Frauen & Chancengleichheit

Warum Buben kein Rosa tragen

Unsplash/Bruno Nascimento

Spielzeug- und Kindermode ist praktischerweise in zwei Segmente geteilt: Die pinke Abteilung ist für Mädchen, der Rest – häufig blau markiert – ist für Buben reserviert. Daran haben wir uns gewöhnt. Historisch betrachtet ist diese strikte Zuteilung allerdings sehr ungewöhnlich und neu.

Warum kommt Rosa für Buben nicht infrage? „Das geht doch nicht“, „Das war schon immer so“. Bei der Frage nach Rosa gehen die Wogen hoch. Es ist eine Farbe, die direkt auf ein ideologisches Schlachtfeld führt. Die Spannbreite reicht von verträumten Barbie-Universen in Lebensgröße für Fans bis zu Pink Stinks-Kampagnen von Kritikerinnen. Rosa ist nicht nur eine Farbe, sondern ein Statement. So trug beispielsweise Hillary Clinton Rosa bei ihrer berühmten Rede vor der UN zu „Frauenrechte sind Menschenrechte“.

Wann haben Buben aufgehört, Rosa zu tragen?

Die eindeutige Zuteilung von Rosa zum weiblichen Geschlecht war nicht immer so, das zeigt die historische Forschung. Ursprünglich wurden Säuglinge und Kleinkinder aus praktischen Gründen in weiße Kleidchen gehüllt – denn diese konnten wie Stoffwindeln bei Bedarf gebleicht werden. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts erreichten überhaupt erst Farben die Babykleidung, jedoch ohne die strikte Trennung in Rosa für Mädchen und Blau für Buben. Es war ursprünglich sogar genau umgekehrt: Buben wurden in Rosa gehüllt, während Blau als typische Mädchenfarbe galt – zu belegen beispielsweise mit Fotos von Franklin D. Roosevelt aus dem Jahr 1884.

Rot, die Farbe von Macht, Blut und Krieg, galt in seiner abgeschwächten Form als Farbe kleiner Männer. Blau wiederum stand nach der religiösen Farbenlehre in Verbindung mit der Jungfrau Maria und wurde daher Mädchen zugeschrieben. So war im elisabethinischen England und im Rokoko Rosa der letzte Schrei der Männermode. Auch die ersten Trikots des 1897 gegründeten Fußballvereins Juventus Turin leuchteten in der heute ungewohnt anmutenden Farbe. Bis in die 1920er Jahre vermarkteten Textilunternehmen Rosa – als starke, kräftige Farbe – als klar besser geeignet für Buben.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich die heute gängige Farbenlehre. Die ursprüngliche Farbsymbolik verblasste, die Produzenten von Bubenbekleidung orientierten sich im kapitalistischen Zeitalter an Arbeitern und Matrosen. Blau wurde zur Bubenfarbe und Rosa wanderte zu den Mädchen und wurde mit den Attributen süß, dekorativ und kindlich verbunden.

Zugewiesene Produkte verkaufen sich besser

Mit einer strikten Farbenlehre verkaufen sich Produkte für Säuglingen und Kinder besser, es macht das Einkaufen übersichtlicher. Dass wir dank Pränataldiagnostik schon vor der Geburt eines Kindes sein Geschlecht wissen, erleichtert ebenfalls Shopping-Ausflüge und das Anhäufen „passender“ Babykleidung, Kinderzimmereinrichtung und der Spielzeuge.

Erwachsene sind es, die das Bedürfnis haben, schon Säuglingen nach diesen geschlechtergetrennten Farbmustern auszustatten. Dabei sind für Säuglinge und Kleinkinder selbst zunächst sowohl Farbe als auch Geschlecht irrelevant, bekommen doch Kinder erst im Alter von 3 bis 4 ein Bewusstsein über ihr eigenes Geschlecht. Es sind vor allem wir Erwachsene, die unsere Vorstellungen von dem, wie sich Mädchen und Buben zu verhalten hätten oder mit welchem Spielzeug sie spielen wollen, prägen. Das zeigt auch ein Experiment aus Großbritannien zeigt:

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Die Geschlechterbilder und Vorurteile von Erwachsenen haben Folgen für Kinder, denn das Spielzeug, mit dem Kinder ihre Zeit verbringen, beeinflusst die Entwicklung ihres Gehirns, ihrer Motorik und ihres Selbstbildes.

Pink läuft Rosa den Rang ab

Seit den 1990er Jahren ist Rosa nicht mehr bloß eine Mädchenfarbe, sondern ist auch bei Erwachsenen wieder in die Mode zurückgekehrt, was spätestens am prinzessinnenhaften Kleid von Gwyneth Paltrow bei den Oscars 1999 deutlich wurde. Auch die Popkultur hat die Farbe Rosa entdeckt – diesmal als Zeichen starker Frauen. So hüllte sich beispielsweise Courtney Love, die Witwe von Nirwana-Sänger Kurt Cobain, in Pink Grunge. Und schließlich hat auch der Feminismus seinen Frieden mit Rosa geschlossen, marschierten doch die Aktivistinnen bei den Anti-Trump Frauenmärschen und dem Women’s March in Washington mit grellpinken „Pussy Hats“.

Bild: Gustave Deghilage, Journée internationale des femmes (Flickr.com, CC BY-NC-ND 2.0)

Die Farbe ist im Wandel begriffen: Rosa ändert seine Bedeutung. Statt der Farbe, die für Niedlichkeit steht, wird Pink zur Farbe der Stärke. So schickte Allessandro Michele einen leuchtend rosa Sweater, getragen von dem auch im Gesicht tätowierten Model Lorens, in seiner Frühjahr-/Sommer-2017-Show über den Runway. Pink is back – auch für Männer.

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Like

    18. Oktober 2017 um 18:35

    Die Befürchtung, dass Clinton Präsidentin wird, hat viele Menschen weltweit zu Nahrungsmittelvorrat und Not-Hamsterkäufen getrieben. Gott sei Dank ist sie uns erspart geblieben. Männer werden immer mehr kastriert und Frauen immer mehr vermännlicht, dies lässt sich nicht verleugnen, auch wenn man sich taubblind stellt, geht es doch einzig und alleine um die Wirtschaft und Steuerabgaben….die vermehren sich ganz natürlich, wenn Familien im ursprünglichem Sinne zerstört werden. Wenn Sie uns noch erklären, warum überhaupt und ab wann, an Moscheen und Kirchen Blitzableiter angebracht und montiert wurden, dann hat sich der Kreis geschlossen.

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