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Problem Plastikmüll und Mikroplastik: So landet er im Meer und in der Nahrung von Mensch und Tier

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Marco Pühringer Marco Pühringer
in Umwelt & Klima, Video
Lesezeit:3 Minuten
24. Oktober 2018
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8300 Millionen Tonnen Plastik wurden seit 1950 erzeugt. Tendenz steigend. Das führt dazu, dass Plastikmüll im Meer und in Form von Mikroplastik auch auf unseren Tellern landet. Doch wie kommt das Plastik ins Meer? Global 2000 erklärt, wie das Problem zu lösen ist.

Seit den 1960er-Jahren hat sich der Plastikverbrauch verzwanzigfacht. Er liegt derzeit bei 322 Millionen Tonnen pro Jahr. Der Österreicher verbraucht durchschnittlich 34 kg pro Jahr. Nur ein Bruchteil davon wird recycelt, der Rest landet in der Umwelt. Dort bleibt er lang. So braucht eine Plastikflasche 450 Jahre, um sich vollständig zu zersetzten. Darum schwimmen in unseren Meeren bereits um die 150 Millionen Tonnen Plastikmüll.

Für Europa gibt es auch Zahlen, für was die verschiedenen Arten von Plastik Verwendung finden. 40 Prozent des Plastiks verarbeitet die Verpackungsindustrie, 20 Prozent wird im Baugewerbe verarbeitet, neun Prozent in den Autos und sechs Prozent in der Elektronikindustrie.

Wie kommt Plastikmüll ins Meer?

Wir kennen alle die Bilder der sogenannten Plastikmüllstrudel in den Ozeanen. 2017 wurde bei Chile eine schwimmende Plastik-Insel entdeckt, deren Fläche größer war als ganz Mexiko. Kürzlich sichtete ein Uboot am tiefsten Punkt der Erde – dem Marianengraben – ein Plastiksackerl. 11.000 Meter unter dem Meeresspiegel. Aber wie kommt das Plastik ins Meer?

Nicht wenig Müll und darunter viel Plastik gelant direkt durch Schiffe, die ihren Müll im Meer entsorgen oder durch Urlauber, die ihre Abfälle am Strand liegen lassen, in die Ozeane. Plastikmüll gelangt auch über Bäche und Flüsse ständig ins Meer.

Noch wenig erforscht: Mikroplastik

Daneben fließt ein fast unsichtbarer Plastikstrom ohne Unterbrechung Richtung Küsten: Der Strom aus Mikroplastik – also winzig kleine Plastikpartikel. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Mikroplastik. Primäres Mikroplastik wird industriell hergestellt und absichtlich Produkten wie Waschmitteln, Duschgels und  Wandfarben zugesetzt. Nach Verwendung dieser Produkte landen die kleinen Plastikpartikel z.B. über die Wasserleitungen in der Umwelt.

Sekundäres Mikroplastik entsteht durch den Zersetzungsprozess, beim Zerfall größerer Kunststoffteile durch die Einwirkung von Sonne, Wind und Wellen. Dabei werden mikroskopisch feine Partikel freigesetzt und gelangen in unser Ökosystem. Alleine in Europa gelangen Schätzungen der EU-Kommission zufolge jedes Jahr 75.000 bis 300.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt.

Verwendung finden dabei verschiedene Plastikarten wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), Polyethylenterephthalat (PET), Polyvinylchlorid (PVC), Polyamid (Nylon) oder Ethylenvinylacetat (EVA).

So kommt Mikroplastik in die Nahrung von Mensch und Tier

Mikroplastik findet man fast überall auf der Welt auch in unserer Nahrung. Sogar in Honig wurde bereits Mikroplastik nachgewiesen. Welche Folgen das für den Menschen hat, ist noch kaum erforscht. Bei Meereslebewesen ist man da schon weiter. Plastik wirkt wegen seiner Oberflächeneigenschaften wie ein Magnet auf Umweltgifte. Darum ist an jenen Stellen im Meer, wo man ein erhöhtes Mikroplastik-Vorkommen nachweisen kann, die Konzentration dieser Gifte hundermal höher als gewöhnlich.

Tiere nehmen dann direkt über die Nahrung oder indirekt über ihre Haut diese Plastikpartikel auf. Im Magendarmtrakt geben die Mikroplastik-Partikel dann die auf ihrer Oberfläche angereicherten Umweltgifte wieder ab. Die Auswirkungen auf die Meeresbewohner sind vielfältig. Studien verweisen auf Gewebeveränderungen bzw. Entzündungsreaktionen und toxikologische Auswirkungen, bis hin zu inneren Verletzungen und Todesfällen.

Mikroplastik im menschlichen Körper nachgewiesen

Im Oktober 2018 haben Wissenschafter der Med-Uni Wien zusammen mit Forschern des Umweltbundesamts nachgewiesen, dass Mikroplastik im menschlichen Darm ist und im Stuhl nachweisbar ist. „Mikroplastik ist definitiv ein neuer Umweltschadstoff“, sagt die Forscherin Bettina Liebmann. „Wir haben einen wissenschaftlichen Anfang gemacht. Welche Auswirkungen dieses Ergebnis auf die Gesundheit hat, werden Folgestudien zeigen“, kündigt Studienleiter Philipp Schwabl von der Med-Uni Wien an.

Was kann man dagegen tun?

Natürlich können wir allen unseren Plastikverbrauch reduzieren, indem man z.B. auf Einwegprodukte verzichtet. Weitere Tipps um Plastik zu vermeiden gibt es hier. Doch das kann das Problem nicht strukturell lösen. Wirkliche Verbesserungen kann es nur geben, wenn die Politik regulierend eingreift. So müssten Mehrwegsysteme gefördert und das Verwenden von Mikroplastik in Produkten verboten werden.

Konzerne in die Pflicht nehmen

Eine weitere Möglichkeit, um Plastikmüll zu reduzieren, wäre eine erweiterte Produzentenverantwortung. Unternehmen wären dadurch für die Entsorgung ihrer Produkte verantwortlich und müssten Aufklärungsmaßnahmen über die richtige Entsorgung ihrer Produkte setzten. Damit würde die Verwendung von langlebigen Plastikverpackungen auch zum Kostenfaktor für Unternehmen und diese hätten damit ein Interesse Plastik einzusparen, wo dies möglich ist.

Diese Konzerne erzeugen den meisten Plastikmüll. Plastik, Plastikverbrauch Österreich, Plastik im Meer, Mikroplastik

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