Die Vorsorge-Lüge

Löger greift Pensionssystem an: Österreicher sollen ihre Pension privat zahlen

Finanzminister Hartwig Löger hat im Kurier-Interview das österreichische Pensionssystem in Frage gestellt: Der Staat würde den Arbeitnehmern nach 40 Jahren Arbeit nicht auf Dauer ausreichende Pensionen zahlen können, meint er. Die Österreicher sollen auf private Vorsorge setzen. Doch Löger verunsichert die Arbeitnehmer völlig umsonst: Denn die Ausgaben für Pensionen sind seit Jahren stabil. Und das Pensionssystem ist Vorbild für Deutschland.

„Mehr private Vorsorge statt staatliche“, fordern private Pensionsversicherungen seit Jahrzehnten. Sie wollen ja auch Profite machen. Versicherungen versprechen sich ein Millionengeschäft, wenn Menschen von ihrer staatlichen Pension alleine nicht mehr leben können. Finanzminister Hartwig Löger dürfte das am besten wissen: Er war nicht nur Vorstandsvorsitzender der Uniqa Österreich, sondern hält selbst laut News 12.500 Aktien am Uniqa-Unternehmen.

Das österreichische Pensionssystem ist stabil

Nur 6 Prozent der staatlichen Ausgaben fließen in die Pensionen. Der Staat muss dann Geld zuschießen, wenn die Beiträge der Beschäftigten unter den ausgezahlten Pensionen liegen. Dieser Zuschuss ist in den letzten Jahren gesunken: Denn die Beiträge der Beschäftigten decken die Auszahlungen immer besser. Von 2016 bis 2020 wird die öffentliche Hand um 4 Mrd. Euro weniger für Pensionen ausgeben als ursprünglich angenommen. Entscheidend für die Finanzierung der Pensionen ist einzig und allein, ob es genügend Beschäftigte gibt, die Beiträge zahlen. Obwohl die Zahl der Pensionistinnen und Pensionisten steigt, bleibt der Anteil der Pensions-Ausgaben am BIP stabil.

Grafik zu den Ausgaben für Pensionen für den Artikel über Löger und das Pensionssystem in Österreich

Die Ausgaben auszulagern, wie Löger es sich vorstellt, würde die Kosten insgesamt außerdem nicht senken. Allerdings würden Versicherungsunternehmen profitieren.

Denn während der Finanzminister die Steuermitteln für das öffentliche Pensionssystem beklagt, will die Regierung laut Regierungsprogramm die private Vorsorge mittels steuerlicher Förderungen stärken. In diesem Fall profitieren die privaten Versicherungen statt den Pensionisten.

Private Vorsorge rechnet sich für Pensionisten nicht

Schon heute kann jeder und jede privat vorsorgen. Aber das rechnet sich kaum: Wer etwa mit 35 beginnt, 100 Euro im Monat einzuzahlen, bekommt zwar um die 100 Euro mehr Pension im Monat. Er muss aber 92 Jahre alt werden, bis sich die Vorsorge wirklich gelohnt hat – bis also die zusätzlichen individuelle Investition ausgeglichen sind. Das zeigt eine Studie der Arbeiterkammer, die Versicherungen verglichen hat.

Die Renditen sind weit kleiner als versprochen – das Risiko tragen letztlich die Beitragszahler.

Hinzu kommt, dass der Verwaltungsaufwand der staatlichen Pensionen bei nur 2 Prozent der Beiträge liegt. Das ist im Vergleich zu privaten Anbietern sehr niedrig. Denn diese geben die Beiträge auch für Werbung und Marketing aus – und das ist teuer. Im staatlichen System finanzieren die Beiträge der Beschäftigten die Pensionen fast 1:1. Bei privaten Versicherungen geht ein erheblicher Teil auch für Werbung und Lobbying drauf – das ist ökonomisch fragwürdig.

Deutschland blickt neidisch nach Österreich

Deutschland ist an Lögers Plan bereits gescheitert: In Deutschland wurde 2001/02 die Riester-Rente eingeführt, benannt nach dem damaligen Arbeitsminister Walter Riester. Sie hat im Wesentlichen die Förderung der freiwilligen, also der privaten Altersvorsorge umgesetzt. Arbeitnehmer schließen mit einer Bank oder einer Versicherung eine Art Sparvertrag und zahlen Beiträge. Im Gegenzug gibt es Zulagen und steuerliche Absetz-Möglichkeiten. Von letzterem haben aber jene mit sehr niedrigem Einkommen gar nichts, wenn sie nicht steuerpflichtig sind. Das Modell, das auf den ersten Blick gut klingen mag, ging für die PensionistInnen in Deutschland nicht auf. Statt mehr Rente, gab es weniger. Warum?

  • Viele ArbeitnehmerInnen können sich die private Vorsorge, also die Beiträge, nicht leisten. Wer die vollen Zulagen will, muss vier Prozent seines Bruttoeinkommens einzahlen. Das ist für viele nicht leistbar.
  • Die kapitalgedeckte Vorsorge hat nicht die erhofften Renditen abgeworfen – das Risiko, ob die Fonds, die Banken und Versicherungen gewinnbringend mit den eigenen Beiträgen umgehen, wird gänzlich auf die EinzahlerInnen übertragen.
  • Und was oft ausgeklammert wird: Für die später ausbezahlte Rente fallen regulär Steuern an, was das monatlich verfügbare Geld weiter schmälert.

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12 Kommentare

12 Kommentare

  1. Gernot Berghofer

    13. Februar 2019 um 18:11

    Die Wirtschaft will nichts mehr zahlen, Bei einer Privatversicherung wird jeder gleich behandelt, ob arm oder reich.

  2. Rosker Franz

    12. Februar 2019 um 10:42

    Diese Dreckpartie hat sich die Mehrheit des österreichischen Wahlvolkes selbst eingebrockt.Der andere Teil muß das alles ausbaden.Alle, die diese Regierung gewählt haben,tun mir nicht leid.

  3. josef Zeindlhofer

    12. Februar 2019 um 10:30

    Wieder so ein gescheiter Finanzminister , der seinen Job dazu nützt persönlichen Nutzen daraus zu ziehen . so was hatten wir doch schon einmal , es laufen noch immer jede Menge Gerichtsverfahren von diesem FM. . Unsere Nachbarn beneiden uns um unser gutes Pensionssystem , solche Geschäftemacher wie Löger reden es kaputt .

  4. Monika Ouda

    12. Februar 2019 um 09:38

    Läger kommt doch von einer Versicherung, wahrscheinlich hat Kurz denen auch Spenden bekommen. Vor einigen Tagen hieß es, dass NUR die Beamtenpensionen Zuschüssen vom Staat brauchen und zwar in Millionenhöhe. Natürlich ist wieder mal das Fußvolk, dass zur Kasse gebeten wird.

  5. E.Ettinger

    12. Februar 2019 um 08:22

    Solange sich die Wähler von dieser Partie verars… und vorlügen lassen nach Strich und Faden, und alles mit „und ich hab die Balkanroute geschlossen“ und Fremdenhasse entschuldigen… Auf die allgemeine Dummheit kann sich dieser Partie offenbar fest verlassen.

  6. E. Ettinger

    12. Februar 2019 um 08:16

    Nachdem diese Mensch sich für seine Steuernachlässe und Sozialversicherungsnachläasse (die vor allem die Wohlhabenden begünstigt) aus der Kasse der Krankenkasse bedient, will er offenbar auch noch unsere Pensionen stehlen. Ja, wie in Deutschland (Pensionen weit unter dem Existenzminiumum und Hartz IV!) sollen die Leute auf den Aktienmärkten ihr Geld verzocken, denn dort werden die miserablen privaten Pensionszahlungen als Deppengelder angelegt – und wenn es ans auszahlen geht, ist kein Geld mehr da. Miserable Löhne – ja klar, von denen kann man viel Geld auf die Art „veranlagen“, oder???? Dieser Kerl denkt und arbeitet NUR für reiche Leute und der große Rest Österreichs ist ihm scheißegal. Widerlich. Hebt endlich die Löhne, dann ist auch mehr Geld in der Pensionskasse!

  7. Kurt Maier

    12. Februar 2019 um 07:53

    Bereits die Regierung unter „Schüssel“ hat das 3 Standbein für das Pensionssystem gepuscht, dies hat sich jedoch als größter „Rohrkrepierer“ herausgestellt!

    Beispiel:

    Die Pensionskasse „Valida“ (Raiffeisengruppe) hat 2018 in ALLEM Anlagebereich ein MINUS (insgesamt mind. 6% gemacht)! Es kommt bereits zu Pensionskürzungen und die Kunden wurden darüber auch bereits Verständig!

    Was soll da Herr Finanzminister – Staatlich genehmigten Betrug – oder?

    • E. Ettinger

      12. Februar 2019 um 08:19

      Ich habe auch in private Pension einbezahlt und kann froh sein, noch das eingezahlte Geld wieder irgendwann rauszubekommen, denn die jährlichen „Gebühren“ bei Null-Verzinsung minimieren sogar die Einzahlsumme, geschweige das ich ein Plus rausbekomme, obwohl einst versprrochen. Geldabzocken an der Börse ist das, Deppengelder für Spekulanten, sonst nichts.

  8. Hipo

    11. Februar 2019 um 21:51

    Seit 6 Jahren beziehe ich eine private Zusatzrente, finanziert durch Gehaltsverzicht. (Firmenpension)
    Eine Steigerung oder Indexabgeltung gibt es nicht doch geringer wird sie jedes Jahr.

  9. Gerhard Ranftler

    11. Februar 2019 um 21:46

    Nach 42 Jahren Arbeit bekomme ich 1.140 €uro Pension.
    Nur ein Politiker kann solch Dummheit von sich geben,
    der bekommt im Monat so viel Pension wie ich im Jahr.
    Mir wäre noch ein Wort eingefallen, dass ich aber nicht schreiben darf.
    Hinweis: es beginnt mit A und hört mit ch auf.

  10. Christa winter

    11. Februar 2019 um 20:21

    Ich hab mir schon erwartet, dass es ganz dick kommt. Doch diesmal war das Timing nicht perfekt. Kickl war mit seinem mensvhenrechtsverstaendnis früh dran.

  11. Hermann Lechet

    11. Februar 2019 um 19:01

    Wir müssen Sparen und der Löger will das Unsere Pensionen privatisieren sollen,ist der noch zu retten! Ich glaube nicht.

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