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Interview: „Wir brauchen eine Utopie, die auf Freizeit aufbaut.“

Fabian Steinschaden Fabian Steinschaden
in Arbeit & Freizeit, Internationales, Video
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5. Mai 2018
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Die neuen Informationstechnologien bergen enorme Potentiale. Aber damit die technischen Möglichkeiten auch genutzt werden, braucht es politischen Druck. Der Journalist und Autor Paul Mason im Gespräch über die Informationstechnologie, die Kraft des Staates und das Ende der neoliberalen Ideologie.

 

Wie verändern gegenwärtig neue Technologien unsere Welt?

Die Informationstechnologie stellt die Wirtschaft vor eine große Herausforderung. Sie ist anders als alle Technologien zuvor. Sie wird den Kapitalismus nicht töten. Aber sie hindert ihn, sich in gewohnter  Weise weiterzuentwickeln. Das Wichtigste, was die Informationstechnologie macht, ist Dinge billiger zu machen. Die Herstellung von Dingen aller Art wird billiger – ob im Bereich der Information, der Flugtechnik oder beim Hausbau. Und damit gehen viele Probleme einher. Denn mit billigen Produkten macht man wenig Gewinn.

Wir können diese großartigen Technologien und ihre Möglichkeiten entweder nutzen oder eben auch nicht. Und der Kapitalismus will vieles nicht nutzen: billige Produkte, wenig Arbeit, vereinfachte Prozesse. Stattdessen entstehen Monopole, die unzählige Möglichkeiten ersticken. Die neuen Technologien sollen ihre Möglichkeiten entfalten können. Dafür müssen wir aber politisch kämpfen. Von alleine wird das nicht passieren.

 

Ihr neues Buch heißt Post-Kapitalismus. Was meinen Sie mit diesem Begriff?

Post-Kapitalismus ist eine Serie von „Zeros“, von Nullen: Null-Kohlenstoff, was sich aus den Klimawandel ergibt. Null-neue Rohstoffe, die wir der Erde entnehmen, sodass wir ein Maximum an Recycling betreiben müssen. Das ist alles möglich. Das ist nicht einmal eine soziale, sondern eine technische Frage. Aber dann ist da noch die Frage von Null-Arbeit – also so wenig Arbeit wie möglich – und ein Maximum an Freizeit. Und dann müssen die Dinge und Dienstleistungen so billig wie nur irgendwie möglich werden. Das wird technisch möglich sein, aber es muss auch politisch erkämpft werden.

Wir müssen Utopien, die auf Arbeit basieren, vergessen. Die Utopie, die wir kreieren müssen, muss auf Freizeit aufbauen.

 

Woher soll eine postkapitalistsiche Gesellschaft kommen?

Die Rolle des Staates ist hier sehr wichtig. Der Staat muss eben wie in den Anfängen des Kapitalismus agieren. Im frühen Kapitalismus sagten Fabrikbesitzer, dass es ohne Kinderarbeit nicht funktionieren wird. Der Staat sagte: „Nein, unsere Wirtschaft kann nicht auf dem Rücken von fünfjährigen Mädchen aufgebaut werden.“ Und die Unternehmer wehrten sich. Aber nachdem sich der Staat durchgesetzt hatte, passten sie sich an. Und wurden innovativ.

In anderen Worten: Der Staat hat den Kapitalismus erschaffen und stabilisiert. Das ist eine Wahrheit, die moderne Unternehmer nicht gerne hören. Aber: Regulierung und staatliche Intervention hat am Ende den erfolgreichen Kapitalismus im 19. Jahrhundert erschaffen. Unternehmer sind nicht dumm – im Gegenteil! Sie wissen, der Staat schafft Anreize für eine neue Form des wirtschaftlichen Verhaltens. Und das wird auch wieder so sein.

 

Wechseln wir auf die Ebene der Politik. Woher kommt die Welle des Rechtspopulismus?

Menschen brauchen Geschichten, an die sie glauben. Der Neoliberalismus hat aufgehört ihnen solche Geschichten zu liefern. Also haben sich die Menschen anderer Geschichten bedient, die sie schon kannten: Nationalismus, Ausgrenzung, Religion, Sexismus,… Wir stehen vor der Rückkehr all dieser alten Ideologien.

Das Establishment spielt mit dem Feuer, wenn es rechte Parteien und Bewegungen unterstützt. Und Mitte-Rechts Parteien, die denken, sie können dieses rechte Gedankengut absorbieren, indem sie selbst zur Rechten werden, spielen auch mit dem Feuer. In keinem Universum ist es für ein global agierendes High-Tech-Unternehmen klug, den Weg des Nationalismus und der Nostalgie zu gehen. Und in keinem Universum ist es für ein Land klug, in Zeiten der internationalen Vernetzung und des rasanten technischen Fortschrittes auf Nationalismus und Nostalgie zu setzen.

 

Wie soll man mit dem Rechtspopulismus umgehen?

Die Linke darf bei Rassismus, Ausgrenzung oder Sexismus keinen Kompromiss eingehen. Man muss dies in jeder Hinsicht zurückweisen. Und man muss die Anhänger der Rechtspopulisten vor die Wahl stellen: Wir – die politische Linke – stehen für gute Jobs, für Investitionen, Sozialpolitik, für bessere Bildungspolitik. Die Rechte zerstört den Sozialstaat. Wenn es euch wirklich wichtiger ist, dass wir keine Migranten im Land haben, dann seid ihr bei uns falsch. Ihr müsst euch entscheiden. Aber dann gibt es auch keinen Sozialstaat mehr.

 

Sie sind auch in der britischen Labour Party aktiv. Was kann die österreichische Sozialdemokratie der Labour Party lernen?

Es braucht ein neues Narrativ, eine neue Erzählung. Über Hoffnung, über Anstand. Die Werte der Arbeiterklasse, mit denen die Menschen aufgewachsen sind, sie müssen wieder zählen. Man darf nicht zulassen, dass diese Werte von den Rechten geraubt und für ihre eigenen Projekte missbraucht werden.

Der rhetorische Bruch mit dem alten System des Neoliberalismus ist sehr wichtig. Der Wohlfahrtstaat, den wir haben, muss verteidigt werden. Und man muss konkrete Forderungen aufstellen, die das Leben der Menschen sofort verbessern würden: mehr Bildung, bessere Wohnsituation oder ein effizienteres Gesundheitssystem.

Paul Mason war auf Einladung des Karl-Renner-Instituts in Wien. Das Video zur Veranstaltung „Im Dialog: Paul Mason und Christian Kern. Don’t worry, Capitalism is over.“ findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=H_ByVlBU1ZQ&t=32s

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Karl Stojka wurde 1931 in Wampersdorf in Niederösterreich geboren – als Sohn einer Lovara-Roma-Familie. Er wuchs reisend auf, lebte mit seiner Familie in Zelten und Wagen, bis das NS-Regime diese Lebensweise brutal beendete. 1943 wurde Stojka mit seiner Familie deportiert. Er überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Buchenwald und Flossenbürg. Viele seiner Angehörigen wurden ermordet. Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück und versuchte, sich ein neues Leben aufzubauen – in einem Land, das die Verfolgung der Roma lange verdrängte. Erst Jahrzehnte später begann Stojka, über seine Erfahrungen zu sprechen. Er wurde zu einer wichtigen Stimme der Erinnerung: als Zeitzeuge, als Aktivist und als Künstler. In seinen Bildern verarbeitete er das Erlebte – eindringlich und farbgewaltig, oft schmerzhaft direkt. Gleichzeitig engagierte er sich für die Anerkennung der Roma und Sinti als Opfer des Nationalsozialismus in Österreich. Karl Stojka wurde so zu einer zentralen Figur der österreichischen Erinnerungskultur. Zitat: Nicht Hitler, Göring, Goebbels, Himmler und wie sie alle heißen, haben mich verschleppt und geschlagen. Nein, es war der Schuster, der Nachbar, der Milchmann. Sie haben eine Uniform bekommen, eine Binde und eine Haube - und dann waren sie die Herrenrasse. Karl Stojka

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Karl Stojka wurde 1931 in Wampersdorf in Niederösterreich geboren – als Sohn einer Lovara-Roma-Familie. Er wuchs reisend auf, lebte mit seiner Familie in Zelten und Wagen, bis das NS-Regime diese Lebensweise brutal beendete. 1943 wurde Stojka mit seiner Familie deportiert. Er überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Buchenwald und Flossenbürg. Viele seiner Angehörigen wurden ermordet. Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück und versuchte, sich ein neues Leben aufzubauen – in einem Land, das die Verfolgung der Roma lange verdrängte. Erst Jahrzehnte später begann Stojka, über seine Erfahrungen zu sprechen. Er wurde zu einer wichtigen Stimme der Erinnerung: als Zeitzeuge, als Aktivist und als Künstler. In seinen Bildern verarbeitete er das Erlebte – eindringlich und farbgewaltig, oft schmerzhaft direkt. Gleichzeitig engagierte er sich für die Anerkennung der Roma und Sinti als Opfer des Nationalsozialismus in Österreich. Karl Stojka wurde so zu einer zentralen Figur der österreichischen Erinnerungskultur. Zitat: Nicht Hitler, Göring, Goebbels, Himmler und wie sie alle heißen, haben mich verschleppt und geschlagen. Nein, es war der Schuster, der Nachbar, der Milchmann. Sie haben eine Uniform bekommen, eine Binde und eine Haube - und dann waren sie die Herrenrasse. Karl Stojka
Karl Stojka wurde 1931 in Wampersdorf in Niederösterreich geboren – als Sohn einer Lovara-Roma-Familie. Er wuchs reisend auf, lebte mit seiner Familie in Zelten und Wagen, bis das NS-Regime diese Lebensweise brutal beendete. 1943 wurde Stojka mit seiner Familie deportiert. Er überlebte mehrere Konzentrationslager, darunter Auschwitz, Buchenwald und Flossenbürg. Viele seiner Angehörigen wurden ermordet. Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück und versuchte, sich ein neues Leben aufzubauen – in einem Land, das die Verfolgung der Roma lange verdrängte. Erst Jahrzehnte später begann Stojka, über seine Erfahrungen zu sprechen. Er wurde zu einer wichtigen Stimme der Erinnerung: als Zeitzeuge, als Aktivist und als Künstler. In seinen Bildern verarbeitete er das Erlebte – eindringlich und farbgewaltig, oft schmerzhaft direkt. Gleichzeitig engagierte er sich für die Anerkennung der Roma und Sinti als Opfer des Nationalsozialismus in Österreich. Karl Stojka wurde so zu einer zentralen Figur der österreichischen Erinnerungskultur. Zitat: Nicht Hitler, Göring, Goebbels, Himmler und wie sie alle heißen, haben mich verschleppt und geschlagen. Nein, es war der Schuster, der Nachbar, der Milchmann. Sie haben eine Uniform bekommen, eine Binde und eine Haube - und dann waren sie die Herrenrasse. Karl Stojka

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