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Ausgelagert & benachteiligt: Die Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte müssen besser werden

Ausgelagert & benachteiligt: Die Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte müssen besser werden

Marco Pühringer Marco Pühringer
in Arbeit & Freizeit, Verteilungsgerechtigkeit
Lesezeit:4 Minuten
16. Juni 2021
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Kaum eine andere Berufsgruppe wurde so häufig aus dem eigenen Betrieb ausgelagert wie Reinigungskräfte. Sie arbeiten nicht mehr direkt für das Unternehmen, für das sie putzen und das hat fast immer negative Konsequenzen. Ihre Arbeitszeiten und ihr Gehalt wurden schlechter – ihre Arbeit unsichtbar. Jetzt bekommen sie nicht einmal den Corona-Bonus der Regierung, selbst wenn sie in Krankenhäusern putzten.

Man kommt in der Früh in ein sauberes Büro, geht um 17:00 und am nächsten Tag ist wie von Zauberhand der Müll entsorgt, die Toiletten sind geputzt und die Kaffeeküche zusammengeräumt. Die Reinigungskräfte, die diese Arbeit erledigen, sind meist nicht direkt beim Unternehmen angestellt. Und ihre Arbeitszeit wird von den Reinigungsunternehmen an den Tagesrand gedrängt. Nur 8 Prozent der Reinigungstätigkeiten finden während der üblichen Bürozeiten statt, zu denen auch die Angestellten im Büro sind – der Rest wird am frühen Morgen oder in der Nacht erledigt. Das führt auch dazu, dass die Angestellten die Reinigungskräfte gar nicht mehr kennen. Und wer die Menschen nie sieht, die das Büro putzen, interessiert sich nicht für sie. In der Folge können sie bei schlechten Löhnen und Arbeitsbedingungen auch nicht auf die Unterstützung von Kollegen und Kolleginnen zählen. Als die Reinigungskräfte noch Angestellte der Firma selbst waren und man ihnen untertags in der Küche oder am Gang begegnete, war das anders.

82 Prozent der Reinigungsleistungen sind ausgelagert

Der Trend, immer mehr Bereiche aus dem Unternehmen an Drittanbieter auszulagern, hat in den 70er Jahren begonnen. Was nicht zum Kerngeschäft gehörte, sollte bei anderen Unternehmen zugekauft werden. Schließlich ist das billiger und effizienter. Reinigungskräfte waren von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. Die Branche ist eine der am stärksten wachsenden in Europa. Der Umsatz hat sich laut dem Dachverband der Reinigungsbranche EFCI (European Federation of Cleaning Industries) von 1989 bis 2014 mehr als verfünffacht: von 12,8 auf 73,9 Milliarden Euro pro Jahr.

Die privatwirtschaftliche Reinigungsindustrie geht in Österreich davon aus, dass sie eine Marktdurchdringung von 82 Prozent erreicht hat. Das bedeutet: Die Reinigungsfirmen übernehmen die Reinigung in 8 von 10 Unternehmen. Dieser Wert ist in Österreich besonders hoch – in Europa liegen nur die Niederlande mit 85 Prozent darüber. Bei unserem Nachbarn Tschechien geht man etwa nur von 43 Prozent aus. Insgesamt waren 2019 – den Angaben von AK und WU zufolge – rund 75.900 Personen (inklusive Hausmeisterdienste) im Reinigungsgewerbe beschäftigt. Davon waren rund zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer. Viele davon haben einen Migrationshintergrund, nur rund 40 Prozent der Beschäftigten (32 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer) sind in Österreich geboren.

Niedriglöhne und schlechte Arbeitsbedingungen

Der Vorteil für die Unternehmen, die Reinigungskräfte auszulagern, liegt auf der Hand: Sie müssen keine Verantwortung mehr für die Einhaltung der Arbeitsbedingungen und die Höhe der Löhne tragen. Arbeitsrechtliche Bedenken sind nicht mehr ihre Angelegenheit. Für Reinigungstätigkeiten wurde ein Markt geschaffen, bei dem sich die Anbieter mit Niedrigstpreisen gegenseitig unterbieten. Die Konsequenzen: Reinigungskräfte brauchen deutlich öfter Rechtsberatung als Beschäftigte in anderen Branchen. Vier Prozent aller Rechtsberatungen wegen arbeitsrechtlichen Fragen entfallen auf Reinigungskräfte – obwohl sie nur 2 Prozent der Beschäftigten ausmachen. Auch die Gehälter sind schlecht. Sie sind zwar kollektivvertraglich geregelt, doch BüroreinigerInnen fallen in die niedrigste Lohnstufe. Die liegt mit einem brutto Stundenlohn von 8,98 Euro sogar unter der Niedriglohngrenze von 9,24 Euro. Die Sozialpartner gehen davon aus, dass zwischen 60 und 80 Prozent der Reinigungskräfte in diese niedrige Lohnstufe fallen.

75 Prozent geben an, dass ihr Gehalt nicht oder gerade noch ausreicht

Nach Daten des Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer zählt die Reinigung außerdem zu jenen Branchen in Österreich, in denen ein besonders hoher Anteil der Beschäftigten mit dem Einkommen nicht oder nur kaum auskommt. 16 Prozent der Reinigungskräfte geben an, dass ihr Einkommen nicht ausreicht, weitere 59 Prozent, dass es gerade ausreicht. Das liegt auch daran, dass in dieser Branche die Teilzeitquote mit 46 Prozent relativ hoch ist. Zum Vergleich: Insgesamt arbeiten in Österreich 29 Prozent aller unselbstständig Beschäftigten in Teilzeit.

Geteilte Dienste erhöhen Verletzungsgefahr

Gleichzeitig bedeutet eine Teilzeitanstellung nicht besonders viel Freizeit: Die Dienste liegen am Rand des Tages. Man fängt frühmorgens an, hat eine lange Pause und arbeitet abends weiter. Diese geteilten Dienste führen zu langen Wegstrecken bis zu viermal täglich. Auch darum arbeiten viele unfreiwillig in Teilzeit.

Durch die Arbeit am Rand des Tages werden die Reinigungskräfte für ihre KollegInnen unsichtbar. Das reduziert auch den sozialen Druck, die Kaffeeküche oder die Büros ordentlich zu halten. Gleichzeitig führt die Fragmentierung der Arbeit einer Studie zufolge zu einer höheren Verletzungsgefahr und fördert illegale Praktiken, wie eine falsche Lohneinstufung, nachteilige Stundenaufzeichnungen und unbezahlte Überstunden.

Reinigungsarbeit muss nicht unsichtbar sein

Das müsse aber nicht sein, betont Karin Sardadvar vom Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung der Wirtschaftsuniversität Wien (WU). Sie verweist auf das Beispiel Norwegen. Dort ist man in den vergangenen Jahrzehnten von einst geteilten Diensten an den Tagesrändern weitreichend zu einem hohen Anteil an durchgängigen Arbeitstagen zu den üblichen Geschäftszeiten übergegangen, berichtet die Soziologin.

„Heute ist es in Norwegen der Normalfall, dass Reinigungskräfte dann arbeiten, wenn auch die meisten anderen Beschäftigten ihrer Arbeit nachgehen – zu den Bürozeiten untertags“, so Sardadvar.

Für die Reinigungskräfte steigt dadurch die Lebensqualität, die Kundenunternehmen könnten direkt mit der Reinigungskraft kommunizieren und die Reinigungsunternehmen hätten es einfacher mit der Arbeitsorganisation, verweist Sardadvar auf die Vorteile der Tagreinigung

Arbeiterkammer und Gewerkschaft fordern 1.700 Euro Mindestlohn und 32 Stunden Woche

Ein ähnliches Modell fordern Arbeiterkammer und die Gewerkschaft vida in einer Aussendung anlässlich des „internationalen Tages der Gebäudereinigung“ am 15. Juni auch für Österreich. Zusätzlich verlangen sie einen Mindestlohn von 1.700 Euro, einen Mehrarbeitszuschlag von 50 Prozent ab der ersten Stunde sowie eine 32-Stunden-Woche. Auch eine andere Ungerechtigkeit will die Gewerkschaft vida beseitigen: Reinigungskräfte haben keinen Anspruch auf den Corona-Bonus der Regierung in Höhe von 500 Euro. In einer Aussendung der Frauenabteilung der Gewerkschaft kritisieren Olivia Janisch und Korinna Schumann „das mangelnde Gespür der Regierung für die echten Lebens- und Arbeitsrealitäten der Menschen“.

„Es ist ein Armutszeugnis, wenn die Regierung gerade den Reinigungskräften und anderen systemrelevanten Berufsgruppen wie etwa SanitäterInnen keinen Corona-Bonus ausbezahlen will“, so Schumann und Janisch.

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Markus Hamann
Markus Hamann
10. November 2025 17:53

Man sieht sie selten, aber ohne sie geht gar nichts. Bei uns im Büro ist eines der wenigen Unternehmen am Werk, das in der Branche überhaupt noch fair klingt. Weil das, was in dem Text beschrieben wird, ist halt nicht irgendwas. Das ist Alltag. Früh, spät, gesplittet, anonymisiert. Die Leute, die unsere Arbeitsplätze sauber halten, sind praktisch unsichtbar gemacht worden. Dabei wär’s doch so einfach: mehr Tagreinigung, bessere Sichtbarkeit, direkter Kontakt. Und ja, gerechte Löhne sowieso. Dass genau da gespart wird, wo Verantwortung und Einsatz sichtbar wären, sagt leider viel über die Strukturen. Blitzblank zeigt, dass’s auch anders geht. Nur: Es reicht nicht, wenn ein paar Betriebe’s besser machen. Das gehört zur Norm, nicht zur Ausnahme.

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Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, kritisiert in einer Videobotschaft die massiv gestiegenen globalen Militärausgaben. Diese belaufen sich mittlerweile auf 2,7 Billionen US-Dollar – das ist 13-mal so viel wie die weltweiten Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit. Die Vereinten Nationen verweisen dabei auf einen aktuellen Bericht: Weniger als vier Prozent der weltweiten Militärausgaben – rund 93 Milliarden Dollar pro Jahr – wären ausreichend, um den Welthunger bis 2030 zu beenden. Der Bericht zeigt auch die wirtschaftlichen Effekte unterschiedlicher Investitionen: Während eine Milliarde Dollar für Militär 11.200 Arbeitsplätze schafft, entstehen mit derselben Summe 26.700 Jobs im Bildungsbereich, 17.200 im Gesundheitswesen oder 16.800 im Bereich erneuerbare Energien. „Es ist offensichtlich, dass die Welt über die Ressourcen verfügt, um Leben zu verbessern, den Planeten zu schützen und eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit zu sichern“, argumentiert Guterres. Sein Appell an politische Entscheidungsträger:innen für das Jahr 2026: „Entscheidet euch für Menschen und den Planeten – nicht für Schmerz.“ Zitat: Eine sicherere Welt beginnt damit, mehr Geld in den Kampf gegen Armut zu investieren anstatt in Kriege. Antonio Guterres
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, kritisiert in einer Videobotschaft die massiv gestiegenen globalen Militärausgaben. Diese belaufen sich mittlerweile auf 2,7 Billionen US-Dollar – das ist 13-mal so viel wie die weltweiten Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit. Die Vereinten Nationen verweisen dabei auf einen aktuellen Bericht: Weniger als vier Prozent der weltweiten Militärausgaben – rund 93 Milliarden Dollar pro Jahr – wären ausreichend, um den Welthunger bis 2030 zu beenden. Der Bericht zeigt auch die wirtschaftlichen Effekte unterschiedlicher Investitionen: Während eine Milliarde Dollar für Militär 11.200 Arbeitsplätze schafft, entstehen mit derselben Summe 26.700 Jobs im Bildungsbereich, 17.200 im Gesundheitswesen oder 16.800 im Bereich erneuerbare Energien. „Es ist offensichtlich, dass die Welt über die Ressourcen verfügt, um Leben zu verbessern, den Planeten zu schützen und eine Zukunft in Frieden und Gerechtigkeit zu sichern“, argumentiert Guterres. Sein Appell an politische Entscheidungsträger:innen für das Jahr 2026: „Entscheidet euch für Menschen und den Planeten – nicht für Schmerz.“ Zitat: Eine sicherere Welt beginnt damit, mehr Geld in den Kampf gegen Armut zu investieren anstatt in Kriege. Antonio Guterres

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