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Gewerkschafterin in Davos: Arbeitnehmer werden betrogen – sie brauchen mehr Macht

Christy Hoffman, General Secretary, UNI Global Union, Switzerland speaking during the Session "The Demographics of the Gig Workforce " at the Annual Meeting 2019 of the World Economic Forum in Davos, January 23, 2019. Agora Copyright by World Economic Forum / Boris Baldinger

World Economic Forum, lizenziert unter CC BY-NC-SA 2.0

Patricia Huber Patricia Huber
in Arbeit & Freizeit, Verteilungsgerechtigkeit
Lesezeit:3 Minuten
22. Januar 2020
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Das Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos hat die Weltgewerkschafterin Christy Hoffman eingelden, um über die Zukunft der Arbeitnehmer zu sprechen. Dort sagt sie: Nicht Konzernchefs, sondern Arbeiter und Angestellte sind die wichtigsten Akteure der Weltwirtschaft. Derzeit werden sie um ihren Wohlstand betrogen – Beschäftigte brauchen mehr Macht, wenn die Ungleichheit bekämpft werden soll.

Christy Hoffmann vertritt als Generalsekretärin der UNI Global Union 20 Millionen Arbeitnehmer aus dem weltweiten Dienstleistungssektor. In ihrer Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos fordert sie radikal mehr Mitspracherecht für Beschäftigte. „Wir brauchen eine grundsätzliche Verschiebung der Macht“, sagte die Gewerkschafterin gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

„Arbeitnehmer sind die wichtigsten Akteure für die Unternehmen, müssen eine echte Mitsprache bei Lohnverhandlungen bekommen, nicht nur Brösel, die ihnen von den Arbeitgebern heruntergereicht werden“, sagte Hoffman in Davos.

Obwohl seit Jahren über steigende Einkommensungleichheit diskutiert wird, nimmt diese immer weiter zu. Es gibt immer mehr Beschäftigung außerhalb von Kollektivverträgen – auf Drängen der Konzerne. Doch wenn die Löhne nicht mit der Wirtschaft mitwachsen, hat das Auswirkungen: „Das Zerreißen des sozialen Gefüges, auf die Ungleichheit und die Arbeitsarmut.“ Dieser Trend muss umgekehrt werden.

Google macht 30 Mrd. Gewinn, Amazon 10 Mrd.

„Zu oft errichten Unternehmen Zäune, wenn sie von Gewerkschaften wegen Tarifverträgen angesprochen werden“, sagte Hoffman. Dies müsste ein Ende haben, „wenn wir Ungleichheit und soziale Polarisierung stoppen wollen“.

Hoffman kritsiert auch, dass sich Milliardenkonzerne wie Google oder Amazon vor allem auf Leiharbeit stützen – statt die Menschen, die für sie arbeiten, normal anzustellen. Bei einem Reingewinn von 30 Milliarden US-Dollar kommen bei Google die Hälfte der Arbeitnehmer von Zeitarbeitsfirmen – diese Menschen verdienen viel weniger als normale Angestellte. Amazon hat einen Netto-Gewinn von 10 Milliarden Dollar, setzt aber weiter auf Leiharbeit und miserable Arbeitsbedingungen. Im letzten Jahr haben die Beschäftigten immerhin einen Mindestlohn von 15 Dollar in der Stunde erkämpft.

„Die Arbeitnehmer werden betrogen“

„Die Arbeitnehmer werden betrogen. Und diese Frustration und Wut haben dazu geführt, dass populistische Parteien Nahrung erhalten.“ Zu niedrige Löhne schaden auch einer gesunden Wirtschaft, wie Hoffman betont: „Wir müssen zusehen, dass wir Chancengleichheit schaffen, die Macht ausbalancieren, so schaffen wir eine gesunde Wirtschaft.“

Ich glaube, es gibt in vielen Ländern die Erkenntnis, dass konkurrenzlose Konzernmacht nicht mehr funktioniert. Die Menschen sind sauer, dass sie nicht ihren fairen Anteil bekommen, sagt Hoffman gegenüber Spiegel Online.

Konzerne wie Amazon haben für Hoffman eine viel zu große Marktmacht, das ist gefährlich für traditionelle Unternehmen: Die Gewerkschafterin schlägt vor, den Konzern wie einen öffentlichen Versorger zu regulieren oder sogar ganz aufzuspalten.

Studien zeigen: Je schwächer Gewerkschaften, umso größer die Ungleichheit

Aktuelle Studien geben Hoffman Recht: Florence Jaumotte und Carolina Osorio Buitron, zwei IWF-Ökonominnen, haben in einer Langzeitstudie 20 Industriestaaten, darunter auch Österreich, untersucht. Ziel der Studie war, herauszufinden, wie sich im Verlauf von dreißig Jahren (1980 bis 2010) Arbeitseinkommen, Gewerkschaften und die Ungleichheit innerhalb von Gesellschaften entwickelt haben. Untersucht haben sie das anhand der Entwicklung von Spitzeneinkommen, den Zahlen von Gewerkschaftsmitgliedern und mit Hilfe des sogenannten Gini-Koeffizienten, der Auskunft über den Grad an Ungleichheit in einer Gesellschaft gibt.

Je stärker Gewerkschaften, desto weniger Ungleichheit

Die Gesamtbetrachtung aller Länder zeigt, dass ein starker Zusammenhang zwischen Gewerkschaften und dem Grad an Ungleichheit in einem Land gibt.

Ihr Befund: Je höher der gewerkschaftliche Organisationsgrad, also die Zahl an Gewerkschaftsmitgliedern im Verhältnis zur ArbeitnehmerInnenschaft, desto niedriger ist die Ungleichheit in einem Land.

Interessant an den Ergebnissen ist, dass schwache Gewerkschaften auch mit explodierenden Spitzeneinkommen zusammenhängen. Zuvor hat man lediglich angenommen, dass sich die Stärke von Interessensvertretungen lediglich negativ auf untere und mittlere Einkommen auswirkt.

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Impressum: SPÖ-Klub - 1017 Wien - Telefon: +43 1 40110-3393 - e-mail: redaktion@kontrast.at

 
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