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Kontrast
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Was flexible Arbeitszeiten mit unseren Hormonen zu tun haben

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Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Arbeit & Freizeit
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11. Juli 2017
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Globalisierung und digitaler Fortschritt in der Wirtschaft lassen keinen Stein auf dem anderen. Der klassische 8-Stunden-Tag hat ausgedient – zumindest wenn es nach vielen Unternehmen geht. Unter dem Schlagwort „Arbeitszeitflexibilisierung“ fordern immer mehr den 12-Stunden-Tag. Doch PsychologInnen warnen vor zusätzlichen Belastungen für die Belegschaft. Denn was auf den ersten Blick nach Work-Life Balance aussieht, kann rasch in Arbeiten auf Abruf ausarten. Warum es uns so schwer fällt, abzuschalten und was das mit dem Belohnungssystem in unserem Kopf zu tun hat, erklären wir hier.

Erst letzte Woche saßen die Sozialpartner am gemeinsamen Verhandlungstisch. Neben dem Mindestlohn von 1.500€ ging es auch um die Arbeitszeitflexibilisierung. Jedoch kam es in dieser Frage zu keiner Einigung. „Bedauerlich und unverständlich“, hieß es von Wirtschaftsminister Harald Mahrer und der Industriellenvereinigung (IV). Beide fordern von der nächsten Bundesregierung, die 12 Stunden bei der Gleitzeit rasch gesetzlich umzusetzen.

Arbeiten auf Abruf

Derzeit ist in Österreich die tägliche Arbeitszeit zwar offiziell auf zehn Stunden beschränkt, doch gibt es viele Möglichkeiten, „ausnahmsweise“ auf 12 Stunden zu erhöhen. Bereits jetzt warnen die Arbeiterkammer (AK) und die Gewerkschaften: Flexible Arbeitszeiten bringen weniger Freiheit für die Beschäftgten, stattdessen aber gesundheitliche Belastungen – ausgelöst durch zu wenig Ruhepausen.

Einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) und der Donau Universität Krems zufolge entstehen dem Staat und den Unternehmen durch psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz jährlich Kosten von 3,3 Milliarden Euro.

Das größte Problem bei der Arbeitszeitflexibilisierung ist, dass sie von den Wünschen der ArbeitgeberInnen bestimmt wird. Die Bedürfnisse der ArbeitnehmerInnen hingegen zu kurz kommen. Flexibel sein heißt meistens: auf Abruf bereit sein.

Vom Chef geliebt werden

In einem Interview mit dem Kurier hat der Neurobiologe Bernd Hufnagl erklärt, warum es uns so schwer fällt, abzuschalten und was die gesundheitlichen Folgen von Arbeitszeitflexibilierisung sind. Die Gefahr geht in seinen Augen weniger von der Arbeitsmenge aus, sondern von der Fremdbestimmung. Flexibilisierung bedeutet real viel zu oft: permanente Verfügbarkeit. Und das intensiviert die Fremdbestimmung.

Was Menschen brauchen, um in ihrem Job glücklich zu sein, ist Anerkennung für ihre Tätigkeit. Erfolgt diese zeitnah, dann schüttet unser Gehirn Dopamin aus. Dieses Hormon löst ein Glücksgefühl aus und infolge sind wird motiviert. Fehlen anerkennde Worte, dann sinkt der Dopamin-Spiegel ab und die Freude an der Arbeit verschwindet.

Interessant ist auch, dass Hierarchien Einfluss auf unser Arbeitsverhalten in der Freizeit haben.

„Je weiter unten in der Hierarchie, desto häufiger glauben Menschen, in der Freizeit arbeiten zu müssen“, erklärt der Neurobiologe.

Das liegt am Bindungs- und Liebeshormon Oxytocin – wir wollen von unseren Chefs ‚geliebt’ werden. Sind wir auch an den Abenden, Wochenenden oder gar im Urlaub für unsere ArbeitgeberInnen erreichbar, erhalten wir dafür Extra-Lob. Unser Gehirn schüttet Oxytocin aus und wir fühlen uns zugehörig. Passiert dies nur hie und da, so ist das kein Problem. Gewöhnt sich unser Gehirn jedoch daran und der Prozess automatisiert sich, dann stellen sich die Probleme ein. Wir kontrollieren unsere E-Mails zu den unmöglichsten Zeiten und schaffen es nicht mehr, abzuschalten.

Das Phänomen der Belohnung und Bindung ist nichts Neues – das gibt es seit es Menschen gibt. Was sich geändert hat ist, dass wir uns heute aus der digitalen Welt jederzeit Oxytocin holen können – mittels Smartphone sind wir ständig erreichbar und haben via Internet ständig Zugang zu Arbeitsdaten. Arbeiten wir auf Abruf, wird dieser Prozess – und seine negativen Folgen – verstärkt.

Wie ArbeitgeberInnen dazu stehen

„Wenn wir dieses Thema rational diskutieren, wollen sie natürlich nicht, dass ihre MitarbeiterInnen in ihrer Freizeit arbeiten“, weiß der Neurobiologe Hufnagl. Doch der wirtschaftliche Druck, immer effizienter zu werden, ist hoch. In Wahrheit arbeiten viele ja bereits 12 Stunden. Studien belegen, dass Beschäftigte, die ihre Arbeitszeiten selbst festlegen, meist länger arbeiten und eine unausgewogene Work-Life Balance haben. Aus Angst vor Diskussionen mit den Personalchefs verschweigen ArbeitnehmerInnen ihre Überstunden oft. Zudem kommen Menschen krank in die Arbeit – viele haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie in den Krankenstand gehen.

Auf die Frage, wie echte Flexibilisierung aussehen könnte, meint Hufnagl: „Sich seine Freizeit nach persönlichem Bedarf einteilen zu können und ‚Nein‘ sagen dürfen – das würde einer echten Arbeitszeitflexibilisierung entsprechen, ist aber in komplexeren Strukturen schwierig.“

Zur Person: Bernd Hufnagl ist Neurobiologe und Unternehmensberater. Er war mehrere Jahre im Bereich Hirnforschung am AKH Wien tätig. Heute spezialisiert sich der Forscher auf betriebliches Gesundheitsmanagement.

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3 Comments
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Außer natürlich,
Außer natürlich,
19. April 2018 17:45

dass das Netz nichts Nettes ist.

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Ja, Frau Isufi,
Ja, Frau Isufi,
19. April 2018 17:45

dem ist nichts beizufügen.

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Egal wovor Psychologen warnen,
Egal wovor Psychologen warnen,
19. April 2018 17:37

die Wahrheit entspricht eigentlich dem, dass ich das nicht will. Und das steht über Industrie-, Politik-, und Psychologeninteresse.

Das Volk sollte über die Arbeitszeit entscheiden, wenn Gewerkschaften schon zu reinen Mitläufern mutiert sind! Und wenn die sogenannte Wettbewerbsfähigkeit gefährdet ist, muss einfach der Freihandel verschwinden und die Einfuhren der Billiglöhner mittelst Zöllen ausgeglichen werden.

So einfach ist das in Wahrheit, ist man nicht industriegesteuert.

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Dale Spender war eine australische Autorin, Wissenschaftlerin und Feministin, die sich mit der Macht von Sprache beschäftigte. Bekannt wurde sie mit ihrem Buch „Man Made Language“, in dem sie zeigte, dass Sprache nicht neutral ist, sondern gesellschaftliche Machtverhältnisse mitprägt. Sie fragte danach, wessen Stimmen gehört werden – und wessen Erfahrungen in Geschichte, Literatur und Wissenschaft fehlen. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit bestand deshalb darin, vergessene Autorinnen und Denkerinnen wieder sichtbar zu machen. Damit hat Spender eine Debatte angestoßen, die bis heute aktuell ist: darüber, wie Sprache bestimmt, wer gesehen, erinnert und ernst genommen wird. Zitat: Der Feminismus hat keine Kriege geführt, keine Gegner getötet und keine Grausamkeiten begangen. Seine Kämpfe galten der Bildung, dem Wahlrecht, besseren Arbeitsbedingungen, sozialer Absicherung und Reformen im Recht. Wenn jemand sagt: "Oh, ich bin kein Feminist." Dann frage ich nur: Warum? Dale Spender

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