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Oprah Winfrey bei den Golden Globes 2018: „Zu lange wurden Frauen nicht gehört oder ihnen wurde nicht geglaubt“

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Kathrin Glösel Kathrin Glösel
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Lesezeit:5 Minuten
9. Januar 2018
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Bei der 75. Verleihung der Golden Globe Awards wurde Oprah Winfrey der Cecil B. DeMille Award für ihr Lebenswert verliehen. In einer absolut hörens- und sehenswerten Rede macht Winfrey allen Mädchen und Frauen Mut: Die Tage jener Männer, die Frauen zum Schweigen bringen wollen, sind gezählt! Denn viele Frauen – und Männer – kämpfen für eine Zeit, in der niemand mehr „Me too“ sagen muss.

Im Nachfolgenden ist die Rede von Oprah Winfrey bei den Golden Globes im Volltext und auf Deutsch übersetzt:

„1964 war ich ein kleines Mädchen, das auf dem Linoleum-Boden im Haus meiner Mutter in Milwaukee gesessen ist und Anne Bancroft angeschaut hat, wie sie den Oscar für den ,Besten Schauspieler‘ bei den 36. Acadamy Awards präsentierte. Sie öffnete den Umschlag und sagte fünf Worte, die in die Geschichte eingegangen sind: ‚The winner is: Sidney Poitier.‘
Dann kam der eleganteste Mann auf die Bühne, an den ich mich erinnern kann. Seine Krawatte war weiß, seine Haut war schwarz – und er wurde gefeiert! Ich habe davor noch nie einen schwarzen Mann gesehen, der so gefeiert wurde!

Ich habe sehr oft versucht, zu erklären, was dieser Moment für ein kleines Mädchen bedeutet hat, für ein Kind, das von den billigen Sitzen aus zugeschaut hat während meine Mutter heimgekommen ist, todmüde vom Putzen der Häuser irgendwelcher anderer Leute. Aber alles, was ich machen konnte, war, aus Sidneys Rolle in ‚Lillies of the Field‘ zu zitieren: ‚Amen, Amen, Amen, Amen.‘

1982 bekam Sidney (Poitier) den Cecil B. DeMille Award hier bei den Golden Globes. (Anmk.: Der Cecil B. DeMille Award wird seit 1952 von dem Verband der Hollywood Auslandpresse als Anerkennung für das Lebenswerk eines Filmschaffenden verliehen.)

Und es ist mir auch heute nicht entgangen, dass ein paar kleine Mädchen zuschauen, wie ich als erste schwarze Frau dieselbe Auszeichnung bekomme.

Es ist eine Ehre. Es ist eine Ehre und ein Privileg, den Abend mit allen von Ihnen zu teilen – auch mit den unglaublichen Männern und Frauen, die mich inspiriert haben, die mich herausgefordert haben, die mich gestärkt und meinen Weg auf diese Bühne ermöglicht haben: Dennis Swanson hat für ‚A.M. Chicago‘ eine Chance gegeben. Qincey Jones, der mich in dieser Show gesehen und zu Steven Spielberg gesagt hat: ‚Sie ist die Sophia in Die Farbe Lila. Auch Danke an Gayle, die eine Freundin ist, und Stedman (Graham, Anmk.), der mein Felsen ist.

Ich möchte auch der Hollywood Foreign Press Association danken. Wir alle wissen, dass die Presse zurzeit unter Beschuss steht. Wir wissen, es ist die unersättliche Zuneigung für die absolute Wahrheit, die uns vor dem Wegschauen bei Korruption und Ungerechtigkeit bewahrt. Bei Tyrannen und Opfern, bei Geheimnissen und Lügen.

Ich möchte sagen, dass ich die Presse mehr als je zuvor wertschätze, wenn wir versuchen, durch diese komplizierten Zeiten zu navigieren. Das bringt mich zu folgendem Punkt: Was ich mit Sicherheit weiß, ist, dass die Wahrheit zu sagen das mächtigste Werkzeug ist, das wir alle haben. Ich bin besonders stolz und inspiriert von all den Frauen, die sich stark und empowert genug gefühlt haben, ihren Mund aufzumachen und ihre persönliche Geschichte zu teilen.

Jeder von uns in diesem Raum wird gefeiert wegen der Geschichten, die er erzählt. Dieses Jahr wurden wir die Geschichte.

Aber es ist nicht nur eine Geschichte, die die Entertainment-Industrie betrifft. Es ist eine, die über jeder Kultur, Geografie, Rasse, Religion, Politik oder jeden Arbeitsplatz steht. Ich möchte heute Abend meine Dankbarkeit ausdrücken gegenüber an Frauen, die Jahre des Missbrauchs und der Belästigung aushalten mussten, weil sie – wie meine Mutter – Kinder hatten, die Essen brauchten, Rechnungen hatten, die bezahlt werden mussten, und Träume hatten, die sie verfolgen wollten.

Es sind auch Frauen, deren Namen wir nie erfahren werden. Sie sind Hausangestellte und Landwirtschaftshilfen. Sie arbeiten in Fabriken, sie arbeiten in Restaurants. Sie sind in Akademien, im Ingenieurswesen, in der Medizin und in der Wissenschaft. Sie sind Teil der Technik-, Politik- und Geschäftswelt. Sie sind unsere Olympioniken und sie sind unsere Soldatinnen im Militär.
Und sie sind Frauen wie Recy Taylor , ein Name, den ich kenne und den alle kennen sollten. 1944 war Recy Taylor eine junge Ehefrau und Mutter, die nach einem Gottesdienst in Abbeville, Alabama, auf dem Weg nach Hause war, als sie von sechs bewaffneten weißen Männern entführt und vergewaltigt und mit verbundenen Augen am Straßenrand liegen gelassen wurde.
Sie drohten ihr, sie umzubringen, wenn sie irgendjemandem etwas davon erzählte. Aber ihre Geschichte wurde der NAACP erzählt und eine junge Arbeiterin namens Rosa Parks wurde die

Chefermittlerin in diesem Fall. Zusammen bemühten sie sich um Gerechtigkeit. Aber Gerechtigkeit war keine Option in der Ära von „Jim Crow“.

Die Männer, die sie (Taylor) zerstören wollten, wurde nie verfolgt. Recy Taylor starb vor zehn Tagen, kurz vor ihrem 98. Geburtstag. Sie lebte, wie wir alle, zu lange in einer Kultur, die von brutalen, mächtigen Männern kaputtgemacht wurde.

Zu lange wurden Frauen nicht gehört, oder ihnen wurde nicht geglaubt, wenn sie es wagten, die Wahrheit über die Macht dieser Männer zu sagen. Aber deren Tage sind gezählt. Ihre Tage sind gezählt!

Ihre Tage sind gezählt und ich hoffe, ich hoffe, dass Recy Taylor in dem Wissen starb, dass die Wahrheit von so vielen anderen Frauen, die in diesen Jahren gepeinigt wurden und immer noch gepeinigt werden, weitergetragen wird. Es war irgendwo in Rosa Parks Herz, elf Jahre später, als sie die Entscheidung traf, in diesem Bus nach Montgomery sitzen zu bleiben. Und es ist bei jeder Frau, die sich dazu entschieden hat zu sagen: ‚Mee too‘. Und es ist bei jedem Mann, jedem Mann, der sich dazu entschieden hat, zuzuhören.

In meiner Karriere, sei es im Fernsehen oder im Film, habe ich immer mein Bestes gegeben, darüber zu reden, wie sich Männer und Frauen wirklich verhalten. Darüber zu erzählen, wie wir Scham empfinden, wie wir lieben, wie wir wütend sind, wie wir versagen, wie wir uns zurückziehen, durchhalten und wie wir etwas bewältigen.

Ich habe Menschen interviewt und porträtiert, die den schrecklichsten Dingen standgehalten haben. Aber die eine herausragende Eigenschaft gemeinsam hatten: Sie teilten alle die Fähigkeit, die Hoffnung auf einen besseren Morgen aufrecht zu erhalten – selbst durch dunkelste Nächte hindurch.

„Ich möchte, dass alle Mädchen, die jetzt zuschauen, wissen, dass ein neuer Tag am Horizont ist! Und wenn dieser neue Tag anbricht, dann, weil eine Menge großartige Frauen – viele von ihnen sind heute hier in diesem Raum – und einige ziemlich phänomenale Männer hart dafür kämpfen, die Anführer zu werden, die uns in eine Zeit führen, in der niemand mehr ‚Mee too‘ sagen muss.“

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