der die ArbeiterInnen die Demokraten gewählt haben (1930-1970), war es deren Hauptziel, gute Arbeitsplätze zu schaffen. Heute sind sowohl die Demokraten als auch die Republikaner mehrheitlich für Freihandelsabkommen. Durch diese Abkommen haben die Arbeiter in den Swingstates wie Ohio, Michigan und Pennsylvania ihre Jobs verloren, die Arbeitsplätze sind jetzt in Mexiko oder Vietnam. Donald Trump hat sich vehement gegen solche Abkommen ausgesprochen, während die Demokraten vor allem auf Toleranzthemen gesetzt haben. „Ich verstehe, warum Transgender-Toiletten wichtig sind, aber ich verstehe auch, dass die Besessenheit vieler ,Progressiver‘ von kulturellen Themen viele US-Amerikaner verärgert, deren Hauptanliegen die Wirtschaft ist“, so Williams.

7. Nicht auf Rassismus reduzieren

Ökonomische Ressentiments haben auch rassistische Ängste verstärkt, was einige Trump-Anhänger und Trump selbst in den offenen Rassismus getrieben hat. Aber die Wut und Unzufriedenheit der weißen Arbeiterklasse schlicht auf den Rassismus zu reduzieren, ist bequem und falsch. Man sollte sich mit den Anliegen, den Wünschen und Werten der Arbeiterklasse auseinandersetzen. Während die gesellschaftliche Elite sexuelle und rassistische Beleidigungen stets kritisiert, werden etwa Klassen-Vorurteile kaum thematisiert.

Weiterlesen

Der Originaltext von Joan C. Williams ist unter dem Titel „What So Many People Don’t Get About the U.S. Working Class“ im Online-Magazin Harvard Business Review erschienen.

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Leonard Nimoy war ein vielseitiger Künstler, der vor allem durch seine Rolle als Mr. Spock in der legendären Serie „Star Trek“ bekannt wurde. Als Vulkanier, der zwischen logischer Vernunft und menschlicher Emotion balancierte, prägte Nimoy eine Figur, die zu einem Markenzeichen der Sci-Fi-Kultur wurde. Doch sein Talent ging weit über das Schauspiel hinaus: Er war auch Regisseur, Musiker und Fotograf. Neben seiner Arbeit in der Unterhaltungsindustrie setzte er sich für soziale Themen ein und hinterließ einen bleibenden Eindruck sowohl auf als auch neben der Leinwand. Zitat: Das ist ja das Wunder. Je mehr wir teilen, desto mehr haben wir. Leonard Nimoy

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