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Was uns Ungleichheit wirklich kostet

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Was uns Ungleichheit wirklich kostet

Kate Pickett und Richard Wilkinson Kate Pickett und Richard Wilkinson
in Gesellschaft, Gesundheit, Reality Check, Reichtum & Macht
Lesezeit:3 Minuten
24. November 2017
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Die sozialen Probleme in Staaten mit großen Einkommensunterschieden sind vielfältig. Wo es viel Ungleichheit gibt, sind die Menschen physisch wie psychisch ungesünder, leben kürzer und die Mordraten sind höher. Schulkinder schneiden schlechter in Mathematik ab und die Alphabetisierungsraten sind geringer als anderswo. Außerdem sitzen mehr Menschen in Gefängnissen und es werden mehr Drogen konsumiert. All diese Phänomene treten umso intensiver auf, je ungleicher Gesellschaften sind. Dieses Grundmuster ist leicht zu erkennen und wissenschaftlich vielfach bewiesen.

Dabei ist es unwesentlich, ob die sozial benachteiligten Schichten besonders arm sind oder nicht – es geht vor allem um die Unterschiede zwischen den Milieus. Diese driften nicht nur materiell auseinander, sondern auch gesellschaftlich. So bestimmt der soziale Status mit, wo wir leben, was uns gefällt und wie wir unsere Kinder erziehen.

Ungleichheit wirkt sich auch auf Privilegierte negativ aus

Das klingt erstmal nicht neu. Nur wenigen dürfte entgangen sein, dass Menschen in sozial schwächeren Milieus mehr mit Krankheiten zu kämpfen haben, schlechtere Bildungsergebnisse vorweisen und häufiger Gefahr laufen, in die Kriminalität abzuschlittern.

Die wesentliche Erkenntnis ist jedoch, dass sich diese Probleme verschlimmern, je größer die Einkommensunterschiede werden. Studien zeigen, dass in ungleichen Gesellschaften wie den USA, Großbritannien oder Portugal im Vergleich zu ausgleichenderen Staaten, wie den skandinavischen Ländern oder Japan, Phänomene wie Mord, Gefängnisstrafen und Teenagerschwangerschaften 10 Mal häufiger vorkommen.

Das lässt sich so erklären: Ungleichheit wirkt sich nicht nur auf die ärmeren Schichten aus, auch wohlhabendere Gruppen leiden darunter. Grassierende Ungleichheit schadet den sozial schwächeren Milieus zwar am meisten, die Vorteile von gleicheren Gesellschaften wirken aber bis zu den privilegiertesten Schichten. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass wohlhabende Gruppen von Phänomenen wie erhöhter Gewaltbereitschaft, Alkoholismus und Drogensucht unberührt bleiben.

Reich aber ungleich

Generell kann gesagt werden: Soziale Probleme sind selten auf die Armen beschränkt. Wie die Auswirkungen der Ungleichheit gehen sie quer durch die ganze Gesellschaft.

Große Einkommensunterschiede verfestigen außerdem die sozialen Strukturen. Je ungleicher eine Gesellschaft, desto langsamer ist die soziale Mobilität. So kommen beispielsweise auch Ehen zwischen Personen aus verschiedenen sozialen Milieus dort viel seltener vor. In solchen Staaten leben Arme und Reiche weiter voneinander entfernt und der soziale Zusammenhalt ist insgesamt geringer als anderswo.

Angst vor den Anderen

Ungleichheit zerstört damit die Qualität von sozialen Beziehungen und gerade diese sind wesentliche Faktoren für Zufriedenheit und Glück. Höhere Ungleichheit führt also zu geringerer Lebensqualität.

Das Gemeinschaftsleben in gleicheren Gesellschaften ist schlichtweg ausgeprägter. Ehrenamt, freiwillige Vereinsarbeit und gegenseitiges Vertrauen sind dort verbreiteter. Das alles geht bei steigender Ungleichheit verloren. An ihre Stelle treten gegenseitiges Misstrauen, Gewalt und Drogenkonsum. Kurz gesagt: Ungleichheit senkt das Zugehörigkeitsgefühl in einer Gesellschaft und macht sie verrohter.

Wohin das führt, erkennt man schnell, wenn man einen Blick auf einige der ungleichsten Staaten wirft – etwa Südafrika oder Mexiko. In diesen Ländern fürchten sich die Menschen voreinander. Die Indizien dafür sind schnell gefunden: Gated Communities, mit Gitterstäben versperrte Fenster und Stacheldrahtzäune. Außerdem wird dort ein höherer Anteil der gesellschaftlichen Arbeitskraft für Polizei, Sicherheitsdienste und Gefängnis-Personal verwendet.

Depressionen und Narzissmus

In ungleichen Gesellschaften spielen Status, Geld und soziale Position eine entscheidende Rolle. So gesellt sich zur Angst vor den Anderen auch noch die Statusangst. In Gesellschaften zu leben, in denen manche Menschen extrem wichtig erscheinen und andere fast wertlos sind, führt zu einer größeren Sorge darüber, wie andere uns sehen und beurteilen.

Menschen mit niedrigem sozialen Status und daraus resultierendem geringen Selbstwertgefühl erleben gesellschaftliche Zusammenkünfte vor allem als anstrengende, zu vermeidende Prüfung. Sie ziehen sich in Folge immer weiter aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und leiden dann häufig unter Depressionen.

Andere Menschen wiederum reagieren auf wachsende Ungleichheit mit Selbstoptimierung oder Selbstbewerbung. Dabei versuchen sie das Bild, das andere von ihnen haben, zu verbessern. Langfristig führt das zu ausgeprägter Ich-Bezogenheit und verstärktem Konsumdenken. Kein Wunder also, dass in ungleichen Gesellschaften mehr Geld für prestigeträchtige Güter wie teure Autos ausgegeben wird.

Der wahre Preis

Die wirklichen Tragödien sind also nicht die höheren Kosten für Sicherheitspersonal oder Gefängnisse. Der wahre Preis den wir für Ungleichheit zahlen, ist eine schlechtere Lebensqualität für alle. Soziale Beziehungen und psychische sowie physische Gesundheit leiden enorm unter hohen Einkommensunterschieden. Statusunsicherheit und Wettbewerbsdruck machen das soziale Leben stressiger und führen zu Depressionen und Narzissmus. Diese Rahmenbedingungen sind zwar gut für die Marketingabteilungen von Luxus-Autos, aber sicher keine solide Grundlage für eine glückliche Gesellschaft.

Dieser Artikel ist auf Social Europe erschienen und wurde von Kontrast übersetzt.

Zum Weiterlesen

Von Gesundheit bis Freundschaft – warum soziale Ungleichheit unser aller Glück zerstört


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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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