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Lukas Resetarits über obszöne Managerboni, „unglaublich reaktionäre“ türkise Politik & Message-Control

Gerald Demmel Gerald Demmel
in Kultur
Lesezeit:6 Minuten
26. März 2021
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Die Ausschüttung von Bonuszahlungen für ManagerInnen von Konzernen, die kaum Steuern zahlen, aber zig Millionen an staatlicher Unterstützung erhalten, findet er obszön. Die Gehälter der „Message-Controller, die Verblödungs-Werbetexter der Basti-Bande und schmierige, gewissenlose Boulevard-Kreaturen“ sind ihm „viel zu hoch“. Die türkise Politik hält er für „unglaublich reaktionär“, unter der neuen ÖVP leiden vor allem MigrantInnen und Frauen. Nicht überrascht hat ihn, dass die Kurz-ÖVP die Anti-MigrantInnen-Propaganda der FPÖ übernommen hat. Lukas Resetarits im Interview.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Sie haben in mehreren Interviews gesagt, Sie würden die Bühne Zeit Ihres Lebens nicht mehr verlassen. Wie geht es Ihnen nach so vielen Tagen ohne Publikum?

Lukas Resetarits: Ich bin zwar keine unverbesserliche Rampensau, aber ich habe viel zu erzählen, formuliere gern meine Zweifel und bringe den Menschen im Auditorium unter Anwendung meines Schmähs Absurdes und Widersprüchliches in Politik und Gesellschaft zu Bewusstsein. Da beflügelt mich ein physisch anwesendes, zuhörendes und reagierendes Publikum schon deutlich mehr als ein leerer Saal.

Corona und Kunst: Gibt es genug Hilfen für die Künstlerinnen und Künstler? Was funktioniert, wo sehen Sie Bedarf für Hilfe und Unterstützung?

Lukas Resetarits: Das Staatssekretariat ist unter Frau Mayer endlich aktiv geworden. Es wurde einiges auf den Weg gebracht. In einem Klima, das von einer Regierung geschaffen wird, die wenn, dann nur „HOCHkultur“ wahrnimmt, und zwar nur als Werbeevent und Kunst ebenso wie Bildung im Grunde verachtet. (Am Markt vorbeiproduziert! Zitat: Aschbacher, horribile dictu)

Leider sind die „Kleinen“, die „working poor“, ohne die nix geht im Kulturbetrieb, wieder die Benachteiligten, weil sie in manche Schemata der Bürokratie nicht hineinpassen. Da ist noch viel mehr Phantasie und Solidarität auch seitens der Sozialpolitik erforderlich, um Elend zu vermeiden oder Härten abzumildern. Da ist die Sozialdemokratie gefordert! Diese KMUs und EPUs sind keine klassischen Unternehmen, sie sind in die unfreiwillige Unternehmerschaft gezwungen! Die WKO ist an dieser Klientel NICHT interessiert, des san „GRABLER“. Daher ist es die Aufgabe der Sozialdemokratie, sich dieser Menschen anzunehmen. Vielleicht könnte die große Zahl der Betroffenen als potentielle Wählerinnen und Wähler motivierend sein?

In Corona-Zeiten haben es nicht nur die Künstler schwer. Wem gehören Ihre Sorgen sonst in Zeiten wie diesen?

Lukas Resetarits: Es sind wieder die Frauen, die am meisten zu leisten und zu ertragen haben.

Trotz einiger Alibifrauen in der Regierung, die nicht nur nach ihrer Inkompetenz, sondern auch nach möglichst eiskalter Unsolidarität berufen wurden, ist die HERRschende türkise Politik unglaublich reaktionär, was das Thema Frauen betrifft. Ministerinnen wie Raab müssen ja eh keine Feministinnen sein, aber als Frauenministerin in den 20er Jahren des dritten Jahrtausends in die 1960er zurückzustreben ist bizarr.

Als hätte es die Reformen der 70er nie gegeben. What’s next? Schwangerschaftsabbruch kriminalisieren wie in Polen oder Deutschland? Der Applaus von den Balkonen der türkisgrünen Beletage für hackelnde Systemerhalterinnen wird deren Elend nicht mildern.

Die Unbarmherzigkeit der Regierenden erinnert an die Zwischenkriegszeit, als eine Vorläuferin der heutigen Frauenministerin, Frau Dollfuss, den Arbeiterinnen ein Rezept empfahl: Die Suppe aus Wursthaut!

Die slimfitte Basti-Schar in ihrer Bildungs- und Geschichtslosigkeit merkt nicht einmal in welcher „Tradition“ sie sich bewegt. Würde es aber wahrscheinlich eh OK finden.

In der Krise fällt der Begriff „systemrelevante Berufe“ oft: Welcher Beruf ist zu wenig honoriert – sowohl was Geld als auch Ansehen betrifft? Welcher zu hoch?

Österreichischer Kabarettpreis 2017 - Foto: Manfred Werner (Tsui) - CC by-sa 4.0
Österreichischer Kabarettpreis 2017 – Foto: Manfred Werner (Tsui) – CC by-sa 4.0

Lukas Resetarits: Alle Berufe, die mit einer zivilisierten Gesellschaft zu tun haben, sind systemrelevant. Das sind die Pflegenden, Schützenden, Rettenden, Künstlerischen, Verwaltenden, Denkenden, Liefernden, Zustellenden, Servierenden, Lehrenden, Erntenden, und, und und… Sie alle sind zu wenig honoriert, mit Geld und Ansehen. Applaudieren und Bussis schicken sind heuchlerische bis zynische Alibiaktionen.

VIEL ZU HOCH honoriert sind (mit 210 Mio??) die Message-Controller, die Verblödungs-Werbetexter der Basti-Bande und schmierige, gewissenlose Boulevard-Kreaturen!

Die Ausschüttung von Bonuszahlungen für CEOs von Riesenunternehmen, die kaum Steuern entrichten, aber zig Millionen an staatlicher Unterstützung erhalten, finde ich schlicht obszön.

Die soziale und wirtschaftliche Krise wird uns noch länger begleiten. Sie waren immer ein politisch engagierter Künstler. Machen Sie sich Gedanken über Alternativen? (Ist für Sie Arbeitszeitverkürzung ein Thema? Und eine Solidarabgabe für Superreiche bzw. Vermögenssteuern, Erbschaftssteuern?)

Lukas Resetarits: Nicht nur Arbeitszeitverkürzung sollte ein Zukunftsthema sein. Mindestens ebenso wichtig sind Vermögens- und Erbschaftssteuern, die es interessanterweise in unserem Nachbarland, der bekanntermaßen linkssozialistisch regierten Schweiz gibt. Auch eine Solidarabgabe wäre extrem wichtig, um die rollende Lawine der Umverteilung nach oben wenigstens etwas zu bremsen. Man müsste dem verlogenen Trend des Boulevards Paroli bieten und den Menschen klarmachen, dass ihnen nicht das Einfamilienhaus, die Wohnung und das Auto, sowie das Schrebergartenhäuschen der Erbtante entrissen wird. Sondern dass es darum geht, dass eine Multimillionenerbin wie Heidi Horten einen gerechten Teil des ihr zugefallenen Erbes an Steuern zu entrichten hat.

Sie sind Mitglied der Gesellschaft für politische Aufklärung. Warum ist es notwendig, sich für die „Förderung der Qualität der österreichischen Demokratie“ einzusetzen?

Lukas Resetarits: Es ist heute so, dass politische Bildung aus dem Unterricht offenbar zu verschwinden droht. Nach meiner Einschätzung müssten alle Regierungsmitglieder der herrschenden Koalition in dem Fach (zu meiner Zeit: Staatsbürgerkunde) politische Bildung einen „Fleck“ haben. Zitat aus einem meiner Programme:

Quizfrage im Ö-Quiz: Welche Staatsform hat Österreich? Antwort des Kandidaten, nach einigem Nachdenken: Keulenförmig!

Dieses „keulenförmige“ Unbewusstsein enthält auch KEINE Vorstellung, oder Ahnung von Demokratie. Diese Ignoranz birgt in sich die konkrete Gefahr der Zuwendung zu jeder Form von Totalitarismus. Aufklärung ist nötiger denn je!

Apropos Qualität der Demokratie. Die ÖVP ist vor allem die Partei der Wirtschaft und der Industrie, die Partei der Vermögenden und des Kapitals. Ergibt sich da nicht automatisch eine ständige Nähe zu einem eine-Hand-wäscht-die-andere System?

Lukas Resetarits: Das hat auch eine psychologische oder Gefühlskomponente, die vielen Menschen in Österreich innewohnend war oder ist. De derfn des ja, de ham des immer scho so gmacht. (Haselgruber, Geldübergaben, SPENDEN! um Politik (z.B. 12h Tag) zu beeinflussen) Natürlich hatten auch die Roten „Dreck am Stecken“, doch die moralischen Ansprüche an die Sozialdemokratie sind (ZU RECHT) höher angesetzt. Heute hält der Boulevard die Hand auf und erpresst die Politik. Geld her! Inserate her! Oder es gibt schlechte Presse von der schlechten Presse.

Obendrein kopiert die ÖVP nicht unerfolgreich die Migrations-Politik der FPÖ. Hat Sie das überrascht? Und was heißt das für den migrantischen Teil der österreichischen Bevölkerung?

Lukas Resetarits - Kein Abschied
Lukas Resetarits 2021 – Kein Abschied

Lukas Resetarits: Nein! Mit der Machtübernahme durch die Kurz-Partei, in beiden Farbkombinationen, war mir klar, was kommen würde. Die eiskalte Macht- und Propaganda-Message-Control-Truppe, die mit Hajekisten und Mei-Pochtler den Kanzlerbuben führt, musste sich natürlich vom rechten Grind ein Scherzl abschneiden und war auch erfolgreich damit. IBIZA, zumindest das, was derzeit davon bekannt ist (möglicherweise gibt es einige GIFTLN für die NVP drin), war das Beste, was der machtgeilen Silm-Fit-Bande passieren konnte.

Dann fehlte nur noch das passende Koalitionsopfer. Die Grünen, einige schon mit Koalitionserfahrung in den Bundesländern, waren ein willfähriges Kaninchen. Ich muss jetzt aber bewusst politische Persönlichkeiten wie Gewessler und Zadic (großer Respekt vor beiden) ausnehmen.

Der migrantische Teil der Bevölkerung ist in permanenter Geiselhaft von Kurz, Nehammer und Raab! HÄRTE muss gezeigt werden und wird gezeigt und angewendet, und wauma Hund braucht, dann nehma Hund beim Ooschiam von Kinda!

Das kommt gut an! Leider auch bei vielen Mitgliedern meiner Alterskohorte, die in einer Mischung aus schleichender Verblödung, auch durch den „Gratis“boulevard, Naturbledheit, Neid und Missgunst, sowie Heilandverehrung dem Kanzlerbuben gegenüber die Wählerbasis für künftige Machtspielchen zum Schaden des Landes bilden.

Die Resetarits-Geschwister sind allesamt erfolgreiche sozialpolitische Kommunikatoren. Sie und ihr Bruder Willi haben einst in der Proletenpassion mitgewirkt. Beide habt ihr später breitenwirksamere Formate kreiert, ihr habt ein Millionenpublikum angesprochen. War Massentauglichkeit, war ein großes Publikum Teil des künstlerischen, politischen Ziels?

Lukas Resetarits: Massentauglichkeit war vordergründig nie ein Ziel. Denn dann wäre von Anfang an alles spekulativ und kalkuliert gewesen. War es nicht. Die Breitenwirksamkeit ergab sich interessanterweise durch eher anspruchsvolle Werke wie die Proletenpassion oder Kooperationen wie Kabarett Keif/Schmetterlinge, Arenabesetzung.

In dem Klima der 70er gab es für anspruchsvollere Produktionen größeren Zuspruch als zuvor. Cafétheater, Dieter Haspel, Heinz R. Unger, Armin Thurnher, Franz Schuh und viele andere. Die Gründung des „Falter“, zeitgleich mit meinem ersten Programm „Rechts Mitte Links“. Und aus dem Klima heraus kam Zenker mit KOTTAN, inszeniert von Patzak. Und mit meiner Kottan-Rolle, die wir ja immer absurder, sprich: näher der Realität anlegten, kam auch das Interesse der „Massen“. Das heißt: Kottan brachte mir Menschen ins Kabarett, die zuvor um das „Politische“ einen großen Bogen gemacht hätten. Viele blieben wieder weg, aber nicht wenige blieben und bildeten den Grundstock für ein neues Publikum, das an „Unterhaltung mit Haltung“, an Schmäh mit inhaltlichem Background interessiert war und das Aufblühen einer satirischen Unterhaltungsszene ermöglichte.

Kann sich die politische Linke was abschauen von eurem Erfolg? Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung linken Organisationen und Akteuren raten? Wie gewinnt man die Herzen und Köpfe der Menschen?

Lukas Resetarits: Ja. Haltung, Ehrlichkeit im Sinne von: EHRLICHKEIT! Bleibt bei EUCH! Fegt doch all die Propagandafritzen -und fritzinnen weg, auch eure eigenen! Sykophanten, Spekulanten und narzisstische Soziopathen! Haut ihnen doch ihre Ignoranz, Bildungs- und Geschichtslosigkeit um die Ohren. Führt sie auf das Glatteis, das sie selbst produziert haben, zurück. Nehmt sie beim Wort, entlarvt sie in ihrer Inhaltslosigkeit, wendet Satire an, um sie zu verspotten, zu verhöhnen, ohne das aggressiv zu tun.

ZITIERT SIE NUR! Lasst ihre Worte und Taten nicht in Vergessenheit geraten! Lasst so unmodern, ja peinlich gewordene Begriffe wie Solidarität, Empathie, Rücksichtnahme, Gemeinsamkeit, Respekt, Menschlichkeit, nicht in Vergessenheit geraten und LASST SIE NICHT VON DER WERBUNG SCHÄNDEN! Weckt doch auf, was viele Menschen in sich spüren, dass PR und sogenannte „Communication“ weitgehend dumme Lüge ist.
Bleibts bei eich, reflektierts, denkts nach, lests! Ertüchtigt euren Geist! Gebildet sein, gscheit sein und empathisch und solidarisch bleiben und das auch sagen.

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Josef Eisner
Josef Eisner
27. März 2021 17:25

Der Herr Resetarits genießt meine Achtung, so klare gescheite Worte, diese Haltung! Ich wünsche mir, dass diese in der Bevölkerung auch die ihnen zustehende Resonanz finden täten!

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Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher

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Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher
Wolfgang Pucher war ein österreichischer Ordenspriester und Gründer der VinziWerke in Graz. Er setzte sich besonders für obdachlose und armutsbetroffene Menschen ein und schuf zahlreiche Einrichtungen, die ihnen Unterkunft, Essen und Unterstützung bieten. Mit großem persönlichem Einsatz machte er auf soziale Ungleichheit aufmerksam und forderte mehr Solidarität mit den Schwächsten. Seine Arbeit war geprägt von direkter Hilfe ohne große Bürokratie. Pucher wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod eine wichtige Stimme für soziale Gerechtigkeit. Zitat: Als gut situierter Bürger hat man kein Recht, an der Not anderer vorüberzugehen. Wolfgang Pucher

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