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Studie zeigt: Einkommen der Reichsten steigt viel schneller und wird weniger besteuert

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Alina Bachmayr-Heyda Alina Bachmayr-Heyda
in Reichtum & Macht
Lesezeit:5 Minuten
27. November 2020
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In Österreich wird man vor allem dann durch Einkommen reich, wenn man bereits ein große Vermögen hat – und das Geld vor allem aus Immobilien und Aktienbesitz bezieht. Dort ist das Einkommen auch doppelt so schnell gestiegen wie bei den unteren 80 Prozent der Bevölkerung, die ihr Leben vor allem durch Arbeit finanzieren. Das bringt die Einkommensverteilung in eine Schieflage. Eine neue WU-Studie hat anhand neuer Daten herausgefunden, dass die Vermögensungleichheit in Österreich in etwa so groß ist wie in den USA – und Österreichs Steuersystem tut nichts dagegen. Und: Die Vermögenskonzentration könnte sogar noch größer sein, warnen die Studienautoren – denn in Österreich gibt es sehr wenige Daten über Milliarden-Vermögen.

In Österreich hat kaum jemand genügend Aktien oder Wertanlagen, um davon auch nur annähernd leben zu können. 90 Prozent der Bevölkerung gewinnen gerade einmal 10 Prozent ihrer Einkünfte aus ihrem Besitz – und selbst diese zehn Prozent konzentrieren sich schon auf den oberen Mittelstand. Es gibt aber ein paar wenige, die großteils nur von der Selbstvermehrung ihres Vermögens leben. Das reichste Prozent von Österreichs Millionären bezieht über die Hälfte ihres Einkommens aus Aktien-Dividenden, Zinsen und Mieten.

„Wenn Sie 250 Mio. Euro haben, dann schmeißen Sie das Geld zum Fenster raus und es kommt bei der Tür wieder rein. Sie kriegen es nicht kaputt. Sie kaufen Häuser, die Immobilie kriegt mehr Wert. Sie gehen in Gold, das Geld wird mehr Wert“, erklärt Christoph Gröner, einer der reichsten Deutschen in der Doku „Ungleichland“.

Verteilung in Österreich ähnlich ungleich wie in der USA

Den Eindruck Gröners bestätigt eine neue Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) und des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) zur Ungleichheit: Richtig reich wird man nur, wenn man bereits auf einem großen Vermögen sitzt und daraus Zinsen, Mieteinkommen und Dividenden fließen – aus Immobilien, Aktienpaketen oder Anleihen. Bei den reichsten 10 Prozent Österreichs machen Einkünfte aus Kapital und Vermögen ein Drittel aus, beim reichsten Prozent sogar 60 Prozent ihres jährlichen Netto-Einkommens. Einkommen, das reich macht, stammt also aus dem Vermögen, das man bereits hat. Beim größten Teil der Österreicher spielt das überhaupt keine Rolle und der Unterschied ist noch größer als bisher angenommen.

„Überraschenderweise ist das Einkommen durch Kapital ähnlich ungleich verteilt wie in den USA“, stellen die Autoren fest.

Hohe Einkommen wuchsen weitaus schneller

Dazu kommt, dass das Einkommen aus Vermögen in den Jahren vor der Finanzkrise doppelt so schnell gewachsen ist, wie Einkommen aus Arbeit: Während die Einkommen der unteren 85 Prozent der Bevölkerung unter zwei Prozent wuchsen, konnte das oberste Prozent sein Einkommen um über vier Prozent vermehren.  „Demnach wurden 85 Prozent der Österreichischen Bevölkerung in der Periode 2004-2008 zurückgelassen“, schlussfolgern die Studienautoren. Die Krise hat die Geschwindigkeit ein wenig gestoppt. Nach einem Knick im Finanzeinkommen in der Finanzkrise 2012 steigen die Einnahmen aus Vermögen seit 2012 wieder stark an. Das Ungleichgewicht bei der Einkommensverteilung wuchs wieder.

„Durch einen Mangel an Steuerdaten für Kapitaleinkommen ist es wahrscheinlich, dass wir die Konzentration von Kapitaleinkommen am oberen Ende sogar noch unterschätzen“, warnt das Paper.

Seit 40 Jahren wachsen die Top-Einkommen doppelt so schnell wie die unteren

Sozialstaat ermöglicht geringe Umverteilung

Ausgleichend wirkt in Österreich vor allem der Sozialstaat, wie die Studie zeigt: Ein Großteil der Menschen hat viel vom österreichischen System aus Besteuerung und sozialer Absicherung. „Obwohl die Steuerlast vor allem auf Arbeit, relativ hoch ist“, wie die Autoren betonen. Denn die Steuern zahlen vor allem Arbeitnehmer, Vermögen wird kaum besteuert – das Steuersystem tut nichts gegen die Ungleichheit an sich.

Man hält fest, dass „das österreichische Steuersystem kaum die Einkommensverteilung beeinflusst“.

Doch während die Einkommen der meisten Menschen real kaum wachsen, bleibt ihnen mehr Geld durch die öffentlichen Dienstleistungen und die Leistungen des Sozialstaats.

Immer noch keine gerechte Besteuerung

Auch die aktuelle schwarz-grüne Steuersenkung ändert am Ungleichgewicht bei der Einkommensverteilung nicht viel. Denn erst erst ab 11.000 Euro Jahreseinkommen erspart man sich überhaupt eine Abgabe. Das Maximalersparnis von 350 Euro im Jahr bekommen jene, die 18.000 oder mehr verdienen. Von der Steuergutschrift für Kleinstverdiener in der Höhe von 100 Euro profitiert ein Drittel aller Arbeitnehmer. Wer sehr wenig verdient, bekommt gerade einmal 100 Euro. Alle, die über 18.000 Euro verdienen, bekommen mehr als das Dreifache, nämlich 350 Euro.

Die SPÖ fordert eine Steuer auf Vermögen und Erbschaften ab einer Millionen. Das brächte 2 Milliarden Euro in die Staatskassen – jedes Jahr. Damit könnte man die staatliche Umverteilung, die die WU-Studie herausstreicht, voranbringen. In der Bevölkerung kommt der Vorschlag auf jeden Fall gut an. Es scheitert aber am Widerstand der ÖVP.

Einkommensverteilung Österreich
70 Prozent der Österreicher wollen eine faire Besteuerung von Vermögen.

Für mehr Gerechtigkeit müsste man nicht nur Vermögen, sondern auch Konzerne höher besteuern, erklärt der Ökonom Amony Gethin im KONTRAST-Interview. 1980 lag die Besteuerung von Unternehmen in Europa bei durchschnittlich 50 Prozent, heute liegt der Mittelwert bei ungefähr 25%. Natürlich besitzen die reicheren Teile der Bevölkerung die großen Unternehmen. Das heißt: Eine Steuersenkung für große Unternehmen nützt vor allem jenen, die am meisten besitzen. Gleichzeitig sinkt aber auch das Einkommen des Staates.

Ungleichheit bei Einkommensverteilung wächst exponentiell

Ohne Sozialleistungen verdienen 80 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher weniger als 50.000 Euro netto im Jahr. Das durchschnittliche Netto-Einkommen lag in Österreich 2016 bei 36.035 Euro, der Median, also das Einkommen in der Mitte der Verteilung, lag allerdings bei 26.999 Euro. Das weist auf einige Ausreißer nach oben hin, zeigt die Statistik. Hohe Einkommen verzerren das Durchschnittseinkommen nach oben. Während die Hälfte der Menschen nur 16.854 Euro Nettojahreseinkommen verdienten, bekam die obere Mittelschicht, also die Top 50 bis 90 Prozent der Verdiener, 38.790 Euro im Jahr aufs Konto. Bei den Top 10 Prozent findet sich ein Sprung auf 120.417 Euro.

„Interessanterweise verdient die obere Mittelschicht fast so viel wie das Durchschnittseinkommen der Gesamtbevölkerung. Im Gegensatz dazu erhält das top Zehntel eine um 3,3 Mal höheres Einkommen als die Gesamtbevölkerung“, halten die Studienautoren fest.

Während die eine Hälfte der österreichischen Bevölkerung gerade einmal ein Viertel des Netto-Gesamteinkommens verdient, streicht die obere Mittelschicht 40 bis 45 Prozent ein.

Ein Drittel des nationalen Netto-Einkommens teilen sich die reichsten zehn Prozent.

Wirtschaftskrisen entschärfen ungleiche Einkommensverteilung nicht

Dieses Verhältnis hat sich zwischen 2006 und 2012 leicht zum Besseren verschoben. Seit 2012 verschärft sich Ungleichheit aber sogar noch, denn der Anteil der Hälfte der Bevölkerung am Einkommenskuchen geht seither etwas zurück.

Die richtig große Ungleichheit beginnt aber weiter oben: In den oberen 20 Prozent wächst der Einkommensunterschied exponentiell. Während das höchste Fünftel 4,7 Mal so viel bekommt wie der Durchschnitt, verdient das einkommensstärkste Prozent gleich 10,8 mal so viel und damit doppelt so viel wie das zweitreichste Prozent.

Die Studie
Mithilfe von der Verbindung von Steuerdaten und Umfragedaten aus den Jahren 2004 bis 2016 stellten die Wissenschafter und Wissenschafterinnen fest: Für den Großteil der Österreicher stagnierte das reale Einkommen in den untersuchten zwölf Jahren. Junge Menschen unter 30 Jahren mussten deutliche Einkommensverluste hinnehmen. Die Finanzkrise hat die Ungleichheit der Einkommensverteilung zunächst verringert, seit 2012 stieg sie aber wieder leicht an. Kapitaleinkommen, also Einkommen aus Zinsen und Dividenden, sind stark konzentriert. Bei den Top-1 machen sie mehr als die Hälfte des Einkommens aus. Die einkommensstärksten 10 Prozent der österreichischen Bevölkerung verdienen mehr als das Dreifache des österreichischen Durchschnitts und siebenmal mehr als die einkommensschwächste Bevölkerungshälfte.

 

Parlament Das Thema "Verteilungsgerechtigkeit" im Parlament

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New York hat gewählt. Bei den Vorwahlen der Demokraten setzten sich progressive Kandidat:innen wie Claire Valdez, Brad Lander und Darializa Avila Chevalier gegen Establishment-Kandidat:innen durch. Die Sieger:innen sind Verbündete von Bürgermeister Zohran Mamdani und setzen wie er auf Themen wie leistbares Leben, Korruptionsbekämpfung und Frieden statt Kriegstreiberei. Die Wahlen gelten als Zeichen dafür, dass der Kurs des demokratischen Sozialisten Zohran Mamdani in New York und in den USA weiter an Einfluss gewinnt. Zitat: Demokratischer Sozialismus kann überall erfolgreich sein. Denn seien wir ehrlich: Es gibt in diesem Land nur eine wirkliche Mehrheit - und das ist die arbeitende Bevölkerung. Es ist höchste Zeit für eine Politik, die genau diese Mehrheit ins Zentrum stellt und sie nicht als Fußnote behandelt. Zohran Mamadani
New York hat gewählt. Bei den Vorwahlen der Demokraten setzten sich progressive Kandidat:innen wie Claire Valdez, Brad Lander und Darializa Avila Chevalier gegen Establishment-Kandidat:innen durch. Die Sieger:innen sind Verbündete von Bürgermeister Zohran Mamdani und setzen wie er auf Themen wie leistbares Leben, Korruptionsbekämpfung und Frieden statt Kriegstreiberei. Die Wahlen gelten als Zeichen dafür, dass der Kurs des demokratischen Sozialisten Zohran Mamdani in New York und in den USA weiter an Einfluss gewinnt. Zitat: Demokratischer Sozialismus kann überall erfolgreich sein. Denn seien wir ehrlich: Es gibt in diesem Land nur eine wirkliche Mehrheit - und das ist die arbeitende Bevölkerung. Es ist höchste Zeit für eine Politik, die genau diese Mehrheit ins Zentrum stellt und sie nicht als Fußnote behandelt. Zohran Mamadani

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