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Corona-Krise: London und Düsseldorf öffnen Hotels für Obdachlose

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Corona-Krise: London und Düsseldorf öffnen Hotels für Obdachlose

Marco Pühringer Marco Pühringer
in Politik, Reichtum & Macht
Lesezeit:4 Minuten
6. April 2020
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Bleibt zu Hause! Doch was, wenn man kein Zuhause hat? Für Obdachlose ist die Corona-Krise besonders schlimm. Das müsste aber nicht sein: London und Düsseldorf haben zu Beispiel die ohnehin leeren Hotels für sie geöffnet. Und eigentlich gibt es in der EU etwa dreimal so viele leerstehende Wohnungen und Häuser wie Obdachlose.

Obdachlose sind eine der am stärksten durch das Corona-Virus gefährdeten Personengruppen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein schweres Atemproblem durch den Virus bekommen ist dreimal höher als in der Durchschnittsbevölkerung. Die Maßnahmen, wie mit dem Problem umgegangen werden unterscheiden sich zwischen den Ländern immens. So wurden in London und Düsseldorf geschlossene Hotels für Wohnungslose geöffnet. In Las Vegas hingegen sollen Obdachlose innerhalb von aufgemalten Quadraten schlafen, um den Mindestabstand einzuhalten. Auf den Parkplätzen der leeren Superhotels.

Bundesregierung hat auf Obdachlose vergessen

Auch in Österreich wurde von Anfang an auf Wohnungslose vergessen, trotz des erhöhten Risikos. Das sagt der Verfassungsjurist Alfred Noll gegenüber dem ORF. Noll beobachtete die Gesetzesänderungen im Zuge der Corona-Krise und findet:

„Ganz offensichtlich wurde auf die Obdachlosen ganz einfach vergessen, ich sehe nicht, wenn ich ein paar Tage oder ein paar Wochen zurückblicke, dass sich irgendjemand darum gekümmert hätte. Dass es irgendeine Ambition gegeben hätte, diese Bevölkerungsgruppe miteinzubeziehen.“

Auch für die Polizei gibt vom Innenministerium scheinbar keine Vorgabe, wie mit Obdachlosen umzugehen ist. Auf ORF Anfrage sagte ein Polizeisprecher, man wolle sich derzeit nicht mit Randgruppen beschäftigen, die Handhabung sei für jeden gleich.

Wien öffnet alle Notschlafstellen auch Tagsüber

In Wien wird dem entgegengesteuert: Die Bundeshauptstadt schafft 900 zusätzliche Plätze für Obdachlose. Auch die Notschlafstellen der Stadt sind seit Längerem auch tagsüber geöffnet. Damit soll es den Obdachlosen erleichtert werden, öffentliche Orte zu meiden. Probleme hingegen gibt es in Tirol. Dort herrscht seit der über das Bundesland erlassenen Quarantäne Verunsicherung unter Obdachlosen und Sozialarbeitern. Eigentlich hätte seit Mitte März alle Menschen ohne Hauptwohnsitz in Tirol das Land verlassen müssen. Viele Obdachlose haben keine österreichische Staatsbürgerschaft und per Definition auch keinen Wohnsitz. Das Land versicherte dem „Verein für Obdachlose“, dass die Maßnahme ihre Klienten nicht treffen werden. Der Geschäftsführer des Vereins Michael Hennermann glaubt, dass das auch daran liegt, dass viele Heimatländer ihre obdachlosen Bürger nicht zurückhaben wollen:

„Nachdem Tirol als Krisenregion bewertet wird, wollen viele Länder auch manche Menschen nicht zurückhaben. Ich denke, dass das auch Gründe sind, warum es zu keinen Maßnahmen kommt. Danach ist natürlich zu befürchten, dass sehr wohl Schritte gesetzt werden.“

Hotels für Obdachlose in London und Düsseldorf

In Großbritannien scheint man hingegen das Problem erkannt zu haben. Der Regierung plant Obdachlose in geschlossenen Büroräumlichkeiten unterzubringen. In London organisierte der Bürgermeister der Labour-Party Sadiq Khan die Unterbringung Obdachloser in Hotels.

„Der Ausbruch des Coronavirus betrifft jeden in London und wir müssen alles tun, um die Gesundheit aller zu schützen – nicht zuletzt der Londoner, die jede Nacht auf den Straßen der Hauptstadt schlafen müssen,“ so Kahn.

Auch in Düsseldorf ließ Oberbürgermeister Thomas Geisl (SPD) anordnen, ein Hotel mit 47 Plätzen für die Versorgung obdachloser Menschen zur Verfügung zu stellen.

Ganz anders geht man in Teilen der USA mit der Situation um. In Las Vegas etwa müssen obdachlose Menschen auf einem Parkplatz schlafen. Die einzige Sicherheitsmaßnahme: Quadrate auf dem Asphalt, in denen die sie schlafen sollen, um den Sicherheitsabstand einzuhalten. Das Problem wird in den USA aber noch größer werden. Die Vereinigten Staaten sind eines der Länder mit den meisten Obdachlosen und das Land mit der höchsten Zahl an Corona-Infektionen. Mittlerweile ist die Krankheit in New-Yorks Notunterkünften angekommen, dort kann es sich aufgrund der Beengtheit schnell vermehren.

In London und Düsseldorf kommen Obdachlose ins Hotel in Las Vegas müssen sie auf dem Parkplatz schlafen - trotz Corona Krise

Fast dreimal mehr leere Wohnungen als Obdachlose in Europa

Doch das müsste alles nicht nötig sein. In Europa gibt es über 11 Millionen leerstehende Wohnungen und Häuser – Obdachlose gibt es rund 4 Millionen. Darum wird in manchen europäischen Ländern schon laut darüber nachgedacht, zumindest während der Corona-Krise Obdachlose darin unterzubringen. Man könnte jedem Obdachlosen eine Wohnung geben und hätte noch immer einen Leerstand von 7 Millionen Gebäuden. Der hohe Leerstand ergibt sich übrigens aus der Finanz-Krise 2008: Bevor die Blase platzte, wurde gerade in Ferienorten viele Wohnungen als Spekulationsobjekte gebaut. Als die Nachfrage einbrach, wollte diese keiner mehr kaufen. Teilweise wurden Bauten auch wieder abgerissen, um den Preis für die anderen Gebäude zu stabilisieren. Die meisten derartigen Gebäude gibt es in spanischen Ferienorten, dort stehen rund 3,4 Millionen Häuser leer.

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Staatsbürgerschaft

Wer keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, darf nicht wählen gehen. Das betrifft fast ein Fünftel der Menschen, die in Österreich seit Jahren leben, arbeiten und Steuern zahlen und verzerrt die demokratische Repräsentation. Wer Staatsbürger:in werden möchte, muss nicht nur rechtliche Hürden überwinden, sondern auch relativ hohe finanzielle Anforderungen erfüllen. Diese sind für Berufsgruppen wie Reinigungskräfte oder Kassierende kaum zu erreichen. Auch Menschen, die in Österreich geboren sind, erhalten nicht automatisch die österreichische Staatsbürgerschaft. Wenn beide Eltern keine österreichischen Staatsbürger sind, hat das Kind keinen Anspruch darauf. Erst wenn mindestens ein Elternteil die österreichische Staatsbürgerschaft vorweisen kann, überträgt sich diese automatisch auf das Kind.

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