Transparenz bei Großkonzernen

Konzerne und Superreiche prellen uns jedes Jahr um 1.000 Milliarden – ÖVP & konservative blockieren EU-Maßnahmen

Schelling, Löger (C) Finanzministerium/Bruckberger

Jeder ÖVP-Finanzminister hat bisher die in der EU die Regelung blockiert, wonach Großkonzerne ihre Steuern offenlegen müssen. Konzerne und Superreichen vermeiden Steuern im großen Stil. Jedes Jahr entgehen den EU-Mitgliedsstaaten 1.000 Milliarden Euro. Zum Glück hat das Parlament im freien Spiel der Kärfte beschlossen: Egal, wer österreichischer Finanzminister ist – er oder sie muss in Sachen EU-Steuerpolitik für Transparenz und gegen die Steuertricks der Multis stimmen. ÖVP und Neos stimmten dagegen.

Groß angelegte Steuervermeidung richtet enormen Schaden an. Multinationale Konzerne und Superreiche nutzen komplizierte Konstruktionen mit Steuersümpfen und anderen Schlupflöchern, um Milliarden aus den Gemeinwesen zu ziehen. Alleine in der EU macht der Schaden 1.000 Milliarden aus. 170 Milliarden davon könnte man leicht eintreiben – dazu müsste die EU nur ihre eigenen Steuersümpfe wie Luxemburg, Malta oder Irland trocken legen. Das zeigt eine neue Studie des Polish Economic Institute. Doch konservative Parteien wie die ÖVP blockierten alle Initiative, um dieses Problem anzugehen.

EU Steuerpolitik: Rasche Maßnahmen gegen Steuertricks

Im Jahr 2016 hat die EU-Kommission strengere Transparenzregeln für Großkonzerne vorgeschlagen. Ab einem Jahresumsatz von 750 Millionen Euro sollen Großkonzerne Umsatz, Gewinn, Mitarbeiterzahl und Steuerleistung pro Land auf ihrer Website veröffentlichen. So wird leicht einsehbar, ob Unternehmen auch dort ihre Steuern zahlen, wo sie Geschäfte machen. Betreffen würde das die 6.000 größten Konzerne weltweit – eben jene, die durch Gewinnverschiebung rund ein Drittel weniger Steuern zahlen als kleine und mittlere Betriebe.

Derzeit müssen die Multis diese Daten nur den Finanzbehörden melden – auch in Österreich. Da die Informationen aber von großem öffentlichen Interesse sind und auch Druck auf die Konzerne ausüben würden, wäre eine generelle Veröffentlichung wichtig.

„Öffentliche länderweise Finanzberichte sind ein entscheidender Hebel, um Steuervermeidung einzudämmen. Sie würden den öffentlichen Druck massiv erhöhen, dass Konzerngewinne tatsächlich dort besteuert werden, wo sie entstehen“, sagt David Walch von Attac Österreich.

ÖVP-Finanzminister gegen mehr Transparenz

Doch Österreichs Finanzminister blockierten den Beschluss von Anfang an. Das geht, weil Kommissionsbeschlüsse zu Steuerpolitik einstimmig gefällt werden müssen. Seit 2016 verhandeln die EU-Kommission und die Finanzminister der Länder deswegen über die Pflicht zur Offenlegung. Das Europäische Parlament ist mehrheitlich dafür –  wie auch die meisten Mitgliedsstaaten. Nur einige Länder wie Zypern, Luxemburg, Irland und eben auch Österreich unterstützen das Vorhaben nicht.

Die ÖVP-Minister Schelling und Löger haben die Steuertransparenz für Multis ebenso verhindert wie die Übergangsministerin Elisabeth Udolf-Strobl, die in den 90er Jahren im Kabinett von Wolfgang Schüssel arbeitete. Ende November scheiterte der Beschluss im Kampf gegen Steuerbetrug im EU-Rat für Wettbewerbsfähigkeit unter anderem auch an ihrer Stimme. Österreichs Ministerin hielt es wie ihre ÖVP-Vorgänger für „nicht sinnvoll, zusätzliche Regularien einzuführen.“ Ebenso hat Deutschland sich enthalten – auch hier waren es die Konservativen, die sich der Transparenz versperrten.

EU Steuerpolitik im österreichischen Parlament

Der Nationalrat tagt am 11. Dezember das letzte Mal dieses Jahr.

Parlament zwingt Minister zur mehr Steuertransparenz

Das österreichische Parlament hat im freien Spiel der Kräfte eingegriffen: Österreichs Minister müssen in Zukunft „Maßnahmen zur Steuergerechtigkeit auf europäischer Ebene forcieren“. Der SPÖ-Antrag wurde im EU-Hauptausschuss mit den Stimmen der Grünen und der FPÖ angenommen. Nur ÖVP und NEOs lehnen es ab, dass Österreich der Steueroffenlegung für Multis zustimmt. Doch sie haben keine Mehrheit. Das heißt: Österreichs Blockade im Kampf gegen Steuertrickser ist vorbei. Wer auch immer für Österreich in der EU abstimmt, muss den öffentlichen Berichten der Konzerne über Umsatz, Gewinn und Steuern pro Land zustimmen.

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Peter G.
Peter G.
16. Februar 2018 22:34

Wir haben offenbar nur noch Dreck an der Regierung sitzen. Ausbildungslose Taugenichtse, die offenbar bereit sind, zugunsten der reichen Dreckiten (Dreck+Eliten) den Ärmsten alles zu stehlen, sie zu berauben, den letzten Cent aus der Tasche zu nehmen, sodass man den anderen von x-Milliarden nicht womöglich ein paar Millionen an höheren Steuern abnehmen muss, um das größer werdende Leid aufzufangen, dass meistens von ebendiesen Dreckiten verursacht worden ist.

So sieht’s aus!
So sieht’s aus!
16. Februar 2018 23:20
Hanna
Hanna
Reply to  So sieht’s aus!
18. Februar 2018 04:33

Oha, wurde schon vor den Wahlen angefertigt! Ein Nostradamus?

Und noch einmal, weil’s so passend ist:
Und noch einmal, weil’s so passend ist:
23. März 2018 02:08

Woher kamen LÖGER und SCHELLING?
Aha!
Dann erklärt diesen dämlichen Wäh-
lern endlich einmal, dass sie sich vorher zu
interessieren haben, wen sie dort oben hi-
nein wählen.

Dafür ist die Recherche der vorherigen
Arbeitgeber leider unerlässlich. Nämlich
der, der von Großbetrieben, Banken od. von
Versicherungen kommt, wird niemals für die
Bürger (die Wähler) da sein, niemals!

Wer das nicht kapiert und begriffen hat,
dürfte über die Hauptschule nie hinaus-
gekommen sein, basta.

Katrin
Katrin
16. Februar 2018 20:30

https://spenden.sebastian-kurz.at/spende?am=10
Habe heute versucht einen Arschtritt für jeden Tag zu spenden: hat nicht funktioniert, was die Eltern offenbar vergessen haben, noch sehr, sehr freundlich nachzureichen.

So ein furz, jammerschade sozusagen.

Franz Pöschl
Franz Pöschl
14. März 2018 09:01

Endlich bringt die SPÖ dieses Thema zur Sprache. Solange sie in der Koalition war, war ihr Schweigen peinlich.

Zum Foto oben:
Zum Foto oben:
10. März 2018 00:01
Heiner, der Schellding
Heiner, der Schellding
Reply to  Zum Foto oben:
10. März 2018 00:04

ist doch nur Betriebswirtchen, dem darfst du Dummheit nicht eimal VORWERFEN! BWLer sind einfach nicht klüger, das liegt an der Natur
deren Ausbildung, nein: Verbildung!

Ach, der arme Mann, der nie wieder in die Politik
Ach, der arme Mann, der nie wieder in die Politik
Reply to  Heiner, der Schellding
12. März 2018 18:38

will.

Eher »Schnellding«: Schnell weg, wenn’s daran kommt, die Wahrheit zu vermeiden. Die Kenntnis dazu!

Hehe! Eine lustige Art das Wort „dumm“ zu
Hehe! Eine lustige Art das Wort „dumm“ zu
Reply to  Zum Foto oben:
12. März 2018 18:36

umschreiben

… und wie sie alle heißen, die klugen Leute in Österreich …

Andreas Wolf
Andreas Wolf
12. März 2018 22:16

Das Problem ist wieder einmal eines der Glaubwuerdigkeit: Kern hat behauptet (und nie widerrufen), dass die grossen gesellschaftlichen Fortschritte in Zusammenarbeit von Privatunternehmen und Staat stattfinden und dabei die Unternehmen des Silicon Valley ins Treffen geführt. Diese Unternehmen sind Spitzenreiter der Steuervermeidung.

A. M.
A. M.
21. Februar 2018 01:29

Schlimmer kann’s hoffentlich nimmer werden. Doch? Oh!

Der Löger
Der Löger
16. Februar 2018 20:33

ist dein Depp, der kann nicht helfen, der kann nur einfach tun lassen, was sie wollen. Weil mit dessen Unbildung, kann man bestenfalls einen handschriftlichen Legasthenikerbrief an seine Mutter verfassen, dass sie einem hülfe.

Und dieses Wegsehenmüssen wegen Unbildung und geistiger Dummheit macht das Verbrechen erst perfekt.

Aktive Arbeitslose
Aktive Arbeitslose
12. Dezember 2019 15:28

Und was sind die Sanktionen, wenn die Finanzminister sich nicht daran halten … ???

Das Geschäftsmodell
Das Geschäftsmodell
13. Dezember 2019 10:02

geht jetzt sowieso an GB, hehe.

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