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Was wir aus der PISA-Studie lernen können

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Kontrast Redaktion Kontrast Redaktion
in Bildung
Lesezeit:4 Minuten
9. Dezember 2016
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Österreich erlebt die Veröffentlichung von PISA-Studien regelmäßig als Schock. Auch bei der Testung 2015, die dieser Tage veröffentlicht wurde, sind die Ergebnisse nicht besser geworden – im Gegenteil. Sieht man sich die PISA-Musterschüler an, dann fällt auf, dass die meisten dieser Staaten auf Ganztagsschulen setzen. Auch in Österreich sollen diese jetzt massiv ausgebaut werden –  doch es gibt auch Widerstand. Er kommt von der ÖVP in ihrer niederösterreichischen Form. 

„Pädagogisch geht es um eine Frage: Ist es für Schüler besser wenn sie von 8 bis 16 Uhr von ihren Lehrern unterstützt werden oder sollen sie mit Freizeitpädagogen am Nachmittag Hausübungen machen?“, plädiert Bildungsexperte Andreas Salcher für die verschränkte Ganztagsschule, bei der sich Unterricht und Freizeit abwechseln. Er glaubt, dass der Widerstand gegen Ganztagsschulen in Österreich „wesentlich damit zusammenhängt, dass nur wenige Schulpartner echte Ganztagsschulen erlebt haben“.

„Redet man mit Schülern, Lehrern und Eltern von Ganztagsschulen, herrscht dort eine hohe Zufriedenheit. Voraussetzung dafür sind moderne Arbeitsplätze für die Lehrer, Infrastruktur für ein gemeinsames Mittagessen und ausreichende Erholungszeiten. Dann endet die Schule für alle Beteiligten um 16 Uhr. Die Kosten für Nachhilfe sinken deutlich und die Eltern müssen nicht jeden Tag mit ihren Kindern nachlernen.“

Aus PISA nichts lernen oder: Wenn Wahlfreiheit darin besteht, keine Wahl zu lassen

Ganz anders sieht das die niederösterreichische ÖVP. Zwar wissen wir nicht, welche Erfahrungen die Bildungslandesrätin Barbara Schwarz gemacht hat, aber ihre Meinung zur verschränkten Ganztagsschule hat sie dem „Kurier“ mitgeteilt: „Das Paket zur Ganztagsschule freut mich gar nicht.“ Ihr Argument: Wenn es mehr Ganztagsschulen gibt, werde die Wahlfreiheit von Eltern, die ihre Kinder nicht in Ganztagsschulen schicken, anscheinend eingeschränkt.

Hier geht es um das 750-Millionen-Euro-Paket, das von der Regierung (also auch von der ÖVP) und vor kurzem im Bildungsausschuss des Nationalrats beschlossen wurde. Ganztagsschulen sollen damit in den nächsten Jahren massiv ausgebaut werden.  Geld, das BildungsexpertInnen gut angelegt sehen:

„Unsere Erkenntnisse zeigen eindeutig, dass die Ganztagsschule eine wichtige Voraussetzung für bessere Ergebnisse ist,“ so Bildungsexperte Salcher.

Dies lasse sich sowohl aus der internationalen Pisa-Studie als auch aus vielen nationalen Untersuchungen herauslesen:

„Sie finden im internationalen Vergleich kaum ein System mit Spitzenleistungen, das nicht auf die Ganztagsschule setzt.“

Künftig soll deshalb in Österreich jedes Kind im Umkreis von maximal 20 Kilometer eine ganztägige Schulform besuchen können. Gefördert werden dabei sowohl die verschränkte Ganztagsschule (Wechsel aus Unterricht, Lern- und Freizeit über den ganzen Tag mit verpflichtender Anwesenheit) als auch reine Nachmittagsbetreuung (ohne Anwesenheitspflicht). Außerdem ist für die zusätzliche Ferienbetreuung an den Schulen Geld vorgesehen. Das Ziel: Bis 2025 will man soweit kommen, dass für 40 Prozent der SchülerInnen an Pflichtschulen ein Ganztagsplatz zur Verfügung steht.

Damit erfüllt man auch die Wünsche der Eltern: In einer Umfrage von Unique Research für das Nachrichtenmagazin Profil befürworten 60 Prozent der ÖsterreicherInnen den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen.

Österreich mit 22 Prozent ganztägigen Schulformen

Österreich konnte den Anteil von Kindern, die in ganztägigen Schulformen einen Platz haben, in den letzten Jahren deutlich erhöhen – von 11 Prozent auf 22 Prozent seit 2008. Andere Länder liegen dennoch weit vorne, Deutschland hat 39 Prozent Ganztagsschulplätze.

Zu beachten ist freilich auch, dass von den bestehenden heimischen Ganztagsschulen derzeit nur ein kleiner Teil dieser Schultypen wirklich als „verschränkte“ Form geführt wird. Verschränkt heißt, dass sich dabei Unterricht, Freizeit und Lernstunden über den Tag verteilt abwechseln. Beim überwiegenden Teil der ganztägigen Schulen folgt auf den Unterrichtsteil am Vormittag ein Lern- und Freizeitteil.

Die zusätzlichen Mittel werden jetzt in den ersten beiden Förderjahren gezielt für die verschränkte Form eingesetzt. Denn diese sind in Österreich noch immer ein Minderheitenprogramm: Lediglich acht Prozent der Schulen, die überhaupt eine Ganztagsbetreuung haben, bieten sie in verschränkter Form an. Beträchtlich sind dabei die Unterschiede zwischen den Bundesländern: In Wien sind 12,6 der Pflichtschulen und AHS-Unterstufen „echte“ Ganztagesschulen, im benachbarten Niederösterreich etwa nur ein Prozent.

Ganztagsschule schützt vor Sitzenbleiben

Der Anteil jener, die eine Klasse wiederholen müssen, ist in Schulen mit Ganztagsbetreuung sehr viel niedriger, nämlich bei 2,4 Prozent im Vergleich zu 8,4 Prozent in Schulen ohne Ganztagsbetreuung. Und bei SchülerInnen, die in eine verschränkte Ganztagsschule gehen, sinkt der Anteil der Sitzenbleiber noch einmal deutlich, und zwar auf 1,4 Prozent.

Quelle: Bildungsministerium

Das ist gut für die Kinder und für die Eltern: In der verschränkten Ganztagsschule müssen sie viel seltener mit ihren Kindern lernen als im Durchschnitt. Geht das Kind in eine Ganztagsschule, lernen 24 Prozent der Eltern mehrmals in der Woche mit ihren Kindern; im Durchschnitt aller Schultypen sind es 68 Prozent.

Bei jenen Kindern, die eine solche besuchen, lernen nur 11 Prozent der Eltern fast täglich und weitere 13 Prozent mehrmals in der Woche mit den Kindern. In Summe beläuft sich die regelmäßige Hilfeleistung somit auf rund ein Viertel. Im Durchschnitt aller Schultypen und Altersgruppen werden 68 Prozent der Kinder regelmäßig von den Eltern beim Lernen unterstützt. Auch bei nicht-verpflichtender Nachmittagsbetreuung müssen immerhin noch bei 57 Prozent der Kinder die Eltern regelmäßig bei Hausübungen und Lernstoff helfen.

 

PISA-Ergebnisse für Österreich im Überblick

Österreich liegt in Naturwissenschaft mit 495 Punkten im OECD-Durchschnitt (493 Punkte), hat sich aber im Vergleich zur letzten Testung um 11 Punkte verschlechtert. In den Naturwissenschaften zeigt sich auch ein enormer Gender Gap: Burschen sind im Durchschnitt um 19 Punkte besser als ihre weiblichen Kolleginnen.

Beim Lesen hat Österreich 485 Punkte erreicht und liegt damit unter dem OECD-Schnitt von 493 Punkten. Fast jede/r Vierte gehört im Lesen zur Risikogruppe (23 Prozent), während die Spitzengruppe mit sieben Prozent gering ausfällt.

In Mathematik liegen Österreichs SchülerInnen mit 497 Punkten leicht über dem OECD-Schnitt von 490 Punkten.

 

Weiterlesen

  • PISA-Studie: http://www.oecd.org/berlin/themen/pisa-studie/
  • Studie „Nachhilfe 2016“ – IFES im Auftrag der Arbeiterkammer
  • Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft: Erfolgsfaktoren für eine „gemeinsame Schule“

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xx1xx
xx1xx
10. April 2020 23:16

Es ist eine ziemlich überhebliche Aussage zu behaupten, die õsterreichischen Kinder sind nur deshalb „zurück“ (Pisa), weil ihre Eltern so dumm wären und die Kinder daher von ihrer Lehrkraft, möglichst den ganzen Tag, nur profitieren können. In Finnland, besteht ein höherer Leistungswille, auch bedingt durch das Klima, die geographische Lage und die Kultur.
Der Turm in Pisa steht ja auch bekanntermaßen schief, wichtig wäre bestimmte Eltern verstärkt in den Unterricht einzubinden um ihnen den Fortschritt ihrer Kinder begreiflich zu machen.

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