Tirols Reichste für Kurz

Politik auf Bestellung: Tiroler Adler Runde spendete 1,1 Mio. Euro an Kurz-ÖVP

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1,1 Mio. Euro bekam Sebastian Kurz alleine von der mächtigen Tiroler Adler Runde. Es ist ein Zusammenschluss von Tirols Reichsten. Sie wollten den 12-Stunden-Tag und Beitragssenkungen für Unternehmen ebenso wie eine Schwächung von Gewerkschaften und Arbeiterkammer. Acht ihrer Mitglieder zahlten an die ÖVP. Die Kurz-Regierung hat ihre Wünsche schrittweise umgesetzt.

Die Adler Runde ist eine Gruppe von Tiroler Unternehmern und Erben, die offen für Sebastian Kurz aufgetreten ist. Bereits einen Tag nach der Obmann-Wahl von Kurz am 1. Juli 2017 unterstützte ihn die Adler Runde mit einem ganzseitigen Inserat in der Tiroler Tageszeitung

Tiroler Adler Runde inseriert: Kern muss weg

Im Inserat griffen Tirols Reichste die SPÖ und ihren damaligen Vorsitzenden Christian Kern heftig an, die Koalition unter dem roten Kanzler müsse weg. „Das muss ein Ende haben!“, forderten die Unternehmer das Ende der SPÖ in der Regierung. Die „aktuellen Entwicklungen“ sollen als „Chance für Neuwahlen“ und „klare Verhältnisse“ genutzt werden, lautet die Aufforderung im Inserat.

12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche

Tiroler Adler Runde & ÖVP Kurz Parteispenden

Ausschnitt aus der Tiroler Tageszeitung

Im Wahlkampf forderten Tirols Reichste, dass künftig „zwölf Stunden pro Tag“ und „60 Stunden pro Woche“ gearbeitet werden soll. Diesen Wunsch hat ihnen die Regierung erfüllt – trotz heftiger Widerstände von Seiten der Arbeitnehmer.

Sie wollten auch eine Senkung der Sozialversicherungs-Beiträge für Unternehmen – auch das hat die Regierung durchgesetzt: Die Unternehmerbeiträge zur Unfallversicherung AUVA haben ÖVP und FPÖ um fast 500 Mio. Euro gekürzt.

Außerdem will die Adler Runde, dass die Steuern für Unternehmen gesenkt werden. Die Regierung hat die Senkung der Unternehmenssteuer KöSt bereits im Ministerrat verabschiedet: Um 1,6 Mrd. Euro sollten Unternehmer weniger zahlen. Die schwarz-blaue Regierung ist dann aber vor dem Beschluss im Parlament geplatzt.

Auch die Kammerumlage für die Arbeiterkammer will die Adler Runde kürzen. Die Regierung Kurz wollte das Budget für die Vertretung der ArbeitnehmerInnen um 30 bis 40 Prozent reduzieren.

1,1 Mio. Euro flossen aus Adler Runde an die ÖVP

Bisher waren nur drei Mitglieder der Adler Runde offiziell als Spender gelistet. Tatsächlich sind es acht, die insgesamt 1.090.000 Euro gespendet haben:

  • Der größte ist Klaus Ortner mit insgesamt einer Million Euro in den Jahren 2017, 2018 und 2019. Der Chef von IGO Ortner und Hauptaktionär der PORR hat das Geld in Teilen überwiesen. So konnte die Offenlegungspflicht umgangen werden.
  • Auch der Tiroler „Speckkaiser“ Karl Handl hat das Geld gestückelt überwiesen: Insgesamt 45.000 Euro kamen 2017 von seiner Handl Tyrol GmbH.
  • Gemeinsam mit Johann von der Thannen, einem weiteren Mitglied der honorigen Adlerrunde, hat Handl dazu über die Firma Trofana Erlebnis-Dorf  nochmal 14.800 Euro überwiesen.
  • Hans Rubatscher gab der ÖVP 8.400 Euro über seine Firma Rathaus Passage GmbH. An der Firma sind auch die Hypo Tirol und die Stadt Innsbruck beteiligt.
  • Michael Pfeifer überwies der ÖVP im Wahlkampf 6.000 Euro über die Pfeifer Holding GmbH.
  • 12.000 Euro kamen von Jakob Falkner über Skiliftgesellschaft Sölden-Hochsölden.
  • Die reiche Tiroler Familie Unterberger aus der Auto- und Immobilienwirtschaft hat 5.000 Euro an die ÖVP gespendet.
  • Klaus Mark spendete mit seiner Firma Mk Illumination 1.000 Euro an die ÖVP.

Die Pressesprecherin der Adlerrunde, die Abfallunternehmerin Ingeborg Freudenthaler, sieht Unternehmer als „Kunden der Politik“ – und als Kundschaft wolle man auch behandelt werden.

Überhaupt glaubt sie, dass eine Arbeitnehmervertretung heute eigentlich nicht mehr vorhanden sein muss.“ (WirtschaftsBlatt, 17.10.2013)

Franz Hörl aus der Adler Runde kandidiert auf Listenplatz 2 der Tiroler ÖVP-Liste

Und die Adler Runde hat sogar einen Vertreter im Nationalrat: Franz Hörl sitzt für die ÖVP im Parlament. Er vertritt offensichtlich die Interessen der Tiroler Hotellerie: Als die Regierung die Mehrwertsteuer für Hoteliers auf 10 Prozent gesenkt hat, begrüßt er den Vorschlag sehr.

Zum 12-Stunden-Tag sagt Hörl: „Was lange währt, wird endlich gut“.

Von Gewerkschaften und Arbeitsschutz hält Hörl dagegen nicht so viel, er greift regelmäßig den Tiroler AK-Chef Zangerl an.

Adler Runde mit Regierung Kurz zufrieden

Tiroler Adler Rund & ÖVP Kurz Parteispenden

Ausschnitt aus dem Kurier

Mit der Politik der Regierung Kurz war die Adler Runde sehr zufrieden. „In puncto Wirtschaftsfreundlichkeit fühlen sie sich bei der aktuellen türkis-blauen Bundesregierung bestens aufgehoben, wie Vertreter der Adler Runde bei einem Medientermin gleich mehrfach klar gemacht haben“, schrieb der Kurier im Februar 2018.

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10 Kommentare

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Johann Hahn
Johann Hahn

Diese Geldsäcke kaufen sich Politiker wie Kurz um die größten Profite auf Kosten der Arbeitenden zu machen.
Ich frage mich nur, wer wählt so ein Gesindel,….. eh die Arbeiter?

Ist ja ganz nett,
Ist ja ganz nett,

diese Dinge anzusprechen.
Leider wissen die meisten Wähler nicht, welche Konsequenzen solche Handlungen haben.
Und wenn innenpolitisch nichts mehr zugunsten der Marktaufrechterhalter, den Normalverbrauchern, läuft, kann man nur auf externen Druck hoffen. Er unten verlinkte Herr namens Trump, kann da nur eine Hoffnung sein, den Wahnsinn durch Wahnsinn beseitigen zu helfen. Hoffentlich wird der Sanktionierer wieder gewählt!

…

… Der unten verl…

Ein Sprung ins Land
Ein Sprung ins Land

der Weißkopfseeadler: Trump ist kein Vollmonk, wie es die Journaille den Völkern gerne erklärt im Auftrag der Politik und Wirtschaft:
https://www.youtube.com/watch?v=0wae8ZdKBEk&feature=youtu.be&t=189

Und:
Und:
Tja, und dies:
Tja, und dies:
Dazu passend:
Dazu passend:
Wahnsinn!
Wahnsinn!
Stefan Dobecky
Stefan Dobecky

Worin liegt der Skandal?
Als Unternehmer hätte ich auch keine Freude, ständig als Feindbild behandelt und in den Dreck gezogen zu werden.
Warum soll ein kleine Runde von selbständig Tätigen keine Interessensgemeinschaft bilden dürfen?
Wer soll eigentlich mit solchen Geschichten beeindruckt werden?

Ingrid
Ingrid

Ich glaube, Sie haben hier etwas falsch verstanden. Selbstverständlich dürfen Interessensgemeinschaften gebildet werden. Aber von allen, nicht nur von Unternehmern! Zu fordern, dass 12 Stunden pro Tag gearbeitet werden soll und gleichzeitig eine Arbeitnehmer*innenvertretung „nicht mehr vorhanden sein muss“ ist unmoralisch und wird bei mündigen Bürger*innen auch nicht durchzusetzen sein. Zudem wurde die Sklaverei vor langer Zeit verboten. Ich erinnere an das Gekreische der personifizierten Wärme „wer schafft die Arbeit?“. Meine Antwort darauf: Die Arbeit schaffen viele fleißige Hände. Einige Großunternehmer*innen sind ein wenig übermütig geworden. Sie bekommen den Hals nicht voll und das auf Kosten der Arbeitnehmer*innen. Die SV-Beiträge… Weiterlesen »

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