Der Verein Little Home e. V. baut kleine mobile Häuschen und schenkt sie obdachlosen Menschen. Für ehemalige Bewohner:innen war das Geschenk ein Wendepunkt in ihrem Leben. Die kleinen Häuschen geben den Betroffenen Sicherheit, Ruhe und Hoffnung zurück. Kritiker:innen sehen darin nur eine Übergangslösung und sorgen sich um Mindeststandards.
Es ist nicht viel Platz. Das klassische „Little Home“ ist nach Vereinsangaben 3,2 m² groß. Daneben gibt es noch die größere Variante mit 8,0 m². Für Uwe S., ehemaliger Bewohner, bedeutete das kleine Haus Sicherheit, Ruhe und neue Hoffnung. 15 Jahre war er obdachlos und hat auf den Straßen Berlins geschlafen. Dann schenkte Sven Lüdecke ihm ein “Little Home”. Darin (über)lebte er zwei Jahre lang. Inzwischen hat Uwe wieder eine Wohnung mit Strom und Fließwasser und steht auf eigenen Füßen. Das “Little Home” war ein Wendepunkt.
“Little Homes”: Kleine Häuser für obdachlose Menschen
Sven Lüdecke hat den Verein “Little Home e. V.” gegründet. Seit Ende 2016 bauen er und ein Team aus ständig wechselnden Freiwilligen kleine Häuser und schenken sie obdachlosen Menschen.
Die Häuser sind einfach gebaut: Vier Wände aus Pressspanplatten, eine verriegelbare Tür und ein kleines Fenster. Dazu eine Matratze, ein Camping-Klo, ein Feuerlöscher und ein Erste-Hilfe-Set. Es gibt keinen Strom, kein Fließendwasser und keine Heizung – nur eine Isolierung aus Styropor. Das schützt vor extremer Kälte. Wasser organisieren sich die Bewohner:innen meist selbst: etwa in öffentlichen Toiletten oder Trinkwasserstellen. Nach Angaben des Vereins belaufen sich die aktuellen Materialkosten für ein Little Home aktuell auf etwa 4.450 Euro für das kleine und auf 9.450 Euro für das große.
Gebaut werden die Häuser gemeinsam von Freiwilligen, Schulklassen, Unternehmen und Menschen, die helfen wollen. Die Wohnboxen stehen auf Rädern. Ob Genehmigungen erforderlich sind und welche Standplätze infrage kommen, klärt das Vereinsteam.
Die Häuschen stehen größtenteils auf privaten Stellplätzen, dafür geht der Verein Kooperationen mit Städten, Bezirken und Gemeinden ein.

Kritik: Die “Little Homes” erfüllen den Mindeststandard einer Unterbringung nicht
Lüdecke’s Projekt stößt auch auf Widerspruch. Kritiker:innen sehen Mindeststandards der Unterbringung vernachlässigt. Die winzige Wohnfläche sei menschenunwürdig und keine langfristige Lösung.
Auch Werena Rosenke vom Verein Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sieht das Projekt kritisch. Gegenüber dem Deutschlandfunk sagt sie, “Little Homes” seien nicht sicher. Oft stünden sie an abgelegenen Orten. Das sei gerade für Frauen gefährlich. Obdachlosen Menschen etwas Sicherheit zu geben und sie kurzfristig von der Straße zu holen, hält sie trotzdem für eine gute Idee. Dennoch sollte das Ziel eine richtige Wohnung samt Betreuung durch ein:e Sozialarbeiter:in sein.
Keine Lösung – aber Übergangslösung
Lüdecke sieht das auch so. Er sieht sein Projekt auch nicht als Lösung für das Problem Obdachlosigkeit. Das sei Aufgabe der Politik.
“Wir sind nicht die Lösung des Problems Obdachlosigkeit, sondern eine Lösung vor der Lösung”, sagt Sven Lüdecke, Little Home Gründer (Interview).
Auf Bundesebene hat die deutsche Bundesregierung im April 2024 einen Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit beschlossen. Er soll die Anstrengungen von Bund, Ländern, Gemeinden und Zivilgesellschaft bündeln, um Wohnungs- und Obdachlosigkeit bis 2030 zu überwinden.
Inzwischen gibt es in vielen Städten regionale Ableger des Vereins. Die einfache Bauart der Häuschen macht es möglich. Anfangs ging es nur darum, den obdachlosen Menschen eine halbwegs sichere Unterkunft zu bauen. Mittlerweile hilft der Verein auch bei Behördengängen, bei Anträgen für Sozialleistungen oder bei der Jobsuche. Dafür stellt der Verein Sozialarbeiter:innen an oder arbeitet mit ihnen zusammen.
Risiken: Kommunen vernachlässigen ihre Pflicht zur Hilfe bei Wohnungslosigkeit
In Deutschland sind Kommunen dazu verpflichtet, wohnungslosen Menschen zu helfen. Sie müssen die Betroffenen menschenwürdig unterbringen. So gut die Idee des Vereins “Little Home” auch ist, sie könnte dazu führen, dass Kommunen ihre Pflicht vernachlässigen. Denn die Menschen sind ja nicht mehr wohnungslos.
Das sieht man etwa am Beispiel der Tafeln. Tafeln geben gespendete Lebensmittel an Menschen mit geringen Einkommen weiter. Das Problem: Der Staat verlässt sich mitunter auf die Hilfe und bleibt selbst untätig. Die Symptome der Armut werden gelindert, aber die Ursachen bleiben. Die Teuerung, die Altersarmut oder die prekären Arbeitsbedingungen im Niedriglohnsektor werden nicht angegangen, so die Angst der Kritiker:innen.

Obdachlosigkeit nimmt zu in der EU, in Deutschland und auch in Österreich
Für 2024 weist der Wohnungslosenbericht der Bundesregierung rund 531.600 wohnungslose Menschen in Deutschland aus. Die Zahl umfasst untergebrachte, verdeckt wohnungslose und ohne Unterkunft lebende Personen. In Österreich waren 2024 laut Statistik Austria 21.073 Menschen als obdach- oder wohnungslos registriert. Die euroäische NGO FEANTSA schätzt für 2026, dass rund 1.440.000 Menschen in Europa auf der Straße leben oder nur vorübergehend untergebracht sind.
Die Dunkelziffern dürfte jedoch weitaus höher sein, denn viele Betroffene werden vom System gar nicht erst erfasst. Sie sind unsichtbar, weil sie nirgends gemeldet sind, keine Sozialversicherung haben oder bei Freund:innen und Bekannten unterkommen.
“Eine Heimat für Heimatlose”: Das Vinzidorf Wien-Meidling
Auch in Österreich gibt es “Little Homes”. Sie befinden sich sowohl in Linz, als auch in Klagenfurt. Das VinziDorf Wien verfügt über 24 Schlafplätze in Einzelwohneinheiten. Die Wohnmodule haben Schlafraum und WC. Die Waschräume befinden sich in einem sanierten Wirtschaftsgebäude.
In dem Dorf leben chronisch-alkoholkranke Männer, die sonst auf der Straße leben müssten. Sie erhalten warme Kleidung und tägliche Mahlzeiten. Haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter:innen unterstützen die Bewohner bei finanziellen Belangen, Behördengängen oder bei gesundheitlichen Fragen.
Die Männer leben dort dauerhaft. Wer einmal dort wohnt, kann für immer bleiben. Die einzige Voraussetzung: Eine österreichische Staatsbürgerschaft oder eine gültige Anspruchsberechtigung.
Die Häuschen seien für Menschen, die überall abgelehnt werden, erklärte einst der Pfarrer Wolfgang Pucher gegenüber dem Standard. Pucher war Gründer der VinziWerke und prägende Figur der Vinzidörfer. Er starb am 19. Juli 2023.
Das Dorf wird von der Vinzenzgemeinschaft betrieben. Die Gemeinschaft betreibt in Österreich 40 Einrichtungen, die sich um bedürftige, arme und obdachlose Menschen kümmert. Darunter Notschlafstellen, Sozialmärkte, Secondhand-Shops und ein weiteres Vinzidorf in Graz.
Dieser Artikel wurde zuletzt am 28. Juli 2026 aktualisiert.
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