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Kuba hilft mit Ärzten und Medizin in aller Welt – nicht nur in Zeiten von Corona

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Kuba hilft mit Ärzten und Medizin in aller Welt – nicht nur in Zeiten von Corona

Stefanie Hackl Stefanie Hackl
in Internationales
Lesezeit:5 Minuten
2. April 2020
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Inmitten der Corona-Krise landen kubanische Ärzte & Ärztinnen-Teams in Italien und Andorra, um Europa medizinisch zu unterstützen. Das ist jedoch nicht das erste Mal, dass sich der Inselstaat auf diese Weise solidarisch zeigt. Die medizinische Zusammenarbeit mit anderen Ländern gehört in Kuba schon lange zu den Grundsätzen des Gesundheitssystems.

Kuba und seine internationale medizinische Hochschule

Als 1998 durch Hurrikans in Mittelamerika und der Karibik Tausende Menschen starben und Millionen obdachlos wurden, entsandte Kuba medizinische Hilfe in 5 Länder der Region. Gleichzeitig kündigte der damalige Staatspräsident Fidel Castro die Eröffnung einer Hochschule für Medizin zur kostenlosen Ausbildung von Studierenden aus Entwicklungsländern an. Heute werden an der Escuela Latinoamericana de Medicina in Havanna ständig übe 10.000 Studierende aus mindestens 27 Ländern ausgebildet. 

Die 6-jährige Ausbildung zeichnet sich neben der Vermittlung theoretischer Inhalte vor allem durch ihren starken Bezug zur Praxis aus. Wer in Kuba Medizin studiert, macht das nicht nur, um sich auf das Heilen von Krankheiten zu konzentrieren. Die ELAM steht für Solidarität zwischen Kuba und anderen Ländern. Ihre Mission ist die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung und Hilfe bei der nachhaltigen Entwicklung medizinischer Praxis in verschiedensten Regionen der Welt. 

Helfen, wo andere nicht helfen

Laut dem kubanischen Gesundheitsministerium half Kuba seit 1963 bei über 600.000 Einsätzen in 164 Ländern. Derzeit arbeiten rund 30.000 SpezialistInnen in einigen der ärmsten und medizinisch unterversorgtesten Gebieten der Welt, die meisten davon in Lateinamerika und Afrika. Während der Ebola-Epidemie in Westafrika entsandte Kuba mehr als 460 ÄrztInnen in die betroffenen Regionen. Die kubanische Hilfsmission war damals die größte entsandte Gruppe medizinischen Fachpersonals. Es wurde noch viel mehr Hilfe benötigt, aber mit Ausnahme Kubas war die internationale Reaktion gering und langsam.

„Wir kümmern uns nicht um die öffentliche Aufmerksamkeit, wir kümmern uns um die Menschen“

Für Kubas medizinische Hilfsmissionen finden sich unzählige Beispiele. Als auf Haiti 2010 die Cholera nach einem Erdbeben ausbrach, entsandte Kuba rund 1.200 ÄrztInnen und HelferInnen. Dieses Team versorgte während der Seuche zwischen 30 und 40 Prozent aller behandelten Erkrankten. Sie waren auch die ersten, die nach den schweren Erdbeben auf Haiti im Jänner 2010 vor Ort waren. Der Koordinator der kubanischen Hilfstruppen Lorenzo Somarriba stellt damals klar:

„Wir kümmern uns nicht um die öffentliche Aufmerksamkeit, wir kümmern uns um die Menschen“ 

Brasilien beendet Zusammenarbeit: Säuglingssterblichkeit stark angestiegen

Was ohne die Hilfe Kubas passiert, hat sich beispielsweise in Brasilien gezeigt. Um die massiven Probleme des Gesundheitssystems in den Griff zu bekommen, wurde 2013 „mais medicos“ gegründet. Das Projekt sollte vor allem die medizinische Grundversorgung in armen, ländlichen Teilen des Landes sowie der indigenen Bevölkerung gewährleisten. Über 8.000 kubanische Ärzte und Ärztinnen waren daran beteiligt. 

Kuba musste die Zusammenarbeit mit Brasilien beenden, nachdem der brasilianische Präsident Bolsonaro die kubanische Regierung und die Beteiligung des karibischen Landes an „Mais Médicos“ stark kritisierte und ständig neue Bedingungen an den Verbleib der kubanischen Ärzte knüpfte.

Seitdem ist die Säuglingssterblichkeit in indigenen Gemeinschaften stark angestiegen. Daten des Gesundheitsministeriums zufolge sind zwischen Januar und September des letzten Jahres 530 indigene Babys gestorben. Dies entspricht einem Anstieg von zwölf Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahre 2018. Die 301 im Rahmen des Programms arbeitenden hatten 55,4 Prozent der medizinischen Stellen im Bereich der indigenen Gesundheit ausgemacht.

Kubanische Ärzte: Hilfe in der Corona-Krise

kubanische ärzte coronaInmitten der Corona-Krise verlassen kubanische Ärzte und Ärztinnen erneut ihre Heimat, um zu helfen. In Venezuela, Nicaragua, Grenada, Belize, Suriname, Jamaica und Angola sind bereits erste Hilfsbrigaden angekommen – und auch Europa braucht Hilfe. Ein 52-köpfiges Team landete in Italien, um es in der Krise zu unterstützen, ein weiteres Team landete in Andorra. Zwischen Frankreich und Spanien befindet sich der Kleinstaat inmitten zweier von der Pandemie am stärksten betroffenen Länder. 

In 22 Staaten Hilfe ohne Gegenleistung

Während sich wohlhabende Staaten an den Kosten dieser Einsätze beteiligen, hilft Kuba ärmeren Ländern ohne eine finanzielle Gegenleistungen. Für derartige Solidaritätseinsätze und »in Anerkennung seiner Verdienste bei der Bewältigung von Naturkatastrophen und Epidemien« ist das »Kontingent Henry Reeve« im Mai 2017 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgezeichnet worden. Aktuell helfen kubanisches Gesundheits-Personal in 22 Ländern gratis.

Kritik aus den USA

Kuba bietet an, Hilfe in weitere Länder zu schicken, die mit dem Coronavirus kämpfen. Das US-Außenministerium warnt jedoch davor, diese Hilfe anzunehmen. Auf Twitter schreibt es: „Kuba bietet seine internationalen medizinischen Missionen denjenigen an, die von #COVIDー19 betroffen sind, nur um das Geld wieder gutzumachen, das es verloren hat, als die Länder aufhörten, an dem missbräuchlichen Programm teilzunehmen“. Die entsandten HelferInnen erhalten tatsächlich nur etwa 20 Prozent der Gehälter, die die Gastländer für ihre Hilfe zahlen. Die kubanische Regierung erklärt jedoch, dass sie den Großteil der Überseelöhne behält, um das kostenlose Gesundheitssystem der Insel sowie die kostenlosen internationalen Missionen zu finanzieren. Während das Gesundheitspersonal dort mit wenig Mitteln arbeitet, ist das System darauf ausgerichtet, Krankheiten zu verhindern anstatt auf die Behandlung zu warten.

USA blockiert Hilfslieferungen nach Kuba

Nun berichten kubanische Medien, dass die USA medizinische Hilfslieferungen nach Kuba blockieren. Während das Land damit beschäftigt ist, die steigende Anzahl an Corona-Infizierten in den Griff zu bekommen, wird der Transport von chinesischen Atemmasken, Reagenzien für PCR-Diagnosen und Beatmungsgeräten nach Kuba aufgrund der bestehenden Blockade-Gesetze verhindert. Auch die karibische Insel aber ist immer stärker von der weltweiten Corona-Epidemie betroffen. Kubas Botschafter in Beijing Miguel Pereira nannte das Vorgehen „illegal, ungerecht und willkürlich“, denn auch für Kuba „werden die Dinge immer komplizierter sein“.

„Die Sanktionen haben einen tödlichen Effekt“

Jetzt, wo Gesundheitssysteme ins Wanken geraten, könnten sich viele Länder glücklich schätzen über die Hilfe aus Kuba. Die medizinischen Missionen des Inselstaates könnten erneut Leben retten. Laut Mark Weisbrot, Co-Direktor des Zentrums für Wirtschafts- und Politikforschung in Washington sollten diese Bemühungen die US-Regierung eigentlich dazu veranlassen, das fast 60 Jahre alte Handelsembargo gegen Kuba zu überdenken. In einer E-Mail an CNN schrieb er:

„Die Sanktionen haben einen generelleren und tödlicheren Effekt. Sie tragen zu einer allgemeineren Knappheit an lebensrettenden Medikamenten und Geräten bei, weil sie den wirtschaftlichen Abschwung verstärken. Dies bedeutet mehr Knappheit an lebenswichtigen medizinischer Versorgung und mehr Todesfälle“

Interferon: Kubanisches Medikament könnte bei Covid-19 wirksam sein

Dabei sind es genau diese Medikamente, die wir dringend brauchen könnten. Das kubanische Medikament Interferon Alpha 2b hat sich bei Viren mit ähnlichen Eigenschaften wie COVID-19 als wirksam erwiesen. Es stört die Virusvermehrung in den Zellen, was eine Verschlimmerung der Erkrankung und Komplikationen verringern könnte. Seit seiner ersten Anwendung zur Bekämpfung des Dengue-Fiebers hat Interferon seine Wirksamkeit und Sicherheit bei der Therapie von Viruserkrankungen wie Hepatitis B und C, Gürtelrose, HIV-AIDS und Dengue gezeigt. Die Zeit wird zeigen, ob es sich auch als ein Wundermittel in Bezug auf COVID-19 herausstellen könnte.

Was wir von Kuba lernen können

Klar ist, dass uns die Corona-Pandemie zwingt, bestehende Systeme zu überdenken, vor allem in Bezug auf das Gesundheitswesen und internationale Solidarität. Kubas Gesundheitspolitik verfolgt das Ziel, internationale Zusammenarbeit im Gesundheitswesen sowie die Mobilisierung von Ressourcen zu erleichtern und sollte zukunftsweisend für unsere Gesundheitssysteme sein. Nicht nur in Zeiten der Corona-Krise. 

 

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3 Comments
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Martin
Martin
5. April 2020 11:34

Ich sehe die kubanischen Missionen höchst kritisch, obzwar die kubanischen Ärzte zweifellos medizinisch einwandfrei arbeiten und top ausgebildet sind missbraucht das Regime, das Oppositionelle verfolgt und seinen Bürgern die freie Meinungsäußerung nicht zugesteht, beinhart seine eigenen Interessen auf dem Rücken der Ärzte. Die (nicht im Verdacht tendenziöser Berichterstattung stehende) öffentlich-rechtliche BBC oder der britische Economist spricht von schweren Menschenrechtsverletzungen gegenüber den Ärzten, permanenter Überwachung und mangelnder Bewegungsfreiheit (Reisepässe der Ärzte werden vom Regime einfach einbehalten), Gefährdung der körperlichen Integrität derselben aufgrund prekärer Sicherheitsbedingungen, auch vom Wegschauen der Verantwortlichen bei sexuellen Übergriffen auf Ärtinnen wird von ehemaligen TeilnehmerInnen der Missionen berichtet. Angehende Ärzte und Studierende werden massiv unter Druck gesetzt, diesen Missionen beizutreten. Familienangehörige fürchten Repressionen des Regimes sollten sich Ärzte in ihren Missionen nicht nach den Vorstellungen Kubas verhalten. Kuba nützt dieses Sytem für positive Publicity und allen voran als Deviseneinnahme und macht damit nichts anderes als etwa Nordkorea, das von Ärzten und Chirurgen über Bauarbeiter und Erntehelfer nach China, Zentralasien und sogar Osteuropa ‚exportiert‘. Exportiert, wie eine Ware, die Devisen bringt, ohne Rechte für die Betroffenen und unter Repressionen für sie und ihre Angehörigen, sollten sie sich dem Willen der Regime widersetzen. (Online findet man hierzu zwei arte Dokus und auch die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen ‚Deutsche Welle‘ ist eye-opening!)
Liebes Kontrast-Team: Gebt euch nicht der EigenPR-Maschinerie und den plakativen ‚Big pictures‘ der kubanischen Regierung hin, bleibt kritisch, trotz oder gerade wegen eurer links-progressiven Blattlinie.

4
-1
Antworten
Martina
Martina
3. April 2020 13:09

Einerseits ist es gut, weil man die Ärzte braucht, andererseits ist es ein autokratisches Regime ohne Pressefreiheit auf der Suche nach Devisen. GLeichzeitig brauchen die Ärzte (sind Frauen auch dabei, noch keine gesehen) auch das Geld, obwohl sie ohnehin nur einen Bruchteil kriegen. Finde es grundsätzlich ok, sehe das aber viel kritischer, ein Arzt in Kuba kriegt weniger als ein Taxifahrer…

2
-2
Antworten
rudi
rudi
3. April 2020 11:05

Hallo, so sind die kommunistische KUBANER! Sie sind bereit, für Europa gegen das CORONA-VIRUS zu kämpfen! Und das GELD, dass bezahlt wird, wird für die KUBANER verwendet!Damit es denen in KUBA besser geht.
Was machen unsere kapitalistischen CHEFS? Die wollen nur das BESTE, Sie wollen UNSER GELD, für sich ALLEINE!!
Also keine Angst vor den KUBANERN! Sie helfen ja nur.

2
0
Antworten

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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Erich Maria Remarque war ein deutscher Schriftsteller, der mit seinem Antikriegsroman “Im Westen nichts Neues” bekannt wurde. Seine Bücher, die vor allem die Grausamkeiten des Krieges offenlegen, wurden im nationalsozialistischen Deutschland verboten. Seine pazifistischen Romane werden bis heute von Menschen weltweit begeistert gelesen und wurden schon mehrfach verfilmt. Zitat: Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind. Besonders die, die nicht hingehen müssen. Erich Maria Remarque

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