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ÖVP-Wirtschaftsbund fordert Arbeiten im „Teilkrankenstand“

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ÖVP-Wirtschaftsbund fordert Arbeiten im „Teilkrankenstand“

Alina Bachmayr-Heyda Alina Bachmayr-Heyda
in Gesundheit, Wirtschaft und Finanzen
Lesezeit:4 Minuten
9. Oktober 2020
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Im ersten Quartal 2020 gingen mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer in Österreich krank zur Arbeit. Der Druck am Arbeitsmarkt ist groß, viele Menschen ignorieren ihre Schmerzen und Beschwerden, um ihren Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Der ÖVP-Wirtschaftsbund fordert nun, dass Menschen auch im Krankenstand arbeiten dürfen.

Seit 1980 ist die Anzahl der Krankenstandstage pro Arbeitgeber kontinuierlich gesunken. Waren wir 1980 noch fast 18 volle Tage im Jahr krank, waren es 2009 elf Tage und 2019 sogar nur mehr 9,7 Tage. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 18,5 Tage. Doch der ÖVP ist das immer noch zu viel.

Kurt Egger, Generalsekretär des ÖVP-Wirtschaftsbundes (WB), fordert die Einführung eines „Teil-Krankenstandes“. Wer krank ist, soll trotzdem arbeiten, so der Vorschlag. „Wir kennen in Österreich nur die Möglichkeit, entweder krank oder gesund zu sein.“ Egger findet, dass es „auch etwas dazwischen“ gebe. Nicht jede Erkrankung müsse automatisch zum Krankenstand und damit zum Arbeitsausfall führen.

Willi Mernyi, Bundesgeschäftsführer der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) sieht in dem Vorstoß des WB einen Anschlag auf die Arbeitnehmerrechte.

„Mitten in der Corona-Krise darüber zu fantasieren, Menschen auch krank arbeiten zu lassen, ist ein hinterhältiger Anschlag auf die Gesundheit der ÖsterreicherInnen. Man will es offenbar eiskalt ausnützen, dass viele Menschen ohnehin von großen Sorgen geplagt werden, und sie massiv unter Druck setzen. Das lassen wir uns nicht gefallen.“

wegen Corona nicht im krankenstand, sondern arbeiten
Wer krank ist, soll sich im Krankenstand auskurieren, fordert der FSG.

Mit Gips ins Büro

„Es ist ein Unterschied, ob sich ein Dachdecker den Fuß verstaucht oder ein Büroangestellter einen ebenfalls verstauchten Fuß hat und damit durchaus am Schreibtisch sitzen und arbeiten kann und es vor allem will.“ Der WB-Generalsekretär betont die Freiwilligkeit der Teilarbeit: Will der Mitarbeiter trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung arbeiten, so soll das künftig mit ärztlicher Erlaubnis „jederzeit möglich sein“. In der Schweiz und in Schweden gibt es solche Modelle bereits.

FSG-Vorsitzender Rainer Wimmer bezweifelt die „Freiwilligkeit“: „Wie wird sichergestellt, dass in Betrieben kein Druck ausgeübt wird, trotz Krankheit zur Arbeit zu erscheinen?“ Auch das Argument, dass diese Teilarbeit nur nach Absprache mit dem Arzt erfolgen soll, sei fadenscheinig: „Wenn ArbeitnehmerInnen Angst um ihren Arbeitsplatz haben, besteht die Möglichkeit, dass sie beim Arzt Symptome herunterspielen oder ganz verschweigen, um ein entsprechendes Attest zu erhalten.“

Vormittags zur Therapie, abends zu Hause arbeiten

Egger hingegen glaubt, dass die „Teil-Arbeit“ dem Trend Einhalt gebietet, dass immer mehr Menschen krank zu Arbeit kommen: „Dienstnehmer können vormittags beispielsweise in Therapie gehen und abends arbeiten, wenn sie das wollen, und der Arzt das befürwortet.“ Das soll auch von zu Hause aus möglich sein.

Dabei arbeitet man gerade im Homeoffice noch mehr als sonst. Laut Forbes arbeiten wir in Europa im Homeoffice rund zwei Stunden mehr – jeden Tag. In den USA sind es sogar drei Stunden.

Krank zur Arbeit trotz Pandemie

Der steigende Druck am Arbeitsmarkt führte zu einem starken Rückgang der Krankenstände.

Laut einer Umfrage der AK gingen im ersten Quartal 2020 mehr als die Hälfte der Arbeitnehmern krank zur Arbeit.

In den ersten beiden Quartalen verzeichnet man durch die Corona-Krise einen noch nie da gewesenen Ausreißer nach oben, berichtete die Arbeiterkammer Oberösterreich. In der zweiten Jahreshälfte 2019 gingen bereits knapp unter 40 Prozent krank arbeiten. In den sechs Monaten darauf schoss der Wert auf 56 Prozent. Seit Juli liegt er wieder bei 32 Prozent. Es geht also immer noch ein Drittel aller Arbeitnehmer krank zur Arbeit.

Millionen Menschen sind seit Monaten in Kurzarbeit, viele bangen um ihren Job. Das bringt viele dazu, ihre Schmerzen und auch die Gefahr einer Ansteckung der Kollegen zu ignorieren. Das ist vor allem in Zeiten einer Pandemie ein unhaltbarer Zustand.

wegen Corona waren 50% nicht im krankenstand, sondern arbeiten
Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Österreich ging im ersten Halbjahr krank zur Arbeit statt in den Krankenstand.

Doch für die Experten der AK ist es nicht verwunderlich: Schon während der Wirtschaftskrise ab 2008 erschienen zwischen 37 und 45 Prozent der Arbeitnehmer krank in der Arbeit.

Die AK-Befragung ergibt, dass Drei Viertel der Beschäftigten 2020 Schmerzmittel nahmen, 14 Prozent auch Schlaf- oder Beruhigungsmittel, rund sechs Prozent greifen sogar zu leistungssteigernde Substanzen. Arbeitnehmer im Homeoffice mit Kindern und Arbeitslose zeigen einen besonders hohen Medikamentenkonsum auf.

Weniger Krankheiten seit März

In ganz Österreich sind die Krankenstände seit März um 30 Prozent gesunken. Das liegt auch an den verstärkten Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln: Das Robert-Koch-Institut gibt an, dass es diesen Frühling und Sommer weniger Erkältungen, Grippen und Magen-Darm-Infekte gab als sonst. Kindergärten und Schulen waren geschlossen, vor allem junge Menschen und Kinder steckten sich so nicht mit der Sommergrippe an. Außerdem gab es durch den Lockdown natürlich weniger Sport- oder Arbeitsweg-Unfällen.

Mernyi betont, dass die Entscheidung, ob jemand arbeitsfähig ist oder nicht, immer noch bei medizinischem Fachpersonal liegt: „Die ständigen Pauschalverdächtigungen gegenüber den arbeitenden Menschen machen mich langsam grantig. Es gibt hervorragende Mediziner, die in Österreich darüber entscheiden, ob ihre Patienten arbeiten können oder nicht.“

Industrie wünscht, ÖVP liefert

Es ist nicht das erste Mal, dass ÖVP-nahe Stakeholder am Recht auf Krankenstand kratzt. Bereits 2018 forderte die WKÖ, dass man mit einem gebrochenen Bein ins Büro kommt. Im gleichen Jahr wurde die sogenannte „Gold Plating“-Liste publik, eine Wunschliste der Industriellenvereinigung (IV) an die ÖVP.

Sie umfasste eine Reihe von Einschränkungen der Rechte von Österreichs Arbeitnehmern, unter anderem die Abschaffung der fünften Urlaubswoche. Auch der Mutterschutz stand infrage: Kündigungen sollten auch in der Karenz in „Ausnahmefällen“ möglich sein – etwa „im Rahmen einer Massenentlassung“ sollte auch für Schwangere und junge Mütter kein besonderer Schutz gelten. Die IV stritt einen Teil der Gold-Plating-Vorwürfe ab.

5. Urlaubswoche und Kündigungsschutz für Mütter: Diese 489 Standards sind der Industrie zu hoch

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12. Oktober 2020 08:24

Das Foto mit der halbnackten Frau im Bett empfinde ich als sexistisch und sollte entfernt werden.

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