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Rasende Rollschuhe: Roller Derby ist Sport, Punk und Aktivismus

Rasende Rollschuhe: Roller Derby ist Sport, Punk und Aktivismus

Stefan Mayer Stefan Mayer
in Frauen & Gleichberechtigung, Sport
Lesezeit:5 Minuten
11. Januar 2021
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Zwei Teams fahren auf Rollschuhen auf einer ovalen, knapp 30 Meter langen Bahn im Kreis. Gegnerinnen werden blockiert, geschubst und gecheckt. Was das rollende Handgemenge mit Feminismus zu tun hat? Eine jede Menge, erklärt „Kickass Karolina“ von den „Fearless Bruisers“ aus Innsbruck. 

Roller Derby Match. Fünf Spielerinnen auf Rollschuhen starten auf beiden Seiten einer ovalen Bahn, dem Flat Track. Die Spieldauer beträgt eine Stunde und im Prinzip geht es darum, mehr Runden im Oval als die Gegnerinnen zu schaffen.

Jeweils vier Spielerinnen sind für die Verteidigung verantwortlich und eine Angreiferin muss die Punkte erzielen.  Die Angreiferinnen müssen entweder durch die Verteidigungsreihen durchkommen oder geschickt ausweichen und an ihnen vorbeifahren. Für jede überholte Gegnerin bekommt man einen Punkt. Es stehen immer alle Offensiv- und Defensivkräfte gleichzeitig auf der Bahn und somit ist dauernd für Action gesorgt.

Show und Feminismus

Die Geschichte von Roller Derby reicht bis in die 1930er Jahre zurück. Damals nahm Roller Derby in Chicago seinen Ausgang. In den Folgejahrzehnten wurde der Sport, bei dem ein gewisser Entertainment-Faktor schon immer ein fester Bestandteil war, zu einem Publikumsmagneten. Umstände wie konkurrierende Organisationen und hohe Reisekosten im Zuge der Ölkrise haben die flotte Unterhaltung in den 1970er Jahren allerdings in die Bedeutungslosigkeit stürzen lassen. Erst mit der dritten Welle der Frauenbewegung mehr als zwei Jahrzehnte später wurde der Sport wiederbelebt und erhielt einen neuen Anstrich. Denn, viele Frauen, die für die Auferstehung des rollenden Handgemenges sorgten, waren Teile des Third Wave Feminism  und der queerfeministischen Punk- und Riot-Grrrl-Szene.

Im neuen Jahrtausend fand der Sport schließlich den Weg nach Europa. London und Stuttgart waren damals die ersten Städte, in denen Sich Teams gründeten. Österreich war etwas später dran. Die Vienna Roller Girls (heute Vienna Roller Derby)  wurden 2011 als erster Club bei uns gegründet. Mittlerweile gibt es vier weitere Teams in Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck.

Die Fearless Bruisers aus Innsburck  gegen die Steelcity Rollers aus Linz bei der österreichischen Meisterschaft 2018 in Linz. ©Renate Schwarzmüller

Im Jahr 2016 entstanden die Fearless Bruisers in Innsbruck. „Kickass Karolina“ ist eine der Mitbegründerinnen des Vereins. Karoline Irschara, wie ihr echter Name lautet, ist nicht nur aktive Spielerin,  sondern auch Universitäts-Assistentin im Bereich Corpus und Gender Linguistics  an der Uni Innsbruck. Sie kennt sich also praktisch und theoretisch aus.

Karoline, du machst deine Doktorarbeit an der Uni Innsbruck im Bereich der Korpuslinguistik und spielst seit Jahren Roller Derby. Was kam vorher, das Interesse an der Sprache oder die Lust auf Rollschuhen andere Leute zu attackieren?

Das Interesse an Sprache kommt hier definitiv zuerst – ich war immer schon fasziniert von ihren vielen Besonderheiten. Auf Rollschuhe bin ich eher zufällig gestoßen.

Wie  läuft so ein Spiel ab und wie gewinnt man?

Gespielt wird eine Stunde lang auf einer ovalen Bahn, dem Track. Eine Runde (Jam) dauert maximal zwei Minuten, danach gibt es eine kurze Pause und ein neues Line-Up. Pro Team sind jeweils vier Blockerinnen und eine Jammerin (diejenige mit einem Stern auf ihrer Helmhaube) auf dem Track. Die Jammerinnen sind diejenigen, die die Punkte holen: Sie müssen innerhalb dieser kurzen Zeit versuchen, ihre Gegnerinnen so oft wie möglich zu überrunden. Für jede überholte Gegnerin gibt es einen Punkt. Die restlichen Spielerinnen versuchen, die gegnerische Jammerin so gut wie es geht mit legalem Körperkontakt aufzuhalten. Schultern in die Rippen, Hüften oder vorderer Oberkörper ist zum Beispiel erlaubt, wohingegen Ellbogen oder Rücken Tabu sind.

Bis zu sieben Referees überprüfen, ob es legal hergeht oder nicht. Neben einer stabilen Defense braucht es auch eine starke Offense, um der eigenen Jammerin schneller durch den gegnerischen Block zu verhelfen. Es geht also sehr viel um Kraft, Ausdauer, aber auch um Taktik und Strategie. Letztendlich ist ein Roller Derby Spiel auch auf mentaler Ebene eine ordentliche Challenge, weil alles gleichzeitig und sehr schnell passiert.

Der emanzipatorische Anspruch ist hier immer noch zentral und auch in den offiziellen Statuten der Women’s Flat Track Roller Derby Association, nach deren Regeln wir spielen, verankert.

Wie kommt man auf diesen Sport?

In Innsbruck gab es 2016 eine Ausschreibung der Tiroler Kulturinitiativen mit dem Motto FEMINISM_reloaded. Wir waren eine motivierte Gruppe und wollten unbedingt einen Antrag einreichen, der allerdings nicht allzu „kopflastig“ sein sollte. Via Google kam dann Roller Derby daher – ein feministischer Vollkontaktsport auf Rollschuhen, von denen keine von uns auch nur die winzigste Ahnung hatte. Jedenfalls wurde unser Antrag angenommen. Mit dieser Startförderung war es uns möglich, ein Team aufzubauen und Schritt für Schritt den Sport in Innsbruck aufzubauen.

Wusstest du von Anfang an, dass der Sport eine große feministische Komponente in den späten 1990ern bekommen hat?

Klar, dadurch sind wir ja überhaupt erst auf den Sport gekommen. Gerade die Mischung aus Riot Grrrl, DIY Spirit und Vollkontakt macht Roller Derby aus. Der emanzipatorische Anspruch ist hier immer noch zentral und auch in den offiziellen Statuten der Women’s Flat Track Roller Derby Association (WFTDA), nach deren Regeln wir spielen, verankert.

Der Sport bricht komplett mit konventionellen Vorstellungen von Weiblichkeit und ermöglicht es, aggressiv, stark und selbstbestimmt zu sein. Ich hätte mir nie vorstellen können, wie befreiend das sein kann.

Wie setzt sich euer Team zusammen. Nicht alle werden Sprachwissenschaftlerinnen sein, oder?

Wir sind sehr viele – aktuell ca. 30 Skaterinnen und über viele unterschiedliche Berufsgruppen gemischt. Glücklicherweise gibt es auch immer wieder Anfragen für Tryouts.

Wie oft trainiert ihr und wie regelmäßig gibt es Spiele oder Turniere?

Wir trainieren zweimal pro Woche und haben ab und an eigene Trainingstermine, zum Beispiel, wenn ein Spiel bevorsteht. Ab und an veranstalten wir auch Bootcamps.

Die Referees haben beim Roller Derby immer viel zu tun. ©Renate Schwarzmüller

In der Szene weiß man über die feministischen Anliegen Bescheid. Aber gibt es Aktionen von euch und anderen Teams um zu zeigen, dass Roller Derby neben Sport und Show noch mehr ist und eine Message aussenden will?

Grundsätzlich herrscht ein sehr solidarisches Klima vor – es gibt immer wieder Soli-Aktionen, die von vielen unterstützt werden. Natürlich hilft man sich gegenseitig, wo es nur geht. Aus einer feministischen Perspektive heraus ist Roller Derby an sich aber schon extrem empowernd. Der Sport bricht komplett mit konventionellen Vorstellungen von Weiblichkeit und ermöglicht es, aggressiv, stark und selbstbestimmt zu sein. Ich hätte mir nie vorstellen können, wie befreiend das sein kann.

Kann ich als Mann in Österreich auch Roller Derby spielen?

Bis dato nicht. Du müsstest selbst ein Team gründen! Es gibt europaweit inzwischen schon einige Männerteams, allerdings deutlich in der Unterzahl.

Mit den aktuellen Covid-Beschränkungen sind Trainings bei den Teams momentan nicht möglich. Spätestens mit den Impfungen wird sich das wieder ändern. Wer selbst zukünftig spielen möchte holt sich am besten auf der Homepage des Österreichischen Rollsport und Inline-Skate Verband  weitere Infos oder schreibt die Vereine direkt an. Und wer weiß, vielleicht gründet sich auch irgendwann ein Herren-Klub in Österreich.

Und wer sehen möchte, wie Roller Derby im Mutterland dieses Sports heute gespielt wird kann das bei Netflix machen. Unter dem Titel Home Game gibt es eine Doku-Serie, die sich mit außergewöhnlichen Sportarten auseinandersetzt.

 

 

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Rosa Louise Parks war eine afroamerikanische Bürgerrechtlerin. Ihr Nein veränderte die amerikanische Gesellschaft und ließ Massenproteste gegen die Rassentrennung losbrechen. Am 1. Dezember 1955 weigerte sie sich, ihren Sitzplatz in einem Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Ihr Handeln inspirierte die afro-amerikanische Bürgerrechtsbewegung zum Bus-Boykott von Montgomery und war der Beginn des Endes der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten. Zitat: Um etwas zu verändern, dürfen wir keine Angst davor haben, den ersten Schritt zu tun. Wir werden dann scheitern, wenn wir schon daran scheitern, es überhaupt zu versuchen. Rosa Parks

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Rosa Louise Parks war eine afroamerikanische Bürgerrechtlerin. Ihr Nein veränderte die amerikanische Gesellschaft und ließ Massenproteste gegen die Rassentrennung losbrechen. Am 1. Dezember 1955 weigerte sie sich, ihren Sitzplatz in einem Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Ihr Handeln inspirierte die afro-amerikanische Bürgerrechtsbewegung zum Bus-Boykott von Montgomery und war der Beginn des Endes der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten. Zitat: Um etwas zu verändern, dürfen wir keine Angst davor haben, den ersten Schritt zu tun. Wir werden dann scheitern, wenn wir schon daran scheitern, es überhaupt zu versuchen. Rosa Parks
Rosa Louise Parks war eine afroamerikanische Bürgerrechtlerin. Ihr Nein veränderte die amerikanische Gesellschaft und ließ Massenproteste gegen die Rassentrennung losbrechen. Am 1. Dezember 1955 weigerte sie sich, ihren Sitzplatz in einem Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Ihr Handeln inspirierte die afro-amerikanische Bürgerrechtsbewegung zum Bus-Boykott von Montgomery und war der Beginn des Endes der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten. Zitat: Um etwas zu verändern, dürfen wir keine Angst davor haben, den ersten Schritt zu tun. Wir werden dann scheitern, wenn wir schon daran scheitern, es überhaupt zu versuchen. Rosa Parks

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