In der Corona-Pandemie hat sich die Kluft zwischen Arm und Reich so stark vergrößert wie noch nie. 99 Prozent aller Menschen haben heute weniger Einkommen als vor der Krise, aber die zehn reichsten Menschen der Welt konnten ihr Vermögen verdoppeln. 150 Millionen Menschen mehr sind von Armut betroffen. Vielen kostet diese enorme Ungleichheit sogar das Leben, wie der aktuelle Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam zeigt. Die Stimmen für eine Vermögensabgabe werden immer lauter.
Die zehn Reichsten sind jeden Tag um 1,3 Milliarden Dollar reicher geworden
Auf der ganzen Welt sind während der Pandemie Millionen von Menschen in die Armut abgerutscht, in der gleichen Zeit hat sich das Vermögen der reichsten Menschen verdoppelt. 500 Personen sind in den letzten beiden Jahren zu Milliardären geworden, alle 26 Stunden kommt ein neuer dazu. Das zeigt ein aktueller Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam. Gründe dafür gibt es einige: Als Eigentümer von Konzernen profitieren sie von der Arbeit zehntausender Beschäftigten, die zum Erfolg des Unternehmens und damit deren Privatvermögen beitragen. Sie können Vorteile ihrer Monopolstellung nutzen und sich mit Tricks und Gewinnverschiebungen vor Steuerzahlungen drücken. Die steigenden Aktienkurse und großzügige staatliche Corona-Hilfen tragen ebenfalls dazu bei. Auch große Erbschaften sind eine Möglichkeit, zu enormem Reichtum zu kommen.
Je weiter oben an der Spitze, desto stärker ist das Vermögen gestiegen. Das der zehn reichsten Menschen ist nahezu explodiert: Laut Oxfam ist etwa das Nettovermögen von Elon Musk während der Pandemie von 24,6 auf 294,2 Milliarden Dollar angestiegen, Bill Gates besitzt statt 98 Milliarden inzwischen 137,4 Milliarden Dollar. Die zehn reichsten Männer haben in den letzten 2 Jahren ihr Vermögen von 700 Milliarden auf 1,5 Billionen Dollar mehr als verdoppelt. Jede Sekunde sind sie also um 15.000 Dollar reicher geworden, jeden Tag um 1,3 Milliarden Dollar.
Das Vermögen der zehn reichsten Menschen der Welt ist größer als das BIP Spaniens, ein Land mit 47 Millionen Einwohnern. Diese zehn haben so viel Geld, dass Österreich damit für 7,5 Jahre die gesamten Staatsausgaben decken könnte.
„Für Milliardäre gleicht die Pandemie einem Goldrausch“, sagt Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland.
Gleichzeitig sind 150 Millionen Menschen in die Armut abgerutscht
Auf der anderen Seite sind 150 Millionen Menschen in die Armut abgerutscht, haben ihren Job verloren oder mussten aufgrund von Kurzarbeit Einkommensverluste hinnehmen. Die Einkommen von 99 Prozent aller Menschen weltweit sind gesunken. Oxfam errechnet, dass täglich 21.000 Menschen an der Ungleichheit sterben – weil ihnen der Zugang zu medizinischer Versorgung oder Nahrung fehlt, oder sie Opfer von Klimakatastrophen werden.
Zu den Verlierer:innen der Krise zählen auch überproportional viele Frauen, weil sie besonders stark von Einkommensverlusten betroffen sind. Auch in Österreich sind es oftmals Alleinerzieherinnen und Pensionistinnen, die in Armut leben. Insgesamt sind in Österreich die Haushaltseinkommen während der Pandemie gesunken bei gleichzeitigem Anstieg der Preise für Dinge des täglichen Lebens wie Strom/Gas, Lebensmittel, Miete oder Sprit.
Oxfam fordert: die zehn Reichsten sollen 99 Prozent ihrer Vermögenszuwächse abgeben
Angesichts dieser Zahlen fordert Oxfam eine 99-prozentige Sofort-Abgabe auf alle Vermögenszuwächse, die die zehn reichsten Menschen während der Pandemie verzeichnet haben.
Gabriela Bucher, Geschäftsführerin von Oxfam International, Foto: Twitter @Gabucher
Die Idee, dass Superreiche während oder nach Krisen eine einmalige Abgabe oder eine zeitlich begrenzte Steuer an den Staat zahlen, ist nicht neu. Deutschland hat etwa in den 1950er-Jahren mit dem „Lastenausgleichsgesetz“ eine 50-prozentige Abgabe auf Immobilien eingeführt. Diese Einmalzahlung konnte in Raten bezahlt werden und sollte jene entlasten, die finanziell vom Krieg geschädigt worden waren. England führte während des Ersten Weltkriegs eine 80-prozentige Steuer auf übermäßigen Gewinn ein („Excess Profits Duty“), damit Unternehmen nicht zu stark vom Krieg profitieren. Auch die USA hat ab 1917 immer wieder eine ähnliche Überschusssteuer mit bis zu 60 Prozent für Unternehmen mit besonders hohen Gewinnen eingeführt. Unter Präsident Roosevelt beschloss der Kongress für sehr hohe Einkommen zwischenzeitlich sogar einen Spitzensteuersatz von 94 Prozent.
Auch in Österreich sollen Superreiche ihren Beitrag leisten
In Österreich fordert Attac seit Beginn der Pandemie einen Corona-Lastenausgleich, wodurch die Reichsten sich mit einer einmaligen Abgabe an den Krisenkosten beteiligen sollen. Nach ihrem Modell sollen Superreiche gestaffelt zwischen 10 und 60 Prozent einmalig von ihrem Vermögen abgeben. Bei 5 Millionen Euro müssten 10 Prozent, ab einer Milliarde Euro je einmalig 60 Prozent bezahlt werden. Dem österreichischen Staat würde das 80 bis 90 Milliarden Euro bringen, womit ein großer Teil der Kosten der Corona-Krise gedeckt werden könnte. Über 15.500 Menschen haben diese Petition bereits unterschrieben.
In kaum einem anderen Land ist Vermögen so wenig besteuert wie in Österreich. Dazu zählen einmalige und wiederkehrende Steuern auf die Nutzung, das Eigentum oder die Übertragung von Vermögen.
„Das Fundament einer starken Demokratie ist ein gerechtes Steuersystem. Als Millionäre wissen wir, dass das derzeitige Steuersystem nicht gerecht ist“, schreiben sie in ihrem Appell an die Regierungen.
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Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, kritisiert in einer Videobotschaft die massiv gestiegenen globalen Militärausgaben. Diese belaufen sich mittlerweile auf 2,7 Billionen US-Dollar – das ist 13-mal so viel wie die weltweiten Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit.
Die Vereinten Nationen verweisen dabei auf einen aktuellen Bericht: Weniger als vier Prozent der weltweiten Militärausgaben – rund 93 Milliarden Dollar pro Jahr – wären ausreichend, um den Welthunger bis 2030 zu beenden.
Der Bericht zeigt auch die wirtschaftlichen Effekte unterschiedlicher Investitionen: Während eine Milliarde Dollar für Militär 11.200 Arbeitsplätze schafft, entstehen mit derselben Summe 26.700 Jobs im Bildungsbereich, 17.200 im Gesundheitswesen oder 16.800 im Bereich erneuerbare Energien.
„Es ist offensichtlich, dass die Welt über die Ressourcen verfügt, um Leben zu verbessern, den Planeten zu schützen und eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit zu sichern“, argumentiert Guterres. Sein Appell an politische Entscheidungsträger:innen für das Jahr 2026: „Entscheidet euch für Menschen und den Planeten – nicht für Schmerz.“ Zitat: Eine sicherere Welt beginnt damit, mehr Geld in den Kampf gegen Armut zu investieren anstatt in Kriege. Antonio Guterres
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Die Vereinten Nationen verweisen dabei auf einen aktuellen Bericht: Weniger als vier Prozent der weltweiten Militärausgaben – rund 93 Milliarden Dollar pro Jahr – wären ausreichend, um den Welthunger bis 2030 zu beenden.
Der Bericht zeigt auch die wirtschaftlichen Effekte unterschiedlicher Investitionen: Während eine Milliarde Dollar für Militär 11.200 Arbeitsplätze schafft, entstehen mit derselben Summe 26.700 Jobs im Bildungsbereich, 17.200 im Gesundheitswesen oder 16.800 im Bereich erneuerbare Energien.
„Es ist offensichtlich, dass die Welt über die Ressourcen verfügt, um Leben zu verbessern, den Planeten zu schützen und eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit zu sichern“, argumentiert Guterres. Sein Appell an politische Entscheidungsträger:innen für das Jahr 2026: „Entscheidet euch für Menschen und den Planeten – nicht für Schmerz.“ Zitat: Eine sicherere Welt beginnt damit, mehr Geld in den Kampf gegen Armut zu investieren anstatt in Kriege. Antonio Guterres
Ja, das ist leider die Welt.
Die die was ändern könnten interessiert es nicht.